Banner
Ereignisse
<< Juli 2020 >>
Mo Di Mi Do Fr Sa So
    1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31    

Keine Ereignisse.

Mitglieder Online
Gäste Online: 12

Mitglieder Online: 0

Mitglieder insgesamt: 7
Neuestes Mitglied: Mandy Schur
Login
Benutzername

Passwort



Passwort vergessen?
Um ein neues Passwort anzufordern klicke hier.
Anmeldung
Newsletters

Anmeldung zum Newsletter






Angemeldet: 1343

Noch kein Kindle?

Artikel Navigation
Patrizia Rodacki
Geschrieben von  Mandy Schur Mandy Schur Geschrieben,  11-04-2020 13:53 11-04-2020 13:53 480  Gelesen 480 Gelesen
printer




"Creeksculver - Dunkle Vergangenheit" Ein Jugendthriller von Patrizia Rodacki.



Creeksculver: Das etwas andere Internat für Problemkinder. Ein Internat, in dem Schüler den Verstand verlieren.


Rosemarys Ankunft an ihrer neuen Schule wird immer mehr zum Albtraum. Anstatt zu lernen, stehen in Creeksculver Fächer an der Tagesordnung, die andere Namen tragen: Leid, Schmerz und Folter.

Gemeinsam mit Kate und Sam, dem Jungen, der ihr alles bedeutet, gilt es, die mysteriösen Todesfälle und Creeksculvers Geheimnisse zu ergründen. Dabei ahnen die drei Schüler zunächst nicht, dass sie nicht nur Creeksculvers System ausgeliefert sind, sondern auch ins Visier eines gefährlichen Mörders geraten, der im Internat sein Unwesen treibt.

Was die drei über die dunkle Vergangenheit des Internats erfahren, wird ihre Leben für immer
verändern.



Leseprobe



-Kapitel 7-


Als Rosemary und Sam das Klassenzimmer erreichten, saßen alle anderen Schüler schon auf ihren Plätzen. Es war so still, dass Rosemary ihr eigenes Herzklopfen hören konnte.
Als sie Kane in der ersten Reihe bemerkte, stand ihr Herz fast still. Er erweckte mit seiner geraden Körperhaltung und dadurch, dass er sich durch rein gar nichts ablenken ließ, den Eindruck eines wahren Musterschülers.
Vermutlich hatte er sie nicht bemerkt, weil er sich konzentriert in seinem Französischbuch Vokabeln durchlas. Rosemary und Sam setzten sich so weit weg von ihm, wie es nur möglich war. Kate trudelte etwas später ein und setzte sich zu ihnen. „Endlich“, murmelte sie genervt, „ich habe euch im ganzen Stockwerk gesucht.“
Wie sich herausgestellt hatte, hatten sie jetzt Französisch. Zu ihrem Glück hatten sie drei Französischbücher in einem der vielen Schränke finden können, einige Sekunden bevor es läutete. Die Lehrerin am Pult, die sie beim Hineingehen finster anblickte, sah genau wie Miss Flennigen aus, nur wirkte sie noch verdorbener und der faulige Geruch um sie war noch intensiver. Der Unterricht verlief ganz anders als in der vorherigen Klasse, in die sie sich mit Kate gestern geschlichen hatte. Nach der Begrüßung, die sich eher wie eine misslungene Gesangseinlage anhörte, verlas die Lehrerin eine lange Liste und prüfte die Anwesenheit.
„Diese Liste hört irgendwie nicht auf“, dachte Rosemary leicht genervt.
„Und die Leute auf dem Buchcover werden auch nicht schöner“, stöhnte Kate und tippte mit ihren Fingern auf den Einband des Französischbuches. Nachdem die Lehrerin die Liste vollständig verlesen hatte, wanderte ihr Blick zur dritten Reihe, wo Rosemary, Kate und Sam saßen. Sie sah jeden von ihnen einen Moment lang mit derselben übertriebenen Strenge an, sie wurden dazu aufgefordert, ihre Namen zu sagen und sie erweiterte darauf ihre Liste.
„Also, ihr Neuen. Ich bin Miss Hennigen. In meiner Klasse herrschen Ordnung und Disziplin und den, der etwas anderes glaubt, werde ich schon entsprechend überzeugen“, stellte sie streng klingend klar.
Der Elektroschocker schien hier so etwas wie eine Grundausrüstung zu sein, denn auch Miss Hennigen besaß diesen, zudem trug sie noch Schlagstöcke verschiedenster Größen mit sich herum.
So langsam kam sich Rosemary wie in einem richtig miesen Horrorfilm vor, in dem Schüler nichts weiter als Opfer waren. Als ungefähr die Hälfte der Unterrichtsstunde verstrichen war, wurde Sam dazu aufgefordert, einen langen komplizierten Satz zu übersetzen.
Rosemary starrte ihn beunruhigt an, aber Sam blieb die ganze Zeit über erstaunlich gelassen.
Als er fertig war, konnte die Lehrerin sich ihr düsteres Lächeln nicht verkneifen: „Das ist leider falsch.“
„Und ich denke nicht, dass das falsch ist“, entgegnete Sam ruhig.
Nach diesem mutigen Satz sah Kane interessiert zu Sam, fast schon so, als hätte Sam ihn beeindruckt, weil er die Meinung von genau dieser Lehrerin infrage stellte. „Steht auf Seite 149 wortwörtlich so im Buch, gelber Kasten.“
Einige Schüler schlugen neugierig die Seite auf, die Sam genannt hatte, Miss Hennigen selbst sah ungläubig nach.
„Woher kann er das wissen?“, fragte Rosemary Kate irritiert, die leicht lachte, „er hat das Buch nie aufgeschlagen und in unserer Zeit haben wir andere Bücher.“
„Ja, das mag sein, aber der Vokabelteil ab Seite 149 ist seit siebzig Jahren bei dieser Bücherserie nahezu gleich geblieben, das weiß ich zufällig“, flüsterte Kate schnell zurück.
Zum ersten Mal in ihrem Leben wusste Miss Hennigen wohl nicht, was sie sagen sollte. Sie konnte unmöglich einem Schüler Recht geben.
Sie lächelte unauffällig, als sie sagte: „Sam Stilwater, in den Schrank.“
Sam fuhr innerlich zusammen. Als er einen kurzen Blick auf einen der Schränke riskierte, verengten sich seine Augen zu schmalen Schlitzen.
„Aber … meine Antwort war richtig“, stotterte er. „Das interessiert mich nicht“, sagte Miss Henningen kühl, „in den Schrank.“
Rosemary verstand nicht, warum Sam plötzlich so angsterfüllt war, sie sah abwechselnd den großen, roten Schrank in der Ecke und Sam an. Der Schrank wurde immer unschärfer ...

Rosemary sah wieder eine Szene aus ihrer Vergangenheit, eine weitere verschwommene Erinnerung
mit Sam. Sie waren alleine in einem leeren Klassenzimmer, in der Ecke stand ein großer, roter Schrank. Das schwache Sonnenlicht, das durch die Glasfenster schien, blendete sie. Sie wartete darauf, dass Sam seine Sachen zusammenpackte. Als sie beide gehen wollten, wurden sie aufgehalten. Ein Junge, der Sam ziemlich ähnlich sah, aber mit seinen Lockenhaaren und einer Nase, die gebrochen wirkte, nicht genauso gutaussehend wie Sam war, stand im Türspalt und grinste hämisch. Seine zwei Freunde, die hinter ihm standen, sahen genauso hässlich wie die Jungen auf den Einbänden der Französischbücher aus, über die sich Kate ständig beschwerte, nur wirkten sie deutlich stärker und muskulöser. Sam schien leicht gereizt, als sie Rosemary und ihn nicht durchlassen wollten.
„Was ist es diesmal, Charly?“, fragte Sam an den Jungen gerichtet, der ihm ähnlich sah. Er klang fast herausfordernd. „Soll ich wieder Lehrer anlügen, damit du deine Vorteile hast, dir die Antworten für den nächsten Mathetest beschaffen, damit du zur Abwechslung einmal nicht durchfällst?“ Sam lachte amüsiert. „Ich habe es dir doch gesagt, ich tu nie wieder irgendwas davon. Du besitzt mich nicht.“
„Nicht doch, Bruder“, sagte Charly ruhig und ging mit seinen Freunden auf ihn zu, Sam und Rosemary wichen zurück. „Da heute dein Geburtstag ist, will ich dir etwas ganz Besonderes geben“, meinte Charly, Sam sah ihn eine Zeit lang nur verwirrt an. Einer von Charlys Freunden packte ihn so fest am Arm, dass Sams gesamter Körper verkrampfte, und schleifte ihn zum großen, roten Schrank. Sam versuchte sich loszureißen, aber es war zwecklos, dadurch verfestigte sich der eiserne Griff nur. Er wurde hinein geschubst. Sam hörte, wie die Schranktür hinter ihm zufiel, und ein lautes Klicken. Sein Bruder konnte gar nicht damit aufhören, wie ein Wahnsinniger zu lachen.
Seine dämlichen Freunde lachten mit.
„Und so etwas findest du witzig?“, fuhr Rosemary Charly an, der belustigt den kleinen Schlüssel in der Hand drehte, mit dem sein Freund gerade Sam eingesperrt hatte.
„Du weißt doch genau, dass er Klaustrophobie hat!“, schrie sie fassungslos. „Gerade deswegen ist es doch so lustig“, sagte Charly herzlos.
Von einer Wutwelle durchströmt, ging Rosemary auf Charly zu, die Hände zu Fäusten geballt.
Bevor sie ihm fest ins Gesicht schlagen konnte, zog einer seiner Freunde sie so heftig zurück, dass sie fast stürzte. Er zog sie zu sich und hielt sie fest. Durch einen Spalt in der Schranktür, der auf Sams Augenhöhe war, konnte er alles beobachten. Obwohl er starr vor Angst war, war sein Blick eiskalt.
Charly stellte sich direkt vor Rosemary, sein Lächeln war düster. „Wie hat Sam dich gezwungen, damit du so tust, als würdest du ihn mögen? Was genau hat er getan?“ Charly wartete ihre Antwort nicht ab, er schlug ihr so fest ins Gesicht, dass Blut an ihren Lippen klebte. „Das?“ Er versetzte ihr einen tiefen Stoß in die Rippen. Rosemary verlor das Gleichgewicht und fiel auf die Knie, sie musste sich zurückhalten, um nicht zu schreien. „Das vielleicht?“ Innerhalb weniger Sekunden wurde sie wieder hochgezogen. Rosemary sah Sam verzweifelt an, für sie war es schon schlimm genug, aber für ihn war es reinste Folter, dass er rein gar nichts tun konnte und gezwungen war, dabei zuzusehen. Ihm stand die Panik ins Gesicht geschrieben, aber er gab nicht den kleinsten Laut von sich. Als Stille einkehrteund beide die stille Hoffnung hatten, Charly wären die Ideen ausgegangen, zeigte der andere seiner dummen Freunde Charly begeistert ein Taschenmesser. Charly riss es ihm entschlossen aus der Hand und war kurz davor, Rosemary in den Arm zu stechen. Er drehte sich leicht zu Sam. „Was meinst du, Sam? Wollen wir zusammen dabei zusehen, wie sie langsam verblutet?“
Sam war völlig entsetzt, weil etwas in ihm wusste, dass es der volle Ernst seines Bruders war, er atmete genauso unkontrolliert wie Rosemary. Schritte aus der Ferne näherten sich ihnen. In einem Sekundenbruchteil wurde Rosemary losgelassen und sank zu Boden, Charly ließ blitzschnell das Taschenmesser in der Hosentasche seines Freundes verschwinden. Im nächsten Moment stand eine Lehrerin mit Hochsteckfrisur und langem Rock im Türspalt. Zunächst schien sie verwirrt, dann entriss sie Sams Bruder den Schlüssel, sperrte die Schranktür auf und schrie völlig außer sich:
„Charly Stilwater zum Direktor, aber sofort!“
„Und ihr zwei kommt gefälligst mit!“, fügte die Lehrerin aufgebracht hinzu und deutete auf Charlys Freunde.
In der Zwischenzeit half Sam Rosemary aufzustehen, sie sahen beide verstört aus.
Die Lehrerin wandte sich nun an sie, dabei versuchte sie ruhig zu klingen: „Ich muss euch leider bitten, ebenfalls mitzukommen, damit ihr dem Direktor den genauen Verlauf der Geschehnisse schildern könnt.“
Kurz bevor Rosemary mit den Anderen den Raum verließ, hörte sie noch, wie Sam Charly hasserfüllt zuflüsterte: „Ich werde dir das heimzahlen.“ Als Letztes sah sie Charlys bitterkaltes Lächeln, wie er Sam auslachte, bevor sich alles endgültig verwischte.


Jetzt erinnerte Rosemary sich wieder: Sam litt unter Klaustrophobie.
Kurz bevor er aufstehen konnte, schrie Rosemary: „Nein, ich gehe für ihn!“
Nachdem sie ihre Entscheidung getroffen hatte, starrte Miss Hennigen sie verwundert und beeindruckt zugleich an, so etwas hatte sie noch nie zuvor erlebt.
Rosemary stand auf und schritt mit erhobenem Kopf zu einem Schrank ganz in der Ecke und schloss entschieden die Tür hinter sich. Im Schrank war es so dunkel, dass sie nicht einmal die Hand vor Augen sehen konnte, aber es war nicht so eng, wie sie erwartet hatte, es hätte problemlos noch eine zweite Person in diesen Schrank gepasst.
Sie blieb nicht lange allein, kurz darauf ging die Schranktür auf und Sam wurde in den Schrank gedrängt. Kurz bevor die Tür zuknallte, hörte sie Kanes kalte Stimme: „War übrigens ein netter Versuch, Creeks.“
Alles verdunkelte sich wieder, Rosemary konnte Sam nicht richtig sehen, aber sie konnte deutlich seine Angst und steigende Aufregung spüren. Sie ertastete seine Hand und fasste diese sanft.
„Sam, ich erinnere mich wieder“, wisperte sie, „ich weiß, dass du jetzt Angst hast. Vor mir brauchst du diese Angst nicht zu verbergen.“
„Wahnsinn.“
„Ja, ich weiß. Dieses ganze Internat ist schon ziemlich kranker Wahnsinn.“
„Nein, Rosemary“, flüsterte Sam, „du bist Wahnsinn.“
Für Sam war es immer noch unbegreiflich, was Rosemary getan hatte, dass sie bereit war, seine Strafen einfach so auf sich zu nehmen, obwohl sie sich hätte denken können, dass es weder ihr noch ihm etwas bringen würde.
„Ich habe mich daran zurückerinnert, wie dein Bruder uns an deinem Geburtstag schikaniert hat. Die Erinnerung, die ich gesehen habe.
Sie ist doch echt, nicht wahr?“
„Das ist sie“, sagte Sam leise, „das war mein schlimmster Geburtstag. Mein Bruder war immer ein richtiger Dreckskerl, aber ich hatte nie geahnt, dass er dazu fähig wäre, so etwas zu tun. Charly war immer eifersüchtig, hatte sich eingeredet, unsere Eltern würden mich mehr lieben, weil ich bessere Noten und bessere Freunde hatte. Es ist meine schlimmste Erinnerung, denke ich.“