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Celina Minor
Geschrieben von  Mandy Schur Mandy Schur Geschrieben,  01-03-2019 21:23 01-03-2019 21:23 79  Gelesen 79 Gelesen
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"Abgründe" Ein Liebesroman von Celina Minor.



Zu lange hat ES bestimmt, zu oft bin ich gegangen, um von vorn anzufangen. Noch einmal ganz von vorne beginnen - das war Luzias sehnlichster Wunsch, als sie in dem Nobelhotel in Gstaad bei Sabrina ankam. Vier Jahre sind seitdem vergangen. Die todkranke Sabrina wird bald von ihr gehen und sie mit Queenie und Herzjuwel zurücklassen. Ausgerechnet ihre einzige Liebe Noah begegnet ihr mit seiner Verlobten hier im Hotel.
Noah, erfolgreich, intelligent und sexy, ist der Einzige, bei dem Luzia die dunklen Gedanken vergessen konnte, die sie seit ihrer Jugend Nacht für Nacht wachhalten. Noah müsste wütend auf sie sein, doch er will sie noch immer!
Sie könnte in seinen Armen endlich zur Ruhe kommen, wenn da nicht ihr Geheimnis wäre…ES würde alles zerstören, sie muss Noah widerstehen.

ES würde nicht nur seine Familie ruinieren, sondern hätte auch katastrophalen Einfluss auf das Leben der Menschen, die sie bei ihrer überstürzten Abreise aus München zurückgelassen hat.
Ich habe nur ein Leben und es liegt in meinen Händen, was ich daraus mache!



Leseprobe:



Luzia – Finde ich endlich mal Ruhe?
„Mäßige deine Zunge Madame Luzia! Du wirst kein weiteres Mal so mit Kilian sprechen!“
Wie konnte ich mich nur gehen lassen und einen der wenigen Menschen, denen ich mein Herz geöffnet habe, in solch einem Ton gegenübertreten?
„Es tut mir leid Maria, ich habe mich völlig danebenbenommen. Natürlich steht es mir nicht zu, meine Meinung derart kund zu tun.“ Erschöpft sinken meine Schultern nach unten und ich senke reumütig den Kopf.
Ich habe Angst! Immer wenn ich mich Menschen geöffnet habe, wurden sie mir genommen oder ich musste sie zurücklassen, um größeres Unheil abzuwenden. Doch wo soll ich diesmal hin? Ich trage die Verantwortung für Queenie und meinen Herzjuwel.
„Hörst du uns überhaupt zu Luzia Satori?“ Ertappt hebe ich meinen Blick und verneine höflich.
„Deine Albträume sind wieder da stimmt‘s? Und die Übelkeit.“ Es wäre unfair, das vor Kilian und Maria Scherzinger abzustreiten. „Wir haben dir eine große Verantwortung aufgebürdet und du hast schließlich dein Leben noch vor dir, Lu. Wir werden das Hotel in gute Hände geben, somit bleibt Lea ihr Erbe und ihr habt ein angenehmes Auskommen. Du solltest mit ihnen reisen, neue Menschen kennenlernen und einen Mann an deine Seite lassen. Die Verantwortung für das Hotel wird nicht länger auf deinen Schultern lasten.“
„Aber es ist Sabrinas Wille und ich schaffe das wirklich! Und gemeinsam mit euch ist das doch kein Problem.“ Kilians Augen zeugen von großer Achtung und Dankbarkeit, in denen von Maria hingegen steht Besorgnis.
Ich atme tief durch und bemerke die Müdigkeit in meinen Knochen. „Die Gespräche mit Sabrina fehlen mir.“ Ungewollt kullern drei Tränen aus meinem linken Auge und undamenhaft schniefe ich weitere weg.
„Du weißt, ihr Ende kommt unaufhaltsam, Lu.“ Maria steht neben meinem Stuhl und legt tröstend ihre Hände auf meine Schultern. Ich will dieses Ende nicht, nicht schon wieder ein Abschied, eine Trennung für immer!
Ich muss mich zusammenreißen, Kilian und Maria haben Schlimmeres durchlebt, von ihnen darf ich kein Mitleid einfordern.
„Ich möchte, dass Queenie ihr Erbe mit ihrem 21. Lebensjahr antritt, so wie es sich ihre Mutter Sabrina wünscht.“
„Das wird sie, Kindchen. Nächste Woche kommen die ausgewählten Kandidaten und ich möchte, dass du sie in gewohnter Art und Weise als Gäste unseres Grandhotels entsprechend ehrwürdig behandelst.“
„Ja werde ich natürlich, versprochen.“
„Kilian und ich werden nicht ewig auf dieser Erde verweilen, schließlich sind wir beide über 70 Jahre alt.“
Genau das sieht man euch keinesfalls an. Die beiden sehen eher aus wie Mittfünfziger.
„Ich werde Queenie holen und Sabrina besuchen.“
Die erdrückende Last auf meinen Schultern verstärkt sich bei der Tatsache, dass Queenie bald ihre geliebte Mama verliert und, noch bevor sie eine erwachsene Frau sein wird, auch ihre Urgroßeltern. Die Großeltern sind auf tragische Weise vor vielen Jahren ums Leben gekommen. Doch darüber spricht man in diesem Hotel nicht einmal hinter vorgehaltener Hand, eine Grauzone, absolutes Tabuthema!
„Hi Sabrina, müde?“ Wenn auch ihr Mund keine Worte mehr ausspucken kann, in ihren Augen lese ich Freude und Liebe. „Mama, sieh mal ich habe dir ein Bild gemalt. Siehst du den Engel auf der Wolke? Er ist bei dir, du bist nie allein.“ Mir schnürt es die Luft ab und mein verdammter Magen rebelliert. Herzjuwel schläft zum Glück, sonst würde er bei meinem Gefühlschaos anfangen zu weinen. „Ich habe Lu und du hast den Engel und so ist keiner allein, stimmt‘s Lu?“
Ich nicke Lea zu und streiche über ihr seidenes einmalig brondes Haar. Lea ist ihrer Mutter aus dem Gesicht geschnitten, nur der seltene Farbton ihrer Haare und die blau-grünen Augen weisen auf eine weitere Person bei ihrer Zeugung hin.
Sabrina zog es vor, den Vater zu verheimlichen und sollte sie es in keiner schriftlichen Form hinterlassen haben, wird sie ihr Geheimnis mit ins Grab nehmen. Während ihres Studiums in München hatte sie sich in einen verrückten Mitbewohner der WG verknallt. Dessen älterer Bruder zog vorübergehend ein und sie begann ein Verhältnis mit ihm. An dem Tag, als sie ihre Schwangerschaft vom Gynäkologen bestätigen ließ, kam ihr Freund hinter das Dreierverhältnis und rastete aus. Sabrina schmiss ihr Studium und kehrte fluchtartig nach Gstaad in ihre Heimat und zu ihren Großeltern zurück. Kilian und Maria nahmen sie ohne Wenn und Aber herzlich auf.
„Lu? Mama schläft, komm wir gehen.“
„Ja Queenie, willst du heute Schlittenfahren?“
„Mit Niklas und dir?“
„Ja, falls der Langschläfer endlich mal munter wird.“

Seit ich mit Sabrina keine Unterhaltungen mehr führen kann, träume ich diesen abscheulichen Mist wieder und da ich Angst vor der Fortsetzung habe, bleibe ich nach dem ersten Aufschrei wach. Entsprechend zerstreut fühle ich mich tagsüber, meist lege ich mich mittags mit Herzjuwel hin und hole ein wenig vom versäumten Nachtschlaf nach.
Mein Sohn schläft noch. Ich liege auf dem Balkon unserer privaten Suite und lasse mir die wärmende Frühlingssonne ins Gesicht scheinen.
Sabrina nimmt unsere Anwesenheit kaum noch war, ohne den Sauerstoff wäre sie längst heimtückisch und schleichend erstickt.
Sie fehlt mir, dank ihr hat ironischerweise mein eigenes Dasein einen Sinn bekommen. Ohne Sabrina und Queenie Lea hätte ich mein eigenes Schicksal niemals ertragen können. Vor sechs Monaten hat sie mir das alleinige Sorgerecht für ihre Tochter übertragen, natürlich gibt es eine Armada an Anwälten und Treuhändern, welche Leas Vermögen schützen, aber für ihr persönliches Wohl bin allein ich zuständig. Wenn ihre Urgroßeltern sterben, wird es keinen entfernten Verwandten möglich sein, mir Lea wegzunehmen.

Mittlerweile habe ich mich mit dem Thema neuer CEO fürs Grandhotel angefreundet, so bleibt mir für Queenie und Herzjuwel zukünftig viel mehr Zeit. Der Gedanke, für meine Kinder ein Kindermädchen zu suchen, behagt mir in keiner Weise und es legt sich die eisige Kälte meiner eigenen Kindheit um mein Herz. Es reicht, wenn sich stundenweise eine unserer hauseigenen Kinderbetreuerinnen um die zwei kümmert, wenn Oma Maria und ich gleichzeitig beschäftigt sind.
Mein Telefon piept und holt mich aus meinen trüben Gedanken. „Ma’am, bitte entschuldigen Sie, ein Gast hat sich beschwert und möchte jemanden aus der Geschäftsführung sprechen. Ich sagte ihm bereits die Scherzingers sind heute außer Haus und nur die junge Madame ist anwesend.“ Die junge Madame, so nennen mich die Angestellten. Sabrina persönlich hat mir diesen Titel eingebrockt.
„Ist schon gut, ich bin auf dem Weg. Schick mir bitte Claudia, Niklas schläft und Lea spielt in ihrem Zimmer.“
Ich informiere Lea und auf dem Weg zur Rezeption, höre ich mir die vorgetragene Beschwerde an und erfahre, dass ich die Herrschaften auf der La Grande Terrasse finden werde.
Die Gäste lieben unser traditionsreiches Haus und seinen Luxus. Internationales hochkarätiges Publikum verkehrt in dem kleinen Bauerndorf und genießt in jeder Hinsicht Diskretion. Das Personal liest den Gästen ihre Wünsche von den Augen ab und Beschwerden oder Reklamationen sind eher eine Seltenheit, hauptsächlich von Neureichen oder aufgeblasenen Möchtegern Reichen.
Über das Le Grand Restaurant gelange ich zur Terrasse, ich liebe es. Seit der Komplettrenovierung im letzten Herbst erstrahlt es in einem luxuriösen, eleganten Design. Die alten Kronleuchter und die, mit rotem samt überzogenen, Stühle verleihen dem Raum einen besonderen Flair.
Normal freue ich mich auf den wunderschönen Ausblick über den noch schneebedeckten Garten und das atemberaubende Panorama der umliegenden Bergwelt.
Heute läuft mir ein altbekannter aber in Vergessenheit geratene Schauer über meinen Rücken, schon von Weitem vernehme ich die empörte Stimme der Frau, die angeblich während der Deep Tissue Massage an der Schulter verletzt wurde. Vielleicht hätte sie sich vorher über ihre tieferliegenden Verspannungen in dem Bereich aufklären lassen sollen.
Also gut, nochmals tief durchatmen, den Schauer im Rücken abschütteln, er passt wahrlich nicht zu dem Moment und meine Erschöpfung verdrängen.
Für dieses Kaliber von Frau benötige ich straffe Schultern und einen festen Blick.
„Sir, Ma’am .“
Monsieur zieht es vor, sich hinter einer Zeitung zu verstecken, während seine Verlobte wie eine Furie zu mir herumwirbelt.
Nein! Nein! Und nochmals nein!
Wen hat sich die heuchlerische Amanda gekrallt, um bei uns Urlaub zu machen? Hoffentlich erkennt sie mich nicht, sie war schließlich früher schon eine oberflächliche Kreatur. Ich setze ein gespieltes Lächeln auf und öffne meine Lippen um einen versöhnlichen Satz hervorzubringen, als neben mir Monsieur die Zeitung sinken lässt und sich der Schauer im Nacken über meinen ganzen Körper ausbreitet.
„Lu? Lu? Du? Luzia!“ Haucht eine mir sehr bekannte männliche, früher unglaublich sexy raue Stimme. Unsere Blicke treffen sich und schmettern Stromschläge in meine Blutbahn. Unfähig nur ein vernünftiges Wort zu äußern, drehe ich mich auf meinen Pfennigabsätzen um und renne davon. Von einem der Restauranttische schnappe ich mir eine cremefarbene Stoffserviette, bevor sich der erste Schwall meines Mageninhaltes über den teuren Holzboden ergießt. Warum holt mich ausgerechnet der Teil meiner verdrängten Vergangenheit jetzt hier an diesem Ort, meinem Zuhause ein? Von den alten Gefühlen überrollt, steuere ich die Personaltoilette neben der Rezeption an.
Oh Gott, so viel hatte ich doch gar nicht gegessen. Hustend würgend und keuchend versuche, ich mich zu beruhigen. Luzia Satori, du bist niemandem Rechenschaft schuldig, er will dich nicht mehr, sonst hätte er dich aufgehalten oder wäre dir gefolgt. Du kannst ihm aus dem Weg gehen, seine Aufenthaltsdauer ist begrenzt und sicher kommt er kein weiteres Mal in dieses Hotel.
Klopfgeräusche reißen mich aus meiner mühsam aufgebauten hoffnungsvollen Gedankenblase.
„Lu? Luzia, bitte mach auf.“ Er ist da ...
Der nächste Schwall ist nur noch bittere Galle und meine über Jahre verdrängte Sehnsucht fällt in Form von einem Tränenstrom aus mir raus.
„Lu, bitte. Du erbrichst immer noch, wenn du in Panik gerätst? Lu, mach die Tür auf, bitte, ich will dir nur helfen dich zu beruhigen.“
Nein, nein, nein, das will ich aber nicht! „Verschwinde Noah, verschwinde!“ Fast hysterisch springen die Worte über meine Lippen. „Nimm sie und suche dir ein anderes Hotel!“ Diesem Kerl hatte ich mein Herz geschenkt und die Umstände haben mich von ihm wegkatapultiert, für immer und nie mehr reparabel.
„Mach auf Lu!“ Ich gleite innen an der Tür nach unten und höre, wie er es mir außen gleichtut. „Lu bitte!“
Der nächste Guss Galle landet im Becken und es brennt in meiner Speiseröhre.
„Sag etwas Lu. Geht es dir besser?“
Ich will seine besorgte Stimme nicht hören. Sie bewirkt ein Chaos in mir und mein Herz liegt wieder mal wie von einer Granate zerfetzt vor meinen Füßen.
„Geh bitte und vergiss was du gesehen hast“, rede ich mit zitternder Stimme.
„Würde ich gern Lu.“ Stößt er zornig aus und im nächsten Moment wird seine Stimme liebevoll und verzweifelt traurig. „Ich wollte dir nie mehr begegnen und wenn, dann solltest du meine Wut zu spüren bekommen.“
Ja, das habe ich wohl nach seiner Auffassung verdient. „Klingt gut, Lebewohl.“
Er erhebt sich und ich möchte einfach nur weg, hoch in unseren privaten Bereich.
Als ich mir sicher bin, er wäre gegangen, öffne ich die Tür und steuere auf wackligen Beinen das Waschbecken an. Ich erschrecke beim Anblick meines Spiegelbildes, hoffentlich reicht klares kaltes Wasser. Queenie und Herzjuwel sollten mich so nicht sehen.
„Warum?“
Ich zucke zusammen, Noah steht im Eck und beobachtet mich. „Es war und ist für alle Beteiligten das Beste.“ Mein Ton ist fest und mit einer eisigen Note untermalt.
„Nils hasst dich abgrundtief.“
„Verstehe ich… Wie geht es Selina?“
„Besser, sie ist die einzige, die dich in Schutz genommen hat.“ Ja zwischen Selina und mir ist eine tiefe Verbundenheit und sie kennt mich. Sie weiß, dass ich sie nicht ohne triftigen Grund im Stich gelassen habe.
Zu schwach, um mich auf meinen Beinen halten zu können, stütze ich mich mit dem Arm auf dem Rand des Waschbeckens ab. Noah hat eines der Erfrischungstücher aus der Box gezogen und es mir in meinen Nacken gelegt. Das kribbelnde Gefühl und der Geruch von Zitrone beleben endlich meine Sinne. Amanda schimpft im Flur und wird vermutlich vom Personal am Eintreten gehindert.
„Du bist mit ihr verlobt?“ Ausgerechnet die geldgierigste und verlogenste aus unserer Clique hat er sich geschnappt. „Glückwunsch!“, antworte ich aus Höflichkeit auf sein zustimmendes Nicken.
Der alarmierende Piepton an meinem Hoteltelefon, welches ich immer bei mir trage, verrät, dass ich bei Sabrina sein sollte.
„Alles Gute, ich muss.“
Seine Hand hält noch immer das kühlende Tuch in meinem Nacken und seine Augen gleiten an mir auf und ab. Unsere Blicke treffen sich ein letztes Mal im Spiegel. Der Alarm wird lauter und ich renne zur Tür, vorbei an der heuchlerischen Amanda und weiter zum Aufzug.
Sabrina! Bitte lieber Gott, lass es ihr gut gehen.