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Buchvorstellung: "Dana und das Geheimnis des magischen Kristalls"
Geschrieben von  Mandy Schur Mandy Schur Geschrieben,  04-07-2018 18:00 04-07-2018 18:00 1291  Gelesen 1291 Gelesen
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"Dana und das Geheimnis des magischen Kristalls" Band 1 des abenteuerlichen Fantasy Dreiteilers von Thomas L. Hunter.



Neuauflage - Überarbeitet!



Vor langer Zeit ist ein magisches Experiment schiefgegangen. Ein uraltes Volk, das es durchgeführt hatte, musste die Konsequenzen tragen. Die magische Explosion hat alle aus ihrer Zeit gerissen. Dana wurde als Baby dann von Zwergen gefunden und aufgezogen.
Dort erfährt sie an ihrem zehnten Geburtstag von ihrer Herkunft und der ihres Volkes, das nicht nur sehr alt wurde, sondern auch außergewöhnliche Fähigkeiten besaß.
Neugierig und voller Begeisterung versucht sie nun, mehr über sich und ihr Volk zu herauszubekommen. Während der Suche nach ihrer Vergangenheit trifft sie auf einen Geist. Dieser ist aus ihrem Volk, der sie anleitet und ihre Ausbildung zur Magierin überwacht.
Sie lernt die alten Bücher zu lesen und wie sie Magie einsetzen kann. Er erzählt ihr, was damals passiert ist und sie möchte natürlich nach ihren Eltern und ihrem Volk suchen - selbst wenn sie die Zeit überlisten muss. Natürlich lernt sie auch, das Leben zu achten.
Während der Ausbildung bekommt sie vom König der Zwerge den Auftrag, ihnen bei einem Problem im Gebirge zu helfen. Nach einer Katastrophe vor über einhundert Jahren kann keiner den Berg verlassen. Jeder, der sich damit beschäftigt hatte, war daran gescheitert.
Die Zwerge hoffen nun, dass sie mit ihren magischen Fähigkeiten dieses Problem beheben könnte. Bei der Suche nach einer Lösung und nach ihrer Vergangenheit muss sie viele Abenteuer überstehen.
Sie erfährt immer mehr von ihrer Herkunft und lernt bei ihren Nachforschungen immer mehr Charaktere kennen, die Kontakt zu ihrem Volk hatten und sie bei ihren Aufgaben mit Rat und Tat unterstützen.
Zum Glück ist sie nicht alleine. Shari, ihre kleine Fee, und Gomek, der Zwergenjunge, begleiten und unterstützen sie tatkräftig.
Ist diese Aufgabe überhaupt von einer Zehnjährigen und ihren jungen Freunden zu schaffen? Sie lassen sich jedenfalls nicht abschrecken und versuchen alles, um ihr Ziel zu erreichen.



Leseprobe:



Die Höhle lag im Halbdunkel und viele Magier hatten sich zu einer Zeremonie eingefunden. Sie bildeten einen großen Kreis um ein Pentagramm, das in ihrer Mitte auf dem Boden eingemeißelt war. Auf jeder Spitze dieser Abbildung erhob sich ein übermannshoher pechschwarzer Monolith, hinter dem sich jeweils ein weiterer Magier aufgestellt hatte. Sie alle zelebrierten ein mächtiges Ritual, das aus dem Ruder zu laufen begann.
Schließlich, mit einer gewaltigen geräuschlosen Explosion, wurde die Höhle in gleißendes Licht getaucht. Als das grelle Licht erlosch, stand ein Magier, einsam und verlassen in der Mitte des Pentagramms und sah sich verstört um.
»Hallo? Ist hier jemand?«

Kapitel 1


Das Findelkind

Es war ein schöner, lauer Abend. Olo, ein Zwerg in den allerbesten Jahren und vor kurzem 648 Jahre alt geworden, befand sich mit seinem besten Freund und Arbeitskollegen Toben, der gerade mal zweiundvierzig Jahre jünger war als er, auf dem Weg nach Hause. Sie kamen aus der Altstadt, genauer gesagt aus ihrer Stammgaststätte »Zum goldenen Amboss«. Dort hatten sie, wie jeden Abend, ihr Feierabendbier genossen und schlenderten nun gut gelaunt, den Abend genießend, nebeneinander her. Die beiden waren schon ewig gute Freunde und Kollegen. In der Behörde für Wissenschaft und Forschung arbeiteten sie, in der Abteilung für Metalle, Schmiedekunst und Erfindungen, eng zusammen. Hier wurden sie bei ihren Arbeitskollegen als hervorragende Mitarbeiter und Tüftler geschätzt.
Jetzt in der Abenddämmerung hatte die Verwaltungsbehörde, zuständig für Wetter, Licht und Umweltkontrolle und von den Zwergen auch kurz WeLiUm genannt, die Laternen eingeschaltet. Sie erhellten mittlerweile die ganze Gegend und tauchten die Umgebung in ein angenehm warmes Licht. In eine anregende Unterhaltung vertieft, überquerten die beiden den großen Versammlungsplatz, der sich vor der Regierungspyramide erstreckte. Auf der einen Seite lag, jetzt im Dunkeln, ihr Arbeitsplatz und natürlich noch die WeLiUm. Auf der anderen Seite, wo sie soeben herkamen, erstreckte sich, um diese Zeit hell erleuchtet, das Gewerbegebiet mit seinen kleinen Läden, Gaststätten und Pensionen.
Sie unterhielten sich über einige Veränderungen in ihrer Zwergenkolonie, die ein bescheidener Teil eines ausgedehnteren Höhlensystems war.
»Fantastisch, einfach fantastisch.«
Toben war stehengeblieben und betrachtete die Decke über seinem Kopf. Olo hatte nicht mitbekommen, dass Toben ihm nicht gefolgt war und, brummte nur ein müdes: »Was?«
»Was die WeLiUm alles schafft. Schau dir die Höhlendecke an, Tausende von Sternen. Ist das nicht immer wieder ein erhebender Anblick? Und erst das Flackern dieser kleinen Dinger! Wie am richtigen Nachthimmel. «
Olo sah genervt nach oben. Er war erschöpft und wollte nur schnell nach Hause. Allerdings musste er Toben Recht geben. Es war schon ein herrlicher Anblick. Neben den nun abgeschalteten großen Tageslichtkristallen gab es viele kleine Leuchtkristalle an der Decke, die einem den Eindruck eines echten Sternenhimmels vermittelten.
»Aber dies Geflacker … ob das normal ist?«
Ein eiskalter Schauer lief ihm über den Rücken, etwas Unbekanntes, Bedrohliches braute sich über ihren Köpfen zusammen. Er spürte es in seinen Knochen. Beunruhigt knurrte er:
»Komm, lass uns weiter gehen. Irgendwas stimmt hier ganz und gar nicht. Das spüre ich genau. Morgen Abend kannst du ja weiter die Decke anstarren.«
Toben riss sich von dem Anblick los und sah seinem Freund irritiert hinterher. Schließlich sputete er sich, um Olo einzuholen.
»Was hast du gesagt? Hier stimmt was nicht? Was meinst du damit?«, wollte Toben von ihm wissen.
»Nur ein Gefühl! Mehr nicht!«, brummte Olo und legte einen Zahn zu. Nachdenklich passte Toben sein Schritttempo dem des Freundes an.
Die beiden Zwerge hatten den Platz fast überquert, als sie plötzlich erschrocken zusammenzuckten. Ein heller Lichtblitz hatte sie geblendet. Irritiert blieben sie stehen.
Als Toben sich etwas gefangen hatte, wandte er sich verwirrt an Olo:
»Wow! Was war denn das! Ich wusste nicht, dass die WeLiUm in der Lage ist Blitze zu machen! Kommen jetzt auch noch Donner und Regen?«
»So‘n Quatsch« brummte Olo und sah ihn kurz entgeistert an, ehe er sich umblickte, um die Quelle der Lichterscheinung auszumachen. Sein Blick fiel auf den riesigen Monolithen, ein pechschwarzes, kegelförmiges Objekt, das sich im hinteren Bereich des Platzes, genau gegenüber der Regierungspyramide befand. Ein merkwürdiges Glimmen ging vom Fuß dieses Gebildes aus, das dort, schon seit Zwergengedenken stand. Die beiden Zwerge sahen sich erstaunt an und hörten im selben Augenblick einen ohrenbetäubenden Lärm.
Zuerst erschraken sie. Als jedoch der erste Schock überwunden war, bewegten sie sich langsam auf das Geräusch zu. Zwerge sind zwar mutig, konnten allerdings auch besonders vorsichtig sein, wenn es notwendig war. Immer näher kamen sie der Lärmquelle bis: vor Erstaunen verschlug es ihnen einen Moment die Sprache und sie schnappten hörbar nach Luft. Damit hatten sie nicht gerechnet! Ein Körbchen, reich verziert und mit edelster Seide ausgeschlagen, stand vor dem Monolithen. Und noch etwas entdeckten sie: Ein kleines, goldfarbenes fliegendes Wesen. Es umkreiste ohne Unterlass den Korb. In dem lag ein Säugling mit weißblondem Haarschopf, hellblauen Augen und einem weit aufgerissenen Mund, aus dem der ohrenbetäubende Lärm kam.
Nun, sie hatten die Quelle des Radaus aufgespürt, der sie hierher gelockt hatte.
Das Kind lag, in Samt und Seide gehüllt, schreiend und strampelnd vor den beiden. Zu Füßen des kleinen Wurms erkannten Olo und Toben die Überreste eines zerbrochenen, goldenen Eis, die mit Hieroglyphen übersät waren. Am Kopfende, über dem Schreihals, pendelte ein reich verziertes Medaillon.
Die beiden sahen sich hilflos an, denn sie wussten nicht, was zu tun war. Nur eines war ihnen klar. Dem Winzling musste geholfen werden.
Olo näherte sich vorsichtig dem Korb und hob den stimmgewaltigen Säugling aus dem Korb. Nachdenklich betrachtete er den kleinen Wurm, während er versuchte, es zu beruhigen. Da kam ihm die Idee. Egal. Woher das Kleine auch stammen mochte, er würde es adoptieren und als sein Eigenes großziehen. Olo und seine Frau Tala hatten sich immer ein Baby gewünscht. Leider war ihre Ehe bis heute kinderlos geblieben – nun aber hatte das Schicksal ihnen ein Kleinkind geschenkt …

Und was für ein Kind ...


Kapitel 7


Ich mich wichtig sein

Ungezählte Gedanken gingen ihr durch den Kopf, als sie die Treppe zum unterirdischen Gang hochstieg. Würden die Zwerge mit ihrer Hilfe die alten Schriften entschlüsseln können? Könnten sie mit den Informationen, die sie nun mitbrachte, überhaupt etwas anfangen und wenn nicht sie – wer dann? Diese und noch viele weitere Fragen beschäftigten sie, als sie durch den Tunnel zurückging. Shari saß ganz verstört auf ihrer Schulter und lieferte nur einen kläglichen Lichtschein.
Als sie das magische Portal erreichte, steckte sie den Kopf durch die Öffnung und erwartete von den anderen begrüßt zu werden. Aber nichts da, die Höhle lag im Dämmerlicht. Nur vereinzelt aufgestellte Leuchtkristalle erhellten die nähere Umgebung und warfen ein gespenstisches Licht an die Wände. Unten an der Treppe sah sie eine Gestalt, die zusammengekauert auf der untersten Treppenstufe zu schlafen schien. Dana ging leise die Stufen hinunter und erkannte, dass es Gomek war.
Sie ging auf ihn zu und tippte ihm sachte auf die Schulter, um ihn zu wecken. Gomek schreckte hoch, sprang auf und sah sie entgeistert an, um sie schließlich wortlos in den Arm zu nehmen. Dana wurde vollkommen überrascht und schüttelte ihn mit sanfter Gewalt ab und sah ihn erstaunt an.
»Mit so einer Begrüßung von dir habe ich nun wirklich nicht gerechnet. – Ich war doch nur ein bis zwei Stunden weg.«
Gomek sah sie immer noch entgeistert an.
»Nur ein bis zwei …, du warst fast den ganzen Tag weg. Wir kamen nicht mal durch das magische Portal, um nach euch zusehen. Wir hatten alle Angst um euch. Los, komm mit! Die anderen warten sicher auf dich.«
Gomek zog sie sanft mit sich zu dem Bauwerk, das wohl in früheren Zeiten als Aufenthaltsraum oder Schlafsaal genutzt wurde. Schon auf der Treppe, die sie nach oben rannten, rief Gomek nach dem Rest der Gruppe, die sofort vor dem Eingang des Gebäudes erschien. Olo stürzte an ihnen vorbei auf Dana zu. Er nahm sie in den Arm und erdrückte sie beinahe mit seiner Umarmung.
»Das machst du aber nicht noch mal mit mir! Wir hatten alle Angst um dich. Und was glaubst du wohl, hätte Tala mit mir gemacht, wenn dir was passiert wäre. Nebenbei bemerkt, wo warst du die ganze Zeit und was hast du erlebt?«
Dana konnte nicht sofort auf sämtliche Fragen antworten. Sie schwächelte und so führte Olo sie ins Gebäude, gab ihr eine Schüssel mit Suppe und ein heißes Getränk. Nachdem sie sich etwas erholt hatte, sah sie sich um. Alle saßen um sie herum und warteten auf ihren Bericht. Und so fing sie an zu erzählen: Über den Weg zur Höhle, von der Höhle selbst und dem Buch und wie sie es benutzt hatte. Im Anschluss daran sprach sie, allerdings in einer abgeschwächten Form, von dem gefangenen Wesen.
Am Ende ihrer Schilderung folgte ein langes Schweigen. Dann aber wurde Dana mit Fragen regelrecht bombardiert und sie versuchte alle, so gut sie konnte, zu beantworten. Immer häufiger wurden ihre Antworten durch anhaltendes Gähnen unterbrochen, bis es Olo zu viel wurde und er die Fragestunde auf den kommenden Tag verschob. Olo brachte Dana zu einem Schlafplatz und deckte sie zu. Im Nu war sie eingeschlafen. Er ging zu den anderen zurück und sie unterhielten sich noch leise den Rest der Nacht.
Am nächsten Tag wachte Dana etwas zerschlagen auf. Sie sah sich verstört um, denn sie war alleine. Keiner der anderen Expeditionsteilnehmer war zu sehen. Beunruhigt rief sie nach Shari. Es war anscheinend niemand da, nicht einmal ihre kleine Fee. Schließlich tastete sie nach ihrer Brust und bemerkte, dass ihr Medaillon fehlte.
»Da sind wohl einige Wissenschaftler wissbegierig geworden«, dachte sie verwundert und sprang auf, um die Zwerge zu suchen.
Dana entdeckte die Gruppe in der Bibliothek. Sie lief auf Olo zu, der gerade versuchte, mit dem Medaillon ein Buch zu öffnen.
»Hallo, Paps, kommst du nicht weiter mit meinem Anhänger? ... Lass mich das doch mal versuchen.«
Sie nahm ihm das Medaillon aus der Hand und berührte damit das Buch. Es öffnete sich auf Anhieb und ein Lichtstrahl traf sie, genau wie in der Höhle, mitten auf die Stirn. Für Dana – gefühlt nur ein paar Minuten, für die umstehenden nach gut einer Stunde – war sie wieder ansprechbar und der Informationstransfer beendet. Olo fragte sie umgehend, ob das wieder so eine Übertragung war und welche Neuigkeiten sie erhalten habe. Dana zuckte nur mit den Schultern, sie wusste es nicht genau.
»Um das zu beantworten,, benötige ich noch mehr Bücher.«
Olo sah selbst in das nun geöffnete Buch und er konnte nachvollziehen, was sie meinte. Alles war in der Schrift des »Alten Volkes« geschrieben.
Dana »las« in den nächsten Tagen verschiedene Bücher. Außer zunehmenden Kopfschmerzen und wirren Gedanken brachte es ihr keine weiteren Erkenntnisse.
Es ging ihr erst wieder besser, als die Zwerge es meisterten, den Informationsstrahl zu unterbinden, wenn Dana die Bücher öffnete. Danach konnte sie, wie jeder andere, die Inhalte studieren, lesen und, wie jedermann, normal lernen.
Nach fast einer Woche kam Olo auf Dana zu und erzählte ihr, dass sie langsam zurück reisen müssten. Er habe Tala alles »GEWIESELT«. Sie hatte daraufhin mit dem Premierminister gesprochen. Der wollte nun informiert werden. Außerdem erwähnte sie auch noch eine Audienz beim König. Schon am gleichen Abend tauchte »Frau Hurtig« wieder auf. Sie hatte einen weiteren Brief von Tala dabei. In dem stand, dass sie umgehend von den hohen Herren erwartet wurden. Nachdem Olo den Brief gelesen hatte, erzählte er Dana davon.
»Morgen brechen wir beide auf. Ein paar Soldaten werden uns begleiten. Die anderen bleiben noch, um die Forschungen voranzubringen. Vielleicht erhalten sie noch weitere Erkenntnisse. Jetzt sind ja alle Bücher auf. Es dürfte also nicht so schwer sein, ohne uns auszukommen.«
Dana sah ihn an, nickte müde und legte sich, ohne ein Wort zu verlieren, erschöpft schlafen, um für den folgenden Tag fit zu sein. Als Shari die Neuigkeit hörte, es ginge nach Hause, düste sie vor Freude quer durch die Höhle. Sie hatte schon lange die Nase voll von dieser trostlosen Gegend.
Am nächsten Morgen traten Olo, Gomek, er hatte auch die Nase voll von diesem Ort, Dana, Shari und vier berittene Soldaten die Rückreise an. Sie durchquerten die Höhlen ohne, wie auf der Hinreise, auf die Schönheiten der Gegend zu achten. Den Zwergen war der Anblick eh egal.
Nach einigen Tagen erreichten sie die Zwergenstadt – ihren Wohnort. Der Termin beim König war erst am darauf folgenden Tag. So hatte das kleine Grüppchen Gelegenheit sich etwas zu erholen. Dana freute sich am meisten auf Tala, auf das gute Essen ihrer Mutter und hinterher auf ihr weiches Bett. Sofort, nachdem Dana die Wohnhöhle betreten hatte, stürzte Tala sich als Erstes auf ihre Tochter und drückte sie so fest, dass Dana die Luft wegblieb. Anschließend, nach dieser stürmischen Begrüßung, gab es ein riesiges Empfangsmahl. Während des Essens musste Dana ihre Erlebnisse bis in jede Einzelheit erzählen.
Dana erzählte bis spät in die Nacht von den Abenteuern, die sie erlebt hatte, bis Tala sie unterbrach und ins Bett schickte. Dana fiel sofort erschöpft in tiefen Schlaf. Sie erwachte erst, als Tala sie am nächsten Morgen weckte. Dana war richtig aufgeregt – der König, sie würde wahrhaftig den König treffen. Sie bläute Shari noch mal ein, keinen Blödsinn bei der königlichen Audienz anzustellen, um dann Olo hinterher zu gehen.
Am Fuße der Regierungspyramide wurden sie vom Premierminister erwartet. Er führte sie die Treppen hoch bis zum Eingang des Thronsaals, wobei er noch versuchte, den Besuchern ein paar Benimmregeln nahe zu bringen. Nun war es so weit. Sie passierten die königlichen Wachen und durchschritten anschließend den Torbogen zum Thronsaal. Der Saal war riesig. Links und rechts stützten gewaltige Säulen die Decke. Zwischen ihnen führten hohe Türen in andere Bereiche des Palastes. Der Premierminister erklärte den Besuchern:
»Auf der einen Seite, die mit der Krone auf den Türen, befinden sich die Privatgemächer des Königs. Auf der anderen Seite führen die Türen zu den Amtszimmern des Kanzlers und denen seines Stabes.«
Ein roter Teppich führte von dem Eingang in die Mitte des Saales. Dort stand der prächtige Thron. Auf ihm saß ein uralter hagerer Zwerg im roten Hermelinmantel mit weißem Kragen. In seinen Händen hielt er die Insignien eines Königs – Zepter und Kugel – die, wie Dana neidlos anerkennen musste, wunderschön aussahen.
Dana bemerkte aber noch etwas. Der Regent trug eine dezente Halskette mit einem leuchtenden, in Gold eingefassten, blauen Edelstein. Nur Dana und Shari spürten die magische Energie, die von dem Stein ausging. Die kleine Gruppe befand sich in der Mitte des Thronsaales.
Sogleich wollte Dana auf den König zustürmen. Der Premier hatte schon so etwas geahnt und hielt sie zurück. Er flüsterte ihr leise ins Ohr: »Nicht so schnell, seine Hoheit kommt zu euch.«
»Ist es nicht normalerweise anders herum? Der Besucher geht bis …«, erwiderte Dana.
Der Premier nickte nur wortlos, legte den Finger auf die Lippen und unterbrach mit dieser Geste Danas Einspruch.
»Psst, er kommt.«
Der König erhob sich langsam vom Thron und legte die Insignien auf einen Beistelltisch. Danach schlurfte er ohne Hast, nicht gerade sehr königlich, auf die kleine Gruppe zu, wobei er leise vor sich hin blubberte. Anfangs konnte Dana nichts verstehen. Doch je näher der König kam, desto mehr verstand sie.
»Ich König ... Ich mich wichtig sein ... Ich mich wichtigster Mann im Staat ... Ich großer König.«
Diese Worte stammelte er immer und immer wieder. Dana staunte. Ob der König wohl krank war? Sie sah den Premier an, es rührte sich aber nichts in seinem Gesicht.
Schließlich war der König bei ihnen und musterte alle aus wässrig trüben, traurigen, grauen Augen. Er hielt Dana seine, mit schweren Goldringen bestückte, Hand hin und erwartete, wie es die Hofetikette verlangte, einen Hofknicks und einen gehauchten Handkuss. Dana aber, die von diesen Sachen null Ahnung hatte, nahm begeistert die ihr angebotene, ganze Hand des Königs. Danach schwenkte sie, mit wachsender Begeisterung, den Arm des Monarchen wie einen Pumpenschwengel, wieder und wieder, auf und ab.
Der König kiekste verärgert auf, riss seine Hand los, sprang einen halben Meter zurück, um dann blitzartig seine Hand unter die Achsel zu stopfen. Er sah die kleine Gruppe ängstlich an und schlurfte zu seinem Thron zurück, wobei er immerfort den einen Satz vor sich hin brabbelte: »... ich mich wichtig sein …«
Dana sah Olo etwas verstört an. Doch noch, bevor sie eine Frage stellen konnte, wurden sie von dem Premier durch den Saal in sein Büro geschoben. Peinlich berührt begann der Minister, sich für das Verhalten des Königs zu entschuldigen:
»Wisst ihr, seit nahezu dreihundert Jahren ist er alleine und wurde seitdem immer merkwürdiger. Dass er seit ungefähr einhundertundzwanzig Jahren keine Aufgabe mehr hat, machte es nicht gerade besser. Er ist eben tüddelig geworden.«
Nach dieser, nicht ganz befriedigenden, kurzen Erklärung, wurde er wieder geschäftig. Er ließ sich Danas Geschichte erzählen. Aufmerksam hörte er zu und stellte ab und zu einige Fragen. Ansonsten lauschte er aufmerksam dem Bericht. Nachdem sie mit ihren Schilderungen fertig war, verfiel der Minister ins Grübeln, während er sich umständlich eine Pfeife ansteckte. Dann räusperte er sich, sah Dana ernst an und sagte:
»Von dem »Alten Volk« habe ich schon mal was gehört. Mein Ur–Urgroßvater hat mir von einer Legende erzählt. Früher lebte bei den Zwergen ein Volk von Magiern. Sie hatten wohl einige Schwierigkeiten miteinander. Leider ist unsere Bibliothek niedergebrannt, sonst hättest du in den alten Chroniken vielleicht noch etwas finden können.«
Nach dieser kurzen Erklärung wandte er sich an Olo, um mit ihm das weitere Vorgehen zu besprechen. Dana fing an, sich zu langweilen, und verfolgte mit ihren Augen Shari, die sich durch das Büro arbeitete und die umfangreiche Büchersammlung untersuchte.
Plötzlich entdeckten beide gleichzeitig ein Buch über alte Dämonen – ob man in diesem Werk wohl etwas über den Dämon aus der Höhle finden konnte?! Dana stand leise auf, um die Gespräche zwischen den beiden Erwachsenen nicht zu stören. Da wurde sie von dem Premier angesprochen.
»Dana, sieh dich ruhig um – alle Bücher, die du hier siehst, kannst du dir gerne ansehen, selbstverständlich auch lesen. Du bist jederzeit willkommen in meinem Büro, um dir das eine oder andere Buch auszuleihen. Natürlich werde ich dir auch deine Fragen beantworten, falls ich sie überhaupt beantworten kann.«
Dann überließ er sie ihrer Neugier. Das ließ sie sich nicht zweimal sagen. Mit zwei, drei Schritten war sie am Regal und nahm sich das eben entdeckte Buch. Schwer an dem Werk schleppend betrat sie das nächste Zimmer, welches anscheinend als Lesezimmer genutzt wurde. Das Buch legte sie auf den Tisch und vertiefte sich darin. Leider fand sie nicht die gewünschten Informationen und so verlor sie schnell das Interesse daran.
Sie sah sich in dem Zimmer um. Auch hier gab es Bücherregale, die bis an die Decke reichten. Darüber hinaus gab es noch zwei Ohrensessel und besagten Tisch. Von draußen drang Tageslicht durch ein stattliches, buntes, bleiverglastes Fenster in den Raum und tauchte diesen in ein warmes Licht. Eine Tür führte hinaus auf einen Balkon. Dana wurde neugierig und öffnete die Tür, um auf den Vorbau zu gelangen.
Was war das für ein überwältigender Ausblick. Sie stand hoch oberhalb der großen Höhle und blickte auf »Das Land«. Unter ihr breiteten sich die Felder und Wiesen aus. Als kleine Farbtupfer sah man einige Gehöfte. Man konnte unglaublich weit in die Ebene sehen und es war doch nirgends ein Ende der Höhle zu entdecken. Dana überlegte, wo sie sich befand. Die Regierungspyramide war an den Höhlenfelsen, der die Stadt von der großen Höhle trennte, gebaut worden. Danach hatte man die Büros mit dem Palast zusammen in den Felsen getrieben und ausgebaut. Also lag dieser Balkon auf der Rückseite des Regierungsviertels. Hier konnte man so richtig träumen.
Neben der Balkontür entdeckte sie einen Sessel, in dem sie sich niederließ, um danach in Ruhe die herrliche Aussicht auf sich wirken zu lassen. Dana saß dort über eine Stunde, als sie aus ihren Träumen hochschreckte. Olo war plötzlich neben ihr erschienen und mahnte zum Aufbruch. Sie verabschiedeten sich von dem Premier und verließen sein Büro auf demselben Weg, den sie gekommen waren. Allerdings ohne noch mal auf die verwirrte Majestät zu treffen.
»Was für ein Glück!«, murmelte Dana und stupste Shari lachend an, »... noch ein Fehltritt, das muss nun wirklich nicht sein.«
Abends, nach dem Essen, erzählte Dana Tala alles, was sie im Palast erlebt hatte: Über das seltsame Verhalten des Königs bis hin zu der Einladung des Premiers, immer wenn sie mochte in sein Büro zu kommen, um in den Büchern zu schmökern. Sie unterhielten sich noch stundenlang darüber. Shari fand die Unterhaltung langweilig. Das Zuhören machte sie müde, bis sie irgendwann auf dem Tisch einschlief.
Die nächsten Tage und Wochen verliefen ohne nennenswerte Zwischenfälle. Dana verbrachte viel Zeit in der Privatbibliothek des Premiers, ohne noch einmal auf den König zu treffen. Sie wollte mehr über ihre Vergangenheit und den Dämon in der Höhle herauszufinden. Gomek – was für ein Privileg für einen jungen Zwerg! – durfte auf Bitten von Dana, sie zu dem Premier begleiten, um ihr bei den Recherchen zu helfen.
Nachdem sie alle Bücher ohne wesentliche neue Erkenntnisse durchforstet hatten, fiel Dana, nach längerem Grübeln, ihr Besuch im Museum ein. Dort gab es doch das alte Buch, das nicht zu öffnen war. Sie erzählte Gomek von dem Buch und dass sie dorthin müsse.
»Schade, das du mich nicht ins Museum begleiten kannst, aber du weißt ja ... du bist zu jung! Vielleicht später ein mal.«, versuchte sie, ihren Freund aufzubauen.
Danach verabschiedete sie sich von ihm und machte sich auf den Weg ins Museum: Einzig und allein um das merkwürdige Buch zu öffnen – sie wusste ja nun, wie es ging. Doch vorher machte sie noch einen Abstecher zu ihrem Vater. Sie fand ihn in seinem Büro, wo er mit seinen Kollegen dabei war, die jüngsten Erkenntnisse der Expedition, auszuwerten.
»Hallo, Paps! Was gibt es Neues? Wart ihr schon in der Lage, Teile der Hieroglyphen zu übersetzen? Habt ihr was herausgefunden, was uns weiter helfen könnte?«
Dana sah ihn hoffnungsvoll an.
»Leider nein, wir kommen einfach nicht voran – und du?«
Dana erzählte ihm von ihrer Idee, im Museum das alte Buch zu öffnen. Das sei vielleicht ihre letzte Hoffnung, um neue Erkenntnisse zu erlangen. Olo wünschte ihr viel Glück und so machte sie sich auf den Weg ins Museum, sehr zum Missfallen von Shari, die von den ganzen Nachforschungen die Nase voll hatte.
Dort angekommen stürmte Dana sofort in die Bücherei, dem kläglichen Rest, eben dem, was davon noch übrig geblieben war, nach dem großen Brand. Nach kurzem Suchen fand sie das Buch, trug es zu einem Pult und berührte es mit dem Amulett. Nachdem der Informationsfluss beendet, und der Lichtstrahl erloschen war, sah sie Shari enttäuscht an. Alle übermittelten Informationen waren, wie gehabt, in der »Alten Sprache« verfasst. Zu ihrem Leidwesen hatte sie, außer Kopfschmerzen, wieder nichts dazu gelernt.
Ihr schwirrte der Kopf von den Hieroglyphen, Zeichnungen und Formeln, die sie nicht verstand. Sie wollte sich schon resigniert abwenden, als ihr eine Idee kam. Sie blätterte alles noch einmal mit der Hand durch und fand auf der letzten Seite ein Rätselspruch in ihrer Sprache, der sich vermutlich auf den großen Monolithen am Marktplatz bezog.
Das Rätsel bezog sich auf ein Portal zu weit entfernten Orten.

Willst du reisen, weg von hier
platzier dein Medaillon in mir.
Dreh einmal links und zweimal rechts –
drück eins, drei, vier und sechs,
dann öffne ich die Pforte dir.

Es war nicht viel, aber es war ein Anhaltspunkt, wie man die Monolithen zum Reisen benutzen konnte.
»Wo landete man wohl ...?«, fragte sich Dana.
»Das werden wir anscheinend erst erfahren, wenn wir es ausprobieren.«
Lachend stupste sie Shari an. Danach schrieb sie den Spruch ab und rannte zurück zu ihrem Vater. Es wurde noch ein langer Tag. Jeder Wissenschaftler in der Abteilung wollte einen Kommentar zu dem Rätselspruch abgeben oder gar eine Lösung anbieten. Und so dauerte die Diskussion darüber bis weit in die Nacht hinein. Und die Konsequenz daraus – keiner hatte wirklich eine Ahnung, was zu tun war, außer Dana. Ihr war nun eins klar geworden, sie musste, um neue Erkenntnisse zu gewinnen, unbedingt den Weg durch den Monolithen finden.
Noch in der gleichen Nacht teilte sie ihren Eltern mit, dass sie am nächsten Morgen zu dem großen Monolithen gehen würde.
»... und dort werde ich herauszufinden, wie man das schwarze Ding, mit dem Medaillon und dem Spruch, aktivieren kann!«, verkündete sie trotzig, um nach einer kurzen Pause fortzufahren:
»Ich werde alleine gehen!«, erklärte sie ihnen, »… denkt an das Siegel in der Höhle, nur ich konnte hindurch … Ich schaffe das schon!«, gab sie sich zuversichtlich, auch wenn es in ihr anders aussah.
Die Aufregung und auch ein wenig Angst, vor dem, was sie auf der anderen Seite erwartete, würde sie begleiten.
Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht: Zum Glück hatte sie Shari! Die kleine Fee würde sie immer und überall hin begleiten.


Kapitel 12


Der magische Kristall

Sie betraten ein neues Tunnelsystem. Es unterschied sich von denen, die sie bis jetzt durchquert hatten. Hier gab es keine Biolumineszenz, sondern es wuchsen stattdessen überall am Wegesrand Kristalle aus dem Boden, Decken und Wänden. Sie leuchteten so hell, dass man die Umgebung recht gut erkennen konnte. Dana war neugierig, wie das funktionierte, und wollte eine Probe zu Erogat mitnehmen. Aber nachdem sie einen Kristall abgebrochen hatte, erlosch sein Leuchten. Also, kein Beispiel – vielleicht konnte Erogat ihr das auch ohne so ein leuchtendes Teil erklären.
Sie marschierten immer weiter in das Tunnelsystem, wobei es fortwährend nach oben ging. Einige Abschnitte waren so steil, dass irgendjemand mal Stufen in den Fels getrieben hatte. Dana war erleichtert. Es mussten demnach schon andere vor ihnen hier gewesen sein. Da es Stufen gab, waren es wohl recht viele, die diesen Weg benutzten. Allerdings wusste Ral auch nicht, wer die Wege begehbar gemacht hatte. Er nutzte sie nur.
Schweigend folgten sie dem kleinen Wesen. Abwechslung gab es nur durch einige unbedeutende Höhlen, die sie passieren mussten. In manchen machten sie Pause, in anderen, wo es Wasser gab, schlugen sie ihr Nachtlager auf. Fasziniert war Dana aber von der Vielzahl der Leuchtkristalle. Wo man hinsah, erstrahlte ein Lichtermeer, das die Gänge und Höhlen in ein märchenhaftes Licht tauchte.
Irgendwann war Schluss mit lustig. Sie erreichten eine Höhle, in der es einen Erdrutsch gegeben haben musste. Ral berichtete von einer gewaltigen Erschütterung, die sich oberhalb der Höhle ereignet hatte. Sie hatte die Hälfte der Decke zum Einsturz gebracht. Sein Großvater habe ihm oft Geschichten darüber erzählt.
»Hier enden meine Kenntnisse über die Höhlen. Der weitere Weg führt durch den Erdrutsch.«
Er deutete auf einen gewaltigen Steinhaufen.
»Gibt es wirklich keinen anderen Weg zur Spitze des Berges? Du kennst doch die Gegend wie deine Westentasche.«
Dana blickte bestürzt auf das Chaos.
»Nein, leider nicht. Du musst schon einen Weg durch die Felsen finden oder graben. Ich bin euch jetzt nicht weiter von Nutzen und werde nun zu meinem Dorf zurückgehen. Viel Glück!«
Danach verabschiedete er sich und machte sich auf den Heimweg, wobei er das Trio sprachlos zurückließ. Gomek fand als Erster seine Worte wieder.
»Das war ja putzig. Er hat doch gewusst, dass es hier nicht weiter geht. Jetzt können wir uns wieder bei Erogat melden, um uns von ihm helfen zu lassen ... Wie blamabel.« Er kratzte sich dabei verlegen am Kopf.
»Aber nicht doch! Dieses Problem müssten wir eigentlich auch alleine lösen können. Du hast bestimmt öfters mal deinen Vater in die Minen begleitet. Da wirst du mit Sicherheit das Eine oder Andere über Gesteinsformationen gelernt haben, oder? Eventuell auch, wie man Tunnel baut, sie abstützt und in welchen Bereichen man es nicht braucht.«
Dana sah Gomek erwartungsvoll an.
»Du hast mal wieder recht. Machen wir einen Plan, wie wir vorgehen wollen.«
Gomek wollte sofort loslegen. Sie hielt ihn jedoch zurück.
»Lass uns erst mal ausruhen und Kräfte sammeln. Danach legen wir los.«
Sie schlugen ihr Lager weit entfernt vom Erdrutsch auf. Sie entfachten das Lagerfeuer, aßen noch eine Kleinigkeit und legten sich schlafen. Nach einigen Stunden erwachten sie ausgeruht. Nachdem sie noch ein ausgiebiges Frühstück zu sich genommen hatten, waren sie bereit für ihre Aufgabe, Steine zu entfernen und den Tunnelbau, ohne dabei Schaden zu nehmen.
Vor dem gewaltigen Erdrutsch angekommen, untersuchte Gomek die Strukturen der Steine. Er fand schnell heraus, dass man das Problem nur von oben nach unten lösen konnte. Allerdings konnte nur Shari oben anfangen, immerhin konnte sie fliegen. Also begann sie nun vorsichtig, die oberen Schichten des losen Gerölls in handliche kleine Kiesel zu schrumpfen. Diese beförderte sie mit Hilfe von Telekinese in die Tiefe, wo Dana und Gomek sie entgegennahmen und in einem nahe gelegenen Schacht, den sie entdeckt hatten, entsorgten. Sobald Dana gefahrlos das untere Geröll entfernen konnte, übernahm sie, und Shari konnte sich ausruhen. Diese Arbeit war sehr kräftezehrend und so mussten sie immer wieder lange Pausen machen.

Es dauerte mehrere Tage, bis das Geröllfeld entfernt und der nackte Fels zum Vorschein kam.
Gomek untersuchte den Fels und rief erstaunt: »Das ist geschmolzener Stein! Hier müssen ungeheure Energien gewirkt haben! Wie sollen wir da nur durchkommen?«
Dana trat neben ihn und betrachtete den Fels.
»Ganz einfach – wie bei dem Stalagmit in der Lavahöhle. Einen Bereich der Wand, in der Größe eines Tunnels, verwandele ich in Sand. Den können wir im Anschluss daran leicht entfernen. Ich glaube, so wurden auch andere Teile des Tunnelsystems gebaut.«
Gomek sah sie begeistert an. »Das wird funktionieren, immer nur ein kleines Teilstück, bis ich die Festigkeit überprüft habe, und dann weiter.«
Gesagt, getan. Stück für Stück wühlten sie sich in den harten Fels, ständig darauf achtend, nicht die Richtung zu verlieren. Das Gestein war so hart, dass Dana unbedingt Sharis Hilfe benötigte, um überhaupt voranzukommen. Tagelang arbeiteten sie sich durch den Felsen. Immer wieder mussten sie pausieren, da ihre geistigen Kräfte nachließen.
Trotz aller Widrigkeiten ... irgendwann hatten sie es geschafft. Nach etlichen Metern Tunnel rutschte die letzte Fuhre Sand nach außen und gab eine Öffnung frei. Das einfallende Licht ließ sie fast erblinden. Ein pulsierendes gleißend helles Licht geblendete sie. Von ihm ging zusätzlich eine gewaltige Energie aus, die Dana fast ohnmächtig werden ließ. Sie stolperten zurück in den Tunnel. Geblendet von dem hellen Licht, ergriff Dana Gomeks Arm.
»Hast du das gespürt? Was für eine Energie!«
Nachdem die tanzenden Lichter vor ihren Augen verschwunden waren, gingen sie zurück zum Lagerplatz.
»Was war denn das?«, fragte Gomek, sich immer noch die Augen reibend.
»Unser Ziel. Nun müssen wir herausfinden, was es ist, und unschädlich machen. Es scheint der Auslöser für die Probleme des Gebirges zu sein.«
Am Lagerplatz angekommen, saß »Frau Hurtig« dort. Sie wartete artig, bis Dana sie entdeckte und ihr die Nachricht abnahm.
»Wie macht sie das nur? Selbst hier findet sie mich.«
Während sie darüber nachdachte, versuchte sie, noch immer schlecht sehend, die Nachricht zu entziffern.
»Sie ist von meiner Familie ...!«
Mitten im Lesen stoppte sie verlegen. Gomek zupfte ihr den Brief aus der Hand und las für sie weiter.
»… und wir wünschen dir alles Gute zu deinem elften Geburtstag.«
Nach diesem Satz warf er, laut jubelnd, den Zettel weg, sprang auf Dana zu, zog sie von ihrem Sitzplatz hoch und schwenkte sie im Kreis herum.
»Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! … Lass‘ uns ein wenig feiern. Blöd, dass wir deinen Geburtstag vergessen haben. Das olle Licht läuft uns ja nicht weg.«
Dana, und vor allem Shari, stimmten ihm zu. Schließlich hatte die kleine Fee auch Geburtstag.
»Ich will nur noch den Brief beantworten und schreiben, dass wir gut an unserem Ziel angekommen sind.«
Nachdem sich das Wiesel lautlos mit der Antwort auf den Rückweg gemacht hatte, kam der gemütliche Teil.

Tags darauf besprachen sie ihr weiteres Vorgehen. Gomek hatte keine passende Lösung. Dana hingegen fiel der Kristall wieder ein, den sie für Erogat abgebrochen hatte.
»Daraus mache ich einen Schutz für meine Augen. Eine Brille mit geschwärzten Gläsern.«
»Und was mache ich? Bekomme ich auch eine Brille?« Gomek sah sie erwartungsvoll an.
»Nein, du und Shari, ihr bleibt hier. Da draußen ist noch etwas Anderes: eine gewaltige Energie. Ich habe sie gespürt und will euch nicht in Gefahr bringen.«
Dana sah in die aufgebrachten Gesichter der beiden.
»Wenn mir etwas zustößt, könnt nur ihr mir helfen. Shari weiß alles und sieht genauso viel wie ich. Sie wird unsere Verbindung sein. Das ist mein letztes Wort: Ich gehe alleine, und jetzt keine weiteren Diskussionen mehr.«
Nachdem Dana ihren Standpunkt klar gemacht hatte, erzeugte sie die Brille aus dem Kristall und schwärzte die Gläser über dem Feuer. Kurz vor ihrem Aufbruch kontaktierte sie noch Erogat. Sie erklärte ihm ihr Vorhaben und dass er Vorkehrungen treffen müsste, um in das helle Licht sehen zu können. Danach machte sie sich alleine auf den Weg, um das Phänomen, soweit es ging, zu untersuchen.
Kurz vor dem Durchgang setzte sie sich die Brille auf. Sie umschloss komplett ihre Augen, so dass kein Lichtschein sie blenden konnte. Danach tastete sie sich vorsichtig voran, bis die Helligkeit schwach durch die geschwärzten Gläser drang. Sie trat langsam durch die Öffnung ins Freie. Sofort spürte sie wieder diese Energie, die ihr fast die Sinne raubten. Ohne hastige Bewegungen zu machen, sah sie sich um.
Sie befand sich in einem gewaltigen Krater, nicht weit entfernt von einem leuchtenden und pulsierenden Objekt. Wie hypnotisiert wurde sie von dem Gebilde angezogen. Dana hatte das Gefühl, als würde es leben. Erogat rief sie in die Wirklichkeit zurück. Sie hatte zum Glück seinen Kommunikationskristall aktiviert und so bekam er mit, dass sie langsam die Kontrolle verlor.
Wieder in der Realität stellte sie den Kristall so hin, dass er das seltsame Gefüge in Augenschein nehmen konnte. Unterdessen versuchte sie, eine Barriere aufzubauen, um etwas Schutz vor den schädlichen Einflüssen zu haben. Es gelang ihr nicht. Nichts funktionierte. Sie fühlte sich, als würde das Objekt ihre Energie absorbieren.
Dana schaffte es gerade noch, sich etwas umzusehen. Dies musste eine schreckliche Katastrophe gewesen sein. Alles um sie herum war zerstört. Weit über ihrem Kopf entdeckte sie den Rand des Kraters mit seinen bizarren Lichterscheinungen, die sie mal vom Fuße des Gipfels gesehen hatte. In diesen Trichter passte mit Leichtigkeit die gesamte Zwergenkolonie.
Dana merkte nicht, dass sie sich mittlerweile gesetzt hatte. Ihr ging es jetzt schlecht und sie fühlte sich immer schwächer. Die Energie des leuchtenden Objekts tat seine Wirkung. Wie durch Watte vernahm sie unterdessen Erogats Stimme. Er befahl ihr, sich sofort zu erheben, den Kommunikationskristall aufzuheben und sich in den Tunnel zurückzuziehen.
Sie bewegte sich langsam auf seine Stimme zu, ergriff den Kristall und schleppte sich Richtung Tunnel. Mit letzter Kraft erreichte sie den Eingang und fiel ohnmächtig hinein. Irgendwann erwachte sie am Lagerfeuer.
Gomek hatte ihr ein nasses Tuch auf die Stirn gelegt und sagte geradezu Shari: »Zum Glück ist ihre Temperatur zurückgegangen. Was ist das bloß für ein Teufelsding?! Nicht mal mit ihren Kräften war sie dem gewachsen. Nur dank deiner zusätzlichen magischen Hilfe konnte sie das aushalten, und selbst dich hat es noch geschwächt.«
Dana schlug die Augen auf. »Wo bin ich und was ist passiert?«
Gomek erzählte schnell, was zuvor geschehen war.
»Shari spürte, dass deine Kräfte nachließen. Also machte ich mich auf den Weg, um dir zu helfen. Ich konnte dich gerade noch auffangen und zum Lager bringen.«
»Und die Energie … hat sie dich nicht … auch belastet?« Dana sah ihn voller Neugier an.
»Nein ... Anscheinend hat es Vorteile, ein Zwerg zu sein.«
Bei diesen Worten lachte er, und die anderen stimmten mit ein. Sie unterhielten sich noch eine ganze Weile, bis sie vor Erschöpfung einschliefen.
Tags darauf waren alle wieder wohlauf und das Abenteuer war überstanden. Dana kontaktierte Erogat.
»Bitte sag mir, dass du genug Informationen über das Gebilde hast. Ich gehe da bestimmt nicht noch mal raus. Und Gomek ...? Ich weiß nicht, wie weit es mit seiner Immunität ist, wenn er näher an das Ding herankommt.«
»Nein, die Fakten, die ich habe, langen allemal.«
Erogat klang erleichtert, als wolle er nicht, dass Dana sich erneut dem Risiko aussetze, zum Krater zu gehen.
»Eins habe ich bereits jetzt schon herausgefunden. Es ist ein magischer Kristall, der nicht von der Erde stammen kann. So eine Art Meteorit in kristalliner Form. Er besitzt eine uns unbekannte Art der Energie. Packt eure Sachen, und kommt zurück. Ich erwarte euch. Vielleicht habe ich bis dahin weitere Erkenntnisse.«
Sie blieben dennoch ein paar Tage, um sich für den Rückmarsch zu stärken und um die Höhle genauer zu untersuchen. Schnell stellte sich heraus, dass es hier nichts mehr zu entdecken gab. Also packten sie ihre Sachen zusammen und machten sich auf den Weg.

Der Rückweg verlief ereignislos. Nur im Dorf der Leuras mussten sie kurz rasten und von ihrem Abenteuer berichten.
Nach etlichen Tagen erreichten sie übermüdet die Zwergenstadt. Dort wurden sie mit großem Aufgebot empfangen. Die Leute vom Kraftwerk hatten sie nämlich angekündigt. Sie kamen selbstverständlich nicht um eine Empfangsfestivität herum, auf der sie ihre Abenteuer immer und immer wieder erzählen mussten.
Selbst von der Zwergenjugend wurden sie mit Hochachtung behandelt. Gomek konnte nicht genug von dieser Art der Anerkennung bekommen und sonnte sich regelrecht in ihrem Glanz. Dana hielt sich zurück, sie brauchte das nicht. Und Shari, ihr war es einerlei. Hauptsache, es gab Spaß und etwas zu essen. Das Fest zog sich bis tief in die Nacht hin. Das Ende bekamen sie jedoch nicht mehr mit. Sie waren vor Erschöpfung eingeschlafen.
Als Dana am nächsten Morgen in ihrem Bett erwachte, staunte sie nicht schlecht. Tala berichtete vom Ende der Feier und dass man sie ins Bett getragen hätte.
Fast eine Woche durften sie nicht weg, sondern mussten sich erholen. Nur zum Rapport bei dem Minister durften Dana und Shari das Haus verlassen. Doch auch das ging vorbei und unsere drei Freunde machten sich auf, um endlich Erogat zu besuchen. Dana hatte wieder einmal viele Fragen.



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