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Melanie Reichert
Geschrieben von  Mandy Schur Mandy Schur Geschrieben,  09-03-2019 21:30 09-03-2019 21:30 38  Gelesen 38 Gelesen
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"Die Elemente von Soil – Der Eintritt" Band 1 des Fantasy-Episodenromans von Melanie Reichert.



2038.
Knapper Lebensraum.
Verheerende Naturkatastrophen.
Ein Kampf gegen die Zeit.

Das ist die Welt, in der die Geschwister Garnet und Slate Montgomery leben.
Sie kämpft darum, dem Verfall des Planeten entgegenzuwirken.
Er hat sich in die virtuelle Realität seiner Videospiele zurückgezogen.
Zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber ein Schicksal teilen.


Hierbei handelt es sich um die erste Episode eines Fortsetzungsromans. Mit jeder Folge wird das fantastische Abenteuer rund um die Geschwister Garnet und Slate Montgomery fortgeführt.



Leseprobe:



Kapitel 1


Slate

Juli 2038, Las Vegas

Schwer atmend presse ich mich mit dem Rücken an die Wand neben der Tür. Ich bin die Treppen zur achtzehnten Etage in Rekordzeit hinaufgehetzt, was wenig verwunderlich ist, wenn ich bedenke, dass mir gerade fünf gut ausgebildete Kampfmaschinen auf den Fersen sind. Noch kann ich nur zwei der Männer hören, die anderen können aber nicht weit sein. In Anbetracht dessen, dass mir so langsam die Zeit davonläuft, sollte ich mir eigentlich keine Pause gönnen, aber Fakt ist, dass mich der Aufstieg doch mehr geschlaucht hat, als ich mir eingestehen möchte. Meine Kondition war auch schon mal besser. Zum Glück habe ich einige Tricks auf Lager.
Ich hole tief Luft, dann ziehe ich die Brandschutztür zum Flur auf. In geduckter Haltung blockiere ich sie mit meinem Fuß und blicke mich mit vorgehaltener Waffe zunächst nach rechts und links um. Da niemand zu sehen ist, richte ich mich wieder auf und mache einen Schritt in den Flur. Mein Ziel muss sich irgendwo auf diesem Stockwerk des Mittelklassehotels befinden, da der rote Punkt auf meinem GPS-Gerät wütend und immer schneller blinkt. In Gedanken glaube ich zu hören, wie er mich anbrüllt, einen Zahn zuzulegen.
Als ich vor weniger als zehn Minuten aus meinem Wagen gestiegen bin, war ich noch guter Dinge. Eine Rettungsmission. Nichts Außergewöhnliches. Keine Ahnung, wie viele Personen ich schon aus ähnlichen Situationen unbeschadet geborgen habe, aber etwas ist heute anders. Es liegt ein Vibrieren in der Luft, das meine Sinne schärft und dafür sorgt, dass sich in regelmäßigen Abständen die feinen Härchen in meinem Nacken aufstellen. Ich kann die Gefahr förmlich riechen.
Entschlossen schiebe ich meine Gedanken beiseite und lasse die Tür hinter mir ins Schloss gleiten, um mich nicht sofort durch laute Geräusche zu verraten. Natürlich ist mir klar, dass auch meine Verfolger mit den neuesten technischen Spielereien ausgestattet sind und bestimmt schon wissen, wo sie mich finden können. Die zweite Erkenntnis, die sich gerade in meine Überlegungen schleicht, gefällt mir noch weniger: Dieser Rückweg über die Treppe scheidet damit aus. Ich muss mir in den nächsten Minuten dringend überlegen, wie ich nach unten gelange, ohne unter Beschuss zu geraten. Vielleicht hätte ich doch ein paar der Kerle ausschalten sollen, bevor ich den Zivilisten im Schlepptau habe.
Ein Rumpeln auf der rechten Seite erregt meine Aufmerksamkeit und ich pirsche mich den Flur entlang, meine halbautomatische Maschinenpistole im Anschlag.
Seit dieses Areal der Stadt vor wenigen Stunden evakuiert wurde, herrscht über dem gesamten Gebiet eine bedrückende Stille. Totenstille. Niemand bei Verstand würde sich in eine Quarantänezone begeben. Zumindest nicht, ohne eine entsprechende Belohnung in Aussicht zu haben.
Der Auftrag, dem ich gerade nachgehe, kam vor knapp dreißig Minuten rein. Ein wichtiger Wissenschaftler hat es nicht aus dem Hotel geschafft und sitzt hier fest. Warum er noch hier oder so wertvoll für meinen Auftraggeber ist, interessiert mich nicht. Meine Mission ist es, ihn unverletzt aus dem Gebäude zu bringen. Anscheinend haben aber auch andere Organisationen ein gewisses Interesse an ihm. Ich hatte das Haus nicht mal betreten, da hingen mir diese fünf Affen schon am Arsch.
Ich komme an einem herumstehenden Putzwagen vorbei, den ein Zimmermädchen hier zurückgelassen haben muss, und schiebe ihn quer auf den Flur, um eine Möglichkeit zur Deckung zu erhalten. Vereinzelte Koffer und Gepäckstücke liegen auf dem Boden herum, zeugen davon, wie übereilt die Hotelgäste aufgebrochen sind und wo ihre Prioritäten lagen. Eine Lampe am Ende des Gangs flackert aufgebracht, als wolle sie mich darauf hinweisen, dass ich mein Ziel beinahe erreicht habe.
Erneut werfe ich einen Blick auf meinen digitalen Bildschirm, der mit einer Titanmanschette an meinem Arm befestigt ist. Ich habe mich zwar längst an die Steuerung mittels neuronaler Verbindung gewöhnt, bin aber immer wieder aufs Neue verblüfft, wie das Ganze funktioniert. Ohne Fehler wohlgemerkt.
Ich komme an zwei offen stehenden Zimmertüren entlang, an denen vorbei ich einen routinierten Blick in die Räume hineinwerfe, um mich zu vergewissern, dass sich dort niemand versteckt. Bisher bin ich allein. Der Flur hinter mir wirkt verwaist. Kurz wundere ich mich darüber, dass meine Verfolger noch nicht auf den Plan getreten sind, bin mir aber sicher, dass sie mich gebührend empfangen werden, sobald ich den Zivilisten geborgen habe. Vermutlich wollen sie mich den schwierigen Teil der Arbeit erledigen lassen. Ich brauche dringend eine sichere Route zurück zu meinem Wagen!
Die Geräusche, die ich vorhin vernommen habe, dringen nun lauter durch die letzte Tür links von mir. Es klingt, als würde jemand das Zimmer dahinter umdekorieren und dabei nicht gerade zimperlich vorgehen. Der rote Punkt, der mein Ziel markiert, befindet sich ebenfalls in diesem Raum, weswegen ich mit der Faust gegen die Tür hämmere. Es ist besser, wenn ich mich ankündige. Einmal ist eine zu befreiende Frau mit einer Machete auf mich losgegangen, weil sie dachte, ich wollte sie umbringen. Dabei ist teures Equipment zerstört worden und der Weg in die Freiheit war alles andere als leicht.
»Professor Adler?«
Das Getose erstirbt augenblicklich und es kehrt Stille ein. Ich kann nur das Blut hören, das durch meine Adern rauscht. Für einen Moment aktiviere ich den Hörverstärker an meinem Equipment, um sicherzugehen, dass nicht gerade jemand eine Pumpgun durchlädt, aber es bleibt weiterhin ruhig auf der anderen Seite. Ich habe mir das Gepolter unmöglich eingebildet. In diesem Raum muss sich jemand befinden. »Mein Name ist Slate Montgomery, ich bin hier, um Sie zu evakuieren. Ich komme jetzt rein.«
Langsam drücke ich die Türklinke hinab und bin überrascht, dass sie sich ohne Probleme öffnen lässt. Das Notstromaggregat scheint die Verriegelung nicht aufrechterhalten zu können. Vielleicht ist es auch eine Maßnahme aus dem Sicherheitsprotokoll, damit niemand eingeschlossen wird. In Gedanken habe ich mir schon ausgemalt, wie ich Verhandlungen mit der Zielperson führe, damit sie mich reinlässt, oder wie ich mir mit Gewalt Zugang verschaffe.
»Professor Adler?«, rufe ich erneut, diesmal bestimmender.
Suchend sehe ich mich in dem riesigen Zimmer um, das offenbar zur Premiumklasse gehört – oder gehört haben muss. Jetzt hat es damit nichts mehr gemein. Die Matratze des Kingsize-Betts steht aufrecht vor den bodentiefen Fenstern, die sicher zu einem Balkon mit netter Aussicht auf den Strip führen. Der Schreibtisch sowie das Sofa sind ebenfalls verrückt worden und befinden sich nicht unweit der Tür, die zum Badezimmer gehören muss. Über den ganzen Boden verstreut liegen Blätter unterschiedlicher Größe und Farbe, Klamotten, Schuhe und das Bettzeug, das teilweise zerrissen ist. Ich rechne mit dem Schlimmsten. Eine Person ist nicht zu sehen.
Schnell richte ich die Waffe aus, die ich eben noch abgesetzt habe, um Professor Adler nicht zu erschrecken. Jede Faser meines Körpers ist in Alarmbereitschaft. Es wäre nicht das erste Mal, dass mich ein Feind mit einem falschen GPS-Signal in die Irre führen will.
Seitwärts pirsche ich mich an die Schreibtisch-Sofa-Barriere heran und umrunde sie, um mich der Badezimmertür zu nähern. Eine ausführliche Inspektion des Raums ist nicht nötig, hier gibt es keine Verstecke, selbst die Schranktüren hat jemand praktischerweise schon für mich geöffnet. Wer auch immer das Zimmer durchsucht hat, war gründlich.
Ich bringe mich neben der Badezimmertür, die einen Spalt geöffnet ist, in Position und zwinge mich zur Ruhe. Ich brauche diesen Sieg heute. Wenn auch nicht für die Menschheit, so doch für mich selbst. Ich muss dringend einen Erfolg vorweisen können, um mich daran zu erinnern, warum ich das Ganze hier tue. Warum ich mich immer wieder in solche Dreckslöcher begebe, mein Leben riskiere, um fremde Personen zu retten. Fakt ist: Ich brauche den Kick. Ich muss etwas fühlen – und wenn es nur das Adrenalin ist, das durch meinen Körper rauscht.
Ein letztes Mal atme ich tief durch, dann greife ich mit einer Hand nach dem Türblatt und stoße es leicht an. Im Inneren des Waschraums ist es dunkel, nur ein schwacher Schein aus dem Hauptzimmer dringt hinein, taucht alles in ein graues Zwielicht, in dem ich nicht viel ausmachen kann.
»Professor Adler?« Obwohl es sinnlos erscheint, weil er schon zweimal hätte antworten können, versuche ich es erneut.
Mit einem Befehl via neuronaler Übertragung aktiviere ich die Lampe an meiner Schulterpanzerung, um besser sehen zu können. Für ein paar Sekunden drehe ich meinen Oberkörper in Richtung der Türöffnung, bevor ich mich schnell zurückziehe. Hätte jemand auf mich schießen wollen, wäre das eine perfekte Gelegenheit gewesen.
Auf den ersten Blick hat alles wie in einem Standard-Hotelbadezimmer gewirkt: ein Waschbecken auf der linken Seite, eine Kloschüssel geradeaus und rechts befindet sich eine Duschwanne samt Vorhang, der zugezogen ist.
Innerlich seufze ich. Warum sind die Menschen nur so dumm? Es ist immer eine Spitzenidee, sich in einem Raum ohne Fluchtmöglichkeit hinter einer Barriere aus billigem Plastik zu verschanzen. Natürlich werden eventuell abgegebene Schüsse davon aufgehalten. Wer kennt ihn nicht: den schutzbringenden Duschvorhang, Modell Titan3000 – Ihr Retter in jeder noch so brenzligen Situation.
»Professor Adler, kommen Sie da raus. Ich möchte Sie in Sicherheit bringen«, fordere ich den Mann auf, der sich mit absoluter Sicherheit in der Wanne verbirgt.
Erneut drehe ich mich halb in Richtung Badezimmer und warte auf eine Antwort, während ich die Luft anhalte, um besser lauschen zu können.
Nichts.
Die Waffe schussbereit, mache ich zwei Schritte auf die Badewanne zu, um das Ganze zu beschleunigen. Eigentlich habe ich keine Zeit für Verhandlungen. Rein und raus in weniger als zwölf Minuten – das ist die goldene Regel, sonst steigt das Risiko, getötet zu werden, mit jeder weiteren Minute exponentiell an.
Genervt packe ich den Duschvorhang und reiße ihn beiseite, um diese Farce zu beenden. Dann geschehen zwei Dinge auf einmal: In der Bewegung sehe ich etwas aufblitzen. Zeitgleich werfe ich mich zur Seite.