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Celina Minor
Geschrieben von  Mandy Schur Mandy Schur Geschrieben,  01-03-2019 21:29 01-03-2019 21:29 66  Gelesen 66 Gelesen
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"Sehnsuchtsflüstern" Band 1 des romantischen Zweiteilers von Celina Minor.



Loreen Ahland, eine 38-jährige Witwe, eigensinnig und überzeugt nie wieder einen Mann lieben zu können. Für andere ist sie immer stark, aber selbst nimmt sie keine Hilfe in Anspruch. Nach der Zufallsbegegnung mit dem berühmten, ihr unbekannten Jason P. Wolter lässt sie sich auf eine gewagte und herzschmerzende Abenteuerreise ein.

Hin und her gerissen zwischen Gefühlen und Verstand begegnet sie ihren Schwächen und dem unerbitterlichen Drang, ihren tiefen Gefühlen endlich nachzugeben und somit einen neuen Weg ins Glück zu bestreiten....



Leseprobe:



Kapitel 1



Es war eine Schnapsidee, allein hierher zu kommen.
„Es tut mir leid, Frau Ahland, bei der Buchung ist etwas schiefgelaufen. Wissen Sie, diese Woche findet die Berlinale statt und Ihre Suite wurde für Jahre im Voraus reserviert. Sie reisen allein, wir haben für Sie stattdessen ein Grand King Zimmer. Selbstverständlich bekommen Sie die bereits gezahlte Differenz erstattet und natürlich dürfen Sie den Club für Suite-Gäste nutzen“, schleimt mir die Dame an der Rezeption vor.
Das bringt mir leider nichts, aber was habe ich denn erwartet? Dass Michael in der Suite steht und sagt: „Hey Honey, ich bin wieder da.“?
Mich quält seit einem Jahr die Frage, warum Michael für diese Tage ein Hotelzimmer in Berlin gebucht hat. Ausgerechnet Michael, der nie eine Reise für uns organisiert hat, und warum Berlin? Wenn, dann sind wir doch immer in die Berge gefahren. Ich hasse Städtetrips und bin immer froh, wenn ich von meinen Geschäftsreisen schnell wieder daheim bin.
Nun sitze ich in einem Minizimmer, in dem gerade mal ein Doppelbett Platz findet. Okay, der begehbare Kleiderschrank, das Luxusbad und die Aussicht auf den Potsdamer Platz werten das Ganze etwas auf.
Anita – meine beste Freundin – wollte eigentlich mitfahren, doch ihre Jüngste ist krank geworden und ich habe meinen Kindern versprechen müssen, dass ich dieses Wochenende etwas unternehme.
Michael würde es ebenfalls nicht gefallen, wenn ich mit einer Trauermine und verheulten Augen herumliefe, er mochte mein strahlendes, freches Lächeln …

Es ist vierzehn Uhr, ich sitze auf diesem Hotelbett und der Tag ist noch lang. Das Hotel ist übervoll mit Promis und ihren Lakaien. Davor tummeln sich Paparazzi und jede Menge Fans.
Ich suche meine Sportklamotten und mache mich auf den Weg ins hoteleigene Fitnesscenter.
Im Aufzug schweifen meine Gedanken ab. Michael würde mich an die Wand des Aufzugs drücken und mich küssen, mir unter die Wäsche gehen und sich zum 3.566.999-zigsten Mal in mich verlieben.  
Nur, ich bin allein, meine Augen werden feucht und als sich die Tür öffnet, will ich schnell weg.
In meiner Eile achte ich nicht darauf, wo ich hinlaufe und pralle mit voller Wucht gegen einen menschlichen Körper. Ein dumpfer Schlag, ein mir sehr bekannter, dominanter und sinnlicher Duft eines ganz bestimmten maskulinen Parfums steigt mir in die Nase. Als nächstes liege ich mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden des Flurs, rechts und links niedergedrückt von Händen, so groß wie Mittagsteller und schmerzhaft stark wie die Pranken eines Löwen. Ein weiterer Hüne steht schützend vor meinem vermeintlichen Opfer, in das ich hineingerannt bin. Ich fluche und stottere eine Entschuldigung.
„Bitte lassen Sie die Dame los!“, ruft eine unbekannte Stimme mit amerikanischem Akzent hinter dem Hünen hervor.
Unsanft werde ich hochgezogen und von oben bis unten nach Waffen abgetastet. Mister Unbekannt sieht die Schuld allerdings eindeutig bei sich.
Ich gebe auf, dieser Riese bleibt uneinsichtig und mein Englisch ist bescheiden.
„Miss, ähm, darf ich Sie auf einen Kaffee einladen?“, erkundigt sich der fremde Amerikaner.
„Nein, danke, ich bin gerade auf dem Weg, J.F. Kennedy zu ermorden. Ich denke, Sie werden liebend gern auf meine Gesellschaft verzichten.“
Oh Gott, was schwafle ich bloß für einen Müll. Mister Unbekannt versteht deutsch und findet meine Worte offenbar lustig, zumindest lacht er herzhaft.
„Bitte, Madam, Sie brechen mir das Herz, wenn Sie mich jetzt allein lassen.“
Genau! Ich und eine Herzensbrecherin …
Der Typ weiß wohl nicht, wie ich drauf bin.

Im Club Café bekommen wir eine gemütliche Ecknische, wo uns außer seinen brutalen Begleitern keiner beobachten kann.
„Entschuldigen Sie nochmals, ich bin Jason, nett, Sie kennenzulernen.“
„Loreen, ganz meinerseits.“
Okay, dieser Mann hat Manieren, sieht gut aus, er hat blaue Augen, dunkelblonde Haare und sein Parfum von Clive Christian verrät einiges über seine Person. Er ist mindesten eins fünfundachtzig groß, hat einen Dreitagebart und ein Lächeln, das mit Sicherheit alle Frauenherzen zum Schmelzen bringt.
Halt, nicht alle, in meinem Herz ist kein Platz für einen neuen Mann. Anita allerdings wäre hin und weg und vermutlich würde sie ihn aus dem Fernsehen kennen.
Oje, Jason redet die ganze Zeit mit mir und ich höre ihm überhaupt nicht zu. Verlegen schlürfe ich an meinem Latte Macchiato.
„Entschuldigen Sie, ich hatte Sie gewarnt, ich bin eine schlechte Gesprächspartnerin.“
„Langweile ich Sie so sehr? Darf ich Sie fragen, warum Sie in Berlin sind?“
Gute Frage, die Wahrheit werde ich wohl kaum sagen können. Mein verstorbener Partner hat vor seinem plötzlichen Tod ausgerechnet für seinen ersten Todestag dieses Hotel gebucht. Ich geistere hier rum, in der Hoffnung, Antworten auf die quälenden Fragen zu bekommen …
„Urlaub, ein paar Tage Urlaub“, stammle ich. Lange Zeit unterdrückte Tränen der Trauer steigen hoch und ich winke dem Kellner.
„Schreiben Sie das Getränk auf Zimmer … 41!“ Und an Mister Unbekannt, alias Jason, gerichtet: „Sie entschuldigen mich, bitte.“
Wo ist die nächste Damentoilette?
Puh, heulend sitze ich auf dem Klodeckel. Warum, um alles in der Welt, bin ich hier?
Zum Glück trage ich seit knapp einem Jahr wasserfeste Wimperntusche.
Nachdem ich mir die verheulten Augen ausgewaschen habe, gehe ich zum Fitnesscenter, mit gesenktem Blick, aber gleichzeitig darauf bedacht, keinen umzurennen.
Eine Stunde Yoga, das bringt mich meist emotional soweit ins Gleichgewicht, um den Tag zu überstehen. Danach zwei Saunagänge und ich lande müde in meinem Zimmer.
Auf dem Beistelltischchen türmt sich ein riesiger, nach Frühling duftender Blumenstrauß mit einer Karte. Die leuchtenden Farben erhellen schlagartig mein Gemüt und jede einzelne Blüte riecht bezaubernd lieblich.

Liebe Loreen, ich möchte Sie zum Essen einladen. Dieser Zufall – unser Zusammenstoß. Ich erwarte Sie in der Hotellobby um zwanzig Uhr.
Viele Grüße
Jason P.
PS: Es gibt keine Zufälle, alles im Leben hat seinen Sinn!

Darunter steht eine Handynummer mit amerikanischer Vorwahl.
Wie blöd konnte ich nur sein, dem Kellner so laut meine Zimmernummer zu nennen?
Was bildet sich dieser Amerikaner eigentlich ein? Immerhin für Düfte hat er ein Händchen.
Außerdem ist das mein Spruch mit dem Zufall, nur wie soll man bei dem Zufall Unfalltod einen Sinn finden?  
Mein Handy klingelt. „Hallo Mama, wo bist du? Daheim jedenfalls nicht.“
Meine Tochter lacht erleichtert, als sie meine Stimme hört.
„Ich bin in Berlin.“
„Was, bist du doch gefahren?“
„Ja, war eine dumme Idee. Das Wetter ist schlecht und es wimmelt nur so vor Menschen.“
„Ach Mamaaaa! Was machst du heute Abend?“
„Ich wollte an meinem Buch weiterschreiben.“
„Du willst den Abend allein im Hotelzimmer verbringen? Du musst raus, neue Leute kennenlernen. Mama, dein Leben geht weiter, bitte versprich mir, dass du ausgehst, bitte, bitte, bitte.“
„Melissa, ich weiß nicht. Wie geht es dir in Texas?“ „Mama, lenk nicht vom Thema ab, mir geht es super, ohne dich wäre ich nicht hier, also hör mal auf deine erwachsene Tochter.“
„Du Grünschnabel bist ja noch ein Kind mit deinen knapp Zwanzig.“
„Ach, dann hast du also als Kind ein Kind bekommen? Mama, du warst erst achtzehn!“, ertönt sie quirlig vorwurfsvoll.
„Das war was anderes.“
„Ja, ja.“
Wir necken uns eine Weile und ich verspreche ihr etwas zu unternehmen.
Was wäre ich ohne unsere Kinder?
Melissa wird in drei Monaten zwanzig und Milo im April neunzehn. Beide waren stark genug, den Schicksalsschlag zu verkraften und mich am Leben zu halten. Ich liebe sie und vermisse sie sehr. Trotzdem bin ich froh, dass beide ihre eigenen Wege gehen.
Es klopft an meiner Zimmertür und ich öffne einen Spalt. „Mrs. Ahland, ich bin Angelina. Mr. Wolter fragt an, in welchem Lokal Sie speisen möchten.“
„Mister wer, bitte?“
„Jason“, lächelt sie entschuldigend.
Ich schnaufe laut: „Hören Sie, Angelina, dieser Herr bedrängt mich regelrecht. Warum gehen Sie nicht mit ihm Essen, dann wäre er in netter Begleitung?“
„Bitte tun Sie ihm den Gefallen“, fleht sie mich regelrecht an.
„Okay, eine einfache Pizzeria.“ Ich stehe nicht auf diesen High Society-Quatsch.
„Sehr schön, bitte unterschreiben Sie diese Erklärung.“ Bitte was? Ich tue diesem Typen einen Gefallen und muss jetzt eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen? Das glaubt mir kein Mensch.

Nachdem ich die Zimmertür geschlossen habe, bereue ich meine Zusage.
Mist, es ist gleich halb acht. Ich weiß weder, was ich anziehen soll, noch wie ich meine Haare style. Was ist nur mit mir los, als wäre es nicht egal, wie ich auftrete, es ist ja nur ein Abendessen.
Pünktlich begebe ich mich in Skinny Jeans, hautengem Top und Lederjacke zum Aufzug. Dort wartet bereits einer der brutalen Typen vom Nachmittag.
„Mrs. Ahland, darf ich bitten?“ Er benimmt sich wie diese Bodyguards aus einem dieser Liebesfilme mit den reichen Lovern – unnahbar und eisige Kälte strömt aus ihren Anzügen.
Schweigend fahren wir in die Tiefgarage und da steht er – Mister Unbekannt – in Jeans, Shirt und Lederjacke, und er sieht verdammt gut aus. Von seinem Parfum mal ganz zu schweigen.
Bei dem Duft bekomme ich weiche Knie und mein Herz schlägt einen Tick schneller. Michael …
Sein Händedruck ist feucht und er macht einen nervösen Eindruck.
„Danke, dass Sie meiner Einladung gefolgt sind, Loreen.“ „Gern geschehen, ich hatte eh nichts weiter vor.“
Mann, Lorry, sei nicht so bissig, er ist wirklich nett. Ich bin durcheinander, seit über zwanzig Jahren hatte ich kein Date mit einem fremden Mann. Ausgerechnet an Michaels Todestag gehe ich mit einem zum Essen. Mein schlechtes Gewissen nagt wie eine hungrige Ratte an mir und ich würde am liebsten davonlaufen.
Zitternd steige ich in die schwarze Limousine.
„Ein Glas Champagner zur Versöhnung?“
„Nein, danke, bloß keinen Alkohol!“ Keine Ahnung, wer von uns beiden aufgeregter ist.
Er reicht mir beim Aussteigen die Hand und wir werden über einen Hintereingang in die Pizzeria geführt.
Sehr nobel, der Schuppen, im Inneren befinden sich kleine, romantische Sitzgruppen, die in gedämpftes Licht getaucht sind. Wir bestellten beide Pasta, Salat und Mister Unbekannt wählt einen Rotwein aus. Aus Höflichkeit stoße ich mit ihm an und nippe an meinem Glas.
So redselig wie am Nachmittag ist er nicht mehr und um das Schweigen zu brechen, beginne ich: „Der Spruch mit dem Zufall ist meiner.“
„Wirklich? Ich lebe seit einem Jahr ganz gut damit.“ Er lächelt und entspannt sich.
„Erzählen Sie mir bitte etwas über sich? Ich meine, ich sitze mit einem wildfremden Menschen bei einem Abendessen und weiß nichts von ihm außer seinen Vornamen“, fordere ich ihn auf.
„Sie sind tatsächlich ahnungslos, oder? Besitzen Sie kein TV-Gerät?“
„Doch, nur sehe ich mir selten Filme an, tut mir leid.“
Könnte es eigentlich noch schlechter laufen? Vermutlich sieht Michael vom Himmel herunter und lacht sich einen Ast. Wie immer, wenn ich mich in meiner Naivität voll blamiert habe.
„Mein Name ist Jason P. Wolter, vermutlich interessieren Sie sich weniger für schnelle Autos? Da gibt es eine Kinofilmreihe, in der es um schnelle Autos, sexy Frauen, Alkohol, Drogen und viel Geld geht.“
Erst als er den Namen der Filmreihe nennt, dämmert es mir. Oft musste ich mir mit Milo diese Filme mit den illegalen Autorennen ansehen. Jetzt sitze ich dem Serienstar gegenüber. Oh Gott, ist das peinlich!
„Ja doch, die Filme hat mein Sohn als Teenager geliebt. Es tut mir leid, dass ich Sie nicht erkannt habe.“ Leicht errötend senke ich meinen Blick. „Prominente, die unerkannt bleiben möchten, sind bei mir in bester Gesellschaft“, versuche ich die Blamage aufzulockern.
Er sieht mich erstaunt an. „Sie haben einen erwachsenen Sohn?“
Beim Thema Kinder werde ich gesprächig: „Ja, unsere Tochter wird zwanzig und unser Sohn neunzehn. Ich konnte laut medizinischen Aussagen keine Kinder bekommen, dann waren es innerhalb eines Jahres gleich zwei.“
Vorsichtig, fast zögerlich fragt er nach: „Was ist mit dem Vater der beiden?“
Mir schießen Tränen hoch, hört denn das nie auf? Als wäre es erst gestern gewesen.
„Der Vater ist heute vor einem Jahr verstorben. Bitte entschuldigen Sie mich kurz.“
Ich springe auf und gehe schnellen Schrittes zur Toilette, bekomme es aber offenbar so hin, dass ich den anderen Gästen nicht auffalle. Nach einer Viertelstunde kehre ich zurück.
„Loreen, es tut mir leid.“
„Ist schon gut, nicht einfach, aber es muss weitergehen.“
Der Kellner serviert uns die Hauptspeise und wir nutzen die Zeit, unseren Gedanken nachzuhängen.
Jason erzählt danach aus seiner Vergangenheit, auf die er, zumindest was sein Privatleben angeht, nicht sehr stolz ist.
Er feiert heute seinen zweiten Geburtstag. Nach einem schweren Autounfall haben die Mediziner wochenlang um sein Leben gekämpft und genau vor einem Jahr hat er seine Augen geöffnet. Seitdem bezeichnet er sich als einen anderen Menschen, seine Arbeit liebt er nach wie vor, doch sein Privatleben ist verändert und bestückt mit unerfüllten Sehnsüchten, die aus Erlebnissen während seiner komatösen Zeit stammen, wie er sagt.
Zwei Gläser Wein, die ich völlig gegen meine normalen Gewohnheiten trinke, lockern meine Zunge und der Abend wird doch noch recht lustig. Erst gegen Mitternacht kehren wir zum Hotel zurück und genehmigen uns noch einen Cocktail an der Bar. Allmählich habe ich meine alkoholische Grenze allerdings erreicht, es wird Zeit, sich zu verabschieden.
Mister Unbekannt bringt mich zu meinem Zimmer und ganz Gentleman-like bedankt er sich für den gemeinsamen Abend, natürlich verbunden mit einer Einladung zum Frühstück im Club für den nächsten Morgen.
Melissa hatte recht. Der Abend war sehr schön. Mit Mister Unbekannt kann man sich sehr nett unterhalten und er war nicht aufdringlich.
In der Nacht träumte ich wirres Zeug von Mister Unbekannt und Michael, während ich den Duft von X Men in der Nase habe.

Der Cocktail sorgt für eine Magenverstimmung und zaubert eine fahle Blässe auf meine Wangen.
Egal, ich stecke meine Haare hoch und ziehe mir was Sportliches zur Jeans an. Der Grobian von gestern schiebt Dienst auf dem Flur vor meinem Hotelzimmer und begleitet mich bis in den Club. Von Mister Unbekannt keine Spur und so frühstücke ich allein. Gerade als ich aufstehen will, erscheint er.
„Guten Morgen Loreen, darf ich mich zu Ihnen setzen?“
„Guten Morgen! Natürlich dürfen Sie.“
Wir amüsieren uns, reden über Gott und die Welt und finden viele Gründe um zu lachen.
„Wie sieht Ihr Tag aus?“, will er wissen.
„Sport und danach vielleicht durch ein paar Läden bummeln oder, wenn sich der hartnäckige Nebel verzieht, spazieren gehen.“
„Darf ich Sie begleiten?“
„Haben Sie nichts Besseres zu tun? Sie kommen doch nicht von Los Angeles nach Berlin, um ihre Zeit mit mir totzuschlagen.“
Er grinst frech. „Oh, hier und da eine Pressekonferenz und wenn ich keine Lust habe, bleibe ich fern. Also, um zwölf vor Ihrem Zimmer. Viel Spaß beim Training, bis dann.“ Und schwupp ist er verschwunden.
Beim Sport powere ich mich aus und ärgere mich über meine Unfähigkeit, diesen Kerl abzuwimmeln, mein schlechtes Gewissen Michael gegenüber nagt an mir.

Mit der protzigen Limousine fahren wir aus der Stadt und bummeln in Begleitung von drei Bodyguards durch den Park von Schloss Glienicke. Jason erzählt von sich, er ist nicht nur Schauspieler, sondern auch Drehbuchautor und Regisseur. Nach seinem Unfall hat er sich eine Villa in Malibu mit privatem Strandzugang und einer Garage gekauft, die größer ist als sein Haus. Darin sammelt er teure Autos, seine Vorliebe gilt der Marke Porsche.
Ja, davon stehen bei uns auch drei in der Garage, einer davon ist nach Michaels Unfall ein Totalschaden.
Mister Unbekannt surft gern, fährt hin und wieder Motorrad und liebt seine Eltern und Geschwister abgöttisch. Seit seinem Unfall sind alle besorgt um ihn, das regt ihn auf.
„Jetzt bist du dran, du kennst mein ganzes Leben, zumindest alles, was mir etwas bedeutet und wichtig ist.“
„Du weißt doch schon alles von mir“, erwidere ich kurz.
„Ja, natürlich, ich weiß deinen Vornamen, dass du wahnsinnig gut aussiehst, wenig redest, manchmal schlecht zuhörst und dein Michael ein Glückspilz gewesen sein muss, weil er zwanzig Jahre mit dir verbringen durfte. Und deine Augen funkeln, wenn du von deinen Kindern erzählst. Ach, und wenn ich dich zum Lachen bringen kann, dann geht für mich die Sonne auf.“
Ich staune nicht schlecht, Mister Unbekannt achtet auf Details.
„Was willst du noch wissen?“ Ich hole tief Luft und atme lautstark aus.
„Wo wohnst du? Warum hast du einen kanadischen Akzent? Was arbeitest du und so weiter.“
„Ich wohne zwischen München und Salzburg, in einem kleinen Dorf, mit Blick auf die Alpen. Bin in Deutschland geboren, meine Mutter war Kanadierin und wir haben einige Jahre dort gelebt. Mein Vater ist zu früh gestorben und meine Mutter ist ihm schnell gefolgt. Somit gibt es für mich nur meine kleine Familie und die ist mir heilig.“
Ich erzähle ihm, dass ich von der Firma meines Partners lebe. Mein Autorendasein ist von Beginn meines Schreibens an ein Familiengeheimnis und davon wird niemand erfahren. Ich schreibe unter einem Pseudonym und bin seit zwei Jahren sehr gut im Geschäft.
„Du machst gern Sport, oder?“
„Ja, ich liebe die Berge, wir sind viel wandern und klettern gewesen, im Winter Skifahren. Mit Milo, meinem Sohn, habe ich die letzten Jahre viel trainiert, Kraftsport, Mountainbike und solche Sachen. Melissa ist für ein paar Monate in Texas, wenn sie daheim ist, reiten wir viel.“
„Was macht dein Sohn?“
„Milo ist …“ Ich überlege einen Moment, ob ich ihm von seinem Talent erzählen soll, überwinde mich dann jedoch.
„Unser Sohn ist ein kleiner Rennfahrer und gerade irgendwo in Asien unterwegs.“
„Ah, deshalb kennst du dich so gut mit Autos und Motorrädern aus“, stellt er fest.
„Wieso?“
„Du hast zu jedem Auto etwas gewusst, sehr untypisch für Frauen.“
„Oh, danke, Schubladendenker!“ Ich verziehe missbilligend das Gesicht.
Erst blickt er mich erschrocken an, doch dann lachen wir beide.
„Lorry …“ Er dreht mich zu sich. „Ich darf dich doch so nennen, oder?“
Lorry dürfen nur die engsten, mir vertrauten Menschen sagen, aber ich nicke trotzdem.
„Lorry, ich habe noch nie so eine Frau wie dich getroffen.“
Ich entziehe ihm meine Hand. „Tja, dann hast du wohl immer die Falschen gewählt.“
„Bitte begleite mich heute zu diesem Galaabend.“
„Waaas? Du meinst zu dieser Preisverleihung?“
„Ja!“
„Oh nein, ich in einem Abendkleid, niemals! Lieber gehe ich Pferdeställe ausmisten“, protestiere ich lautstark.
„Na gut, dann gehen wir einen Pferdestall ausmisten“, antwortet er ernst, „ich habe sowieso keine Lust auf den Trubel.“
Puh, mit so einer Reaktion habe ich nicht gerechnet. Schweigend gehen wir zum Auto, Jason telefoniert mit seiner Assistentin Angelina und sagt ihr, dass er bei der Preisverleihung nicht anwesend sein wird. Sie flippt regelrecht aus und schreit ihn durchs Telefon an.
Im Hotellift sieht er mich an: „Um fünf hole ich dich ab, du kümmerst dich um den Stall!“
Er steigt aus und lässt mich mit offenem Mund zurück.


Kapitel 2


Mein Verstand arbeitet. Ich mag seine Art und er weiß genau, wie er von mir bekommt, was er will und dieser Duft, der mir meine Sinne raubt – ganz Michael.
Das macht mir Angst – eindeutig! Nein, ich kann und will mich nicht neu verlieben und schon überhaupt gar nie, nie nicht in einen berühmten, verdammt gutaussehenden Hollywoodstar.
Ich entscheide mich zur sofortigen Abreise und während ich packe, klopft es.
„Loreen, Mrs. Ahland, hier ist Angelina, bitte öffnen Sie die Tür“ Die Arme klingt ziemlich fertig.
Ich mache auf und werde regelrecht überfallen.
„Was machen Sie da? Sie packen? Nein, nein, das geht nicht!“ Sie setzt sich einfach auf mein Bett.
„Also diese Preisverleihung ist unsere letzte Chance. Meine Agentur wird ihm alle Verträge kündigen und seine Mitarbeiter stehen dann auf der Straße. Alles, weil Jason seit dem Unfall nur das macht, was ihm gefällt. Er hat mir versprochen, mit Ihnen zur Verleihung zu gehen. Bitte, die Agentur bezahlt Sie auch.“
Ich plumpse neben ihr aufs Bett.