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Buchvorstellung: "MondKindSaga - Chandra"
Geschrieben von  Mandy Schur Mandy Schur Geschrieben,  16-09-2018 10:30 16-09-2018 10:30 332  Gelesen 332 Gelesen
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"MondKindSaga – Chandra" Ein Fantasy-Roman von Cail Noell.



Geboren, um das Unrecht ihrer Eltern zu sühnen, glaubt Chandra fest daran, dass sie die Tempel der sieben Monde finden wird, und hält eisern an ihrem Weg fest. Dann aber begegnet ihr Finn, der Alpha mit den strahlend blauen Augen, dessen Grollen ihr ungewöhnlich tief unter die Haut geht. Dumm nur, dass ausgerechnet er ihre Vergangenheit bloß für einen absurden Mythos hält ...

Schließlich muss sie eine Entscheidung treffen:
Liebe oder Schicksal – doch steht ihr diese Wahl überhaupt zu?



Leseprobe:



Prolog

Meine Träume begannen von einem auf den anderen Mondgang, bedrängten mich, bis ich kaum noch Schlaf fand. Bereits vor unzähligen Mondwanderungen spürte ich, dass ich irgendwann wieder von hier fliehen musste. Anscheinend hing es unmittelbar mit meinem bevorstehenden zwanzigsten Wintereinbruch zusammen, das aber erkannte ich erst jetzt. Mein Leben in diesem Rudel schien offenbar vorüber.
Nachdem ich endlich den Entschluss fasste, meinen längst wohldurchdachten Plan in die Tat umzusetzen, und mit den Vorbereitungen begann, hörten die Träume ebenso plötzlich wieder auf, wie sie ihren Anfang genommen hatten.


Chandra

Mein Herz hämmerte so hart in meiner Brust, dass ich befürchtete, sie würden es jeden Moment hören. Angstschweiß lief mir den Rücken hinab, während ich durch die Tunnel schlich, an den schlafenden Wächtern vorbei. Ich zwang mich dazu, ruhig zu atmen, keinen Laut von mir zu geben. So passierte ich auch den sechsten Wächter ohne Schwierigkeiten. Er schnarchte leise.
Ich hatte dem Essen heimlich Maladanwurzeln beigemischt, so viel wie möglich, ohne dass man es sofort schmeckte. Dazu goss ich einen Sud aus getrockneten Lasiliblumen in den Dara, einem Pflanzensaft, der eine äußerst berauschende Wirkung besaß. Kyle und seine Wächter tranken ihn gerade deswegen besonders gern. Meine heimlichen Zugaben sollten dafür sorgen, dass sie alle fest einschliefen. Vielleicht würde es ihnen beim Erwachen richtig schlecht ergehen. Ich wusste es nicht und ehrlich gesagt erschien es mir auch vollkommen bedeutungslos. Sicher war ich nur, dass mein Glück nicht ausreichen würde, um sie auf ewig entschlummern zu lassen. Nein, so viel Glück besaß ich ganz gewiss nicht.
Als ich endlich den Tunnelabschnitt erreichte, hinter dem der Wald begann, suchte ich ihn mit meinen Sinnen ab. Hier irgendwo musste er sein, der letzte Wächter, der zwischen mir und meiner Freiheit lag.
Ein unerwartetes Räuspern ließ mich erschrocken zusammenfahren. Ich erstarrte auf der Stelle, dann sah ich ihn. Mein Herz drohte zu zerspringen, doch außer leisen, unruhig wirkenden Geräuschen vernahm ich nichts mehr. Er schlief, schien aber zu träumen, wälzte sich ruhelos hin und her.
Lautlos und so vorsichtig wie möglich schob ich mich an ihm vorbei, ohne einen weiteren Atemzug.
Er war ein ausgezeichneter Jäger, wahrscheinlich der Beste aus Kyles Clan. Leb wohl, Brym!
Als einziger Bewohner, der mich hier stets freundlich behandelt hatte, würde ich ihn vermissen, trotz allem.

Obwohl der Tunnel nun hinter mir lag, bewegte ich mich noch immer leise und bedacht. Erst als ich sicher war, dass sie mich nicht mehr hören konnten, lief ich, so schnell meine Beine mich trugen. Ich sprang über Äste, sobald ich sie sah, setzte meine Füße trotz der Schnelligkeit gezielt auf, um nur so wenig Fußspuren wie möglich zu hinterlassen. Die Dunkelheit erleichterte mir das Verwischen meiner Spuren zwar nicht gerade, trotzdem hieß ich sie willkommen, weil sie mich zusätzlich verbarg. Da meine Tigerin eine viel bessere Sicht besaß, ließ ich sie weit in mein Bewusstsein dringen. Sie schien meine Furcht zu spüren, denn sie hielt sich dennoch zurück.
Von der Höhle lief ich ein Stück in den Wald hinein, zu dem umgestürzten Baum, der direkt an dem kleinen See lag. Viele Mondwanderungen lang hatte ich mich auf diesen Moment vorbereitet, Tanmarin, Maladanwurzeln und Lasiliblumen gesammelt, um sie heimlich einzukochen, bis ich genügend Sud zusammen hatte.
Hastig zog ich den Lederschlauch mit dem Tanmarinsud aus dem hohlen Stamm, entkleidete mich vollständig und rieb meinen Körper großzügig damit ein. Um ganz sicherzugehen, tränkte ich sogar meine Kleidung mit dem Aufguss und wickelte mir abschließend ein feuchtes Tuch um den Kopf, um meine Haare zu bedecken. Sie durften meine Fährte nicht einen einzigen Moment aufnehmen, nur so bekäme ich überhaupt die Möglichkeit ihnen zu entkommen. Ich musste dafür sorgen, dass sie nicht einmal eine Ahnung der eingeschlagenen Richtung besaßen, denn sollten sie mich verfolgen, wäre ich niemals schnell genug, um ihnen dauerhaft davonzulaufen.
Tanmarin, Maladanwurzeln und Lasiliblumen galten eigentlich als Heilmittel, doch ich kannte ihre Geheimnisse: Tanmarin überdeckte den eigenen Körpergeruch vollkommen. Maladan und Lasili wirkten hingegen beruhigend, in großen Mengen eingekocht aber, schläferte es selbst den stärksten Wandler ein.
Es war nicht schwer, all diese Wunder der Pflanzenwelt hier zu finden. Da Kyle mit solchen Dingen aber keinerlei Handel betrieb, im Gegensatz zu anderen Rudeln, sondern nur raubte, vermutete er wohl nicht einmal, welch ungeahnte Fähigkeiten sich in diesem Tal verbargen. Ich hingegen las jedes Buch über Pflanzen, das ich in die Finger bekam und versteckte es anschließend gewissenhaft.

Ich verstaute alles in meiner Tasche und wandte mich Richtung Fluss, die einzige Möglichkeit, mein Leben jetzt noch zu retten. Erst dort hätte ich mein erstes Ziel erreicht. Sobald ich mich im Wasser befand, würde ich keinerlei Spuren mehr hinterlassen. Nicht auszudenken was geschähe, sollte Kyle mich finden. Mit meiner Flucht unterschrieb ich mein Todesurteil. Als sein Eigentum stand ich bisher unter seinem Schutz. So nannte er es, dass nur er mit mir verfahren durfte, wie er es für angebracht hielt. Widersetzte man sich ihm jedoch, galt man als Freiwild, allerdings erst nachdem er seine Bestrafung ausgeführt hatte. Wenn man dann noch lebte, wünschte man sich sicherlich, man wäre bereits tot!

Tief durchatmend begann ich zu laufen und beschleunigte schließlich. Zwar musste ich dafür sorgen, dass ich das Tempo eine Weile durchhielt, dennoch zählte momentan nur, den Fluss zu erreichen, bevor jemand bemerkte, dass ich fort war. Keine Kraftreserve würde mir noch etwas nützen, sollten sie mich finden.
Jetzt machte es sich bezahlt, dass ich all die vielen Wintereinbrüche geduldig ausgeharrt hatte. Aufgrund meines mir hart erarbeiteten Vertrauens kannte ich den Weg, der vor mir lag genau, zumindest bis zum Fluss. Noch vor Beginn der Dämmerung müsste ich ihn erreichen, wenn ich schnell genug lief.
Kyle! Das Oberhaupt vom Clan der Tyrer. Von allen ebenso geachtet wie gefürchtet. Zwar gelang es ihm in all den Mondwanderungen nicht, mich zu unterwerfen, dennoch fürchtete ich ihn nicht weniger. Wir hatten eine seltsame Art der Einigung gefunden. Im Beisein seiner Clanmitglieder verhielt ich mich unauffällig, unterwürfig, solange er es nicht übertrieb. Dafür ließ er mich in Ruhe, rührte mich niemals derart an. Er drohte zwar, dass ich mit Erreichen meiner Volljährigkeit ihm gehören würde, doch das ich mich bereits als Jungtier und Halbstarke immerzu gegen ihn zur Wehr setzte, schien ihm zu imponieren. Auf eine seltsam verdrehte Art respektierte er mich. Was auch immer es war, was mich bisher beschützt hatte, es würde nicht ewig anhalten. Seine Gespielinnen kehrten viel zu oft vollkommen verstört zurück. Die Blicke, die er mir neuerdings danach zuwarf, bescherten mir ein unangenehmes Kribbeln, sein Grinsen jedoch ließ mir das Blut in den Adern gefrieren.
Nicht nur, dass es nötig wurde, meine Freiheit zurückzuerlangen, ich musste mich auch schnellstens aus seinem Zugriff befreien, ehe er diese unsichtbare Grenze zu durchbrechen versuchte. Also lief ich, konzentrierte mich auf meinen Weg, wohlwissend, dass mich selbst jeder noch so bedachtsame Schritt nicht lange verbergen könnte. Seine Jäger würden diese Spur irgendwann entdecken und ihr ohne Schwierigkeiten folgen. All meine Bemühungen bis zum Fluss dienten lediglich der Verzögerung, der Erschwernis, sollte ich denn diesmal Glück haben. Erst wenn ich mich nur noch im Wasser fortbewegte, könnte mir dies die Möglichkeit verschaffen, sie abzuschütteln. Mein Plan sah vor, dass ich mich flussaufwärts voran kämpfte, was zusätzlich für einen weiteren Vorsprung sorgen sollte. Normalerweise würde niemand diesen ermüdenden Kraftakt auf sich nehmen. Immer mit der Strömung, flussabwärts, das nähmen sie hoffentlich ebenfalls an.
Vor mir lag ein langer Weg hinauf in die unendlichen Weiten der schneebedeckten Kristallberge, sie waren mein Ziel. Kyle hasste die Kälte, ich hingegen liebte sie. Natürlich wussten sie, dass ich eine Schneetigerin bin, doch niemand von ihnen kannte den Ort, von dem ich eigentlich stammte, dazu gab es viel zu viele Gebiete, in denen die Schneetiger lebten. Doch irgendwo dort oben in den Kristallbergen wurde ich geboren, lag einst meine Heimat.

Mein Atem folgte inzwischen stoßweise, doch ich hatte es beinahe geschafft, hörte das Rauschen bereits und beschleunigte ein letztes Mal, dann endlich sah ich den Fluss. Ohne innezuhalten, kontrollierte ich noch einmal, ob alle Taschen verschlossen waren, und stieg ins Wasser. Mit geübten Griffen löste ich das Kopftuch, flocht mir einen Zopf und band ihn gewissenhaft fest. Das Tuch steckte ich in meine Tasche, während ich mich bereits gegen die leichte Strömung voran kämpfte. So erschöpft ich auch war, durfte ich jetzt nicht nachlassen, noch nicht!
Das kalte Wasser belebte meinen müden Geist und brachte mich zum Grinsen. Das Schwierigste war geschafft, solange er nicht zu tief wurde.


* * * * *


Unermüdlich ging ich weiter, doch je stärker die Strömung zunahm, je mehr verlangte mein Körper nach einer Pause. Als das Ufer immer mehr anstieg, suchte ich mir eine Böschung, die sich weit genug ins Wasser neigte, um mich ausreichend zu verbergen, ohne dass ich den Fluss verlassen musste. Er floss an dieser Stelle beinahe lautlos und ließ mich meine Umgebung wahrnehmen. Nachdem ich mich auf einen Stein gesetzt hatte, der aus dem Wasser ragte, schloss ich meine Augen und versuchte, ein wenig auszuruhen.
Ich bin nicht sicher, was genau mich warnte, doch wie von allein stellte ich schließlich das Atmen ein und verharrte vollkommen reglos.
»Ich sagte es dir doch Brym, sie ist nicht hier entlang. Es gibt keine einzige Spur. Lass uns umkehren.«
Jam! Sie erreichten mich früher als vermutet. Die Dämmerung setzte erst allmählich ein. Sie waren also viel schneller erwacht, als ich geplant hatte. Verdammt!
»Wir werden sie nicht mehr finden und ich hoffe sehr, dass sie weit genug davonläuft!«
»Was redest du denn da, Brym?«
»Kannst du dir vorstellen, was er mit ihr macht, sollte er sie aufspüren? Sie hat uns alle reingelegt und trotz all seiner Vorkehrungen gelang ihr die Flucht. Das nötigt mir ein gewisses Maß an Respekt ab. Das, was folgen würde, hat sie nicht verdient!«
»Pass auf, dass Kyle dich nicht so reden hört! Ich vermute, dass er das gar nicht gutheißt. Lass uns lieber flussabwärts suchen.«
Ich spürte Jams Wandlung und schloss die Augen, konzentrierte mich. Er lief bereits davon. »Kehre niemals zurück. Dies gehört noch dir.« Etwas Schweres platschte ins Wasser und sank zu Boden. Unsicher hielt ich dennoch inne, bewegte mich nicht. »Ich wünsche dir Glück, kleines Mondkind!«, flüsterte er, dann wandelte auch er sich und lief davon.
Mondkind! So nannte er mich von Beginn an. Traurig lächelte ich. Er hätte mich ausliefern können, dass er es nicht tat, berührte mich mehr, als ich mir eingestehen wollte.
Vorsichtig streckte ich die Hand aus und griff nach dem Stein, den er ins Wasser geworfen hatte. Überrascht stellte ich fest, dass es sich in Wirklichkeit um eine graue kleine Schatulle handelte. Mit angehaltenem Atem öffnete ich sie und keuchte schließlich erschrocken auf. Mit zitternden Fingern ergriff ich die Kette und betrachtete den Anhänger. Ein goldener Halbmond, dessen fehlender Rest zum Vollmond schwarz ausgelassen wurde, darin unzählige funkelnde Sterne, das Symbol des Mythos und das Gegenstück zu meinen Augen.
Die Erinnerung kehrte sofort zurück. Meine Mutter schenkte sie mir, kurz bevor wir flohen. »Eigentlich wollte ich sie dir erst vermachen, wenn du erwachsen bist. Nun aber übergebe ich sie dir schon jetzt. Hüte sie gut, denn sie ist das Vermächtnis unserer Vergangenheit und der Schlüssel zu deiner Zukunft!«
Ich legte sie mir um und verstaute die Schatulle in meiner Tasche. Vorsichtig kam ich unter der Böschung hervor, lauschte. Nichts war zu hören, niemand in der Nähe, also schulterte ich den Beutel und lief weiter. Noch besaß der Fluss keine Tiefe, doch das würde sich bald ändern, das wusste ich.
Ich versuchte, meine Kräfte aufzuteilen. Solch ein Fehler wie damals durfte mir nicht noch einmal unterlaufen. Ich suchte ein passendes Rudel, das friedfertige Sozialstrukturen besaß und mich aufnehmen würde. Ich musste in der Lage sein, sie unbemerkt zu beobachten, um sicher zu gehen, dass ich nicht wieder jemandem wie Kyle in die Hände fiel. Ich war längst nicht mehr so dumm wie noch vor acht vollen Mondwanderungen. Zwar durfte ich nicht am Training der Wächter teilnehmen, doch sooft meine freien Momente es zuließen, beobachtete ich das Geschehen, horchte und lernte. Immerhin hier legte Kyle Wert darauf, dass allen Kleinen Wissen gelehrt wurde. Nichts ist schlimmer als Dummheit, sagte er immer. Die Lerninhalte stellten jedoch schon bald keine Herausforderung mehr für mich dar. Meine Mutter begann früh, mich zu lehren. Es fiel mir leicht und langweilte mich schnell. So war es auch hier in den letzten zwei vollen Mondwanderungen. Immer öfter stahl ich mich fort und sah den Wächtern bei ihrem Training zu, mittrainieren ließen sie mich allerdings nie. Kyle gefielen meine Alleingänge gar nicht, doch als nichts half mich davon abzubringen, ignorierte er es, solange ich meine anderen Aufgaben nicht vernachlässigte. Noch immer fragte ich mich, weshalb er mich niemals schlug. Oh, er stand oft kurz davor, hielt mich bereits gepackt, doch er tat es nicht ein einziges Mal. Und das, obwohl er allen anderen gegenüber niemals zögerte, im Gegenteil. Nicht umsonst fürchteten sie ihn und seine Gnadenlosigkeit. Niemand wollte sich seinen Zorn zuziehen. Ich wusste, dass ich mit meiner Flucht sämtliche Freiheiten verloren hatte. Sollte er mich jetzt finden, wären selbst seine Gespielinnen bessergestellt. Mein Leben war verwirkt und ich wollte mir gar nicht erst ausmalen, was mir bevorstehen würde.



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