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Alvo Furisto
Geschrieben von  Mandy Schur Mandy Schur Geschrieben,  30-03-2019 16:30 30-03-2019 16:30 224  Gelesen 224 Gelesen
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"Bad Boy by Banana - Zwischen uns die Zeit" Eine spannende Liebesdramödie von Alva Furisto.



Ein Buch über die Liebe, das Leben und die Tragweite unserer Entscheidungen.


Anmerkung der Autorin...


Diese Geschichte ist so, wie sie ist. Zu 100 %. Sie wurde in den Handlungen nicht dem Mainstream oder einem bestimmten Genre angepasst. Diese Geschichte ist wie das Leben: eigenwillig, lebendig, lustig und traurig. Der Protagonist ist ein Mann, daher wird er auch handeln und denken wie ein Mann. Seien Sie gewarnt, denn demzufolge fühlt er sogar wie ein Mann!
Alle Hinweise diesen rotzigen Kerl an verschiedensten Stellen mit Weichspüler zu behandeln habe ich wohlwollend geprüft, konnte dem aber nicht zustimmen.
Tom zerfließt weder in Tränen, schmachtet tagelang in Agonie noch schreit er hysterisch herum. Dennoch ist es eine Liebesgeschichte. Da offenbar solche Dinge von einigen Leserinnen und Lesern im Genre Liebesroman erwartet werden, möchte ich an dieser Stelle gern eine Warnung aussprechen.
Aus der Perspektive einer Frau hätte der Roman möglicherweise dreihundert Seiten mehr Platz für innere Monologe, fünfzehn Tierarten weniger und nur eine weibliche Hauptrolle benötigt.

Leider konnte ich aber nicht aus meiner Haut.



Leseprobe:



01 DAS ARSCHLOCH BIN JETZT ICH


Vergangenes Silvester, Altenkirchen - Westerwald

Tom knallte den Laptop zu. Das fiese Krachen ersparte ihm nachzusehen, ob der Bildschirm zerbrochen war.
Er riss die Kühlschranktür auf und zog die Stirn in Falten. Bis auf eine Flasche herrschte gähnende Leere darin. Bereit, sich seinem Schicksal zu ergeben, ergriff Tom den Wodka und trank. Die Flüssigkeit ran kühl in seiner Kehle hinab. Erst als Tom die Flasche absetzte, begann der Alkohol in seinem Hals zu brennen.
Er taumelte bis zum Küchentisch. Dort kippte er den restlichen Inhalt der Flasche in sich hinein und schob sie ans andere Ende der Tischplatte. Tief sog Tom den Atem ein, in Erwartung des erlösenden und befreienden Gefühls, das er sich vom Alkohol versprach. Das war nicht sein erster Versuch an diesem Tag. Angespannt starrte Tom die Flasche an.
»Ich habe die Schnauze voll von dieser abgefuckten und beschissenen Welt. Intrigante Spielchen, wohin man sieht. Kranke, verfickte Scheiße. Ist es nicht so?«
Die Flasche starrte hohl zurück.
»Ich spiele dieses Spiel nicht länger mit!«
Tom blinzelte sein glasiges Gegenüber an. »Schweig nur, mein diabolischer Freund. Mein Entschluss steht fest!«
Toms Kopf schmerzte, als er auf dem Küchenboden aufschlug. Endlich versank sein Leben in Dunkelheit. Tom wollte alles vergessen – bis auf das, was er sich gerade vorgenommen hatte. Um nichts auf der Welt wollte er einen Filmriss und damit diesen brillanten Gedanken verlieren.

Das Pfeifen des Windes weckte ihn auf. Tom fühlte das Kissen unter seinem Kopf. Offenbar hatte er sich irgendwann in sein Bett geschleppt.
Erschrocken sammelte er seine Gedanken. Was er nicht hatte vergessen wollen: Es war noch da. Ehe Tom sich jedoch darüber klar werden konnte, wie er sein Vorhaben am Besten in Angriff nahm, verspürte er Übelkeit. Er eilte ins Badezimmer. Unsicher, ob sein Magen oder sein Darm sich zuerst entleeren musste, platzierte er sein Hinterteil auf die Toilette und packte sich den Mülleimer zwischen die Knie. Eine weise Entscheidung, wie sich umgehend herausstellte.
Tom fühlte sich völlig im Arsch. Stöhnend schleppte er sich in die Küche. Kaffee und Zigaretten mussten her. Sofort. Vergeblich durchwühlte er die Schubladen nach einem Zigarettenpäckchen. Tom hielt inne und ahnte Fürchterliches. Sein Blick peilte die Kaffeedose auf dem Regal an. Er grapschte danach und starrte entgeistert auf das leere Bodenblech. Verflucht! Musste er das Haus verlassen, um nicht an Koffeinentzug zu sterben? Erst jetzt sah er durch das Fenster nach draußen. In der letzten Nacht waren dreißig Zentimeter Schnee gefallen. Auch das noch!
»Soll ich etwa in meinem Zustand diese Scheiße räumen?« Er starrte die leere Wodkaflasche an, die noch immer geduldig auf dem Tisch verharrte und zeigte ihr einen Vogel. »Kannst du vergessen.«
Kaffee musste herbei. Aber an diesem verfluchten Neujahrstag waren die Geschäfte geschlossen. Zur Tankstelle zu fahren, würde bedeuten, sich zuvor den Zwängen der Natur zu beugen und die Einfahrt zu räumen. Das kam gar nicht in Frage! Tom ergriff das Telefon.
»Taxizentrale«, meldete sich eine Frauenstimme.
»Ich brauche Kippen und Kaffee«, brummte Tom.
»Hier ist die Taxizentrale.«
»Jo. Da wollte ich anrufen!«, sagte Tom.
»Und?«, erkundigte sich die Dame.
»Und ich will Kippen und Kaffee.«
»Und?«, fragte sie erneut.
»Kippen und Kaffee fahren im Taxi zu mir?«, erklärte Tom langsam und deutlich.
»Nö!«, zischte die Frau.
»Schlampe!«, rief Tom in den Hörer.
»Ihnen auch ein frohes neues Jahr.«
Die Idee mit dem Taxi hatte sich somit erledigt. Tom stieg mit nackten Füßen in die Gummistiefel und ging zur Tür hinaus. Geradewegs hinüber zu Gabi. Der Schnee wehte ihm unter das Shirt, das er zur Jogginghose trug, aber das war einem echten Mann auf der Suche nach überlebenswichtigen Grundnahrungsmitteln egal.
An der frischen Luft, einem weiteren Anflug von Übelkeit ausgesetzt, drückte er auf Gabis Klingel und hörte den Gong. Die verspielte Melodie entlockte ihm einen entnervten Seufzer, gefolgt von einem Augenverdrehen, welches wiederum einen herrlichen Schwindel hervorrief.
Nichts rührte sich. Nochmal die Klingel. Wieder nichts. Sicher hatte Gabi Silvester gefeiert mit ihren Freunden, diesen spießigen Arschlöchern von der Bank. Lauter verlogene Mistkäfer. Wie gut, dass sie Tom erst gar nicht eingeladen hatte!
Tom bollerte mit der Faust gegen die Haustür. Dass es noch früh am Morgen war, war ihm egal.
Nochmal trommelte er an die Tür. Gabi öffnete ihm und blinzelte Tom mit ihren braunen Augen verschlafen an.
»Was ist passiert?«, murmelte sie zunächst, um dann in einen nahezu hysterischen Tonfall überzugehen. »Tom? Wurdest du überfallen? Da ist Blut in deinem Gesicht.«
»Ich brauche Kippen und Kaffee«, sagte Tom. Zack, zack!
Gabi zog misstrauisch die Augenbraue hoch. »Oh. Äh. Warte.« Hastig trappelte sie in die Küche.
Nach einer Minute kam sie mit einem Päckchen Zigaretten und einem Pfund Kaffee zurück. Tom grapschte die Sachen aus ihrer Hand.
»Geht doch!« Er ignorierte Gabis Frage nach seinem Wohlbefinden und machte sich auf den Rückweg. Erst jetzt registrierte er die Irren um sich herum, die emsig damit beschäftigt waren, den Bürgersteig von Schnee zu befreien. Wohl oder übel musste er an seinem sechsundachtzig Jahre alten Nachbarn vorbei, dessen Einfahrt so trocken wie im Hochsommer wirkte.
»Frohes neues Jahr, Tom«, grüßte der Nachbar.
»Mh.« Warum zur Hölle machte ein Wodkakater nicht unsichtbar?
»Schöner Mist mit dem Schnee.« Der alte Mann seufzte.
»Mh.« Tom nickte, ohne den Neujahrsgruß zu erwidern oder stehen zu bleiben.
»Sicher denkst du daran, gleich den Gehweg zu räumen?«
Tom war bereits an dem Kerl vorüber, als ihn die Worte wie ein Dolch in seinen Rücken trafen. Das war zu viel! Er stoppte und drehte sich herum.
»Hör zu, du alter verbiesterter Hornochse. Ich räume meine Einfahrt, wann immer mir das passt. Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit hier jedem Staubkorn hinterherzurennen, geschweige denn, jeder Schneeflocke. Ich muss nebenher noch Woche für Woche arbeiten, damit du schön deine Rente bekommst. Was aus meiner verfickten Rente wird, daran will ich gar nicht denken. Und jetzt hol deine Zahnbürste und fege den Schnee noch aus den Fugen deiner Einfahrt. Wenn du damit fertig bist, kannst du gern bei mir räumen. Du scheust dich ja auch sonst nicht davor, dich an meinen Sachen zu vergreifen!«
Der Nachbar schwieg mit offenstehendem Mund.
Tom dampfte ab. Er riss die Haustür auf, füllte die Kaffeemaschine und zündete sich eine Zigarette an.
Wie ein Raubtier im Käfig wanderte er durch die Wohnung. Warum noch gleich hatte er beschlossen jemand anderes zu sein? Im Wohnzimmer angekommen, widmete er seine Aufmerksamkeit der Krippe – da fiel ihm der Grund wieder ein!
Tom fühlte sich wie Joseph! Der arme Kerl hatte diese Schlampe kennengelernt, dann war Maria mir nichts dir nichts schwanger geworden, und Joseph hatte sich gefreut - bis zu dem Tag, als Maria ihm verkündet hatte, sie habe einen anderen. Joseph hatte von seinem Gehalt üppig Unterhalt gezahlt und immer klein beigegeben, wenn es um seinen Sohn Chesus gegangen war.
Eines Tages war Tom schließlich darüber gestolpert, dass Chesus gar nicht sein Sohn war. Ja, aber Pustekuchen! Einmal die Vaterschaft anerkannt – Pech für Joseph, nein, - leider auch für Tom. Noch mehr Pech, dass er an seinem Kuckuckskind hing.
Das Weihnachtsfest war gekommen. Tom hatte sich auf sein – wenn auch - Kuckuckskind gefreut, doch Maria hatte ihm Chesus nicht vorbeigebracht. Damit hatte sie Joseph, alias Tom, tief getroffen. Am liebsten hätte Tom sich damals erhängt und zwar direkt neben dem Weihnachtbaum, unter dem das Geschenk für seinen Sohn gelegen hatte: Ein Flugzeug. Tom hatte es liebevoll für den kleinen Scheißer ausgesucht.
Er starrte in die Krippe auf das gütige Gesicht Marias. »Schlampe!« Unbeeindruckt, dass Tom sie anbrüllte, glotzte sie weiter voller Güte und Barmherzigkeit auf den Säugling. Tom griff in die Krippe und riss das Kindlein heraus. Er legte den Windelscheißer vor Joseph, der draußen bei den Hirten stand. Sicher hatte er dort die Geburt seines Sohnes mit den Hirten begossen und dazu gutes Gras geraucht. Immerhin war Joseph zu diesem Zeitpunkt noch gutgläubig gewesen!
Tom kam der richterliche Beschluss in den Sinn, den Maria im Laufe des letzten Jahres erwirkt hatte, und der ihm den Umgang mit Chesus verbot.
Dieses Jahr hatte Tom zum ersten Mal keinen Weihnachtsbaum. Aber das Geschenk für Chesus vom letzten Jahr, hatte er zusammen mit der Krippe auf das Sideboard gestellt. Diese Erlebnisse waren der Grund für seinen jetzigen Entschluss. Er war fertig mit dem Gutmenschentum. Die Zeit war reif, ein Arschloch zu werden.
Nachdem er im Badezimmer seine Blase erleichtert hatte, betrachtete er sich im Spiegel. Geronnenes Blut zierte sein Gesicht, das graue Shirt war voller Flecken und sein aschblondes Haar hing ihm strähnig ins Gesicht. Mit zusammengekniffenen Augenbrauen musterte er sein Erscheinungsbild. Gehörte zum Dasein eines Arschlochs, ungepflegt zu sein? Wohl nicht zwingend. Er wollte lieber eines der gutaussehenden Arschlöcher sein! Aalglatt, arrogant und unnahbar. Was sprach gegen den Auftritt gleichsam eines Filmstars? Nichts! Er stellte sich unter die Dusche und rasierte sich dort an allen erdenklichen Körperstellen. Nur sein Kopfhaar blieb von der Umsetzung seines neuen Aalglatt-Images verschont.
Fertig gewaschen, von einer Rasierwasserwolke des Herstellers Bad Boy by Banana umgeben, schmiss er sich in Hemd und Jeans. Er musste unter Menschen! Ihm war danach, seine neue Rolle zu üben. Umgeben von jenen euphorischen Wesen, die am Neujahrstag dem so heilbringenden Jahr voller guter Vorsätze entgegen taumelten, und sich verlogen ein erfolgreiches ebensolches wünschten, wo sie doch ihren Mitmenschen nicht einmal den Dreck unter den Fingernägeln gönnten. Oh, was könnte Tom da seine Rolle üben!
Zähneknirschend stellte er fest, dass er zwar ein wohlhabendes Arschloch war, dennoch eines ohne Personal. Er würde seinen Toyota Land Cruiser freischaufeln müssen, wenn er aus der Einfahrt wollte. Allrad hin oder her. Der Schneepflug hatte einen Wall vor seinem Grundstück aufgeschoben. Aber ein Geländewagen, der für Afrika gebaut war? Ein Auto, das vier Tonnen Zugkraft besaß? Drauf geschissen! Er würde den Wall auch ohne Schaufel bezwingen.
Tom schlüpfte in die Winterjacke und ergriff die Handschuhe. Bereits die Hand auf der Türklinke der Haustür, besann er sich und eilte zurück ins Wohnzimmer. Tom zog Maria aus der Krippe. Gutgläubig grinste sie ihn an.
»So, Schlampe. Du bist fällig. Ich werde dir die Welt zeigen und wenn du denkst, sie gehört dir, werde ich dir alles entreißen und dich mutterseelenallein aussetzen. Und vergiss den Jungen. Der bleibt bei Papa und lernt etwas Anständiges. Sollst mal sehen, dass er dann auch nicht ans Kreuz genagelt wird!«
Voller Vorfreude, seinen Mitmenschen den Abend zu verderben, riss Tom die Autotür auf. Eine ordentliche Portion Schnee wehte ihm ins Gesicht und auf den Sitz. Verstimmt klopfte Tom auf dem Bezug herum. Was vom Schnee dennoch übrig blieb, würde dummerweise ausreichen, um ihm einen feuchten Hintern zu bescheren. Na ja, wenigstens etwas zur Bescherung, wenn auch zu spät.
Maria bekam einen Ehrenplatz auf dem Armaturenbrett. Tom startete den Motor des Toyotas. Die Scheiben waren zugefroren. Bis er freie Sicht bekommen würde, musste das Gebläse einige Zeit laufen. Eigentlich genug Zeit, um die Einfahrt freizuschaufeln. Aber Tom war stur. Lieber saß er im Wagen und trotzte den Regeln. Sollte doch Schnee schaufeln wer wollte. Er hatte die Sauerei nicht bestellt!
Genervt sah er zu Maria. Sie hatte die Hände gefaltet und strotzte noch immer vor Güte. »Ja, mach nur. So ekelhaft war ich früher auch. Immer nett und zuvorkommend. Deine Barmherzigkeit wird dich nicht weiter bringen. Und in diesem Fall wird sie dir auch nicht helfen. Keine Gnade!«
Tom wischte den Belag vom Innern der Frontscheibe, bevor er den Allrad zuschaltete. Der 2,5 Liter Dieselmotor brüllte gleichsam eines wutentbrannten Eisbären. Die Reifen fraßen sich durch die weiße Pracht in Richtung des Walls. Unaufhörlich bewegten sie sich durch die vereisten Schneemassen. Mit roher Gewalt durchbrachen schließlich zwei Tonnen Metall den Widerstand der Natur. Tom war endlich auf der Straße.
Genugtuung breitete sich in ihm aus, da er der Urkraft hatte strotzen können. Maria war vom Armaturenbrett gerutscht und hatte sich auf den Beifahrersitz verkrümelt. »Nix da. Sieh deinem Untergang ins Auge.« Tom platzierte sie erneut hinter der Frontscheibe.
»Tom? Tom!« Richards Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. Erschrocken blinzelte Tom seinen Freund an.
»Was zur Hölle ist los mit dir?« Sein Kanzleipartner schüttelte den Kopf.
»Um was geht es?« Tom war kaum in der Lage, sich daran zu erinnern, wie er in die Kanzlei gelangt war. Wie sollte er sich da auf den zehnminütigen Vortrag eines Anwalts konzentrieren!
»Um was es geht? Du fährst am Neujahrstag mit 2,0 Promille ins Schaufenster des stadtbekannten Puffs. Das ist los!« Richard rieb sich angespannt über die Stirn.
Tom richtete seinen Krawattenknoten, bevor er aufstand. »Dann weißt du ja schon alles. Kann ich an die Arbeit?«