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Buchvorstellung "Quasarmagie: Ragnor-Saga - Die Hüter Amas I"
Geschrieben von  Mandy Schur Mandy Schur Geschrieben,  28-02-2019 13:00 28-02-2019 13:00 246  Gelesen 246 Gelesen
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"Quasarmagie: Ragnor-Saga - Die Hüter Amas I" Band 1 der Fantasy-Saga von Jürgen Friemel.



Als vor Äonen die Paladine des Lichts vom Planeten Makar verschwanden, ließen sie einige magische Artefakte zurück. Ein Erbe der Hüter, der deren Macht zu meistern lernt, kann durch sie große Macht erringen. Dieser Paladin wird von den Bewohnern Makars sehnlichst erwartet, denn die dämonischen Heerscharen des Gottes der Finsternis, lauern bereits an den Portalen des Orcus, begierig in Bälde über Makar herzufallen.


In Band 1 der Saga verlässt der junge Ragnor das stille Bergtal seiner Jugend, besteht erste Kämpfe und lernt die Liebe kennen. Seine Begegnungen, mit der rauen Welt von Makar, fordern ihm alles ab und zwingen ihn dazu, sehr schnell erwachsen zu werden. Dabei lernt er die ersten Facetten der Macht des Quasars kennen, welche sein weiteres Leben bestimmen wird.



Leseprobe:



Gerade, als Rurig dem Jungen seinen Plan erläutern wollte, wie er sich die Befreiung vorstellte, geschah etwas Unvorhergesehenes. Plötzlich stürmte eine halb nackte schwarzhaarige Frau aus einem der Zelte, der fluchend ein hagerer Mann, nur mit einer Hose bekleidet aber mit wütendem, schmerzverzerrtem Gesicht folgte. Er trug ein Schwert in der rechten Hand, schrie etwas von Schlampe und das er sie gleich kaltmachen würde. Die beiden Männer am Feuer hatten die Szene ebenfalls bemerkt und machten sich, mit einiger Verzögerung, ebenfalls auf, die Frau zu verfolgen.
Die Frau lief mit angstgeweiteten Augen direkt auf die Stelle zu, an der Ragnor und Rurig sich verborgen hatten.
“Erschieße ihn”, zischte Rurig dem Jungen zu, während er sein Schwert zog. Wie in Trance zog der Junge einen Pfeil aus dem Köcher, während Rurig losstürmte, um die beiden anderen Verfolger aufzuhalten.
Ragnor versuchte angestrengt, den Verfolger anzuvisieren, aber die Frau verdeckte mit ihrem Zickzackkurs, mit dem sie dem Verfolger zu entkommen suchte, immer wieder das potenzielle Ziel, sodass er nicht zum Schuss kam. Dann stolperte sie unglücklich, und plötzlich war der Mann über ihr. Ragnor ließ Pfeil und Bogen fallen und rannte laut schreiend aus seiner Deckung, um den Mann von seinem Vorhaben abzuhalten.
Der Mann, der sein Schwert erhoben hatte, um die Frau zu töten, stockte und sah auf. Dann erhob er sich, mit einem höhnischen Lächeln auf den Lippen, als er bemerkte, dass ihm ein Jüngling gegenüberstand.
Ragnor stoppte, bevor er den Fremden erreichte, und zog Schwert und Dolch. Kaum hatte er die Waffen in der Hand, war seine Aufregung wie weggeblasen, und es durchströmte ihn eine tiefe Ruhe und Zuversicht. Der Junge verschmolz mit Quart und Quorum zu einer in sich ruhenden Einheit. Ein sanfter Strom von Vertrauen durchzog seinen Körper.
Der Räuber näherte sich, das Schwert leicht erhoben, mit der Gewissheit, einen leichten Sieg erringen zu können.
Als er heran war, ließ er sein langes, gerades Eisenschwert mit großer Kraft auf den Jungen herabsausen, in der Erwartung, ihn bereits mit dem ersten Schlag zu erledigen.
Ragnor blockte den Schlag mit Quorum ab, wie Rurig es ihn gelehrt hatte, und ging dabei leicht in die Knie, um die Wucht des Schlages abzufedern. Blitzschnell ließ er dann den Dolch auf die Hüfte des Mannes vorzucken. Er traf diesen unterhalb der Rippen und nur eine instinktive Ausweichbewegung, die den erfahrenen Schwertkämpfer auszeichnete, verhinderte, dass ihn Ragnor bereits im ersten Angriff ernsthaft verwundete. Doch trotz der Ausweichbewegung Riss Quart dem Räuber eine tiefe Schramme quer über die linke Bauchseite.
Fluchend wich der Räuber zurück und das überlegene Grinsen auf seinem Gesicht machte verblüffter Wut Platz. Konzentriert machte er sich daran, auf Ragnor mit großer Kraft einzudreschen, wobei er jetzt peinlichst darauf achtete, nicht in die Nähe des Dolches zu gelangen.
Ragnor reagierte, wie bisher in seinen Übungskämpfen. Er kämpfte zuerst nur defensiv und studierte dabei die Kampfweise seines Gegners. Dieser war technisch nicht sehr fintenreich, glich dieses Manko aber durch erhebliche Kraft in seinen Schlägen aus, die man bei seiner eher hageren Gestalt nicht so Weiteres vermutet hätte. Da er über keinen linkshändigen Dolch verfügte, griff er immer wieder Ragnors rechte Seite an um nicht in Reichweite des Dolches zu gelangen. Man konnte ihm eine wachsende Ungeduld anmerken, da er mit seinen Angriffen so gar keine erkennbare Wirkung erzielte.
Der Junge wehrte die schweren Schläge mit dem Schwert ab, wobei er versuchte, in eine Frontalstellung zu kommen um den Dolch zum Einsatz bringen zu können, was dazu führte, dass sich die beiden Kämpfer in einer ständigen Rechtsdrehung befanden.
Schließlich war es mit der Geduld des Räubers vorbei. Ragnor sah, wie sich die Pupillen seines Gegners weiteten. Plötzlich wich der Räuber nach links aus, packte sein Schwert mit beiden Händen und setzte einen kraftvollen, links herum geführten Schlag auf den Unterleib des Jungen an, um den Kampf zu entscheiden. Mit einem lauten Knirschen traf das schwere Eisenschwert den linkshändigen Dolch des Jungen. Hätte der sich nicht rechtzeitig einen halben Schritt nach hinten bewegt um dem Schlag die Wucht zu nehmen, wäre ihm Quart wohl aus der Hand geprellt worden. So aber nahm der Dolch dem Schlag einen Großteil seiner Wucht. Der Dolch führte das gegnerische Schwert nach unten, und gleichzeitig stieß der Junge mit Quorum blitzschnell zu. Entsetzt blickte der Räuber auf die Klinge, die in seine Brust fuhr. Aber er konnte nicht einmal mehr schreien. Als Ragnor das Schwert zurückzog, stürzte sein Gegner mit gebrochenen Augen zu Boden.
Einen Moment starrte der Junge den toten Räuber an, bevor er seine Umwelt wieder wahrnahm. Sein Blick wandte sich kurz der Frau zu, die er gerettet hatte, mit staunenden Augen zu ihm aufsehen.
Bei ihr war also alles in Ordnung!
Sofort wanderte sein Blick weiter auf der Suche nach Rurig. Er sah ihn etwa dreißig Schritt entfernt bei einem der Zelte mit einem großgewachsenen Mann kämpfen, der eine gewaltige Kampfaxt führte. Dieser holte gerade zu einem gewaltigen Hieb aus um Rurig das Schwert aus der Hand zu prellen.
Dieser duckte sich unter dem Heumacher hindurch, ohne ihn mit dem Schwert zu parieren, machte eine Rolle vorwärts und schlug in der Aufwärtsbewegung kraftvoll zu. Blitzschnell ließ Ragnor seine Augen über den Kampfplatz streichen und sah zwei weitere reglose Gestalten etwa zwanzig Schritt von entfernt unter einem Baum liegen. Sie hatten also alle Banditen erwischt.
Nun fiel die Spannung endlich von dem Jungen ab, und er wandte sich der halb nackten Frau zu, die er gerettet hatte.
„Kommt bitte mit zum Zelt, es ist alles vorbei”, sagte er schüchtern, ohne sie dabei voll anzublicken.
Er war verlegen, denn sein Blick wanderte immer wieder unwillkürlich zu ihren unbedeckten, vollen Brüsten, denn sie hatte ihre Flucht nur mit einem halb zerrissenen Rock angetreten. Stumm nickte sie, und die beiden gingen hinunter zu den Zelten, in denen Rurig bereits verschwunden war.
Kaum hatten sie den Lagerplatz erreicht, kamen aus dem mittleren Zelt zwei junge Frauen gestürmt und stürzten sich auf die Schwarzhaarige. Sie lagen sich gleich darauf in den Armen, lachten, weinten und redeten wild durcheinander. Ragnor beobachtete die Szene mit einer gewissen Befangenheit. Mit jungen Frauen hatte er in seinem bisherigen Leben nichts zu tun gehabt, und er fühlte sich ein wenig deplatziert als Zuschauer ihrer gefühlsbetonten Feier.
Als er sich umdrehte, kam Rurig gerade mit einem zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht aus dem mittleren Zelt gekrochen. „Das war saubere Arbeit“, meinte er lakonisch. „Komm, lasst uns unsere Ausrüstung und die Esel holen.” Er ging zu den Frauen hinüber und sprach kurz mit ihnen, ohne dass Ragnor verstehen konnte, was er sagte.
Nun machten sie sich auf um die beiden zurückgelassenen Esel, Ragnors Bogen und den Gefangenen zu holen. Während des Aufstieges erklärte Rurig dem Jungen, dass die Frauen inzwischen das Lager aufräumen würden und alles, was man ohne Schlepptragen transportieren konnte, für den Transport morgen früh vorbereiten würden.
Als sie an Ragnors Gegner vorbeikamen, weiteten sich die Augen des Kriegers erstaunt, als er das Schwert des Räubers in Augenschein genommen hatte. Es trug einige tiefe Scharten, als ob man es auf einen Granitblock gedroschen hätte. „Zeig mal dein Schwert”, forderte er den Jungen auf.
Ragnor reichte ihm Quorum und Rurig untersuchte, mit nachdenklich gerunzelter Stirn, die Schneide.
Sie war makellos und ohne den geringsten Kratzer. “Ein wirklich ungewöhnliches Material”, brummte Rurig ungläubig. „Schlägt tiefe Kerben in gute Eisenschwerter und kriegt selbst nicht den kleinsten Kratzer ab.” Er reichte Ragnor sein Schwert zurück, der es stolz wieder in die Scheide steckte.
Auf dem Weg zu den Eseln und zu dem Gefangenen befragte Rurig den Jungen zu seinem Kampf. Immer wieder nickte er anerkennend bei der Schilderung des Jungen.
Bei dem Gefangenen angekommen, nahm ihm Rurig kurz den Knebel ab, gab ihm einen Schluck zu trinken, knebelte ihn erneut und warf ihn dann, ohne viel Federlesens, quer über einen der Esel. Dabei sprach er kein Wort und auch der Gefangene traute sich nicht, sich zu rühren.
Als sie dann ins Lager zurückkehrten, waren die Frauen wieder ordentlich gekleidet und kümmerten sich um den Braten über dem Feuer, den die Räuber zurückgelassen hatten, bei ihrem erfolglosen Versuch, die Schwarzhaarige wieder einzufangen. Als sie der beiden Männer ansichtig wurden, hielten sie inne und die Schwarzhaarige, die Ragnor gerettet hatte, kam auf sie zu.
Bescheiden blieb sie stehen, bis Rurig sie zum Sprechen aufforderte. „Ich hatte noch keine Gelegenheit, mich bei dem jungen Mann zu bedanken”, sagte sie mit einer dunklen, angenehmen Stimme, die wunderbar zu ihrer hübschen Erscheinung passte.
Sie trat zu Ragnor und streckte ihm zögernd die Hände hin, was den Jungen sichtlich nervös machte. Rurig nickte ihm beruhigend zu und so ließ er es zu, dass sie seine Hände nahm.
Dann beugte sie den Kopf und sagte in einem feierlichen, fast förmlichen Ton: „Ich heiße Ana und du bist mein Lebensretter. Ich werde dir ein Leben lang dafür verpflichtet sein. Was immer ich für dich tun kann, das werde ich tun. Das schwöre ich bei Ama.”
Rurig antwortete für den völlig verblüfften Ragnor, der mit der Situation überhaupt nichts anfangen konnte: „Wir nehmen deine Gabe an.” Die Frau senkte zustimmend den Kopf und ging zu ihren Schwestern zurück.
Die ganze Zeit hatte Ragnor die Frau verlegen und doch fasziniert betrachtet. Ihr freundliches Gesicht mit den schwarzen Haaren und ihre aufregende Figur gingen ihm andauernd durch den Kopf. Er verstand nicht, was das war, aber irgendwie wurde er von ihr angezogen. Wenn er sie ansah, hatte er Gefühle, die ihm bisher fremd gewesen waren.
Während Ragnor seinen Gedanken nachhing, war Rurig zu den Frauen getreten und hatte begonnen die übrig gebliebenen Waren zu sichten, um zu entscheiden, was am nächsten Morgen verladen werden sollte und was nicht. Den Gefangenen hatte er vom Esel gezogen und achtlos ins Gras geworfen. Da dieser geknebelt war, konnte er sich auch nicht über die rohe Behandlung beschweren.
Als Ragnor zu den Frauen trat, stellte ihn Rurig vor. Die beiden anderen Frauen, die blonde Cina und die braunhaarige Bela begrüßten ihn zurückhaltend, fast ein wenig scheu. Sie waren alle sehr hübsch, aber für den Jungen war Ana, obwohl sie die Älteste der drei war, eindeutig die Hübscheste.
Nachdem alles fertig gepackt war, saßen sie am Feuer und verzehrten den Braten, welchen noch die Räuber vorbereitet hatten. Während des Essens fragte Ana, welche die Wortführerin der Frauen war, wie ihre weitere Zukunft aussehen würde.
Rurig, der ihre besorgten Gesichter bemerkte, gab bereitwillig Auskunft: „Wir haben eurem Vater versprochen, euch nach Mors in Euer Haus zu bringen. Dort sollt ihr als freie Frauen leben. Aber es wird eine Zeit lang dauern bis wir nach Mors aufbrechen können. Wir müssen zuerst unsere Jagd beenden und dann nach Calfors Klamm zurückkehren um die Jagdbeute abzuliefern und die Tauschwaren für den Herbstmarkt zu packen. Wenn wir dann zum Herbstmarkt ziehen, welcher in drei Monden stattfindet, werden wir Euch und Eure Waren mit nach Mors nehmen.” Während Rurigs Erläuterungen zeigte sich eine tiefe Erleichterung auf den Gesichtern der drei Frauen. Als er geendet hatte, erhob sich Ana und sagte mit bewegter Stimme: “Wir sind euch sehr zu Dank verpflichtet, dass Ihr Eure legitimen Ansprüche nicht geltend macht, sondern uns erlaubt, als freie Frauen zurückzukehren. Wir werden Euch bei allen Arbeiten unterstützen, euch unsere Dankbarkeit beweisen und Euch für alle Auslagen entschädigen.”
„Wohl gesprochen”, antwortete Rurig. “Wir werden allerdings keine Entschädigung in Anspruch nehmen. Eure Hilfe nehmen wir gerne an, und über das andere werden wir nach der Rückkehr ins Lager entscheiden.”
Nachdem sie mit dem Essen fertig waren, nahm Rurig dem Gefangenen den Knebel und die Fesseln ab und gab ihm zu essen. Ragnor bemerkte, dass insbesondere Bela, während des Essens, immer wieder böse Blicke auf den Gefangenen geworfen hatte.
Als der Gefangene mit dem Essen fertig war, wies ihn Rurig an, die Toten zu begraben. Ragnor übernahm dabei die Bewachung und setzte sich ins Gras, das Schwert in der Hand. Den Bogen hatte er griffbereit neben sich liegen, für den Fall, dass der Räuber versuchen sollte davonzulaufen. Als dieser mit seiner Arbeit fertig war, band ihn Rurig kurzerhand an eine Roteiche, die nah am Lagerfeuer stand und knebelte ihn.
Während der ganzen Zeit hatte der Gefangene kein Wort gesagt, sondern voller Entsetzen immer wieder die Toten angestarrt, als könne er gar nicht verstehen, dass der Junge und der Krieger sie so leicht hatten besiegen können, ohne auch nur einen Kratzer abbekommen zu haben.
Gegen Mitternacht, als Rurig den Jungen für die Nachtwache geweckt hatte, fragte dieser den Krieger, während sie gemeinsam zur Wachposition auf dem Hügel gingen: „Warum waren die Frauen zuerst so ängstlich und dann so erleichtert? Es ist doch nichts Ungewöhnliches, dass wir sie nach Hause bringen!”
Rurig lächelte nachsichtig und erklärte ihm die Rechtslage in Caer: „Du bist bisher in einer heilen Welt aufgewachsen, mein Junge. Es ist Gesetz in Caer, dass Frauen ihren Befreiern zu Diensten sein müssen, solange diese es wünschen oder bis ihr Vater ein Befreiungsgeld bezahlt. Das Problem der drei jungen Frauen ist, dass ihr Vater und ihre Gefährten tot sind, damit sind sie unserer Gnade ausgeliefert. Weißt du, nicht alle Menschen sind so wie wir. Viele hätten sich die Frauen, samt ihres Vermögens unter den Nagel gerissen.
Betroffen sah ihn der Junge an. „Das habe ich nicht gewusst. Ich fürchte, ich muss noch viel über diese Welt lernen. Sie ist wohl nicht so gut und edel, wie ich sie mir immer vorgestellt habe. Nicht einmal die Spielregeln unseres Gemeinwesens genügen der hohen Moral, die Lars mich zu lehren versucht hat.”
„Nun sieh mal nicht so schwarz. Unsere Welt ist wunderschön und einige neue Schönheiten wirst du vermutlich bald kennenlernen. Aber jetzt mach, dass du auf die Wache kommst. Ich möchte jetzt schlafen gehen”, antwortete der Krieger lächelnd. Mit diesen Worten drehte sich Rurig schmunzelnd um und ging zu den Zelten.
Ragnor nahm seine Wachposition auf dem Hügel ein, von der aus man den Zugang zum Lager gut überwachen konnte. Gegen Ende seiner Wachperiode hörte er plötzlich ein Geräusch aus dem Lager. Er drehte sich um und sah wie eine der Frauen auf die Roteiche zulief, an welcher der Gefangene angebunden war.
Er reagierte sofort und lief ebenfalls hinunter. Doch als er ankam, war es schon zu spät. Der Gefangene hing tot am Baum. Ein langer Dolch steckte in seiner Brust. Bela stand daneben und schaute ihn trotzig an. Rurig hatte die Geräusche ebenfalls gehört und kam mit wachen Augen und gezücktem Schwert aus seinem Zelt. Als er den Mord bemerkte, verhärtete sich sein Gesicht.
Er wandte sich brüsk an Bela und sagte in scharfem Ton: „Ich habe euch nicht die Freiheit gewährt damit ihr wehrlose Gefangene umbringt.”
Als Bela zu einer Erklärung ansetzten wollte, verbot ihr Rurig mit einer barschen Handbewegung das Wort und sagte: „Deine Beweggründe sind mir klar. Ich habe die Toten auch gesehen und ich kann mir vorstellen, dass sie nicht besonders zart mit euch umgesprungen sind. Aber das ist kein Grund für einen Mord an einem Wehrlosen.”
Inzwischen waren die anderen Frauen ebenfalls herausgekommen und hatten Rurigs Ansprache mit angehört. Ana trat an Rurig heran und neigte den Kopf. „Bitte verzeiht ihr. Sie hat unseren Vater sehr geliebt und der Mann”, dabei deutete sie auf den Toten, „hat ihn getötet.”
„Na ja, dann wäre er sowieso zum Tode verurteilt worden”, brummte Rurig schon ein wenig besänftigt. „Aber zur Strafe wird sie ihn morgen früh eigenhändig beerdigen, und nun legt euch wieder schlafen, wir haben morgen einen langen Tag vor uns.”
Die Frauen nickten stumm und zogen sich wieder in ihr Zelt zurück. Rurig wandte sich an den Jungen und sagte: “Nun geh schlafen und mach dir keine Vorwürfe. Du hättest es nicht verhindern können. Ich habe selbst nicht geglaubt, dass eine der Frauen so etwas tun würde, ohne vorher den Versuch zu machen eine ganz normale Verurteilung zu erwirken. Sie lief mit ihrer impulsiven Tat immerhin Gefahr, dass sie mich derart verärgert, dass ich in Sachen ihres zukünftigen Lebens, meine großzügige Entscheidung zurücknehmen würde.”
Am nächsten Morgen brachen sie die Zelte ab und beluden die Lasttiere. Einige Kisten mit Wein und Branntwein, die sie nicht mitnehmen konnten, verbargen sie in einer kleinen Höhle am Waldrand. Dann machten sie sich auf den Rückweg zum Jagdlager. Rurig übernahm die Spitze und führte die beiden Pferde. Dann folgten die drei Frauen und Ragnor mit je einem Grauesel.
Ragnor, der am Schluss ging, hatte ausreichend Gelegenheit, die Frauen zu beobachten. Sie trugen alle drei weite bunte Röcke und helle Blusen mit Stickereien. Direkt vor ihm ging die braunhaarige Bela. Er hatte sie am Morgen bei der Beerdigung des Räubers beobachtet. Es schien, als ob sie mit tiefer Genugtuung die Grube geschaufelt hatte, schließlich den Toten mit dem Gesicht nach unten hinein warf und dann das Loch wieder verschloss.