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Tanja Hagen
Geschrieben von  Mandy Schur Mandy Schur Geschrieben,  26-03-2019 18:25 26-03-2019 18:25 34  Gelesen 34 Gelesen
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"Vengeance – Loss of Riccardo" Band 1 der spannenden neuen "Team LA.T.F- Vengeance-Trilogie" von Tanja Hagen.



Riccardo Liccardi reist mit seinem Bruder, trotz des dort herrschenden Konfliktes, nach Afghanistan. Sie besorgen sich einen Wagen und beginnen einen Roadtrip. Nach einer Panne nutzt Riccardo eine Mitfahrgelegenheit, um einen neuen Wagen zu besorgen, und findet sich plötzlich schwer verletzt in einem kleinen afghanischen Dorf wieder. Er weiß weder wo er herkam noch wo er hinwollte, von seinem Namen ganz zu schweigen. Er verliert sein Herz an Malika. Als die Dorfbewohner ihn endlich in ihren Reihen aufnehmen, scheint sein Glück perfekt.

Doch dann holt ihn die Realität ein und in ihm wächst der Zorn auf ein Land, welches er, aufgrund seiner angepriesenen unbeschränkten Möglichkeiten, auch auf seiner Reiseliste hatte.



Leseprobe:



»Kannst du mal warten? Da hinten könnten wir bestimmt auch einen Wagen bekommen. Miguel, verflucht, musst du immer …«
»Ich bitte dich, es ist doch völlig egal. Die Karren hier sind Schrott, die Karren da sind auch Schrott. Die hier ist weiß, die da ist blau. Wo ist da der Unterschied?«, fiel Riccardos Bruder ihm ins Wort, blieb stehen und drehte sich genervt zu ihm um.
»Die Weiße ist fünfzehn Jahre alt, die Blaue wird erst seit sieben Jahren gebaut. Lass uns da fragen.« Riccardo hasste den Dickkopf seines Bruders. Mussten sie unbedingt den alten Toyota nehmen? Bereits
seit ein paar Tagen zweifelte er an der Idee seines Bruders, mit dem Auto von Kabul ins Pitaw Wildlife Reservat zu fahren, von wo sie weiter in den Hindukusch reisen wollten.
Am Reservat gab es eine Gegend, die Ähnlichkeiten mit dem Grand Canyon hatte. Diese Gegend wollten sie gerne besuchen. Der Unterschied zum Grand Canyon, der auch auf ihrer Reiseliste stand, bestand darin, dass die Felsen hier in Afghanistan nicht rot, sondern grau und das Wasser teilweise azurblau war. Und das Wichtigste: Noch hatte der Krieg diese Ecke des Landes nicht erreicht. Was man von Kabul, wo sie sich gerade befanden, nicht sagen konnte. Es gab immer wieder Hauswände, in denen Kugeln steckten, zerborstene Fensterscheiben und Stellen, an denen die Straßen durch Sprengsätze zerstört waren. Außerdem geriet man ständig in irgendwelche Kontrollen auf den Straßen. Wenn Riccardo genauer über ihr Vorhaben nachdachte, war es ein Wunder, dass sie noch lebten. Er war gespannt, wie lange es noch dauern würde, bis sie das erste Mal zwischen die Fronten kommen würden. Aber Riccardo traute sich nicht, seinem Bruder seine mittlerweile aufkommenden Zweifel an dieser Reise mitzuteilen. Sie hatten das alles zu zweit geplant und der Krieg war auch nicht in dem Moment ausgebrochen, in dem sie hier angekommen waren. Die Auseinandersetzungen tobten schon viel länger und sie hatten sich vorgenommen, sich nicht davon abschrecken zu lassen. Sie hatten jeden Ort, den sie besuchen wollten, gemeinsam ausgesucht, und sie hatten Monate mit der Planung und noch länger damit verbracht, das Geld anzusparen, das für diese Reise nötig war. Sie hatten diesen Trip zusammen geplant und nun musste er sich damit abfinden, ein Auto zu mieten, welches keinen Luxus bot und bei dem er damit rechnete liegenzubleiben. Miguel war derjenige von ihnen, der mehr Ahnung von Autos hatte, und wenn sein Bruder sagte, dass sie den alten Toyota nehmen sollten, dann würde er das notgedrungen mitverantworten.
»Riccardo, der Wagen kostet nur die Hälfte.«
Sein Bruder wollte ihm unüberhörbar das alte verrostete Model eines Toyota Pick-ups schmackhaft machen.
»Und wird doppelt so teuer, wenn wir liegen bleiben«, fiel er seinem Bruder ins Wort.
»Ach so, und die Kiste da hat dir zugeflüstert, dass sie das nicht macht, oder was?«, erwiderte Miguel ihm leicht gereizt.
Riccardo schnaubte. Es war schon ein Wunder, dass sie hier überhaupt jemanden gefunden hatten, der ihnen einen Wagen vermieten wollte. Warum musste sein Bruder nun auf einem Modell bestehen, von dem sicher weltweit nur noch fünf unterwegs waren? Und dass auch nur, weil diese fünf aus irgendwelchen Gründen länger als alle anderen irgendwo bei einem Autohändler gestanden hatten. Sie waren doch hier, um das Land und die Leute kennenzulernen, um mit eigenen Augen zu sehen, wie der Krieg ein Land verändert hatte. Und die Orte zu sehen, die der Krieg bis jetzt noch nicht zerstört hatte. Sie hatten jegliche Reisewarnungen ignoriert. Wenn sein Bruder seinen Dickkopf nun durchsetzen würde, wäre das erste Problem, dass sich ihnen stellen würde, ein defekter Wagen und nicht, wie er befürchtet hatte, ein Kugelhagel.
Grinsend erinnerte Riccardo sich an das Gesicht der Dame am Check-in Schalter des Flughafens in Istanbul. Sie waren aus Venedig angekommen und hatten nach Kabul weiterreisen wollen. Die Dame hatte ihre Pässe genau angesehen und sie anschließend gefragt, ob sie geschäftlich nach Kabul reisen würden. Als Riccardo und Miguel das verneint hatten, waren ihre Augen riesengroß geworden. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass jemand in Afghanistan Urlaub machen wollte. Aber genau das hatten er und sein Bruder vor. Und zwar nicht in irgendeinem der wenigen Hotels, die noch ansatzweise sicher waren. Sie wollten das Land sehen, von dem viel Negatives im TV berichtet wurde. Vielleicht hatte man in wenigen Jahren bereits vieles von dem zerstört, was sie sehen wollten. Oder es wäre gar nicht mehr möglich, in dieses Land zu reisen. Sie wollten sich dieses Land mit eigenen Augen ansehen, und da es keine wirklichen Reiseangebote gab, die sie in die Gegenden bringen würden, wollten sie mit dem Auto auf Tour gehen.
Aber um mit dem Auto reisen zu können, mussten sie erstmal eins haben, und genau das war gerade das Problem. Riccardo atmete durch. Vielleicht hatte sein Bruder recht. Der alte Wagen hatte sicher schon hunderttausend Kilometer hier zurückgelegt. Warum sollte er bei weiteren Tausend auseinanderfallen? Der Neuere der beiden hatte eine Klimaanlage und viel Elektronik, die, wenn sie irgendwo im Nirgendwo ausfiel, nicht mal eben repariert werden konnte. Überhaupt konnte man diese neumodischen Kisten ja nur mit einem Diagnosegerät und einem PC reparieren. Er zweifelte daran, dass man eben diese Geräte irgendwo am Straßenrand bei einer Werkstatt fand. Wenn es überhaupt Werkstätten auf ihrem Weg gab. An dem älteren Modell konnten sie das meiste noch selbst reparieren.
»Okay, nehmen wir die weiße Kiste.« Stöhnend willigte er ein und konnte Miguels gewinnendes Lächeln sehen. »Bleibt der liegen, schiebst du ihn«, fügte er leiser hinzu, war sich aber sicher, dass Miguel ihn nicht gehört hatte, da er bereits in ein Gespräch mit dem Händler vertieft war. In Italien wäre der Wagen ein Fall für den Schrotthändler. Und selbst da müsste man noch draufzahlen, um ihn loszuwerden.
Eine halbe Stunde später hatten sie sich den Wagen nicht geliehen, sondern für einen Spottpreis gekauft, da es teurer gewesen wäre, den Wagen zu leihen.
»So, lass uns fahren.« Miguels Hände lagen auf dem Lenkrad und er sah ihn grinsend an.
»Ja, es sei denn, du willst schieben«, feixte Riccardo zurück. Sie hatten Wasserreserven und Lebensmittel auf dem Rücksitz und auf der Ladefläche deponiert und ihre Route bereits mehrfach geplant. Ihr erster Weg würde sie nun in ein Naturschutzgebiet weiter nördlich führen. Er kannte nur die Bilder des Band-e-Amir Sees. Aber diese hatten ihn fasziniert und an den Grand Canyon erinnert. Um in die USA zu reisen, würden sie noch einige finanzielle Reserven anlegen müssen und vor allem würden zwei Wochen nicht reichen, um das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu bereisen. Aber um die für diese Reise nötigen Reserven anzulegen, würden sie sich beide Arbeit suchen müssen, die länger als zwölf Wochen Bestand hatte. Miguel hatte bereits einen Plan, wie er sich weitere Reisen finanzieren wollte, Riccardo hingegen war nicht nur unschlüssig, er hatte überhaupt keinen Plan, was seine Zukunft anging. Um nicht weiter an die große unbekannte Zukunft zu denken, warf er ein Blick auf die Karte, die er bereits auswendig kannte.
Das Bande Pitaw Wildlife Refuge war ein einziger grüner Fleck auf der Karte und er war gespannt, was sie dort erwartete. Großwild gab es dort zwar nicht, aber er rechnete sich Chancen aus, einen Schneeleoparden in freier Wildbahn zu sehen, und er wollte mit einem kleinen geliehenen Boot auf den Band-e-Amir See hinausfahren. Das kristallklare, teils türkisfarbene Wasser und die steilen Abhänge waren etwas, dass er unbedingt von Nahem sehen wollte. Als Miguel ihm die ersten Bilder gezeigt hatte, hatte er gedacht, es wären Bilder des Grand Canyons, aber da waren neben der Farbe des Wassers auch die der Felsen gewesen, die die Unterschiede ausmachten.
Die Straße, die sie dorthin bringen sollte, war geteert und Riccardo war positiv überrascht. Es war kein Highway, aber eine vernünftige Straße, auf der sich Autos und Lkw so begegnen konnten, dass sie nicht auf den Seitenstreifen fahren mussten. Obwohl das Land vom Krieg gezeichnet war, und ihm schon am Flughafen viele Soldaten ins Auge gefallen waren, wunderte er sich über die starke Militärpräsenz. Immer wieder kamen ihnen Konvois aus schwer gepanzerten Fahrzeugen entgegen. Es waren Amerikaner, Deutsche, Franzosen und Belgier, die ihm, je weiter sie nach Nordosten vorankamen, immer häufiger auffielen. Schwerbewaffnet, bei Temperaturen teilweise über vierzig Grad, marschierten sie an den Straßen entlang und suchten nach Sprengfallen.
»Hast du dir mal überlegt, was mit uns passiert, wenn wir auf so ein Teil geraten?« Mit hochgezogenen Augenbrauen musterte er seinen Bruder.
»Auf der Straße hier liegen die Dinger nicht im Teer, die haben sie am Straßenrand vergraben, und wenn du einem ausweichen musst … BÄM.« Miguel schlug mit der Hand auf das Lenkrad des Wagens. »Dann biste in praktische Einzelteile zerlegt und kannst in einem Einmachglas heimreisen. So kann man Kosten sparen. Dann kommst du als Päckchen daheim an.«
»Alter, du bist widerlich.« Riccardo schüttelte sich angewidert. »Du musst da lang.« Er deutete auf eine Abzweigung. Er konnte es nicht leiden, wenn sein Bruder so leichtfertig über den Tod sprach. Gerade in Anbetracht dessen, dass sein Bruder vielleicht auch irgendwann einer der Soldaten sein würde, die hier ihr Leben riskierten. Riccardo haderte bereits seit Wochen mit sich, ob er Miguel seine Pläne zur Armee zu gehen ausreden sollte. Vielleicht würden aber die Dinge, die sie hier sehen würden, reichen, um ihn von seinen Plänen abzubringen.
»Tja, dann ist das mit den tollen Straßen wohl nun vorbei was?« Miguel lenkte den Wagen auf eine sandige Piste. Die Straße war kaum als solche zu erkennen, aber wenn er seiner Karte und dem Schild, welches er gesehen hatte, Glauben schenken konnte, musste dies der richtige Weg sein.
»Erzähl mir nicht, dass das Hwy hier für Highway steht.« Miguel deutete auf die Karte, die Riccardo auf dem Schoß hielt. Über Wochen hatten sie versucht, ein Navigationsgerät zu finden, welches sie kein Vermögen kostete und doch auch die unscheinbaren Sandpisten verzeichnete. Aber keines hatte sie komplett zufrieden gestellt und so hatten sie sich für die Karte als Navi entschieden. Auch auf die Gefahr hin, dass die Elektronik versagen würde, waren sie so besser vorbereitet.
»Ich befürchte schon.« Riccardo grinste und wollte erwähnen, dass sie mit dem jüngeren Wagen vielleicht doch besser dran gewesen wären, da der eine andere Federung gehabt hatte und sie so nicht ganz so unter den Schlaglöchern gelitten hätten.
»Kein Wort.« Miguel starrte verbissen auf die Straße. Sein Bruder kämpfte bis in die anbrechende Dunkelheit mit den Schlaglöchern und damit, dass die vermeintliche Straße teilweise wellig war wie ein Reibeisen.