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Buchvorstellung: "Dark Sins - Bis an deine Grenze"
Geschrieben von  Mandy Schur Mandy Schur Geschrieben,  01-09-2018 08:00 01-09-2018 08:00 738  Gelesen 738 Gelesen
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!!! Neuerscheinung am 01.09.2018 !!!




"Dark Sins - Bis an deine Grenze" Ein Erotic Romance-Roman von Veronika Engler.



Eine Frau, zwei Männer, so unterschiedlich wie Tag und Nacht und ein verführerisches Geheimnis …

Die ehrgeizige Journalistin Josefine Connor ist auf der Suche nach der heißen Story, die ihr den Job bei dem angesagtesten Lifestyle-Magazin der Stadt sichern soll.
Dabei stößt sie auf das sagenumwitterte Walsh-Anwesen, ein altes Herrenhaus, um das sich die wildesten Gerüchte ranken.
Wer lebt dort, und was geht innerhalb der alt-ehrwürdigen Mauern vor sich?

Indem sie sich auf eine Stellenausschreibung bewirbt, schleicht sie sich in die Welt des attraktiven, aber düsteren Hausherrn ein. Ihre Neugier treibt sie buchstäblich an die Grenzen ihrer Fantasien, bis sie schließlich vor der Wahl steht zwischen hemmungsloser Leidenschaft und der wahren Liebe.



Leseprobe:



Prolog


Josefine

„Josefine, das kann unmöglich dein Ernst sein. Ich meine, soll das, was du mir hier vorlegst, eine journalistische Meisterleistung sein? Das taugt nicht einmal für einen Schulaufsatz! …“
Gestatten, Josefine Connor. Angehende Journalistin für den Freaky Chick, das derzeit angesagteste Lifestyle-Magazin in und um Dublin. Wenig erfahren, im Allgemeinen sehr ehrgeizig und … zumeist der Fußabtreter von Erika Weaver, dem Biest.
Normalerweise war es an der Tagesordnung, dass Erika sich jemanden herauspickte, um ihre unsagbar schlechte Laune an ihm auszulassen. Dennoch hatte ich heute einen neuen Rekord errungen: Von der Chefin lautstark angebrüllt zu werden, und das, obwohl es noch nicht einmal neun Uhr morgens war. Ganz toll gemacht, Josefine. Reicht es nicht schon, immer noch „die Neue“ zu sein? Nein? Du musst dir auch noch den Unmut von der Chefredakteurin zuziehen? Gut gemacht! Wirklich!
„Josefine?! Sag mal, hörst du mir überhaupt zu? Das ist Müll. Durch und durch unbrauchbar.“ Dabei knallte sie mir meinen letzten Artikel auf den schützenden Tisch zwischen uns. Stechend eisblaue Augen durch-bohrten mich, während Erika mich über ihre für meinen Geschmack zu gewagte rote Lesebrille hinweg wütend anfunkelte. Ich hatte mich schon oft gefragt, ob sie die Brille wirklich als Sehhilfe benötigte, oder ihrem ohnehin schon furchterregenden Auftreten damit nur noch zusätzlichen Nachdruck verleihen wollte. Als ob die akribisch abgemessenen, schulterlangen Haare, die ihr Gesicht in fadem Braun quadratisch umrahmten, nicht Grund genug zum Fürchten wären. Zum Fürchten komisch … Ich mochte wetten, ihr Friseur benutzte tatsächlich ein Lineal.
Aber zurück zu meinem Problem. Ich brachte mich selbst in gezwungene, aufrechte Haltung und sah dem Bösen mitten ins Gesicht. Dann sagte ich mit all der Heuchelei, die ich angesichts der Tatsache, gerade vollends wie ein kleines Mädchen ausgeschimpft worden zu sein, aufbringen konnte: „Erika. Es tut mir wirklich leid, dich enttäuscht zu haben. Ich werde es wieder-gutmachen. Versprochen.“
So weit, so gut. Man durfte Erika nur nicht das Gefühl geben, dass man ihr Anliegen nicht ernst nahm. Schließlich war sie, ungeachtet aller menschlicher Abneigung, die ich für ihre Person empfand, trotzdem eine Koryphäe in der Medienwelt. Wer es hier zu etwas bringen wollte, der hatte sich wohl oder übel mit diesen Gepflogenheiten abzufinden. Auch wenn es bedeutete, sich täglich sprichwörtlich einen von Erikas Stilettos in den Rücken rammen zu lassen …
Eine nervenzerreißende Ewigkeit lang sagte sie … nichts. Zum Glück war ich mit ihren Machtspielchen nach den wenigen Monaten, in denen ich zur Mannschaft des Freaky Chicks gehörte, schon so gut vertraut, dass ich mich davon nicht so schnell kleinkriegen ließ. Andernfalls hätte ich mich wohl längst aus dem Panoramafenster ihres Luxusbüros nach unten gestürzt.
In meinem Nacken spürte ich, wie die anderen Mitarbeiter uns durch die gläserne Bürofront von Erikas Reich beobachteten. Kein Wunder, sie konnten sicherlich jedes Wort genauestens verstehen, denn Erika machte wie immer keinen Hehl aus ihrem Unmut, den sie äußerst schrill kundzutun pflegte.
Dann, endlich. Erikas Nasenflügel plusterten sich gefährlich auf. Aber wenigstens konnte man das als ein Lebenszeichen deuten, da ich ernsthaft schon Bedenken hegte, es hätte sie der Eissplitter, der mit Sicherheit in ihrem Herzen steckte, endgültig erstarren lassen.
„Das will ich auch hoffen. Denn wenn ich nicht bald etwas Brauchbares von dir auf den Tisch bekomme, liebe Josefine, dann wirst du in Zukunft leider nur noch für die Frühstücksbestellungen deiner ehemaligen Kollegen zuständig sein. Also …“
„Also …“, fing ich ihren Satz wie immer ein wenig zu vorlaut auf, „… werde ich dafür sorgen, dass du schon bald die beste Story geliefert bekommst, die die Welt je gesehen hat.“ Ups. Immer, wenn man mich verbal anging, neigte ich dazu, dezent über die Stränge zu schlagen. Keine meiner besten Eigenschaften und obendrein auch noch reichlich töricht, wenn man bedachte, dass diese Frau hier über Gedeih und Verderb eines jeden Journalisten in Dublin entscheiden konnte, wie andere über die Sorte ihres Duschgels. Wen Erika nicht leiden mochte, der konnte seinen Job auch gleich freiwillig an den Nagel hängen. Und damit meinte ich nicht, dass sie einen sympathisch finden musste. Denn diese Frau hasste sowieso jeden. Nein. Wichtig war einzig und allein, dass sie die abgelieferte Arbeit für gut befand. Aus, Ende.
Sie stand auf, beugte sich gefährlich nahe zu mir über den Tisch und schlug hart mit den flachen Händen da-rauf auf. So nah, dass ich ihr teures Parfüm sogar auf meiner Zunge schmecken konnte.
„Lass dir eines gesagt sein, Josefine: Du bist eine taffe, junge Frau mit einem zu großen Mundwerk. Doch all das wird dich nicht davor bewahren, eines Tages gehörig auf eben diesen Mund zu fallen. Daher lass dir geraten sein, deine letzte Chance gut zu nutzen. Und sei es nur, damit wir uns nicht schon in Kürze zu einem wesentlich unangenehmeren Gespräch hier wie-der zusammenfinden, verstanden?“
Oh, ja. Das hatte ich. Und wie …
Noch ehe Erika es mir gestattete, sprang ich auf. Schon allein, um mich ihrem blutsaugenden und sicherlich todbringenden Umfeld zu entziehen.
Heftig nickend ging ich vorsichtig rückwärts, jedoch ohne Erika den Rücken zuzukehren. Wer konnte schon wissen, ob sie nicht doch irgendwo in ihrem gigantischen Designer-Schreibtisch eine Waffe gegen schlechte Journalisten versteckt hatte.
„Du kannst dich auf mich verlassen, Erika. Beim nächsten Mal wirst du nicht enttäuscht sein“, versuchte ich es erneut. Wobei ich insgeheim dachte: Beim nächsten Mal werde ich deine Entschuldigung entgegennehmen.
Erika sah mir nach, bis ich mich endlich durch die Glastür zurück in das Großraumbüro gewunden hatte, und ich hätte schwören können, dass ich ihren Blick auch jetzt, während ich mich durch die zahlreichen Arbeitsplätze der anderen Journalisten schlängelte, immer noch schmerzlich in meinem Rücken spürte. Dieses Biest! Genial. Aber durch und durch ein Biest … Die anderen versuchten so zu tun, als hätten sie nichts von Erikas Standpauke mitbekommen, während ich mich um einen aufrechten, selbstbewussten Gang bemühte, um es irgendwie zurück an meinen Schreibtisch in der hinteren Ecke des Raumes zu schaffen. Und mit mir mein absolut angeknackstes Ego und das letzte bisschen Selbstbewusstsein, das mir noch geblieben ist.
Erst, als mich niemand mehr in meinem, von kleinen Trennwänden gesäumten Platz sehen konnte, sackte ich niedergeschlagen auf meinem Stuhl zusammen. Erika hatte recht, und ich wusste es. Denn eine Hypothese über den Zusammenhang zwischen dem Kaufverhalten der modernen Dubliner Frau und ihren Einparkkünsten aufzustellen, und das Ganze dann auch noch ungeschickt in einen Artikel zu pressen, war nun wirklich kein schriftstellerisches Meisterwerk.
Doch sie machten es mir auch nicht gerade leicht. Während die alteingesessenen Stars hier bewusst auf die vielversprechenden Stories angesetzt wurden, musste ich mich allein durchschlagen. Das erging wohl allen Anfängern so. Man musste sich bewähren, und je mehr man sein Können bewies, desto angenehmer wurden die Vorrechte.
Immerhin, ich besaß bereits das Privileg, nicht mehr für die Frühstücksbestellungen zuständig zu sein, sondern mich dafür um Erikas geliebte Zimmerpflanze kümmern zu dürfen. Ganz toll.
Wohl wissend, dass meine Chancen mehr als unterirdisch schlecht standen, saß ich da und grübelte über mein hartes Los nach. Ich brauchte eine zündende Idee. Doch mir wollte beim besten Willen nichts ein-fallen.
Wenn ich nicht in wenigen Wochen mit der absoluten Hammer-Story hier aufwartete, konnte ich meinen Traum vom Journalismus sicherlich für immer an den Nagel hängen. Reiß dich zusammen, Josie. Du kannst es. Du weißt, dass du es kannst!, versuchte ich mich immer wieder aufzubauen. Jedoch vergebens.
Das Geräusch der klackenden Tastaturen, die sich geschmeidig den ideenreichen Fingern der anderen ergaben, trieb mich fast in den Wahnsinn. Jede einzelne Taste erschien mir wie ein kleiner Nadelstich, der sich in mein malträtiertes Ego bohrte. Beinahe, als ob mir jeder hier gerade jetzt demonstrieren wollte, wie klug und kreativ er doch im Vergleich zu mir war. Jetzt mach dich nicht lächerlich, Josefine. Du übertreibst, versuchte ich meine in Aufruhr geratenen Gedanken zu beruhigen.
Es hatte keinen Sinn. Ich musste hier raus. Einfach raus, an die frische Luft. Mir würde schon etwas einfallen. Etwas Gutes. Etwas nie Dagewesenes. Die Frage war nur, wann …?
Also sprang ich auf, schnappte meine Handtasche und meldete mich für heute zu Recherchezwecken ab.
Auf und davon aus dieser Hölle der Eitelkeiten und der absolut genialen Story entgegen …


Kapitel 1


Josefine

Stundenlang streifte ich einfach durch die Straßen, beobachtete Leute und hoffte, dass mich etwas Bahnbrechendes am Kopf traf. Sprichwörtlich, natürlich. Doch nichts geschah. Wohin ich auch sah, nichts, aber auch wirklich gar nichts Besonderes ereignete sich. Natürlich war das Freaky Chick keine Tageszeitung, ich war ja auch keine Lokalreporterin. Dennoch holte man sich die Inspiration am besten mitten im Geschehen. Zumindest glaubte ich das.
Der Freaky Chick war ein klassisches Lifestyle-Magazin mit dem gewissen Extra an knallhart recherchierten Stories. Natürlich gab es den üblichen Boulevard-Teil sowie Kategorien wie Mode, Einrichtung oder Kosmetik-Tipps. Zusätzlich unterhielten wir jedoch auch eine Rubrik mit Restaurant-Empfehlungen und Tests sowie Orten, die man einfach als moderne, irische Frau gesehen haben musste. Was der Freaky Chick empfahl, wurde zum Hit. Zusätzlich gab es aber auch immer noch einige Seiten zu einer wöchentlich wechselnden Home-Story. Und genau darauf hatte Erika mich angesetzt. Wäre ja auch zu leicht, nur einen Artikel über eine gerade angesagte Bar oder einen Club zu verfassen. Nein. Erika ging stets aufs Ganze, und was sie von ihren Mitarbeitern erwartete, waren immer drei-tausend Prozent.
Einerseits war es eine Ehre, dass sie mir diesen wichtigen Bereich überließ. Aber andererseits war es auch ein Test. Ein unbarmherziger Test, bei dem ich entweder auf ganzer Linie überzeugen oder kläglich versagen konnte. Arme Josefine …
Irgendwann war ich es leid, ziellos umherzuirren. Daher verfrachtete ich meine schmerzenden Füße in den nächsten Pub und schrieb zeitgleich meine Freundin Ivy an, die normalerweise immer für einen spontanen Plausch zu haben war. Studenten eben … Das waren noch Zeiten, als meine Träume mich auf Stelzen trugen und mir das Wasser nicht bis zum Hals stand.
Wie nicht anders zu erwarten sagte Ivy zu und ich machte es mir an einem Tisch mit einer großen, heißen Schokolade gemütlich. Zwar war das Getränk nicht gerade gut, wenn man zu ausladenden Hüften neigte, aber es war immerhin der beste Seelentröster, den ich mir aktuell vorstellen konnte.
Ivy, mein kleiner Wirbelwind, eilte schon eine viertel Stunde später herein und sogleich schien die Sonne aufzugehen. Sie hatte dieses Talent, sämtliche dunklen Wolken mit ihrer bezaubernden Art zu vertreiben, wie ein milder Frühlingssturm. Genau die richtige Mischung eben. Eine heiße Schokolade und eine gute Portion Ivy-Power. Sagenhaft, dachte ich nebenbei, während ich sie zur Begrüßung auf die Wange küsste.
„Hi, Liebes. Was steht heute an?“ Ivy war der Typ Mensch, für den jeder Tag ein neues Geschenk darstellte. Immer offen für alles und jeden, der es verdiente, in den Genuss ihrer Gesellschaft zu kommen. Klingt aufgeblasen, ist aber tatsächlich so.
„Ach, abgesehen davon, dass Erika mir das Messer auf die Brust gesetzt und mich lautstark zur Schnecke gemacht hat, ich kurz davor bin, alles hinzuschmeißen und die Sache mit dem Journalismus aufzugeben, eigentlich nichts.“
Ivy sah mich mit großen, runden Augen an.
„Na dann. Wenn es weiter nichts ist? Einen Earl Grey bitte. Danke“, rief sie so beiläufig dem Kellner zu, dass ich Schwierigkeiten hatte, ihr zu folgen. Kurzfristig fassungslos blieb mir der Mund offen stehen. Hatte sie mich tatsächlich eben einfach abgefertigt? Unsicher vergrub ich mich und meine akuten Grübeleien hinter dem großen Glas dampfenden Glücksspenders.
Dann, plötzlich, lachte Ivy laut los.
„Süße, was schaust du denn so? Du machst ja ein Gesicht, als ob die Welt für dich zusammenbrechen würde.“
Ja, so in etwa fühlt es sich auch an, dachte ich, bestürzt darüber, wie sehr ich mich von Erika, The Beast, doch runtermachen ließ. Da ich kein Wort herausbrachte und immer noch etwas schmollte, hörte sie auf zu scherzen.
„Josie, hast du wirklich geglaubt, es würde leicht werden mit dieser Egomanin? Ehrlich. Ich finde nicht, dass du dir das so zu Herzen nehmen solltest. Weißt du, es wäre was anderes, wenn sie zu allen nett sein würde und nur du ihre miese Laune abbekämst. Aber nach allem, was du mir bereits erzählt hast, benimmt sie sich jedem gegenüber wie die absolute Diva.“
Darüber musste ich erst einmal nachdenken. War die Schmach, die mir heute zuteil geworden war, wirklich weniger schlimm, nur weil morgen schon die nächste Journalistin für eine Abreibung an der Reihe sein würde?
Vielleicht ein ganz klein wenig, räumte ich ein.
„Meinst du? Es ist jedenfalls nicht besonders motivierend, wenn deine mit Herzblut verfasste Arbeit als Schulaufsatz oder Mist betitelt wird.“
„Da hast du schon recht. Aber ich möchte wetten, würdest du dich mit den anderen unterhalten, unter der Voraussetzung, dass sie ehrlich zu dir sind, dann könnten sie dir wahrscheinlich noch ganz andere Geschichten über Erika Weaver erzählen.“
Hm …, vermutlich hatte sie recht. Und ganz allmählich hörte das kleine, fiese Stechen in meiner Herz-gegend auf, mich einem frühen, kummervollen Tod näher zu bringen.
„Sie verlangt von mir, eine absolut einmalig geniale Home-Story auf die Beine zu stellen. Aber Ivy, wie soll ich das nur anstellen?“
Sie überlegte.
„Home-Story also, ja? Ich bin kein brillanter Schriftsteller-Kopf, so wie du. Aber wenn du diesem Miststück eins auswischen willst, dann kannst du auf keinen Fall mit einer Null-Acht-Fünfzehn-Story aufkreuzen. Nein, das muss etwas ganz Außergewöhnliches werden. Crazy, und vor allem fesselnd“, versetzte sie und runzelte dabei ihre ansonsten elfenbeinglatte Stirn.
„Was du nicht sagst. Aber entweder, ich erfinde einfach irgendwas oder mir kommt in den nächsten Minuten die Erleuchtung. Und ich bezweifle, dass …“ Da fiel mein Blick auf eine aktuelle Tageszeitung, die jemand unachtsam auf dem Stuhl neben mir hatte liegen lassen, vielleicht in der Absicht, den nächsten Gast des Pubs damit zu erfreuen.
„Ivy. Das ist es!“, platzte es so laut aus mir heraus, dass sich weitere Gäste interessiert nach mir umdrehten.
„Die Erleuchtung? Ehrlich?“ Ivy staunte.
„Ja! Ich glaube schon. Ich meine, das ist genial. Sehr gewagt, aber …“
„Nun spuck es schon aus, bevor ich platze. Was hat dein Genie-Hirn jetzt wieder ausgeheckt?“ Ivy liebte es, mich mit meinem Streber-Abschluss aufzuziehen. Ja, ich war ehrgeizig und konnte schlechte Noten nun einmal nicht leiden. Aber dadurch war ich zu oft auch engstirnig und leider auch nicht so locker leicht und sorgenfrei unterwegs wie sie. Mein Leben war reichlich durchstrukturiert, und dadurch fiel es mir auch manch-mal schwer, über den Tellerrand hinaus zu blicken. Keine guten Voraussetzungen, wenn man die brandheißen News dieser Welt entdecken will.
„Also gut. Du kennst doch diese große, reichlich mysteriöse Villa, etwas außerhalb von Dublin, an der wir schon so oft vorbeigefahren sind.“
Sie nickte. „Das Walsh-Anwesen? Darin spukt es. Und es sind schon einige Menschen nie wieder daraus zurückgekommen.“
„Quatsch, Ivy. Du glaubst doch nicht etwa diese alten Geschichten? Aber ja. Genau das meine ich. Sieh dir das an.“ Damit hob ich die Zeitung auf den Tisch und tippte auf eine kleine, aber fein chiffrierte Anzeige, welche mit eleganten Ranken umrahmt war:

Sekretärin und Organisatorin
für das Walsh-Anwesen gesucht.
Flexible Vier-Tage-Woche, ausgenommen Mittwoch.
Chiffre MCX3335


Ivy las genau, sogar mehrfach und sah mich dann fassungslos an.
„Das ist nicht dein Ernst.“
Jetzt war es an mir, überrascht zu sein.
„Was meinst du damit? Hey, normalerweise hältst du mir ständig Vorträge, ich solle nicht so sehr der Kontrollfreak sein. Und nun fällt mir tatsächlich spontan mal etwas ein, und ausgerechnet du bist schockiert?“ Ich hätte nicht gedacht, dass Ivy überhaupt irgendetwas je aus der Ruhe bringen könnte.
„Ähm, ja. Nun … Natürlich bin ich der Meinung, dass dir der gewisse Kick sicher nicht schaden könnte. Aber das hier? Josie. Das ist völlig verrückt.“
Ich verstand die Welt nicht mehr.
„Verrückt? Ivy, das ist meine Chance.“
„Ich weiß nicht. Das ist wirklich gefährlich. Du weißt doch, was über dieses Anwesen erzählt wird.“
„Na ja. Genau genommen, weiß niemand wirklich etwas. Das macht es ja gerade zu meiner ultimativen Story.“
Ivy nippte an ihrem Tee und sah beinahe so aus, als ob sie versuchte, etwas im Teesatz zu lesen. Hellseherei? Na meinetwegen.
„Gut, ich gebe zu, die Idee ist nicht schlecht. Aber was, wenn die Gerüchte wahr sind?“
„Umso besser, würde ich sagen. Dann kann ich Erika endlich die geforderte Super-Story liefern, und alle sind zufrieden.“
„Ja, wenn du dann noch lebst. Josie, es gehen merkwürdige Dinge auf dem Walsh-Anwesen vor sich, und ich finde nicht, dass eine junge Frau wie du im Alleingang dafür sorgen sollte, diese ans Tageslicht zu bringen.“
„Du glaubst doch nicht wirklich, dass an den Gerüchten etwas dran ist? Wobei ich nur hoffen kann, dass wenigstens ein Bruchteil davon wahr ist.“
„Ich denke, auf die Sache mit den Leichen auf dem Grundstück, dem Sohn, den sie der Öffentlichkeit vorenthalten oder auch die besonders schlüpfrigen Details kannst du getrost verzichten“, fasste Ivy prägnant zusammen.
„Hmmm … Ich weiß nicht, Ivy. Etwas an dieser Anzeige hat mich magisch angezogen. Was spricht denn schon dagegen, mich zu bewerben? Es ist ja auch nicht gesagt, dass sie mich nehmen.“
„Sie?“, entgegnete meine liebe, fürsorgliche Freundin.
„Na ja. Wer auch immer dort wohnt. Wir wissen ja noch nicht einmal, ob es eine Familie, ein alter Mann oder eine schrullige Dame ist.“
Ivy nickte vielsagend.
Das Walsh-Anwesen war, seit ich denken konnte, eines der sagenumwobensten Gemäuer der Stadtgeschichte. Etwas außerhalb von Dublin gelegen, thronte es erhaben inmitten eines gigantischen Grundstücks, umringt von düsteren Mauern und einer wunderschön angelegten, jedoch etwas verwilderten Parkanlage. Die hohen, ich wollte fast sagen, Zinnen des Hauses stachen nur in der Ferne zwischen den Baumwipfeln der uralten Bäume hervor. Niemandem wurde je der Zutritt durch das ehrfurchtgebietende, massive Tor zum Gelände erlaubt. Zumindest nicht, soweit ich das wüsste.
Unter Berücksichtigung all dieser Tatsachen und Gerüchte, der Gefahr und der Chance, die sich mir bot, konnte ich also nur zu einem Ergebnis kommen: „Ivy, ich mach’s!“
„Das ist nicht dein Ernst. Das kann nicht dein Ernst sein?!“ Doch ich hatte meinen Entschluss längst gefasst. Geistig hatte ich die Sache bereits viel zu weit durchgesponnen, als dass ich jetzt noch einen Rückzieher machen könnte. Mein journalistischer Blutdurst war geweckt, und ich war nicht mehr in der Lage, diesen jetzt noch anderweitig zu stillen.
Das war die Geschichte, die die Leserinnen des Freaky Chick wirklich interessieren würde. Die des geheimnisvollen Junggesellen, der alleinstehenden, alten Dame, die viele interessante Dinge aus ihrem hundertjährigen Leben zu berichten hatte, oder auch die des vernachlässigten Sohnes, der nie Kontakt zur Außenwelt bekam.
Vor Aufregung fingen meine Hände an zu zittern, und das Flirren in meiner Magengegend, das die unbändig, freudige Erwartung hervorrief, ließ mich beinahe hochfahren.
„Wenn das mal gut geht, Josie“, versuchte Ivy meinen Enthusiasmus einzudämmen, was eigentlich sonst gar nicht ihrem Naturell entsprach.
„Ivy, ich sag’s dir. Das wird es. Ich habe es im Gefühl, und wenn ich mich erst einmal in eine Story verbissen habe, dann gibt es kein Halten mehr.“
„Das fürchte ich auch. Aber versprich mir bitte, dass du vorsichtig bist, okay? Keine Experimente oder Dummheiten, nur um Erika zufriedenzustellen.“
Ich nickte abwesend.
„Hörst du!?“, versuchte es Ivy erneut.
„Jahaaa … Ist ja gut. Ich werde vorsichtig sein. Versprochen.“
Wir versuchten uns noch einige Zeit an anderen Themen, doch wenn ich ehrlich war, konnte ich keinen wirklich klaren Gedanken fassen. In meinem Kopf war ich längst auf dem Weg zur Villa, um meinen Plan voranzutreiben. Und als meine heiße Schokolade bereits erkaltet war, musste auch Ivy wieder los, um ihrem Studentendasein gerecht zu werden, damit ihre Eltern auch weiterhin die kostspielige Exzentrik ihrer lieben Tochter finanzierten.
Am Ende bezahlten wir unsere Bestellungen, und ich versprach noch einmal hoch und heilig, meine Neugier nicht gänzlich über die Vernunft siegen zu lassen. Und, wenn ich einige Jahre jünger wäre, hätte ich wahrscheinlich die Finger hinter dem Rücken gekreuzt. Ich grinste so zuversichtlich, wie ich mich sonst gar nicht kannte, in mich hinein.

Nachdem Ivy gegangen war, sah ich mir die Anzeige noch einmal in Ruhe an. Doch ich konnte ihr keinen gefährlichen Unterton entnehmen. Jemand suchte Hilfe im Büro. Was sprach schon dagegen, sich für die Stelle zu bewerben? Eben. Daher fasste ich kurz zusammen, was ich jetzt zu tun hatte. Die Zeit lief mir davon, und so durfte ich nicht zu lange überlegen.
Als erstes informierte ich Erika darüber, dass ich die nächsten Tage voraussichtlich nicht ins Büro kommen würde. Natürlich wollte sie wissen, woran das lag, und ich versicherte ihr, dass ich einer absolut heißen Story auf der Spur wäre. Zugegeben, das war etwas großspurig, aber so war Erikas Welt nun einmal: großspurig und protzig.
Außerdem warnte ich sie auch, dass ich eventuell für einige Zeit vorgeben musste, einen anderen Job auszuüben. Natürlich nahm sie das reichlich misstrauisch auf, allerdings hatte ich auch den Eindruck, dass sie gerade diese Art von ungewöhnlichem Engagement sehr zu schätzen wusste. Je durchtriebener, desto besser, lautete die Devise für den Freaky Chick. Nachdem das geklärt war, wollte ich keine weitere Zeit verlieren und rief mir per Telefon ein Taxi. Warum sich mit Chiffre-Anzeigen aufhalten, wenn man sich auch gleich selbst vorstellen kann? Eben. Ich rannte hinaus und setzte mich sofort in das bereits wartendete Taxi und nannte meinen Bestimmungsort. Wow, das ging schnell … Dabei versuchte ich geflissentlich, den erstaunten Unterton in der Bestätigung des Fahrers zu ignorieren, als er den Zielort wiederholte. Kann dir doch egal sein, was er denkt. Den siehst du nie wieder, sprach ich mir insgeheim zu und machte es mir auf dem Rücksitz gemütlich.
Anschließend nuschelte der Fahrer noch etwas in seinen bereits ergrauten Schnurrbart, schüttelte heftig den Kopf und brachte mich an den Wunschort meiner unerfüllten Story-Träume: das Walsh-Anwesen im Westen von Dublin, hinter dessen geheimnisvolle Mauern ich hoffentlich schon bald blicken würde.

Mit jedem gefahrenen Meter stieg auch meine Anspannung. Da kam mir ein erschreckender Gedanke: Mist! Warum habe ich mich nur sofort in ein Taxi gesetzt? Eine Dusche und angemessene Kleidung wären wirklich nicht falsch gewesen. Aber nun gab es kein Zurück mehr. Denn wenn ich jetzt einen Rückzieher machte, dann würde ich mich möglicherweise nicht mehr trauen und meine aktuelle Euphorie machte mich mutiger, als ich wahrscheinlich sein sollte.
Gut, jetzt war es so, wie es war. Ich konnte ja ohnehin nicht davon ausgehen, dass mich gleich jemand hereinbitten würde. Aber, was soll’s. Ich war auf dem Weg, und das Walsh-Anwesen wartete bereits auf mich. So hoffte ich zumindest.
Nachdem ich eiligst versucht hatte, mich während der Fahrt noch etwas aus der Handtasche heraus zu schminken und meine langen, zumeist eigenwilligen Haare zu bändigen, kamen wir schließlich an. Der Fahrer verlangte sein Geld, und ich glaubte in seinem Blick so etwas sehen zu können wie: Sind Sie sich wirklich sicher, dass ich Sie hier ganz allein auf dieser abgelegenen Straße abladen sollte? Nein, das bin ich mir nicht, dachte ich trotzig und hielt ihm die Scheine hin. Aber was hatte ich schon zu verlieren? Na ja: Da gäbe es einiges. Wie dein Leben zum Beispiel. Klappe jetzt, Vernunft! Dich kann ich gerade am allerwenigsten brauchen, schnauzte ich in Gedanken und stieg aus.
Es regnete leicht, was meinem ohnehin etwas fragwürdigen Erscheinungsbild nicht gerade zuträglich war. Wie gebannt starrte ich auf das dunkle, schmiede-eiserne Tor, das sich vor mir erhob. Es schien mich regelrecht zu warnen, keinen Schritt weiterzugehen, da ich hier offensichtlich nicht erwünscht war.
Ich zuckte vor Schreck zusammen, als das Taxi plötzlich davonbrauste, da ich gar nicht gemerkt hatte, dass es noch da gewesen war. Als ich mich wieder zum Tor herumdrehte, stand es auf einmal, wie durch Zauberhand einen Spalt breit offen. War mir das zuvor entgangen? Äußerst merkwürdig.
Vielleicht hatte man mich aber auch durch die hochwertige Kameraanlage oberhalb der Mauer bereits entdeckt. Denn obwohl hier alles den Anschein eines verwunschenen, dunklen Schlosses aus einer anderen, gar märchenhaften Zeit machte, so musste ich doch feststellen, dass die Technik mit Sicherheit auf dem neuesten Stand war.
Gerade, als ich noch überlegte, ob ich einfach hineingehen oder vorsichtshalber doch läuten sollte, ertönte eine dunkle Stimme:
„Treten Sie ein.“ Wieder schrak ich zusammen. Was ist das hier? Das Haus der Adams Family?
„Äh, was? Ich?“, rutschte es mir heraus. Na, wer denn sonst, zog ich mich sarkastisch, wie ich manchmal war, auf. Doch das Ganze war derart unheimlich, dass man ja wohl mal fragen durfte. Oder? Na, anscheinend nicht.
Der Moment war gekommen. Alles oder nichts. Den bohrenden Gedanken ignorierend, dass im Prinzip niemand wirklich wusste, wo ich mich an diesem Spätnachmittag, an dem die Sonne sich bereits dem Horizont entgegenneigte, befand, schob ich das schwere Tor beiseite. Ivy. Doch, Ivy wird es ahnen und mich retten, wenn etwas ist, dachte ich, teilweise erleichtert und gleichzeitig schockiert darüber, warum ich trotz aller Bedenken weiterging.
Ich hätte ihr ja auch schnell noch eine Textnachricht schicken können. Doch ich wollte nicht, dass sie es mir ausredete oder jetzt schon die Polizei auf den Plan rief. Also trat ich ein und ging die lange, von wuchtigen Bäumen gesäumte Auffahrtsallee entlang. Der Kies knirschte unter meinen Sneakern, und einmal mehr wünschte ich, mich ein wenig mehr herausgeputzt zu haben. Tja, jetzt gibt es endgültig kein Zurück mehr, Baby!, dachte ich noch, als sich das Tor hinter mir wieder schloss.
Die letzten Sonnenstrahlen blitzten durch die Baumwipfel hindurch, und ich konnte nur noch aufrichtig staunen über die Ausmaße dieses verwinkelten und märchenhaften Parks. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam ich an meinem eigentlichen Ziel, der Walsh-Villa, an. Bisher kannte ich sie nur von Bildern, doch dieses eindrucksvolle Herrenhaus aus der Nähe zu betrachten, sprengte alle Erwartungen.
Zahlreiche Erker und Türme zierten die dunkle Villa, die sicherlich aus dem 18. Jahrhundert stammte. Zumindest glaubte ich das, wenn ich auch zugeben musste, von derartigen Dingen keinen blassen Schimmer zu haben.
Sehr gut. Selbsteinsicht ist der erste Weg zu Besserung …
Ich kam nicht umhin, mich immer mehr wie Belle aus die Schöne und das Biest zu fühlen. Wobei ich lieber nicht darüber nachdachte, dass gerade diese Assoziation der nächste Grund dafür sein sollte, sofort umzudrehen.
Wenige Stufen später, stand ich schließlich vor einer großen, opulenten Holztür, die in blauem Lack gestrichen war. Wie eigenartig und beeindruckend zugleich, musste ich neidlos zugeben. Diesmal wollte ich dem Eigentümer jedoch einen Schritt voraus sein und betätigte die Klingel, die in goldfarbenem Messing eingefasst war. Es war schon ein wenig beschlagen, was seiner eleganten Wirkung jedoch keinen Abbruch tat.
Es dauerte einige Minuten, bis ich endlich Schritte vernahm. Ich straffte die Schultern, atmete noch einmal tief durch und wartete, bis die Tür schließlich aufschwang. Lüg nicht. Du hältst den Atem an, Josie. Insgeheim erwartete ich ein altes Mütterlein, eine Haushälterin oder Dergleichen, in schwarz-weißem Bediensteten-Dress, die mich empfangen und zu den Eigentümern bringen würde.
Stattdessen aber blieb mir bei dem mir dargebotenen Anblick schier der Mund offen stehen. Bei seinem Anblick …
Egal, was ich erwartet hatte. Das hier hätte ich nie … Also. Ich war sprachlos. Und das kam mit Verlaub wirklich nur äußerst selten vor. Im Eingang stand ein großgewachsener Mann, Ende Dreißig, in schwarzem, eleganten, jedoch nicht biederen Anzug und weißem Hemd und starrte mich an. Und das war noch milde ausgedrückt.
Selbst im schwachen Licht des Eingangsbereichs konnte ich seine eisblauen Augen erkennen, die mich schier durchbohrten. Sie zogen mich aus, nicht körperlich, nein, emotional fühlte ich mich entblößt, und hatte große Mühe, mich zwischen glotzendem Gebanntsein und akuter Flucht zu entscheiden. Lauf, Josie. Laaauuufff!, schrie es überall in meinem Kopf. Doch nichts geschah.
Stattdessen stand ich da, in meinem Alltagsoutfit, feucht vom Regen, und gaffte, als gäbe es kein Morgen.
„Guten Abend. Schön, dass Sie Ihren Weg schon zu uns gefunden haben, Josefine.“
Okay. Jetzt war der Moment gekommen, schreiend davonzulaufen. Du hast dich bestimmt verhört, Josie. Woher soll dieser Mann denn wissen, wie du heißt? Also, ganz ruhig und nochmal von vorne.
Doch er kam mir zuvor.
„Aber kommen Sie doch herein. Mein Name ist Nathan. Nathan Walsh.“ Seine samtene, tiefe Stimme fand ihren Weg in mein Ohr, belebte mich von innen und rutschte anschließend tiefer in meinen Bauch, wie warme, flüssige Schokolade. Viel tiefer … Josie!
Wie hypnotisiert tat ich, wie mir geheißen, und folgte Mr. Walsh in seine überraschend wenig altertümliche, dafür umso beeindruckendere Eingangshalle. Ein eleganter Traum aus dunklem Holz, royalblauen Wänden und allerlei teurem Mobiliar raubte mir fast den Atem. Ganz zu schweigen von dem gigantischen Kronleuchter, der alles in angenehmes Licht tauchte. Sofern ich denn noch geatmet hätte … Denn eigentlich versagte meine Lunge mir immer noch schockiert den Dienst.
„Ich freue mich sehr, dass Sie uns beehren, Josefine.“
Da war er wieder. Mein Name. Und diesmal konnte ich ihn nicht leugnen.
„Woher wissen Sie, wie ich heiße?“, platzte es unhöflich, noch ehe ich uns eine gewisse Anfangsphase für ein Gespräch gewährt hatte, aus mir heraus.
Doch Mr. Walsh, Nathan, lächelte nur geheimnisvoll und überging meine Frage geflissentlich.
„Hatten Sie eine angenehme Fahrt?“ Also allmählich wurde mir das alles zu bunt. Schließlich wartete ich eigentlich von der ersten Sekunde an darauf, dass ich endlich anmerken konnte, warum ich überhaupt gekommen war. Stattdessen riss Nathan das gesamte Gespräch an sich, steuerte es von der ersten Sekunde an, jedoch ohne dabei aufdringlich zu wirken. Er schien einfach ein Mann zu sein, der es gewohnt war, die Zügel in der Hand zu halten und dass die Menschen taten, was er von ihnen verlangte. Auf eine geheimnisvolle, ruhige, jedoch auch zugegeben sehr düstere Art.
Oh, Josie … Wo bist du da nur hineingeraten?, dachte ich noch und folgte Nathan, der neugierigen Versuchung erliegend, weiter durch sein dunkles Märchenschloss und hinein in die Ungewissheit …



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