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Buchvorstellung "Die Polin und die alten Männer - Gemeinsam statt Einsam"
Geschrieben von  Mandy Schur Mandy Schur Geschrieben,  28-06-2019 18:30 28-06-2019 18:30 690  Gelesen 690 Gelesen
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"Die Polin und die alten Männer - Gemeinsam statt Einsam" Ein Familienroman von Karin B. Redecker.



Du lebst alleine und bist nicht mehr der/die Jüngste? Dann ist der Inhalt meines Romans für Dich vielleicht ein Wink mit dem Zaunpfahl, wie man sein Leben, wenn Einschränkungen kommen, regeln kann und dabei auch noch Spaß haben kann.
Das Altern ist ein fortschreitender, nicht umkehrbarer Prozess, der mit dem Tod endet. Das macht das Thema für viele so unangenehm.
Wir alle werden älter, Tag für Tag, Sekunde für Sekunde. Vielleicht stellt sich manch einer schon heute die Frage, die sich Reiner Schöne in seinem Lied ›Werd ich noch jung sein, wenn ich älter bin‹ gestellt hat. Oder, ›Alt werden ist nichts für Feiglinge‹ sagte einst Mae West.

Agatha Christie fand für ihr Altern eine frappante Lösung. »Je älter ich werde«, verkündete sie, »desto interessanter werde ich für meinen Mann.«
Ihr Mann war Archäologe.

Was ist, wenn Du Deinen Alltag nicht mehr allein bewältigen kannst. Wenn Du krank wirst? Wenn Du Dein Zuhause nicht verlassen möchtest? Wenn Du Dich fragst, wie viele Geburtstage Du noch erleben wirst?

In diese Lebensphase einiger reifer alleinstehender Männern tritt die junge Polin Ewa, die eine unglückliche Jugend mit einer kranken Mutter und einem alkoholsüchtigen Vater hinter sich hat. Nach dem Tod des Vaters sucht sie ihr Glück in Deutschland. Sie findet nach schwierigen Anfängen bei einem alten Ehepaar, die eine Eigentumswohnung in einem Hochhaus in Bad Soden bewohnen, einen Job als Vierundzwanzig-Stunden-Pflegekraft. Sie bietet ihnen Wege an, die ihr Leben leichter und glücklicher machen.



Leseprobe:



Masuren, Polen – Ewas Zuhause

Es war heiß an diesem Sommertag. Abgespannt fuhr Ewa ganz langsam in die kleine enge Gasse hinein. Sie war beidseitig gesäumt von verwitterten, schmucklosen Häusern, die in direkter Nachbarschaft zu ihrem nicht weniger heruntergekommenen Haus standen. Mit einem kratzenden Geräusch schaltete sie einen Gang zurück. Nun musste sie etwas mehr Gas geben, um mit ihrem rostigen Golf die holprige Zufahrt zu ihrem Haus hinaufzukommen.
Oben parkte sie ihr Auto im kühlen Schatten des Kirschbaums, der schon seit ihrer Kindheit an dieser Stelle stand. Er hatte sich im Laufe der Jahre zu einem mächtigen Baum mit ausladender Krone entwickelt.
Immer wenn ihr Vater wieder einmal betrunken nach ihr suchte und seine immense Wut an ihr auslassen wollte, hatte sie als Kind in seinen Ästen Zuflucht gefunden.
Meist hatte er zuvor schon ihre Mutter mit Schlägen traktiert, die es glücklicherweise doch immer wieder schaffte, durch die Hintertür zu ihrer Nachbarin zu flüchten. Das war schon über zehn Jahre her. Ihre Mutter konnte sich nun auf dem Friedhof von ihrem leidvollen Leben an der Seite eines gewalttätigen Alkoholikers erholen. Sie starb mit nur neunundvierzig Jahren an einem zu spät diagnostizierten Lymphdrüsenkrebs. Das schreckliche Dahinsiechen der Mutter war eine schlimme Zeit für Ewa, in der sie, damals gerade Anfang zwanzig, Haushalt, Beruf und Pflege unter einen Hut bringen musste.
Auch heute hoffte sie, dass der Vater nicht zu Hause war. Sie verschloss ihr Auto und spähte ängstlich durch das Küchenfenster und lauschte, ob sie irgendwelche Geräusche vernehmen konnte.
Im Grunde befand sie sich im besten Heiratsalter. Aber Kandidaten traten weit und breit nicht in Sicht. Die jungen Männer, die Ewa gefielen, waren entweder bereits vergeben oder auf der Suche nach einem besseren Leben ins Ausland abgewandert. Außerdem war Ewa nicht gerade eine Schönheit, kein Mann hatte sich bis dato ernsthaft für sie interessiert. Von der Natur mit roten Haaren und einer blassen Haut ausgestattet, von Sommersprossen übersät, wurde sie schon in der Schule von ihren Mitschülern gehänselt. »marchewka, marchewka«, Karotte, riefen sie immer laut lachend hinter ihr her. Sie lief anfangs oft weinend nach Hause. Im Laufe der Jahre prallte diese Hänselei immer mehr an ihr ab, wenn sich diese Zeit auch tief in ihre Seele eingebrannt hatte. Die Anspielungen auf ihre Haarfarbe ließ mit der Zeit auch nach, aber den Spitznamen ›marchewka‹ behielt sie.
Das harte Leben mit ihrem aufbrausenden Vater und der kranken Mutter hatte Spuren in ihrem Gesicht hinterlassen. Sie war mit der Zeit immer mehr zu einer traurigen Gestalt geworden, der man ansah, dass ihr Leben kein Zuckerschlecken war. Und Geld für schöne Dinge wie Kleidung und Kosmetik blieb sowieso nicht übrig. Meistens trug sie die Kleider ihrer Verwandten und Bekannten aus dem Ausland auf; die wussten, in welch ärmlichen Verhältnissen die Familie lebte. Dass der Vater das wenige Geld versoff, war allgemein bekannt. Er hatte vor vielen Jahren seinen Job verloren und sich danach immer mehr dem Alkohol hingegeben. Nicht einmal für die Beerdigung der Mutter blieb genügend Geld übrig. Deshalb musste die Gemeinde die anfallenden Gebühren übernehmen, wofür Ewa sich heute noch schämte.
Der Tod der Mutter machte alles nur noch schlimmer. Von da an war es normal, dass sie den Vater nur noch betrunken erlebte. Schon morgens brauchte er seine Ration, um sich dann tagsüber mit seinen Saufkumpanen den Rest zu geben. Die Folgen nahm sie als verheerend wahr: Am schlimmsten war es, wenn er die ganze Wohnung vollkotzte oder noch schlimmer, sich in die Hosen machte. Damit nicht genug: Eines Tages öffnete er ihren Kleiderschrank und urinierte einfach hinein. Widerlich!
»Du ekliges Schwein! Ich kann dich nicht mehr ertragen, du bist einfach nur widerwärtig!«, brüllte sie ihn wütend an.
»Halt’s Maul, du alte Schlampe!«
Der ordinären Antwort folgte auch noch ein Schlag ins Gesicht.
Ewa kotzte dies alles an und mehr als einmal wünschte sie sich, dass der Vater einfach nicht mehr nach Hause kommen würde.
So bestand ihr trauriges Leben nur aus Aufstehen, zur Arbeit gehen und den Haushalt einigermaßen sauber zu halten. Einzig Milena, eine lustige Dunkelhaarige, mit der sie schon seit der Grundschule befreundet war, stand ihr immer zur Seite. Sie kannte ihre schwierige familiäre Situation und verteidigte sie oft, wenn andere Witze über ihr ärmliches Äußere machten.
Zu ihrem Leidwesen war Milena jedoch bereits vor einem Jahr nach Deutschland zum Arbeiten ausgewandert. Dort konnte sie mehr als das Dreifache verdienen.
Zuerst jobbte sie als selbstständige Erntehelferin mit Wohnsitz in Polen bei der Spargel- und Obsternte und als Serviererin in Hotels und Gaststätten. Das war zwar auch kein Zuckerschlecken, aber der Lohn dafür stellte sich im Vergleich zu Ewas Einkünften als phänomenal heraus. Wenn sie nach Polen mit dem Bus zurückkam, war sie meistens super modisch gekleidet und brachte viele Geschenke für Freunde und Familie mit.
»Komm doch auch mit nach Deutschland!«, drängelte sie ständig. »Dann könnten wir zusammen eine kleine Wohnung mieten, uns den Haushalt und die Kosten teilen. Das wäre doch toll!«
Wie gern hätte Ewa Ja gesagt. Aber sie konnte ihren Vater nicht allein zurücklassen. Wenn sie ihn auch mehr und mehr hasste, ja, sich sogar häufig vor ihm ekelte, so hatte sie doch ein hohes Verantwortungsbewusstsein.
Schließlich hatte es auch mal bessere Zeiten mit ihrem Vater gegeben. Zeiten, in denen er noch regelmäßig arbeitete und liebevoll mit ihr umgegangen war. Dieses Früher hielt sie sich stets dann vor Augen, wenn er mal wieder besoffen herumkrakeelte und die Wohnung einsaute.
Schlimm war, dass er immer aggressiver und obendrein handgreiflicher wurde. Einmal fasste er sie an den Busen und wollte sie weiter begrabschen. Dabei rief er den Namen ihrer Mutter. Wahrscheinlich war er so desorientiert, dass er glaubte, ihre Mutter vor sich zu haben, der sie auffallend ähnlich sah. Diesen Übergriff konnte sie nur abwehren, indem sie vor ihm floh und sich in ihr Zimmer einschloss. Daraufhin rüttelte er an der Türklinke, brüllte vor ihrem Zimmer unflätig herum und es dauerte einige Zeit, bis er sich wieder beruhigt hatte. Diese Vorkommnisse hinterließen bei ihr ein unbeschreibliches Hassgefühl, das sie nur schwer kontrollieren konnte.
Immer öfter ging sie ihm aus dem Weg und schloss sich in ihr Zimmer ein. Manchmal sah sie ihn nahezu eine Woche überhaupt nicht. Da er sowieso fast nie zu Hause war, wenn sie von der Arbeit kam, konnte sie sich in Ruhe ein Abendessen machen. Sie stellte für ihn dann nur noch eine Kleinigkeit in den Kühlschrank. Aber meistens war er so besoffen, dass er das nicht einmal bemerkte. Wenn sie Glück hatte, lag er morgens in seinem Bett und schlief seinen Rausch aus. Wenn sie Pech hatte, lag er zusammengekauert auf dem Fußboden – in der Regel in Erbrochenem oder schlimmer noch, wenn er sich mal wieder in die Hose gemacht hatte. Es wurde immer unerträglicher und es ging allmählich über ihre Kräfte, den Haushalt noch halbwegs sauber zu halten.
Manchmal dachte sie ernsthaft daran, ihre Koffer zu packen und Milena nachzureisen. Aber ihr schlechtes Gewissen plagte sie sofort und sie dachte an das Versprechen, das sie ihrer Mutter am Sterbebett gegeben hatte.
»Bitte kümmere dich um deinen Vater, wenn ich nicht mehr da bin. Er ist kein schlechter Mensch, es ist nur der Alkohol, der ihn dazu macht. Versprich mir das!« Und Ewa, der die Krankheit der Mutter emotional sehr zusetzte, hatte genickt und ihre Hand gestreichelt.