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Buchvorstellung "WUTRAUSCHEN"
Geschrieben von  Mandy Schur Mandy Schur Geschrieben,  19-06-2018 16:00 19-06-2018 16:00 951  Gelesen 951 Gelesen
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"WUTRAUSCHEN" Ein Horrorthriller von Simone Trojahn.



Was passiert, wenn sich zwei verlorene Seelen finden?

Als der eigenbrötlerische und durch seine dominante Mutter schwer traumatisierte Marvin die ebenso süße wie sonderbare Altenpflegerin Emma kennenlernt, scheint es Liebe auf den ersten Blick zu sein. Doch Marvin ist nicht der Einzige mit einem düsteren Geheimnis. Emma hat ein massives Problem mit ihrer Wut, diesem heiß brodelnden Biest in ihrem Kopf.
Wird Marvin ihr Retter sein, kann er das Biest zähmen oder verschlingen die Dämonen der Vergangenheit ihre längst verlorenen Seelen?


WUTRAUSCHEN – die etwas andere Liebesgeschichte.


Zur Autorin

Simone Trojahn schreibt erschreckend realistisch, tiefgründig und absolut schonungslos. Ihre Geschichten sind gnadenlos authentisch. Die Ausnahme-Autorin arbeitete viele Jahre im sozialen Bereich und kennt die Schattenseiten des Lebens. In einzigartiger Weise zeigt sie auf, was mit uns geschieht, wenn wir selbst zu einer Person werden, die wir vielleicht nie sein wollten.



Leseprobe:



…Vera Höfer stolzierte durch die Tür, als wäre sie hier zu Hause, und drückte Emma einen kühlen Kuss auf die Wange.
»Geht’s dir gut, mein Schatz?«
Auch ihre Stimme klang kühl. Und sie musterte Emma auf diese abschätzende Art von oben bis unten, die ihr selbst wahrscheinlich nicht einmal bewusst war. Auf diese Art und Weise hatte sie auch andere Frauen gemustert, als Emma noch ein Kind war.
Doch Emma war nicht irgendeine Frau!
Sie war ihre Tochter, verdammt nochmal!
Wütend betrachtete sie den flachen Bauch ihrer Mutter und konnte kaum fassen, dass sie einst darin gewachsen war. Ein Wunder, dass die Kälte sie nicht umgebracht hatte!
»Ja, Mama, alles gut bei mir. Setz dich doch.«
Emma hatte die letzten Stunden mit Aufräumen und Putzen verbracht, wusste aber trotzdem, dass ihre Mutter etwas auszusetzen haben würde. Das hatte sie immer. Sie gehörte zu jenen Menschen, denen man es niemals rechtmachen konnte. Vor allem nicht als Tochter.
Mit steifem Rücken schritt Vera durch die Wohnung und beäugte jeden Winkel wie bei einer Generalinspektion. Genau so hätte sie auch Marvin in Augenschein genommen und plötzlich war Emma froh, dass er nicht hier war.
In der Küche hatte sie den Kaffeetisch gedeckt und sich wirklich Mühe gegeben. Sogar gebacken hatte sie, was nun wirklich nicht zu ihren Stärken gehörte. Es gab Sandkuchen und Muffins.
»Nun setz dich doch bitte.«
Aber Vera wollte sich nicht setzen. Wie die Oberaufseherin im Gefängnis stolzierte sie in der Küche auf und ab, öffnete und schloss Schränke und fuhr mit dem Zeigefinger über jede kleine Staubschicht, die Emma vergessen hatte.
Ihre Putzfrau hatte sicher nichts zu lachen.
»Ist es nicht sauber genug?«, konnte Emma es sich schließlich nicht länger verkneifen.
Vera drehte sich zu ihr um und bleckte die Zähne im gewohnt künstlichen Lächeln. »Du hast ja auch viel zu tun, mein Schatz. Dein Job ist sehr anstrengend.« Das Wort ›Job‹ sprach sie so aus, als würde sie eigentlich etwas anderes damit meinen, zum Beispiel ›stinkender Scheißhaufen‹. Ihre Mutter hatte nie verstanden, warum Emma eine Ausbildung zur Altenpflegerin machen wollte. Im Grunde hatte sie sich regelrecht dafür geschämt. Wäre es nach ihr gegangen, hätte ihre Tochter so etwas wie BWL studieren und dann in irgendeiner Firma arbeiten oder zumindest eine Ausbildung als Bürokauffrau machen sollen.
Irgendwas ›Sauberes‹, wie sie es auszudrücken pflegte. Jobs, bei denen man mit etwas Schmutzigem oder gar menschlichen Exkrementen in Kontakt kam, waren ein Gräuel für Vera.
Emma hatte immer so getan, als wäre ihr das egal, wenigstens war Papa stolz auf sie, doch in Wirklichkeit hatte es sie zutiefst verletzt. Damals schwor sie sich, keinen Finger zu rühren, wenn ihre Mutter alt und pflegebedürftig werden sollte. Spätestens dann würde sie es bereuen.
Niemand blieb auf ewig jung.
Papa sah das genauso. Wobei es schon das Fieseste war, das er je über diese Frau gesagt hatte, obwohl sie ihn jahrelang mit Gemeinheiten überschüttet hatte. Er konnte einfach nicht aus seiner gutmütigen Haut.
Endlich setzte Vera sich auf ihren knochigen Hintern – natürlich nicht, ohne vorher die Sitzfläche des Stuhls abzuwischen.
Diese Hexe!
Emma versuchte, sich ihre Wut nicht anmerken zu lassen und schenkte ihrer Mutter Kaffee ein, der natürlich auch nicht zu ihrer Zufriedenheit sein würde.
»Ein bisschen trocken, nicht wahr?«, stellte Vera fest, nachdem sie ein winziges Stückchen vom Kuchen probiert hatte.
Emma schluckte ihren Hass hinunter.
Und die Wut.
Diese verdammte Wut!
»Du kannst auch einen Muffin haben, wenn du willst.«
»Die sehen nicht besser aus.« Vera nahm einen weiteren Bissen und spülte mit schwarzem Kaffee nach.
Ein Wunder, dass sie sich darüber noch nicht beschwert hatte.
»Und, gibt’s was Neues?«, fragte sie dann mit hochgezogenen Brauen.
Darauf hatte Emma gewartet. Sie wusste zwar, dass ihre Mutter schon aus Prinzip einfach alles schlecht machte, was sie sagte, konnte aber trotzdem nicht umhin, ihr von Marvin zu erzählen. Weil er sie so glücklich machte und sie wie das kleine Mädchen von früher seltsamerweise noch immer das Bedürfnis hatte, sich ihrer Mutter mitzuteilen – in der Hoffnung auf ein kleines bisschen Anerkennung.
Schau mal, Mama, ich habe dir ein Bild gemalt!
Oh, zeig mal her. Das ist aber eine seltsame Sonne, mein Schatz. Und dann dieses Haus! Das Dach ist ja ganz schief. Soll das da oben ein Vogel sein?
»Ich habe jetzt einen Freund.«
Schau mal, Mama, ich habe dir ein Bild gemalt …
»Oh, wirklich?« Die Brauen gingen hoch, bis sie komplett unter dem Pony verschwunden waren.
»Ja, wirklich.« Emma lächelte. »Er wohnt auch schon hier. Es passt wirklich super.«
»Er wohnt hier? Heißt das, er steht auch mit im Mietvertrag?«
Diese verdammten Augenbrauen!
Emma räusperte sich. »Äh, das noch nicht. Er hat ja eine eigene Wohnung. Aber er ist die meiste Zeit bei mir.«
»Jetzt nicht«, stellte Vera mit einem Blick über die Schulter fest.
»Jetzt ist er arbeiten.«
»Oh, natürlich, es ist ja mitten in der Woche. Was macht er denn?«
Die Augenbrauen gingen wieder nach unten.
Aber für wie lange?
»Er … er arbeitet auch im Altenheim.«
Und da waren sie wieder! Diese verdammten zu einer schmalen Linie gezupften Dinger! Am liebsten hätte Emma sie abgerissen.
»Oh … ein Altenpfleger.«
Das ist aber eine seltsame Sonne, mein Schatz.
Emma hätte das nun klarstellen können und ihrer Mutter erklären, dass Marvin dort nur einen Ein-Euro-Job machte. Würde sich das besser anhören?
»Ja. Wir haben uns auch bei der Arbeit kennengelernt. Ich bin wirklich sehr glücklich mit ihm, Mama.«
»Bist du das?«
Dieser Unterton! Genau wie früher. Emma sah plötzlich das kleine Mädchen mit den Zöpfen, das sie gewesen war, wie es sich traurig umdrehte und ihr Bild wieder mitnahm, weil es Mama nicht gefiel.
Das kannst du doch besser, oder?
Nein, sie hatte nie geschafft, es besser zu machen. Bis heute nicht.
Sie hätte es sich natürlich denken können, aber so war das mit der verdammten Hoffnung!
»Ja. Wir sind schon ein paar Monate zusammen und ich bin mir ziemlich sicher, dass er der Richtige ist.«
Warum redest du noch weiter? Hör doch endlich auf!
»Der Richtige also.« Vera verzog den Mund. An ihren zu roten Lippen hingen Kuchenkrümel. Die Augenbrauen waren schon wieder unter dem Pony verschwunden.
»Ja«, sagte Emma verzweifelt. Sie redete viel zu laut.
»So siehst du also deine Zukunft? Mit einem Altenpfleger?«
»Was spielt das denn für eine Rolle? Wir lieben uns!«
»Ja, natürlich, die Liebe!« Vera ließ ein trockenes Lachen hören. »Die hast du dir verdient, mein Schatz.«
»Warum machst du das?!«, schrie Emma plötzlich.
Ihre Mutter zuckte tatsächlich zusammen.
»Warum musst du immer alles in den Dreck ziehen?!«
»Das tue ich doch gar nicht, mein Schatz. Wir reden ja nur.«
Das Dach ist ja ganz schief …
»Dann erzähl doch mal weiter. Wie heißt er? Wie alt ist er?«
Du solltest nicht weiterreden, dachte Emma und tat es trotzdem. »Sein Name ist Marvin und er ist dreißig. Er kann richtig gut kochen.«
»Wirklich?«
Soll das da oben ein Vogel sein?
»Ja, wirklich. Vielleicht lernst du ihn ja irgendwann mal kennen, dann wirst du schon sehen, dass er richtig nett ist.«
»Oh, das bezweifle ich auch gar nicht, mein Schatz. Es ist nur so, dass du langsam auch mal an deine Zukunft denken solltest. Was willst du denn mit einem Mann, der es nicht weiter gebracht hat als du selbst? Wie sollst du dich denn da je verbessern?«
»Aber darum geht es doch gar nicht!«, schrie Emma. »Ich will einen Mann, den ich liebe und der mich liebt. Darum geht es und um sonst nichts!«
Diese Wut! Oh Mann! Sie kochte und brodelte, brachte alles in Wallung.
Vera lachte, als hätte sie selten einen besseren Witz gehört. »Das ist so süß, mein Schatz. Aber wir leben doch nicht in einem Märchen. Liebe ist vergänglich. Geld und Ansehen bleiben, wenn man es richtig anstellt. Ich war allerdings auch mal so naiv wie du jetzt. Damals, als ich deinen Vater geheiratet habe … Wegen der Liebe!« Sie lachte wieder. »Aber ich hab’s begriffen und mich getrennt, um endlich das Leben zu führen, das ich verdient habe.«
»Ich führe das Leben, das ich mir immer gewünscht habe. Mit Marvin!«
Vera seufzte. »Ach, Schätzchen. Wohin wird dich das führen?«
Emma spürte die Wut jetzt ganz deutlich und in diesem Moment wurde ihr zum ersten Mal bewusst, dass ihre Mutter nicht nur jetzt, sondern schon immer der Auslöser dafür gewesen war. Diese Frau war schuld, dass Emma sich nicht normal hatte entwickeln können und immer wieder Menschen wehtun musste, die eigentlich nichts dafür konnten. Niemand hatte diese Emotion je so schnell und zuverlässig auslösen können wie ihre Mutter. Es war, als hätte sich einer dieser Würmer gelöst, die sich immer in ihrem Gehirn wanden, wenn eine Sache sie zu intensiv beschäftigte, und würde nun durch ihren Körper wandern und alles mit dieser furchtbaren Wut infizieren.
Emma spürte es in ihrem Magen, der ein dicker heißer Klumpen war, und in ihren Fingern, die sich verkrampfen wollten. Der Wurm kroch in ihr Herz, wo er ein schmerzhaftes Ziehen hinterließ, und dann weiter in ihre Knie, um sie weich und zittrig zu machen. Am schlimmsten war es aber in ihrem Kopf. Dort pochte und pulsierte es, ihre Wangen glühten ...
So begannen sie immer – ihre Wutanfälle. Schon als Kind. Sie war dann immer wie eine Wahnsinnige herumgesprungen, hatte sich das Gesicht zerkratzt und die Haare büschelweise herausgezogen. Manchmal war sie in ihr Zimmer gestürzt und hatte alles kaputt gemacht, was sie in die Finger kriegen konnte. Oder sie hatte geschrien … einfach nur geschrien …
Das tat Emma Höfer jetzt, und zwar aus vollen Lungen. Sie schrie ihre Mutter an, die so kalt und herzlos war. Ihre Mutter, der sie es noch nie hatte rechtmachen können. Jedes Kind wollte geliebt und akzeptiert werden. Um mehr ging es doch gar nicht. Sie wollte, dass ihre Mutter sie in den Arm nahm und stolz auf sie war. Nicht mehr und nicht weniger.
Doch Veras Miene blieb starr, ihre Augen kalt. Sie hatte kein Interesse und erst recht kein Verständnis für das Leben ihrer Tochter.
Diese Hexe!
Ihre Gleichgültigkeit tat so weh – und sie war nicht fair!
Genau das brüllte Emma ihrer Mutter jetzt ins Gesicht, während der böse Wurm sich weiter in ihren Körper grub und alles mit roter Lava überschüttete.
Gift und Hass.
Es war überall.
Emma wollte, dass es aufhörte, doch so einfach war das nicht.
»Ich hasse dich!«, brüllte sie.
Vera hatte nur ein süffisantes Lächeln für sie übrig.
Doch Emma nahm es kaum noch war. Wut brannte in ihren Augen. Sie sprang auf und stieß dabei die Kaffeekanne um. Schwarz wie Pech schwappte die heiße Flüssigkeit über den so sorgsam gedeckten Tisch. Sie hatte sich wirklich Mühe gegeben. Verdammt!
Auch ihre Mutter war aufgesprungen. Gerade noch rechtzeitig, um keinen Kaffee abzubekommen.
»Ich will, dass du gehst!«, schrie Emma.
Vera nickte. »Ist wohl besser so. Du hast dich mal wieder nicht unter Kontrolle. Was soll nur aus dir werden, Mädchen? Du tust mir wirklich leid.«
Und wieder zuckten die Augenbrauen nach oben. Diese verfluchten Dinger!
Als wäre sie nicht sie selbst, holte Emma aus und schlug ihrer Mutter ins Gesicht.
Das Klatschen der Ohrfeige schien für einen Moment die ganze Welt zu erfüllen. Vera erstarrte, ihr Mund klappte auf, die Augenbrauen sanken nach unten.
»Das hättest du nicht tun sollen. Das wirst du noch bereuen«, zischte Vera und richtete ihren Zeigefinger wie eine Waffe auf ihre Tochter.
»Ach ja?!«, keifte Emma. Sie sah rote Lava an den Rändern ihres Blickfeldes.
Wo kam das her?
Sie ging einen Schritt weiter.
Ihre Mutter wich zurück.
Vor ihr!
Das hatte sie noch nie getan!
»Verschwinde!«, brüllte Emma und packte Vera an den knochigen Schultern, schüttelte sie wie eine Puppe.
»Lass mich los! Hör auf!« Vera versuchte, sie wegzustoßen, doch Emma war stärker.
War sie es immer gewesen?
Sie schüttelte weiter und genoss diesen neuen Ausdruck in den Augen ihrer Mutter. Die Überheblichkeit war verschwunden und hatte Platz gemacht für jede Menge Angst.
Vera stand inzwischen mit dem Rücken zum Herd.
Sie sitzt in der Klemme.
Wieder blitzte es rot in Emmas Kopf. Doch diesmal war es kein Hass und auch keine Wut, sondern nur eine Idee.
Herdplatten waren rot, wenn man sie anschaltete ...



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