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Celina Minor
Geschrieben von  Mandy Schur Mandy Schur Geschrieben,  01-03-2019 21:32 01-03-2019 21:32 67  Gelesen 67 Gelesen
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"Sehnsuchtswispern" Band 2 des romantischen Zweiteilers von Celina Minor.



Nachdem Lorry endlich zu ihren Gefühlen steht und mit Jason in eine gemeinsame Zukunft gehen möchte, beginnt Jason zu zweifeln, ob Lorry an seiner Seite jemals glücklich werden kann.
Eine spannende Achterbahnfahrt der Gefühle beginnt.

Werden die beiden es schaffen? Oder werden sie am Ende scheitern?

Der zweite und letzte Teil der Sehnsucht...Reihe.



Leseprobe:



Kapitel 1


Lorry ist weg, ihre Spuren verschwinden an der Busstati-on vom Flughafen in San Antonio, seitdem gibt es kein Lebenszeichen, aus keiner der vier Himmelsrichtungen.
Mein neuer Sicherheitsbeauftragter Sheldon sucht jeden Tag nach Anhaltspunkten. Zweimal hat sie über eine nicht registrierte Telefonnummer mit Melissa telefoniert, die auch nicht weiß, wo ihre Mutter stecken könnte. Ihr Handy wurde auf dem Schwarzmarkt verkauft, Sheldon ist sich sicher, dass Lorry es absichtlich entsorgt hat.
Ich kann nicht mehr schlafen, ich habe so viel Mist ge-baut! Wie konnte ich nur annehmen, dass Lorry das auf den Fotos freiwillig gemacht hätte? Sie hat recht, ich ha-be ihr nie geglaubt und ihr Vertrauen missbraucht.
Meine Lorry, wo bist du? Betty weint jeden Tag, seit sie von den Schandtaten, die Taylor und Lynn gemeinsam geplant und durchgezogen haben, erfahren hat. Beide sitzen in Untersuchungshaft wegen sexuellen Miss-brauchs und gefährlicher Körperverletzung in zwei Fäl-len, sowie wegen versuchten Mordes an Milo. Meine Tante Elizabeth, die Lorry nicht zu Unrecht als Tyrann bezeichnet hat, hatte einen Schlaganfall und ist vor ein paar Tagen verstorben. Sie trägt die Schuld an meinen Zornausbrüchen – den dunklen Dämonen in mir.
Meine Mutter ist entsetzt und wütend, sie hat erst jetzt von den Bestrafungen in meiner Kindheit erfahren.
Was ich Lorry angetan habe, weiß nur Professor Odell. Betty und meine Mutter haben lediglich vage Ahnungen. Mom ist krank vor Sorge und telefoniert täglich mit Milo und Melissa.
Wenn ich sie wenigstens telefonisch erreichen könnte! Zu all dem kommt hinzu, dass Lorry vermutlich ein Kind von mir erwartet. Sheldon hat dieses Foto, ein Ultra-schallbild, bis ins Kleinste zerlegt und den Arzt gefun-den, der die Aufnahme gemacht hat. Eine Woche vor Weihnachten war sie bei ihm, zumindest passt die Be-schreibung einer seiner Patientinnen auf Lorry und auch die bekannte Problematik, dass sie vielleicht durch die Schwangerschaft doch in Gefahr sein könnte, trifft zu. Sie müsste Anfang des fünften Monats sein. Tatsächlich hat eine Untersuchung ergeben, dass ich lebens- und zeu-gungsfähige Spermien habe, dank der glücklichen Zeit mit Lorry hat sich da unten wohl einiges regeneriert.
Außer Sheldon und mir weiß keiner davon, meine Mutter würde mich unter diesen Umständen windelweich prü-geln. Odell glaubt an die Theorie, dass wir wieder zuei-nander finden können, falls ich sie jemals aufspüren soll-te.
Lorry war vom ersten Tag an die Stärkere in unserer ver-korksten Beziehung.
Die Medien haben bisher von dem ganzen Trubel keinen Wind bekommen, aber spätestens am Wochenende zum Ball meiner Mutter wird es die ersten unangenehmen Fragen hageln. Die Wohltätigkeitsveranstaltung bringt mich allerdings auf eine Idee.
„Sheldon, suchen Sie alle Einrichtungen zum Schutz von missbrauchten Frauen ab, vielleicht hat sie sich dort ver-steckt.“
An diese Daten kommt man nur mit Hackern, für meinen Sicherheitschef ist das allerdings keine Hürde.
Zu dem Ball begleitet mich Angelina, sie wirkt heute sehr nervös. Gleich zur Eröffnung berichtet meine Mutter von einer anonymen Spende in mehrfacher Millionenhöhe, das ist für eine Veranstaltung dieser Art untypisch. Noch vorm Ausklang des Abends informiert mich Sheldon über die unbekannte Spenderin. Loreen Ahland hat ihr ameri-kanisches Konto plattgemacht. Alles, was sie je durch mich verdient hat, gehört nun der Organisation.
Wütend zerre ich Angel in den Privatbereich meines El-ternhauses. „Wann hat sie dir den Auftrag gegeben? Wann?“
„Sie hat vor ein paar Tagen angerufen, mir kurz und knapp gesagt, was ich tun soll und dann sofort wieder aufgelegt.“
„Wie klang ihre Stimme?“
„Genauso beschissen wie deine, Jas. Ihr bringt euch bei-de ins Grab. Sie will dir damit eins reinwürgen. Ihr seid so stur – zwei richtige Idioten!“ Angel lässt mich stehen und geht zurück zur Gesellschaft.
Seit Lorry weg ist, arbeitet keiner mehr gern, Don und Bill verziehen keine Miene, in der Chefetage ist die Stimmung auf dem Nullpunkt und sogar im dritten Stock um Nicole herrscht ein gereiztes Arbeitsklima. Tante Glori-Lin ruft dreimal täglich an und erkundigt sich, wann Loreen wiederkommt. Sie hat in der kurzen Zeit so viel frischen Wind in das gesamte Unternehmen gebracht.

***


Seit fast vier Wochen wohne ich in dieser Hütte, sie gibt mir ein Stück Geborgenheit.
Colin, der Sohn von nebenan, kümmert sich um mich. Er versorgt mich mit Grundnahrungsmitteln und kommt fast jeden zweiten Tag. Er ist fünfunddreißig und solo.
Ich weiß, dass er sich mehr erhofft, doch er hält sich zu-rück.
„Nächste Woche muss ich nach New York, ein wichtiger Termin, wenn ich den nicht wahrnehme, versiegt meine Einnahmequelle“, erzähle ich ihm vorm Kamin.
Er fragt nie nach und wartet stets, bis ich etwas von mir gebe, was allerdings selten ist.
„Soll ich dich zum Flughafen bringen?“
Erschrocken antworte ich: „Nein, das geht nicht.“
Er lacht: „Das sind über zweitausenddreihundert Meilen, willst du etwa per Anhalter fahren?“
Ich zucke mit den Schultern.
„Mein Freund hat einen Privatjet, vielleicht bringt er uns dorthin.“
Privates Flugzeug klingt gut, doch die blöde Grenze macht mir Sorgen, meine Daten müssen hinterlegt wer-den. Colin kann scheinbar meine Gedanken lesen.
„Keine Ahnung, warum sich eine Frau wie du hier in den kanadischen Bergen versteckt, aber du wirst deine Grün-de haben. Ich frage ihn, dann wird es auch ohne Papiere funktionieren.“

Mit einem Schimmer Hoffnung, auf eine einfache und bequeme Weise nach New York zu kommen, schlafe ich in dieser Nacht knapp vier Stunden. Klein P. ist zu be-dauern, es kann in mir keine Ruhe finden. Nach außen bin ich die Gelassenheit in Person, innerlich ein ausge-brochener Vulkan, mein Kreislauf spinnt, mein Herz rast oder setzt für ein paar Schläge einfach so aus. Ich müsste ausgetrocknet sein wie eine Wüste, jede Nacht heule ich mir die Augen aus. Einzig die stundenlangen Spaziergän-ge in der eisigen Winterluft beruhigen mich etwas.
Ich kann mich nicht ewig verstecken, Klein P. und ich bräuchten dringend eine Untersuchung, damit ich Ge-wissheit habe, dass er gesund ist. Ich habe noch immer kein Gramm zugenommen, nur eine winzige Wölbung deutet auf eine Schwangerschaft hin. Wer es nicht weiß, ahnt davon nichts.

„Wann gibst du mir endlich deine Handynummer? Jedes Mal, wenn ich wissen will, ob du in Ordnung bist, muss ich die Stunde hier rausfahren!“ Au weia, Colin ist heute echt schlecht gelaunt.
„Ich habe für den Notfall deine und wenn ich mich nicht melde, geht’s mir gut. Ich habe nie verlangt, dass du nach mir siehst.“
„Jeanne, es kommt ein Schneesturm, ich mache mir Sor-gen, wenn du ganz allein hier bist. Bitte komm zu uns auf die Ranch.“
Wütend schreie ich ihn an: „Ich brauche niemanden, hörst du, niemanden, der sich um mich sorgt!“
Ich stapfe durch den flockigen Schnee zum Haus, er läuft mir nach und hält mich fest. Ich schlage wild um mich. „Keiner fasst mich an, keiner, auch du nicht! Verstan-den?“
Mit erhobenen Händen steht er vor mir. „Entschuldige bitte, ich werde dir nicht wehtun.“
Seit dem letzten Abend bei Jason hat mich niemand be-rührt, ich atme schwer und gehe ins Haus. Am Esstisch sinke ich auf den Stuhl, Tränen rinnen über mein Ge-sicht.
Was hast du uns nur angetan, Jason P. Wolter?
Mir fällt Bill ein, ihn konnte ich am Flughafen sogar um-armen. Ist diese Wunde erst später so tief aufgerissen? Colin stellt Wasser auf den Herd und richtet eine Tasse mit Kräutern her. Ungefragt nimmt er mir gegenüber Platz und schiebt sie zu mir.
„Dein richtiger Name ist Loreen.“ Ich zucke zusammen. „Granny hatte nur eine Enkeltochter, die hieß Loreen und wir beide sind damals miteinander aufgewachsen, solange ihr in Kanada wart. Mom kann sich gut erinnern und hat mir viel von dir erzählt. Du lebst in Deutschland und hast zwei Kinder mit einem Mann. Hat er dir das angetan?“
Colin ballt seine Hände zu Fäusten, sodass die Knöchel weiß werden.
„Nein, Michael ist gestorben, vor elf Tagen war sein zweiter Todestag.“
„Das tut mir leid, davon haben wir nichts gewusst.“
„Kann mich dein Freund nach New York bringen?“
„Ja, er fliegt am Montag und am Freitag zurück, ist das in Ordnung?“
„Das passt.“
„Ich fliege mit.“
„Nein, das geht nicht, die Firma hat nur ein Einzelzim-mer gebucht.“
„Keine Sorge, ich schlafe bei Mitchell, er hat eine Woh-nung dort. Wir können gemeinsam essen gehen und uns die Stadt ansehen.“
„Ich weiß nicht, vielleicht.“
„Pack deine Sachen, bei dem Sturm kannst du die nächs-ten Tage nicht weg und dann verpasst du den Flug. Au-ßerdem hat deine Großmutter solche Tage auch immer bei uns verbracht. Du hast ein eigenes Zimmer mit Bad, das abschließbar ist.“
Widerwillig packe ich. Zu blöd, dass ich nichts für New York dabeihabe. Dämliche Kuh, hättest ja wenigstens zwei, drei der schicken Kleider von Jason abstauben können und die schwarzen High Heels, die mit der roten Sohle …
Colins Eltern und seine Geschwister samt Partnern und Kindern sind furchtbar liebe Leute. Ich erinnere mich, in meiner Kindheit war ich oft bei ihnen.
Ich beziehe ein kleines, lichtdurchflutetes Zimmer, in dem sich ein Bett mit Gittergestell befindet und ein Ekelschauer durchströmt mich.
Die ganze Familie scheint informiert zu sein, keiner stellt Fragen und ich kann mein gewohntes Schweigen ausle-ben. Bereits am späten Nachmittag beginnt der Schnee-sturm, die Männer sind beschäftigt, die Zufahrt und die Wege zu den Ställen freizuhalten. Die acht kleinen und größeren Kinder spielen und toben unbeschwert im Wohnzimmer herum. Ihnen fehlt es an nichts, auch ohne Luxus sind sie sehr glücklich. Ich helfe in der Küche beim Abendessen, Colins Mom kocht täglich für fünf-undzwanzig Personen, oft sind es auch mehr.
Ich bin verwöhnt von Betty und den Hotels. Wenn Jasons übertriebener Luxus auch ein Störfaktor für mich war, vermisse ich ihn schon ein bisschen. Wie sorglos könnte ich unter anderen Umständen meine Schwanger-schaft mit Klein P. verbringen. Wir hätten ausreichend Ruhe und Erholung, dank der gesunden Meeresluft und den Ausflügen in die Berge Malibus.
Bitte lieber Gott, lass ein Wunder geschehen und Klein P. gesund auf die Welt kommen.

Colins jüngste Schwester kommt mit einem schreienden Bündel die Treppe herunter. „Den ganzen Tag quengelt er, ich dreh durch.“ Erschöpft setzt sie sich neben mich.
„Mann, noch so eine Nacht überstehe ich nicht. Ausge-rechnet jetzt ist sein Dad in Calgary und kann wegen dem Sturm nicht kommen.“
„Darf ich?“ Erstaunt und erleichtert drückt sie mir den kleinen, maximal fünf Monate alten Junge in die Arme. Ich drehe ihn auf den Bauch, sodass meine linke Hand unter seinem kleinen Bäuchlein und sein Kopf an meiner Brust liegt, damit er meinen Herzschlag spürt. Aus dem Geschrei wird ein Gewinsel und auch das verstummt nach einigen Minuten. Der kleine Kerl schläft friedlich ein.
„Ich glaube es nicht“ ist das einzige, was seine Mommy rausbringt.
„Geh schlafen, solange er ruhig ist. Ich werde gut auf ihn aufpassen.“
Die junge Mutter ist so fertig, dass sie ihr Baby mir, einer fremden Frau, überlässt.
„Granny, also deine Großmutter, hatte ein gutes Händ-chen für Kinder, alle Kids vergötterten sie“, erzählt Co-lins Mutter, während sie Berge von Gemüse schnipselt. „Colin hat sehr lange getrauert, aber seit du da bist, blüht er auf.“
Oh nein! Wieso habe ich auf diese armen Männerseelen eine solche Wirkung? Ich will einfach nur meine Ruhe. Keinen neuen Mann, keinen notorischen Beschützer, Ruhe vor all dem Gefühlsmist einer Beziehung.
Langsam wird es unbequem mit dem kleinen Bündel im Arm. Ich gehe ins Wohnzimmer, die Kinder sitzen vorm Fernseher und sehen sich einen Zeichentrickfilm an. Auf der großen Couch ist noch Platz und ich lege mich ins Eck. Kurz darauf liegen zwischen meinen Beinen zwei weitere Kleinkinder. Die friedliche Atmosphäre macht mich schläfrig.
Ich wache auf, als das Baby direkt neben mir schreit. Erschrocken sehe ich mich um, ich bin mit einer Wollde-cke zugedeckt. Colin sitzt im Schein einer Stehlampe am anderen Ende der Couch. Der Kleine hat sich beruhigt, die anderen Kinder sind alle weg und auch die übrigen Familienmitglieder sind verschwunden.
Flüsternd frage ich: „Wie spät ist es?“
„Gleich Mitternacht, ich bringe den Kleinen zu seiner Mommy, dann kannst du etwas essen und ins Bett ge-hen.“
„Nein, lass ihn und seine Mommy braucht auch ihren Schlaf.“
Meine rechte Hand ruht auf meinem Bauch und Klein P. tritt dagegen. Ich lächle zufrieden. Knapp sechs Stunden tiefer Schlaf ohne zu heulen, eine echte Premiere.
Bis der Kleine vor Hunger brüllt, schlummere ich wieder ein. Colin bringt ihn frisch gewickelt zu seiner Schwester, dann stellt er mir das aufgewärmte Abendessen hin.
„Du musst etwas essen, so dünn wie du bist.“
Ich stöhne leise mit geschlossenen Augen, noch einen Jason ertrage ich nicht. Ich habe tatsächlich Appetit und esse den Teller leer. Colin bringt mich zu meinem Zim-mer.
„Gute Nacht Loreen, wenn du was brauchst, ich schlafe hier.“ Er deutet auf die gegenüberliegende Tür.
Schnell schließe ich von innen ab, den Rest der Nacht liege ich wach, surfe im Internet und schreibe Mails an meine Kinder. Über ein Restguthaben schicke ich Jason eine Nachricht, irgendwie vermisse ich ihn, allerdings klingt die Mitteilung anders.

Bitte gib bis Ende nächster Woche unsere Trennung offiziell be-kannt, sonst erledige ich das.
Gruß Lorry
Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten.
Lorry wo bist du? Geht es dir gut?
Ja!
Das Handy klingelt und ich gehe tatsächlich ran. „Hallo!“
„Lorry, du fehlst mir so sehr, bitte lass uns reden, bitte.“
Ich bin stumm, seine Stimme verwirrt mich, diese endlo-se Traurigkeit und Verzweiflung, ich sehe seinen gequäl-ten Gesichtsausdruck mit den leeren Augen, durch die ich bis in die Tiefe seiner Seele blicken kann, förmlich vor mir.
„Geht es unserem Baby gut?“
Hat er unser Baby gesagt? Er weiß es, natürlich weiß er es! Ich drücke den roten Knopf, entferne die SIM-Karte aus dem Handy und zerstöre sie mit der Schere.
Lorry, warum hast du das getan? Du bist solch eine Idio-tin. Unser Baby …
Aber was wäre, wenn seine Überfürsorge wieder in Zorn umschlägt und Klein P. seinen Frust abbekommt?
Lorry, mach dir nichts vor, du musst sein Baby von ihm fernhalten.
Schlecht gelaunt, oder eher verärgert über mich selbst, stehe ich früh auf. Die Männer sind draußen und Colins Mutter bereitet das Frühstück. Ich helfe ihr und backe Unmengen an Pancakes in drei verschiedenen Variatio-nen.
Seine kleine Schwester kommt strahlend in die Küche. „Guten Morgen! Danke Loreen, du hast mich gerettet.“
Ich lächle kurz, verweigere aber jede weitere Kommuni-kation.
Wir sind eingeschneit. Bis der Highway frei ist, werden zwei Tage vergehen. Die Kinderschar ist begeistert vom Schnee und ich gehe mit ihnen raus zum Spielen. Mit dem Pulverschnee lässt sich leider kein Schneemann bauen, aber dafür machen wir unzählige Schneeengel, verstecken uns in den Schneewehen und bewerfen uns gegenseitig.
Erst zum Mittagessen müssen wir rein und nach der Mahlzeit dürfen die Größeren einen Film auf DVD schauen, während die Jüngeren zum Mittagsschlaf hinge-legt werden. Im Wickelzimmer gibt es ein Matratzenlager und ich lese eine Geschichte vor. Das Baby schläft fried-lich in meinem Arm und um mich, auf mir, an mir, liegen vier weitere Zwerge im Alter von zwei bis fünf Jahren. Noch während der Geschichte schlafen sie ein, ich decke sie behutsam zu und döse selbst weg, halbsitzend an ein dickes Kissen gelehnt.
Ich fühle mich beobachtet und blinzle, Colin steht im Türrahmen. „Der Kleine scheint dir gutzutun.“
Ja, das kleine Bündel fühlt sich wohl auf meinem Bauch.
Die Vorstellung, bald mein eigenes Kind, Jasons Kind, im Arm zu halten, löst ein freudiges und doch wehmüti-ges Kribbeln über meinem Bauch aus …
Ich muss unbedingt Sarah anrufen, ab wann welches Ho-tel für mich gebucht ist und wer vom Verlag alles bei diesem Treffen dabei sein wird. Ich freue mich, Sarah endlich wieder zu sehen und Deutsch zu sprechen.
„Was grübelst du?“ Colins Stimme lässt mich aus meinen Gedanken hochschrecken.
„Ab wann sind die Straßen frei? Fliege ich ganz sicher am Montag nach New York?“
„Ganz sicher werden wir fliegen!“
„Wir? Du musst nicht mitkommen, mir ist es lieber, du bleibst da“, gebe ich deutlich von mir.
Er baut sich vor mir auf. „Du brauchst jemanden, der auf dich aufpasst.“ Das soll ein belustigender Scherz sein, doch bei mir kommt es völlig falsch an.
„Niemand muss auf mich aufpassen, niemand! Ich will keinen Beschützer, lasst mir einfach alle meine Ruhe!“
„Lorry, so war das doch nicht gemeint.“
Wie bitte? Er wagt es, mich so zu nennen?
„Sag nie, nie wieder Lorry zu mir!“
Ich will gehen, doch er streckt den Arm aus, um mir den Weg zu versperren.
„Wer hat dir das angetan?“
„Was angetan?“
„Du hast Angst, bist verzweifelt, versteckst dich wie eine misshandelte Frau.“ Colins Stimme klingt düster.
„Bitte, lass mich gehen“, bitte ich ihn mit sanfter Stimme und sein Arm senkt sich nach unten.