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Buchvorstellung "Dunstkreis"
Geschrieben von  Mandy Schur Mandy Schur Geschrieben,  26-07-2019 13:00 26-07-2019 13:00 444  Gelesen 444 Gelesen
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"Dunstkreis" Ein Kriminalroman von Birgit van Troyen.



Die italienische Mafia ist eine der schlimmsten kriminellen Organisationen in Deutschland.
Mitten unter uns ...
In einem Oberhausener Park wird ein Toter gefunden. Sandra Wessels hält ihn für ihren
Exfreund Maik Bender. Sie ist verwirrt, als dieser plötzlich wieder auftaucht. Während die Kripo kalten Spuren nachgeht, interessiert Maik nur eines: Wer war der Mann, der ihm so ähnlich sah? Und warum wurde er erschossen?
Bei seinen riskanten Recherchen gerät Maik immer tiefer in den Sog der 'Ndrangheta.

Bis es keinen Ausweg mehr gibt...



Leseprobe:



PROLOG


Der südländisch aussehende Mann stand an der Mauer oberhalb der Ruhrauen und beobachtete durch den Zoom des Kameraobjektivs die beiden Spaziergänger unten am Wasser. Er kannte sie sehr gut. Ihre Dossiers hatte er auswendig gelernt und bereits vernichtet. Auf sein fotografisches Gedächtnis konnte sich der Mann verlassen.
Als er langsam auf die Steintreppe zuging, fuhren zwei Radfahrerinnen plaudernd an ihm vorbei. Wenn sie ihn überhaupt wahrgenommen hatten, dann wäre ihnen vielleicht seine merkwürdig steife Haltung aufgefallen. Daran konnte er nichts ändern. Die umgehängte Stativtasche würde niemand beachten, dessen war er sicher. Schließlich gab es keinen Grund, etwas anderes als ein Stativ darin zu vermuten.
Erneut schob er die Sonnenbrille hoch und blickte durch die Kamera. Ein Angler trat auf die Spaziergänger zu. Vom Sehen kannte er ihn ebenfalls. Sie liefen jetzt zu dritt weiter. Dadurch wurde die Sache ein wenig schwieriger, war aber andererseits eine gute Übung.
Ruhig nahm er Stufe für Stufe und ging ihnen auf dem Trampelpfad entgegen. In gewisser Weise freute er sich.


Kapitel 1

Zwei Monate zuvor.

Sandra hörte den Lokalnachrichten nur mit einem Ohr zu. Gedanklich war sie ganz woanders. Maik war erst vor drei Wochen ausgezogen, aber schon nach ein paar Tagen hatte sie ihn vermisst. Mit seiner besonnenen und eher wortkargen Art war er ihr zunehmend auf den Geist gegangen, das stimmte, dennoch fehlte er ihr irgendwie. Sie fühlte sich nicht mehr vollständig. Ja, das war es. Und das, obwohl sie sich erst vor einem knappen halben Jahr kennengelernt hatten.
Sie öffnete den Kühlschrank und schenkte sich ein Glas Weißwein ein. Kater Maran maunzte sie mit schief gelegtem Kopf an.
»Nein. Heute gibt es nichts mehr, du hast alles aufgefressen. Schon vergessen?«
Sandra grinste ihm nach, als er sich wieder auf seinen Lieblingsplatz am Fenster verkroch. Sie war froh, ihn zu haben. Manchmal schaffte er es, sie in ihrem noch ungewohnten Single-Dasein aufzuheitern.
Ihr Blick fiel auf das große Bücherregal an der Wand. Erst jetzt bemerkte sie, dass Maik ein Buch hiergelassen hatte, einen Psychothriller von seinem Lieblingsautor Sebastian Fitzek. Okay, warum nicht? Besser als ein langweiliges Quiz im Fernsehen. Sie las den Klappentext, nahm das Buch mit aufs Sofa und schlug die ersten Seiten auf.
Sandra warf beiläufig einen kurzen Blick auf den Fernseher. Plötzlich registrierte sie, dass ihre Knie weich wurden, und sie fing an zu frieren, noch bevor sie wusste, warum.
Verwirrt starrte sie auf den Bildschirm. Ein Foto war eingeblendet worden.
Von Maik!
»… Meldung der Kriminalpolizei Oberhausen. Spaziergänger fanden heute Morgen im Kaisergarten die Leiche eines cirka dreißigjährigen Mannes. Der Tote trug weder Wertsachen noch Ausweispapiere bei sich. Die Beamten suchen dringend Zeugen, die Hinweise zur Identität des bislang Unbekannten geben können. Er war bekleidet mit einem dunkelroten Anzug, einem weißen Hemd und dunkelgrauen Schuhen. Hinweise nimmt der Kriminaldauerdienst unter der eingeblendeten Rufnummer entgegen.«
Sandra saß einfach nur da, unfähig, sich zu bewegen. Ihr Verstand weigerte sich zu glauben, was sie da gerade gehört hatte. Es konnte nicht sein, es war unmöglich! Das musste eine Verwechslung sein. Maik war doch auf Kreta, er sollte erst nächsten Sonntag, also in einer Woche, zurückkommen. Oder hatte er den Flug ebenfalls storniert, so wie sie?
Sandra wusste nicht, wo er jetzt wohnte oder was er gerade machte. Seit ihrer Trennung hatte sie nichts mehr von ihm gehört.
Allmählich löste sich die Schockstarre, und ihre verworrenen Gedanken wurden wieder klarer.
Ja sicher, das war’s! Sie musste ihn einfach nur anrufen. Ihm die Sache erklären, und dann würden sie ein bisschen darüber lachen. Vielleicht konnten sie sich ja auch einmal wieder treffen, nur ganz unverbindlich.
Sandra griff nach ihrem Handy und merkte, dass sie immer noch zitterte. Bevor sie Maiks Nummer aufrief, machte sie erst einmal ein paar tiefe Züge aus ihrer E-Zigarette und trank fast das ganze Glas leer. Dann gab sie sich einen Ruck und wartete auf das Klingeln. Stattdessen hörte sie: »Der gewünschte Gesprächspartner ist zurzeit nicht erreichbar. Bitte rufen Sie zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal an oder hinterlassen Sie eine Nachricht nach dem Signal.«
Der schrille Piepton ließ Sandra zusammenzucken. Sofort legte sie auf.
Was hatte sie denn erwartet? Dass er Tag und Nacht für seine Ex-Freundin erreichbar wäre? Lächerlich! Maik hatte ganz bestimmt etwas Besseres zu tun, als auf ihren Anruf zu warten. Noch dazu im Urlaub. Nein, sie würde es nicht noch einmal versuchen. Vielleicht sah er es ja auch, wenn er sein Handy wieder einschaltete, und rief sie zurück. Schnauzte ins Telefon, sie solle ihn bloß in Ruhe lassen.
Selbst das wäre ihr lieber gewesen. Lieber jedenfalls, als in dieser verdammten Unsicherheit zu verharren.
Denn was hatte sie wirklich in den Nachrichten gesehen? War es tatsächlich Maiks Foto gewesen, oder hatte ihr ihre Fantasie einen Streich gespielt?
Sandra stand seufzend auf und holte sich noch ein Glas Wein. Wie wahrscheinlich war eine Verwechslung? Die leise Hoffnung, dass sie nicht richtig hingesehen hatte, wurde von ihrem Verstand wieder zunichte gemacht.
Dafür hast du viel zu lange draufgestarrt!
Andererseits konnte es nur ein Irrtum sein. Was hatte der Nachrichtensprecher gesagt? »… bekleidet mit einem dunkelroten Anzug und einem weißen Hemd …« Ha! Das war der Beweis! Es konnte sich gar nicht um Maik handeln. Niemals würde er solche Sachen tragen. Maik lief nur in Jeans und T-Shirt oder Sweatshirt herum, am liebsten schwarz, selbst als er noch in dem Maklerbüro arbeitete. Hinzu kam, dass er sich so teure Klamotten überhaupt nicht leisten konnte. Maik war arbeitslos gewesen, als sie ihn in München kennengelernt hatte, mit gerade abgeschlossenem Betriebswirtschaftsstudium. Davor hatte er, wie er sagte, eine Ausbildung als Fliesenleger im Betrieb seines Vaters gemacht. Seine finanziellen Verhältnisse lagen also eher im unteren Bereich.
Maik war absolut kein Anzugtyp, und Sandras Meinung nach hatte er es auch nicht nötig. Er sah aus wie der junge Sean Connery, mit dunklen, langen Locken, und sein Dreitagebart verlieh ihm einen verwegenen Ausdruck.
Sandra schüttelte den Kopf. Wie hatte sie ihn nur so leichtfertig gehen lassen können? Sicher liefen ihm die kleinen Griechinnen in Scharen hinterher.
Als das Handy auf dem Tisch vibrierte, hätte sie vor Schreck beinahe das Glas fallen gelassen.
Na, das ging ja schnell mit dem Rückruf.
Aber es war nicht Maik. Kristina, seit dem Gymnasium ihre beste Freundin, meldete sich. Sandra hörte ihre Stimme und brach unmittelbar in Tränen aus.
»Hey, was ist los?« Kristina klang besorgt.
Nach einer Weile bekam Sandra sich wieder in den Griff und konnte antworten.
»Maik ist tot … glaub ich.«
»Wie bitte? Du glaubst? Wie meinst du das?«
Stockend erzählte Sandra von dem Fernsehbericht und ihren Zweifeln.
Kristina atmete hörbar aus. »Merkwürdige Geschichte. Ich kann mir auch nicht wirklich vorstellen, dass es sich um Maik handelt. Das mit dem Anzug passt überhaupt nicht zu ihm. Was willst du jetzt tun?«
»Wenn ich das wüsste.«
»Hmh. Vielleicht wartest du erst mal bis morgen früh. Liest du die Tageszeitung auch online?«
»Ja, sicher.«
»Okay, dann schau nach, ob die das Foto veröffentlicht haben. Und wenn du Maik auf dem Bild erkennst, ruf bei der Polizei an.«
»Aber sie werden mich doch verdächtigen, oder? Ich mein, weil wir uns getrennt haben, das ist bestimmt ein Motiv für die Polizei.«
»Wieso redest du von ›verdächtigen‹? Bist du denn sicher, dass er umgebracht wurde?«
»Was? Nein! Ich weiß es nicht! Davon war in den Nachrichten keine Rede. Ich dachte nur, das ist naheliegend, weil sich die Kripo damit befasst. Ach Mensch, ich bin so durcheinander, Kristina.«
»Sicher, das versteh ich. Würde mir auch nicht anders gehen.« Kristinas mitfühlende Worte ließen bei Sandra erneut die Tränen aufsteigen. »Leg dich am besten erst mal hin und versuch zu schlafen, ja? Ich ruf dich morgen wieder an.«
»Okay.«
Nachdem Sandra das Gespräch beendet hatte, ging es ihr ein wenig besser. Die Wirkung des Rieslings trug dazu bei, dass sie ruhiger wurde. Nur das Denken fiel ihr zunehmend schwerer. Ihr Verstand war hoffnungslos überlastet. Sie saß einfach nur da, starrte vor sich hin und ließ das Gedankenkarussell immer schneller kreisen. Irgendwann legte sie sich ins Bett, und obwohl sie glaubte, dass die nervenden Fragen, die ihr durch den Kopf gingen, sie die ganze Nacht wach halten würden, schlief sie innerhalb kürzester Zeit ein.

*


Kater Maran meinte, dass es höchste Zeit für sein Frühstück war, und weckte sie mit einem vorsichtigen Pfotenstupser. Sandra kraulte ihn eine Weile, bis sie sich schlagartig wieder an den gestrigen Abend erinnerte. Schnell schlug sie die Bettdecke zurück, sodass Kater Maran Mühe hatte, sich darunter zu befreien. In der Küche warf sie die Kaffeemaschine an und fuhr ihren Laptop hoch. Ungeduldig trommelte sie mit den Fingern auf der Tischplatte. Das blöde Mistding startete derart langsam, dass sie nicht zum ersten Mal daran dachte, sich einen neuen PC zu kaufen. Als nach einer gefühlten halben Stunde endlich die Startseite auf dem Bildschirm erschien, rief Sandra sofort die Tageszeitung auf. Unter der Rubrik »Blaulicht« fand sie das Foto mit einem kurzen Bericht darunter. Ihre Hände zitterten. Aus ihrer Kehle drang ein leiser wimmernder Laut, als sie sich zwang, das Bild genauer zu betrachten.
Jetzt gab es keinen Zweifel mehr. Der Tote war Maik.

*


Die Hitze draußen wurde immer unerträglicher. Seit über einer Woche hielt sich das Hoch jetzt schon, und fast jeder sehnte sich nach einem kühlen Platzregen oder einem Gewitter.
Sandra war froh, dass es bis zum Polizeipräsidium nur ein paar Hundert Meter waren und sie keinen Parkplatz suchen musste. Nachdem sie vorhin mit einem Kommissar Vermöhlen gesprochen hatte, machte sie sich gleich auf den Weg. Im Inneren des alten Gebäudes war es mindestens zehn Grad kühler als draußen. Nervös, wie sie war, schaute sie auf die Hinweistafel, um sich nicht auch noch zu verlaufen. Vermöhlens Beschreibung hatte sie schon wieder vergessen.
Um kurz vor zwölf klopfte sie an seine Bürotür. Vermöhlen erinnerte sie sehr stark an ihren Onkel, den Bruder ihres Vaters. Er hatte ebenso dunkle Augen und ein ähnlich kantiges Gesicht, nur war der Kommissar um einiges dicker und größer. Er machte einen gutmütigen Eindruck, aber sein hellwacher, forschender Blick ließ sie ahnen, dass dies nur eine Fassade war und ein intelligentes Hirn unter dem Igelschnitt steckte.
Vermöhlen wies auf einen der Besucherstühle.
»Okay, Frau Wessels, Sie sind also einerseits sicher, dass Sie wissen, wer der Tote ist. Auf der anderen Seite haben Sie Zweifel, weil Sie ihn im Urlaub vermuten. Hab ich das so weit richtig verstanden?«
Sandra nickte und setzte sich. »Ja. Und dann ist da ja noch seine Kleidung. Ich hab die Sachen, die er anhatte, noch nie bei ihm gesehen. Und ich möchte auch behaupten, dass er so was niemals anziehen würde!«
»Mhm. Da stellt sich mir die Frage, wie gut Sie ihn kannten …«
»Was soll das denn heißen?«, brauste sie auf. »Natürlich kannte ich Maik gut! Deswegen kommt mir die Beschreibung seiner Klamotten auch so komisch vor. Er war immer ehrlich, bodenständig, realistisch, witzig, manchmal selbstironisch. So kannte ich ihn! Oder kenne?« Sandra zuckte hilflos mit den Schultern und ließ den Kopf hängen.
Der Kommissar ging nicht weiter darauf ein. »Seit wann wohnten Sie zusammen?«
»Maik war Anfang Februar bei mir eingezogen.«
»Und wie lange kannten Sie ihn davor schon?«
Sandra überlegte einen Moment. »Ich war im Dezember auf einer Fortbildung in München, als ich Maik zum ersten Mal sah und mich in ihn verliebte. Danach haben wir jeden Tag telefoniert oder per E-Mail und WhatsApp geschrieben. Deswegen dachte ich ja, ihn in- und auswendig zu kennen! Weil er arbeitslos war, sah ich mich hier für ihn nach freien Stellen um und fand einen Job in einem kleinen Maklerbüro. Er zögerte nicht lange und quartierte sich bei mir ein. Bis vor drei Wochen eben.« Sandra sah auf den Boden. Ihre Stimme war leiser geworden. »Wissen Sie, wir dachten beide, dass unsere Beziehung doch nicht funktionierte. Aber seit ich wieder allein wohne, werfe ich mir vor, zu schnell aufgegeben zu haben. Und vielleicht würde er jetzt noch leben.« Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und schniefte. Dann richtete sie sich wieder auf. »Wie ist er denn eigentlich gestorben?«
Kommissar Vermöhlen trank erst einen Schluck von seinem Kaffee, bevor er antwortete. »Er ist erschossen worden. Zwei Schüsse in den Kopf. Aus einer Neun-Millimeter-Pistole.«
»Was?« Sandra wurde blass. »Aber das ist doch unmöglich! Wer sollte denn so was tun?« Sie schüttelte den Kopf. »Und warum? Maik war doch immer ruhig und freundlich zu allen. Ich versteh’s nicht!«
Vermöhlen sah sie prüfend an. »Das glaube ich Ihnen. Ich muss Sie das trotzdem fragen: Wo waren Sie am Samstagabend gegen dreiundzwanzig Uhr?«
Sie schloss kurz die Augen. »Zu Hause … allein.«
Der Kommissar nickte. Dann stellte er noch weitere Fragen. Sandra beantwortete alle, ohne zu stocken.
Mit der letzten Frage aber war sie überfordert.
»Würden Sie den Toten identifizieren?«
Sie schnappte nach Luft. »Das … ich glaub nicht … das kann ich nicht …«
»Bitte, Frau Wessels. Es dauert nur einen kurzen Moment. Danach können Sie gleich wieder gehen. Ihnen wird es sicher auch helfen, Ihre Zweifel zu beseitigen.« Er stand auf.
Sandra erhob sich automatisch ebenfalls. »Muss ich das wirklich tun?«
»Nein. Sie könnten auch jemand anderen nennen, der ihn identifizieren kann. Aber wie gesagt, es ist vielleicht besser.«
Sie stöhnte leise auf. »Also … dann.«
Er telefonierte kurz mit der Pathologie des Evangelischen Krankenhauses und kündigte ihren Besuch zur Identifizierung an.
Auf wackligen Beinen lief sie hinter Vermöhlen die Treppe hinunter zur Tiefgarage, wo sein Dienstwagen stand. Für den Weg zum Krankenhaus brauchten sie keine zehn Minuten. Als der Aufzug sich in Bewegung setzte, wurde Sandra schlecht. Sie musste ein paarmal schlucken.
»Geht’s?«
Sie nickte nur. Vor dem Obduktionsraum klopfte Vermöhlen an die Tür und öffnete sie. Ihr schlug sofort der Geruch von Desinfektionsmitteln in die Nase. Der Flashback traf sie wie ein Faustschlag. Vor sechs Jahren hatte Sandra ihre Eltern identifizieren müssen, die bei einem Autounfall ums Leben gekommen waren. Sie hatte sich damals gewünscht, nie wieder mit dem Anblick von Toten konfrontiert zu werden. Und jetzt noch einer! Eine Laune des Schicksals. Sandra verzog verbittert den Mund.
Der Obduktionsraum mit den weiß gekachelten Wänden kam ihr eiskalt vor. Sie fror und zitterte. Ein Pathologe in einem blauen kurzärmeligen Kittel, der aussah wie die Schürze eines Schlachters, nur ohne Blutflecken, stand neben dem stählernen Seziertisch und wartete geduldig, dass Sandra näher trat. Auf ein Zeichen Vermöhlens hin schlug er das weiße Tuch bis zu den Schultern der Leiche zurück.
Etliche Eindrücke strömten gleichzeitig auf sie ein:
Die Einschusslöcher auf der Stirn, die das abgestorbene Gewebe in dem Bereich bläulich verfärbt hatten.
Die Blässe auf der einst sonnengebräunten Haut.
Seine Haare, die sie kürzer in Erinnerung hatte. Die etwas andere Frisur.
Das Gesicht wirkte ein wenig schmaler als früher.
Und noch etwas.
Sie registrierte den Gedankenblitz nur für den Bruchteil einer Sekunde. Unmöglich, ihn festzuhalten.
Sandra schloss die Augen, zwang sich kurz darauf, sie wieder zu öffnen und noch einmal hinzusehen. Aber ihr Blick verschleierte sich, und ihr wurde schwindlig.
Was war es gewesen?
Was auch immer, es war weg.
»Ist das Maik Bender?«, hörte sie den Kommissar fragen.
Sie nickte, was ihren Schwindelanfall noch verstärkte. Vermöhlen hielt sie leicht am Arm.
»Danke. Kommen Sie.«
Sandra blieb noch einmal stehen und wandte sich um, aber der Tote war bereits mit dem Tuch abgedeckt.

*


Als sie endlich wieder auf der Straße stand, atmete sie tief ein. Die Mittagshitze war ihr sehr willkommen. Nur das innere Frieren hielt noch länger an. Kommissar Vermöhlen brachte sie zur Innenstadt zurück und ließ sie am Rand der Fußgängerzone aussteigen.
Jetzt brauchte sie einen starken Kaffee, am besten noch einen Grappa dazu.
Sandra setzte sich draußen an den letzten freien Tisch eines neuen, einladend wirkenden italienischen Eiscafés. Sie rief sich noch einmal das Gespräch mit dem netten Kommissar in Erinnerung.
Vermöhlen hatte vorhin Maiks Handynummer angerufen, gleichfalls ohne Erfolg.
Der gewünschte Gesprächspartner sei zurzeit nicht erreichbar …
Außerdem ließ er bei der Fluggesellschaft nachfragen, ob in den Passagierlisten der Name Maik Bender auftauchte. Tatsächlich war er am 13. August nach Heraklion geflogen, jedoch bei sämtlichen darauf folgenden Rückflügen wurde kein Passagier mit diesem Namen gefunden. Auch nicht bei anderen Flugunternehmen.
Für Vermöhlen ergaben sich daraus drei Möglichkeiten: Entweder war Maik unter falschem Namen zurückgekommen, oder er hatte eine andere Flugroute mit unbekanntem Ziel gewählt. »Oder er ist zurückgeschwommen.« Ihr Gesichtsausdruck ließ ihn schnell erkennen, dass sein Scherz in dieser Situation unpassend war. »Entschuldigung, Frau Wessels. Ist mir gerade so rausgerutscht.«
Sehr witzig.
Warum? Warum war Maik erschossen worden? Von wem?
Gefühlte tausend Fragen gingen ihr durch den Kopf. Sie stürzte den Grappa, den ein freundlicher Italiener brachte, in einem Schluck hinunter.
Wer war Maik? Hatte er ihr die ganze Zeit, in der sie zusammenlebten, etwas vorgespielt? Konnte Sandra sich so in ihm getäuscht haben?
Oder warst du gezwungen, mir nicht die Wahrheit zu sagen, Maik? Wusstest du irgendwas, das du keinem verraten konntest?
Die Gedanken drehten sich im Kreis, und sie fühlte sich auf einmal todmüde. Einfach hier auf die Sitzbank legen, nur ein paar Minuten die Augen schließen, das wäre schön. Vergessen.
Vorher musste sie jedoch noch etwas erledigen.
Sandra hatte schon darüber nachgedacht, ob sie sich um Maiks Beerdigung kümmern sollte. Die Alternative wäre eine Beisetzung vom Ordnungsamt in einem anonymen Urnengrab. Das wollte sie aber auf keinen Fall. Maiks Vater war der einzige noch lebende Familienangehörige, soviel sie wusste. Das Problem war nur, dass sie seinen Vornamen nicht kannte und auch nicht den genauen Wohnort. Irgendwo in der Nähe von Baltimore, Maryland.
Also hatte sie keine andere Wahl.
Mit einem flauen Gefühl im Magen steuerte Sandra den nächstbesten Bestattungsunternehmer an – zufällig genau der, bei dem sie damals ihre Eltern hatte beerdigen lassen. Emotional war sie völlig überfordert damit. Die Zeitungsanzeige, die Begräbnismodalitäten und das Aussuchen des Sargs überließ Sandra weitgehend dem freundlichen Mann hinter dem grauen Schreibtisch.
Nach über einer Stunde hatte sie endlich auch diese Hürde geschafft. Auf dem schnellsten Weg lief Sandra zu ihrer Wohnung, fütterte Kater Maran und schenkte sich den Rest Wein ein. Kurz dachte sie noch an Kristina, dann war sie auch schon auf dem Sofa eingeschlafen.

*


Die zwei Tage bis zur Beerdigung zogen sich hin, und Sandra wünschte sich fast, ihren Urlaub abbrechen und wieder arbeiten gehen zu können. In der Bank wäre sie natürlich nicht hundertprozentig einsatzfähig, aber für ein bisschen Ablenkung hätte sie viel gegeben. So schwirrten ihr fast pausenlos dieselben Fragen im Kopf herum, überflüssige Fragen, auf die sie vielleicht nie eine Antwort erhalten würde. Etliche Male versuchte Sandra es auf Maiks Handy, ohne dass sich an der Ansage etwas änderte.
Schließlich hielt sie es in der Wohnung nicht mehr aus. Sie schnappte sich ihre Handtasche, zog die Sneakers an und nahm die Autoschlüssel vom Brett. Dabei fiel ihr plötzlich auf, dass der zweite Haustürschlüssel fehlte. Komisch, die ganze Zeit hatte sie es nicht bemerkt. Maik musste ihn mitgenommen haben, als er ausgezogen war.
Kommissar Vermöhlens Anfrage beim Einwohnermeldeamt am Montag blieb ergebnislos, das hieß, Maik hatte sich vor seinem Tod nicht umgemeldet. Für Sandra gab es also im Moment keine Möglichkeit, an ihren Zweitschlüssel zu kommen, da sie seine neue Anschrift nicht kannte. Kurz dachte sie daran, das Schloss austauschen zu lassen, verwarf die Idee aber schnell wieder. Wenn Maik vielleicht den Schlüssel verloren hatte oder sein Mörder ihn an sich genommen haben sollte, konnte ja niemand wissen, zu welcher Wohnung er gehörte. Nein, das Geld konnte sie sich sparen.
Sandra lief zum Parkplatz, setzte sich in ihren alten Micra und fuhr ziellos durch die Gegend, bis sie den Kaisergarten erreichte.
Wenigstens hatte das Wetter umgeschlagen. Die Hitzewelle war zumindest vorerst vorbei, dicke Wolken hingen über der Stadt, und die Temperaturen lagen um einiges unter den Werten der letzten Tage.
Langsam ging Sandra die verschlungenen Wege entlang, bis sie die Stelle erreichte, an der Maik gefunden worden war. Das rot-weiße Flatterband mit der Aufschrift »Polizeiabsperrung« sah sie schon von Weitem.
Hier hast du also gelegen … unter dem Ilexstrauch da …
Vermöhlen hatte gesagt, dass der Fundort nicht der Tatort gewesen wäre und man Kunstfaserpartikel an seiner Kleidung gefunden hätte, wahrscheinlich von einem Kofferraum. Sie schaute sich um. Vermutlich war es so abgelaufen, dass der Wagen auf dem Parkstreifen an der B 223 gehalten hatte und Maik das kurze Stück über die Wiese hierhergebracht worden war.
Sandra merkte, dass ein älterer Mann stehen blieb und sie musterte.
»Schlimme Sache, was?«
Sie nickte nur.
Normalerweise wäre sie jetzt in den Plaudermodus verfallen und hätte ein nettes Gespräch angefangen. Aber dazu war sie nicht aufgelegt, die ganze Sache ging ihr viel zu nahe.
»Und dann auch noch der zweite Tote innerhalb einer Woche«, redete der Mann weiter. »Die hängen bestimmt irgendwie zusammen. Ich sag ja immer, ein Verbrechen zieht das nächste nach sich!«
Sandra horchte auf und wandte sich ihm zu. »Wieso? Ich hab nur von diesem Fall gelesen. Wer denn noch?«
»Na, die Tote, die man aus dem Rhein-Herne-Kanal gefischt hat! Letzte Woche irgendwann. Aber stand vielleicht nur in den Duisburger Lokalnachrichten, die ist ja in Obermeiderich aus dem Wasser gefischt worden.«
»Aha. Und woher wissen Sie das? Sind Sie aus Duisburg?«
»Nee, aber ich lese immer den Polizeibericht NRW. Ist doch sonst langweilig.« Mit einem verschmitzten Grinsen ging er weiter.
Sandra runzelte die Stirn. Merkwürdiger Zufall. Sie beschloss, bei der nächsten Gelegenheit Kommissar Vermöhlen danach zu fragen.

*


Die Trauerfeier war um neun Uhr am Donnerstagmorgen. In der kleinen Kapelle blieben die hinteren Bänke unbesetzt, nur in den ersten drei Reihen saßen verstreut die Menschen, die über Maiks Tod Bescheid wussten.
Kristina als Ärztin konnte sich für die Dauer der Beerdigung freinehmen. Die Termine ihrer Patienten hatte sie verschoben. Sie kannte Maik nur flüchtig, von zwei, drei gemeinsamen Abendessen her, aber sie wollte vor allem ihrer Freundin zur Seite stehen. Außerdem fand sie es besser, Sandra im Auge zu behalten. Sie hatte ihr ein starkes Sedativum gegeben, von dem sie versehentlich zu viel eingenommen hatte. Die Nebenwirkungen ließen nicht lange auf sich warten. Sandra gähnte immer wieder und schloss häufig die Augen. Wenn sie angesprochen wurde, antwortete sie nur einsilbig. Dafür musste sie nicht weinen.
Kommissar Vermöhlen zeigte Mitgefühl, war jedoch in erster Linie als stiller Beobachter anwesend. Verhielt sich jemand auffällig oder gehörte offensichtlich nicht zu den Trauergästen?
Frau Knauer und Frau Mertens, Sandras Nachbarinnen aus den beiden Etagen unter ihrer Wohnung, hielten es für ihre Pflicht, an der Beisetzung teilzunehmen. Als sich später herausstellte, dass es keinen Streuselkuchen und keine Frikadellen im Café am Friedhof geben würde, rauschten die beiden laut tuschelnd davon. »Die Frau hat aber auch keinen Funken Anstand! Unmöglich. Noch nicht mal einen Schnaps will die ausgeben! Wo wir doch für das teure Gesteck gesammelt haben!«
Und die »Lebenskünstler« waren gekommen. Stellvertretend für die Clique saßen in der dritten Reihe Steffi, Anna und Nicole. Es waren nur Sandras Freunde, Maik hatte die Leute nicht besonders gemocht. Er hatte Sandra lediglich hin und wieder zu deren Partys begleitet. Für seinen Geschmack schienen diese Leute viel zu oberflächlich. Es ging bei ihnen nur um Spaß; ernsthafte und tiefergehende Diskussionen wurden meist ausgeklammert. Manche waren ganz witzig, mehr aber auch nicht. Zum Schluss hatte Maiks Meinung ein wenig auf Sandra abgefärbt, sodass sie immer seltener zu den Partys gegangen war.
Sie hatte auch nur mit Steffi wegen der Beerdigung telefoniert und sie gebeten, es den anderen zu sagen.
Vor und während der Trauerfeier blieb der Sarg geschlossen. Sandra wollte es so. Das Angebot des Bestattungsunternehmers, sich von Maik zu verabschieden, lehnte sie ab. Sein totes Gesicht zu sehen, hätte sie nicht noch einmal übers Herz gebracht.
Endlich war es vorbei. Sandra hatte nur den einen Wunsch: nach Hause zu fahren und zu schlafen. Bevor Kristina sie zurückbrachte, sprach Sandra kurz mit Kommissar Vermöhlen.
»Haben Sie morgen Mittag Zeit, Frau Wessels? Ich muss Sie noch was fragen.«
»Ja«, murmelte sie. »Ich hab auch eine Frage an Sie. Weiß nicht mehr, was. Morgen fällt es mir bestimmt wieder ein.«
Vermöhlen wechselte einen halb belustigten, halb besorgten Blick mit Kristina. »Ruhen Sie sich jetzt erst mal aus. Ich ruf Sie an.«

*


Das dauerte ihm zu lange. Er wollte nicht mehr warten. Kater Maran holte aus und schlug Sandra mit der Pfote kräftig ins Gesicht. Sie hatte sich mittags einfach hingelegt, ohne sich um ihn zu kümmern. Jetzt war es bereits dunkel, und er hatte immer noch nichts zu fressen.
Die Attacke verfehlte ihre Wirkung nicht. Sandra wachte auf und sah ihn stirnrunzelnd an.
»Warum haust du mich?«
Als Antwort maunzte er nachdrücklich.
Ihr Blick fiel auf den Wecker. 23:25 Uhr. Meine Güte … Sie hatte fast zwölf Stunden geschlafen!
Schnell stand sie auf und bereitete in der Küche das Futter für den ausgehungerten Kater zu. Sie selbst genehmigte sich nur ein Glas Wein, zum Essen war es ihr zu spät.
Sandra nahm einen tiefen Zug aus ihrer E-Zigarette und legte sich wieder hin. Auf dem Nachttisch lag ihr Handy. Sie warf einen kurzen Blick darauf. Zwei WhatsApp-Nachrichten von Kristina, die sich Sorgen machte.
Bin OK und k.o. ;-), schrieb Sandra zurück. Dann knipste sie das Licht aus und war kurze Zeit später erneut eingeschlafen.

*


Kommissar Vermöhlen rief in dem Moment an, als Sandra an ihn dachte.
»Hallo, Frau Wessels, wie geht’s Ihnen?«
»Einigermaßen. Besser als gestern jedenfalls.« Sie zögerte. »Hat sich schon was Neues ergeben?«
»Kann sein, wir wissen es nicht genau. Deswegen muss ich Sie auch was fragen. Es ist ziemlich heikel …«
»Ja?«
»Ist Ihnen bekannt, ob Herr Bender vielleicht mal Kontakt zu Prostituierten hatte?«
Das glaub ich jetzt nicht.
Sie schüttelte den Kopf. »Ist das Ihr Ernst?«
»Tut mir wirklich leid! Es gab letzte Woche noch einen Mordfall, der mit dem von Maik Bender in Zusammenhang stehen könnte. Eine Prostituierte, die ebenfalls erschossen worden ist. Möglicherweise mit derselben Waffe. Es handelt sich um das gleiche Kaliber.«
»Etwa die, die in Duisburg aus dem Rhein-Herne-Kanal gefischt wurde?«
»Ja! Woher wissen Sie das?«
Sandra berichtete ihm von ihrer Begegnung mit dem Mann im Kaisergarten. »Sorry«, fügte sie hinzu, »da muss ich Sie enttäuschen. Ich bin hundertprozentig sicher, dass Maik nie Kontakt mit Prostituierten hatte! Jedenfalls nicht, solange er bei mir gewohnt hat.«
»Mhm. Darf ich fragen, was Sie da so sicher macht? Schließlich haben Sie sich auch über seine Kleidung …«
»Was mich da sicher macht?«, brauste sie auf. »Weil er von mir beim Sex alles bekam, was er wollte! Verstehen Sie? Alles! Er hatte es gar nicht nötig!«
»Entschuldigung, Frau Wessels. War nur eine Frage. Wenn Sie es so bestimmt sagen, dann ist die Gemeinsamkeit zwischen den beiden Fällen wahrscheinlich Zufall. Ich meinte damit auch nicht explizit, dass er die Dienste der Prostituierten in Anspruch genommen hat.«
Er verabschiedete sich hastig und legte auf.
Sandra atmete mehrere Male tief ein. So eine Unverschämtheit! Was erlaubte sich dieser Kommissar eigentlich? Wollte er ihr unterstellen, dass sie so grottenschlecht im Bett war, dass Maik sich seinen Spaß woanders hatte holen müssen? Obendrein noch dafür bezahlt hatte?! Oder fand er sie derart unattraktiv, dass er sich nichts anderes vorstellen konnte?
Sandra betrachtete sich kritisch im großen Flurspiegel. Sie zählte sich zu einer der wenigen Frauen, die mit ihrem Äußeren zufrieden waren.
Ärgerlich verschränkte sie die Arme, warf ihre dunklen Haare nach hinten und blies den Fransenpony aus der Stirn. Nein, der Kommissar hatte es nicht persönlich gemeint, so viel war sicher.
Kater Maran schmiegte seinen Kopf an ihr Bein. Sandra seufzte und beugte sich hinunter, um ihn zu kraulen.
Es war alles so verwirrend. Fast jeden Tag tauchten neue Fragen auf, und die ganze Sache wurde immer undurchsichtiger. Sie konnte nur hoffen, dass die Kripo schnell weiterkam und den Mörder fasste. Mittlerweile zweifelte sie selbst daran, Maik wirklich gekannt zu haben.
Wer war der Mensch gewesen, mit dem sie ein halbes Jahr zusammengelebt hatte? Fing jetzt, nachdem er tot war, seine Fassade an zu bröckeln? Konnte es tatsächlich sein, dass er Kontakte zu Prostituierten gehabt hatte?
Eigentlich unvorstellbar …
Sandra hatte keine Ahnung, wie sie mit dieser Ungewissheit fertigwerden sollte.
Sie nahm Kater Maran auf den Arm und ließ ihre Tränen auf sein dichtes rotes Fell tropfen.
»Ich liebe Maik immer noch. Verstehst du das?«, flüsterte sie mit zugeschnürter Kehle. »Ich hätte es ihm gerne gesagt. Aber das geht jetzt nicht mehr.«
Zur Antwort bekam sie nur ein lautes Schnurren, und der Kater hob den Kopf und schien sie direkt anzusehen.
Sandra brachte ein schwaches Lächeln zustande. Was sie jetzt am dringendsten brauchte, war Ruhe, um das Erlebte zu verarbeiten.
Aber das dumpfe Gefühl, dass noch einiges in nächster Zeit auf sie zukommen würde, ließ...