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Buchvorstellung "Royal Guardins"
Geschrieben von  Mandy Schur Mandy Schur Geschrieben,  03-09-2019 13:30 03-09-2019 13:30 216  Gelesen 216 Gelesen
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Neuerscheinung am 12.09.2019 !




"Royal Guardins" Ein spannender Erotikroman von Veronika Engler.



Sie sind brandgefährlich und das bestgehütete Geheimnis des British Empire.
Sie haben ihr Leben der Krone verschrieben, kein Opfer ist ihnen dafür zu groß.
Wer es wagen sollte, die Königsfamilie zu bedrohen, wird dies bereuen.
Sie sind die Royal Guardians.
Damals, wie auch heute.

Mehrere Anschläge versetzen das britische Königshaus in Angst und Schrecken. Daher dauert es nicht lange, bis Jason Phoenix, langjähriges Mitglied der Royal Guardians, einen neuen Auftrag erhält. Sein Job: die Aufklärung und Beseitigung dieser Bedrohung, lässt ihn schließlich auf eine unerwartete Spur stoßen.

Aber was hat diese junge rothaarige Architektin damit zu tun, die ihm das Schicksal vor die Nase gesetzt hat? Und wie soll er ihrer Anziehungskraft widerstehen, um seinen Auftrag nicht zu gefährden?


Prickelnde Erotik, eine Prise Humor und Spannung bis zum letzten Atemzug …



Leseprobe:



Vorwort



Gegründet zum Schutze der Krone leben wir im Schatten.
Getreu der Parole: Auf dass die Monarchie im Lichte stehe und England erblühe!
Wir geloben unserem Vaterland Treue bis zum Tod und stellen uns furchtlos jeder Bedrohung.
Unsere oberste Pflicht ist der Schutz der Königsfamilie. Kein Opfer ist uns zu groß, jede Vorgehensweise erlaubt.
Dafür leben und sterben wir. Damals, wie auch heute.

Wir: die Royal Guardians.

Ins Leben gerufen von Sir Lancelot, im Jahre des Herrn 1190.


Prolog

Jason



Das Böse lauert im Verborgenen. Heimlich, still und leise. Stets auf der Suche nach dem perfekten Moment und zu allem bereit. Aber es ist nicht allein. Ein Schatten, ebenso dunkel und wachsam, ist immer in der Nähe. Gerissen und darauf bedacht, ihm einen Schritt voraus zu sein.
Gesetzliche Grenzen interessieren diesen Schatten nicht. Denn mit Vorschriften kann man dem Bösen schwer Einhalt gebieten. Sicherlich will man sich davon distanzieren. Aber der Zweck heiligt die Mittel und manchmal ist es eben nötig, auch über die Grenzen hinauszugehen und Regeln zu brechen.
Ich habe diese nicht gemacht, denn das überlasse ich meinem Gegenspieler. Doch wer die Vorgaben bestimmt, muss auch das Echo vertragen können. So ist es immer gewesen. Von unserer Gründung an, seit wir versuchen, das Böse in Schach zu halten.
Damals, wie heute.
Wir sind die Royal Guardians.
Eine geheime Untergruppe des MI5 und im vereidigten Dienst des britischen Königshauses. Einmal den Eid geschworen, gibt es für gewöhnlich kein Zurück.
Wir geben unser Leben für die Sicherheit der Königsfamilie. Für alle Mitglieder. Die offiziellen, wie auch verschwiegenen oder unehelichen Nachkommen. Wir kämpfen bis zum bitteren Ende und stellen die Sicherheit der Königsfamilie stets an erste Stelle.
Der Auftrag genießt oberste Priorität.
Daher kennt kaum jemand unsere Namen.
Mit Eintritt in den Dienst der Royals, geben wir unserem Leben einen neuen Sinn. Jeden verdammten Tag könnte es vorbei sein.
Aber all das ist nicht relevant, wenn es um den Schutz derer geht, die uns engagieren.
Dafür erhalten wir vollkommene Handlungsfreiheit. Jedes Mittel, das nötig ist, wird akzeptiert. Dies obliegt allein dem Guardian. Aber sollte etwas schiefgehen, werden wir keine Immunität genießen, keinen Schutz erhalten. In diesem Fall würde die Verbindung zu uns endgültig gekappt werden und der Schatten bleibt nichts mehr, als eine vage Erinnerung. Vergangen in der Dunkelheit.
Selbst unser Boss, der Auftraggeber, koordiniert nur aus dem Hintergrund heraus. Niemand hat ihn je gesehen. Erhalten wir einen Auftrag per schriftlicher Benachrichtigung, führen wir diesen aus. Punkt, aus!
Keine Fragen, volles Risiko.
Doch genau das ist es, was ich an diesem Job, dem ich mich verschrieben habe, so sehr zu schätzen weiß. Ich arbeite und entscheide allein. Nutze mein eigenes Netzwerk aus Informanten und werde obendrein fürstlich dafür entlohnt.
Der Preis? Ich verpfände mein Leben für den Schutz der Krone.
God save the Queen … So auch wir!

Eine Woche zuvor



Ausnahmezustand in London. Wie jedes Jahr wird der Geburtstag der Queen im Juni nachträglich in der Millionenmetropole gefeiert. Dafür wurde vorab tagelang geprobt. Die gesamte royale Prominenz ist anwesend. Sehr feierlich, aber auch überaus anstrengend für alle, die für Schutz und Sicherheit sorgen.
Über eintausend Soldaten der Gardekavallerie stolzieren auf edlen Pferden oder zu Fuß durch die Stadt. Herausgeputzt in ihren aufwendigen Uniformen, teils mit Bärenfellmützen, und durch Fanfaren, Trommeln und Trompeten der Garde-Musiker begleitet.
Jedes Jahr aufs Neue ein gigantisches Spektakel. Gewehre werden präsentiert, die berittene Artillerie feuert Salutschüsse im Green Park ab, und auch die Haubitzen im Tower of London spucken zu Ehren der Königin Feuer.
Lautstark und zäh schiebt sich die Militärparade Trooping the Colour vom Buckingham Palace ausgehend voran, bis sie schließlich auf der Mall, der Prachtstraße entlang des St. James’s Park, ankommt. Inklusive Infanterie, Kavallerie und Artillerie, sowie natürlich der Kutsche der Queen und den engsten Familienangehörigen, wie Prinzessin Chelsea und Prinz Julien, die Enkel der Queen und deren Eltern in separaten Kutschen.
Wie gewohnt sind für den heutigen Tag hunderte Polizisten und Soldaten im Einsatz, um für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen. Ich für meinen Teil, habe frei. Sofern man es so bezeichnen möchte. Denn ein echter Guardian ist immer wachsam. Daher lasse ich mir die Parade nur ungern entgehen.
Schon von Beginn an begleitet mich ein mulmiges Gefühl im Magen. Nichts liegt mir ferner als Angst. Dennoch bin ich angespannt. Und das verheißt für gewöhnlich nichts Gutes. Meine Intuition trügt mich nur selten, und heute kann ich das Unheil regelrecht auf der Zunge schmecken.
Bislang verläuft alles nach Plan. Aber vermutlich hat die Tatsache, dass sich in letzter Zeit so einige unvorhergesehene Vorkommnisse bei offiziellen Auftritten der Königsfamilie ereignet haben, einen faden Beigeschmack hinterlassen.
Nichts Gravierendes. Ein Missgeschick hier, ein scheinbar zufälliger Zwischenfall da. Niemand kam zu Schaden. Aber meinen geschulten Augen entgeht nur wenig, und für mich wirkt das alles eher wie ein kalkuliertes Austesten der Möglichkeiten. Werden die Polizisten schnell genug reagieren? Welche Sicherheitslücken gibt es?
Offiziell sind die Royal Guardians heute nicht im Dienst. Wozu auch? Wir haben keinen Auftrag erhalten, da es keine erkennbare Bedrohung für das Königshaus gibt.
In unserem Job ist es wichtig, zu jeder Zeit die Kontrolle zu behalten. Über die Situation, aber auch über sich selbst. Ruhe bewahren ist oberstes Gebot, um nicht vorschnell oder unüberlegt zu handeln. Denn nichts ist schlimmer, als eine Fehlentscheidung zu treffen, weil das Adrenalin einem die Sinne vernebelt. Eine Entscheidung, bei der es um Leben und Tod der Königsfamilie geht.
Es ist wichtig, sich nicht von übereilten Reflexen leiten zu lassen. Besonnenheit und ein klarer Kopf sind unerlässlich für einen Guardian.
So auch jetzt.
Mein Puls geht ruhig, kein beschleunigter Herzschlag lässt meine Konzentration ins Wanken geraten. Alle Instinkte geschärft für den Ernstfall, der hoffentlich niemals eintreten wird.
Mittlerweile steht die Sonne hoch am Himmel. Die Abnahme aller Truppen auf dem Exerzierplatz Horse Guards Parade vor dem Household Cavalry Museum müsste inzwischen zu Ende sein, da sich bereits die Kutschen der jüngeren Royals auf dem Rückweg zum Buckingham Palace befinden. Traditionell folgt die Queen erst später an der Spitze der Truppen.
Ich stehe immer noch in der Menge an der Mall, als mir plötzlich ein Mann auffällt, der die dunkle Kapuze seines Shirts tief ins Gesicht gezogen hat. Eigentlich ist nichts Besonderes an ihm. Wie wir anderen, scheint auch er nur gekommen zu sein, um die Parade zu verfolgen. Oder vielleicht doch nicht?
Er ist unruhig.
Viel zu nervös, für meinen Geschmack.
Sieht sich um, läuft auf und ab.
Außerdem gefällt mir seine Aufmachung nicht.
Die Kutschen kommen näher, was ihn noch angespannter erscheinen lässt. So mein Eindruck, während die Menge begeistert jubelt. Aber ich lasse mich nicht beirren. Irgendetwas ist hier faul. Schließlich wäre es nicht das erste Mal, dass irgendein geltungssüchtiger Verrückter diese Veranstaltung für seine Zwecke nutzt.
Und dann beobachte ich aus der Entfernung, was mir die ganze Zeit über Unbehagen beschert hat. Der Mann drängelt sich durch die Menge möglichst weit nach vorne und zückt etwas aus seiner Hosentasche. Von hier aus kann ich nicht erkennen, was es ist.
Ich bin alarmiert.
Mein Gefühl trügt mich nicht.
Etwas stimmt nicht.
Ich kann nicht sagen, was. Aber es ist da.
Greifbar in unmittelbarer Nähe.
Eilig bahne ich mir ebenfalls einen Weg durch die Zuschauer. Niemand wagt es auch nur annähernd, sich mir, dem großen, schwarz gekleideten Mann, entgegenzustellen, bis ich schließlich in vorderster Reihe in der Nähe der heranrollenden Kutschen ankomme. Blitzschnell muss ich eine Entscheidung treffen. Stürze ich mich auf den Mann, der viel zu weit von mir entfernt möglicherweise eine Bedrohung darstellt, oder versuche ich mit meinem Leben jene zu schützen, denen ich ewige Treue geschworen habe?
Nur noch wenige Sekunden bis zu deren Passieren und nicht mehr sehr viele Meter bis zum Palast.
Ich sehe, wie der Mann in die Tasche seines Shirts greift, etwas herausholt und kurzerhand über die Absperrung zur heranrollenden Kutsche hinüberwirft, bevor ich ihn erreiche.
Plötzlich ertönt ein ohrenbetäubender Knall.
Der Jubel der Menge wird lauter, weicht jedoch sofort hysterischem Raunen, als eines der Pferde der Kutsche von Prinz Julien und Prinzessin Chelsea von etwas, vermutlich einem Böller, getroffen scheint, wiehernd scheut und unkontrolliert losrennt. Die Kutsche schaukelt, während die beiden Tiere wie von Sinnen auf die Zuschauer im St. James’s Park zupreschen.
Schreie ertönen.
Die Menge setzt sich erschrocken in Bewegung und ich versuche, als Einziger in die entgegengesetzte Richtung zu gelangen.
Instinktiv stürze ich mich nach vorn Richtung Kutsche, den Strömen der Menschenmassen entgegen. All das geschieht in weniger als einem Wimpernschlag. Im Augenwinkel sehe ich, wie die im Park eingesetzte Polizei versucht, der Sache Herr zu werden. Von dem Kerl im Kapuzenshirt ist weit und breit keine Spur, denn er ist längst im Gedränge verschwunden.
Sekunden später komme ich auf der Mall an, während der Kutscher immer noch verzweifelt versucht, die Pferde wieder unter Kontrolle zu bekommen. Panisch klammern sich die Insassen im Wageninneren fest, unterdessen die Kutsche auf mich zurast.
Mir bleibt keine Zeit. Entweder ich handele jetzt, oder unzählige Menschen werden verletzt. Was ist schon eine halbhohe Metallabsperrung gegen zwei in Aufruhr geratene Pferde?
Daher tue ich das Einzige, was mir in diesem Moment übrig bleibt: Ich schwinge mich über die Brüstung, breite die Arme weit aus und stelle mich direkt vor die heranfahrende Kutsche. Wenn ich nur genug Dominanz, genug Selbstbewusstsein ausstrahle, habe ich vielleicht eine Chance, die Pferde zum Stehen zu bringen.
Drei, zwei, eins …
Es ist so weit.
Ich versuche, den Pferden keine Möglichkeit zum Ausweichen zu lassen, stelle mich ihnen eisern in den Weg und tatsächlich … Die Tiere stoppen abrupt, bäumen sich auf. Rasch nutze ich die Gelegenheit, um nach den Zügeln zu greifen, als auch schon ein ganzes Geschwader des Regiments heraneilt, um die Lage zu sichern.
Niemand kann auch nur im Ansatz so schnell reagieren, als dass ich meine Identität preisgeben muss. Ein schwarzer, gesichtsloser Schatten, nichts weiter. Im Hintergrund wachend, im Auftrag der Royals.
Bereits im nächsten Moment nähern sich auch schon zwei schwarze Limousinen mit den Leibwachen der Royals, um die Königsfamilie abzuschirmen und aus den Kutschen in das sichere Innere der gepanzerten Fahrzeuge zu schaffen.
Binnen weniger Minuten ist alles vorbei. Die Limousinen eskortieren die jungen Royals und weiter hinten auch die Queen, zurück zum Palast. Die Parade wurde bis zum traditionellen Flug der Royal Airforce, dem die Familie normalerweise später vom Balkon des Buckingham Palace aus beiwohnt, unterbrochen.
Ich für meinen Teil bleibe am Rande der Mall zurück. Mein Gefühl hat mich ein weiteres Mal nicht getrogen und dafür gesorgt, dass der Verrückte keinen größeren Schaden anrichten konnte. Alle kamen mit dem Schrecken davon, niemand wurde ernsthaft verletzt. Aber war das wirklich nur ein geltungssüchtiger Irrer? Oder steckt doch mehr dahinter?
Schnell tauche ich im Trubel unter.
Als Schatten.
Nicht existent.
Doch ich lasse mich nicht hinters Licht führen. Niemals.
All das diente sicherlich nur einem Zweck: die Gelegenheit zu nutzen, um der Königsfamilie bewusst zu schaden. Ob körperlich oder auch seelisch durch die Verbreitung von Angst und Unsicherheit. Um einer allgegenwärtigen Bedrohung Leben einzuhauchen. Alles ist möglich.
Dennoch lautete im Anschluss die offizielle Stellungnahme des Palastes, dass es nur ein unvorhergesehener Zwischenfall gewesen wäre, zu dem es beim Einsatz mit Pferden immer kommen könne. Natürlich bedauere es das Königshaus zutiefst. Über weitere Einzelheiten wurde Stillschweigen bewahrt.
Für mich steht jedoch fest: Mein nächster Auftrag wird folgen. Sehr bald schon und bis dahin werde ich Augen und Ohren offenhalten. So wie ich es immer tue.
Zum Schutz der Königsfamilie!

Kapitel 1

Ruby



„Eine Ausschreibung? Für ein Bauprojekt der königlichen Familie? Was genau? Du musst mir alles erzählen!“, schreit Agatha entzückt auf, während ich betont gleichgültig in meinem Eiskaffee herumrühre.
„Ja, so ist es. Immer noch. Und es ändert sich auch nicht, wenn du es noch dreißig Mal wiederholst“, gebe ich schroffer zurück, als beabsichtigt. Daher atme ich kurz durch und berichte ihr vom London Miracle, einem gigantischen Hochhaus, das als neuer Touristenfang in der Londoner Innenstadt dienen soll. Inklusive Geschäfte, Bars und allem was dazu gehört.
„Aber Ruby. Das ist deine Chance! Und du machst ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. Endlich bekommst du die Gelegenheit, es den aufgeblasenen Lackaffen bei dir im Büro so richtig zu zeigen!“
Ihre Euphorie ist nicht ganz unbegründet. Schließlich erhält man nicht jeden Tag die Möglichkeit, sich für ein derartig bedeutendes Projekt zu bewerben. Schon gar nicht als kürzlich zertifizierte Architektin. Dennoch kann ich Agathas Gefühlsausbruch nicht wirklich teilen.
„Jetzt sieh es doch ein! Ich werde mit Sicherheit überhaupt nichts bekommen. Dafür fehlt es mir schlichtweg an Erfahrung. Und du weißt selbst, dass es den langjährigen Architekten in der Agentur vorbehalten ist, sich dafür zu bewerben“, widerspreche ich abermals in der Hoffnung, sie wieder auf den Boden der ernüchternden Tatsachen zurückzuholen. Doch Agatha denkt ja gar nicht daran, diese Information, von der ich mir gerade fast wünschte, ich hätte sie ihr nicht gegeben, endlich sacken zu lassen.
„Süße! Du bist eine Göttin auf deinem Gebiet und diesen Idioten um Meilen voraus“, versucht sie es erneut, während ich bemüht bin, mir eine Strähne meines langen, leuchtend roten Haares aus dem Gesicht zu pusten.
Ich zwinge mich zu einem Lächeln und entgegne dann etwas besänftigter: „Du bist nicht objektiv. Als meine beste Freundin musst du mich ja in den Himmel loben. Ja, ich hätte vielleicht sogar schon ein paar gute Ideen. Aber das allein reicht nicht aus. Und selbst wenn, dann würden sich die Herren der Schöpfung niemals von mir ihren Rang ablaufen lassen. Nicht bei einem Projekt dieser Ausmaße. Wer daran mitwirken darf, der geht in die Londoner Geschichte ein“, erkläre ich gedankenverloren, während ich mich eine kostbare Sekunde der Vorstellung hingebe, Agatha könnte recht behalten.
„O nein. So einfach kommst du mir nicht davon. Weißt du noch, wie du damals unbedingt dieses schreckliche gelbe Kleid kaufen wolltest? Das mit den violetten Blumen darauf?“
„Das ist gefühlt hundert Jahre her. Und schließlich habe ich es ja nicht gekauft, oder? Außerdem willst du ja wohl sicher nicht diesen Fummel mit der Ausschreibung heute vergleichen“, sage ich und rolle routinemäßig dabei mit meinen großen Augen.
„Das stimmt. Aber ich hätte dich niemals in dem Ding auf den Abschlussball gehen lassen, nur weil ich dir als beste Freundin nicht die unangenehme Wahrheit auf den Tisch legen wollte. Verstehst du, was ich damit sagen will?“
„Ähm, vielleicht?“, entgegne ich und mache dabei eine Grimasse, die Agatha mit dem Hochziehen einer ihrer akkurat gezupften scharfkantigen Augenbrauen quittiert.
„Ruby! Ich will damit sagen, dass ich dich keineswegs in den Himmel lobe, nur weil wir befreundet sind, okay? Du bist gut. Mehr als das. Wirklich. Und ich denke, das weißt du auch. Also krieg gefälligst deinen süßen Hintern hoch und zeig ihnen, was in dir steckt. Was hast du denn schon zu verlieren?“
Dabei sieht mich meine Freundin derart flehend und gleichzeitig auffordernd an, dass ich große Mühe habe, ihrem herzlichen Hundeblick auch nur eine Sekunde länger zu widerstehen.
Was ich zu verlieren habe? Mal sehen: Meine Würde, mein Selbstbewusstsein, das, zugegeben, eher spärlich vorhanden ist, oder aber auch mein Ansehen in der Agentur, falls ich scheitere, oder?
Doch keines dieser Argumente kommt auch nur ansatzweise über meine Lippen. Zumal es nicht meine Art ist, in Selbstmitleid zu ertrinken. Schon gar nicht, bei einem so köstlichen Eiskaffee, wie diesem hier vor mir. Aber ich bin Realistin und keine Träumerin. Zumindest glaube ich das. Agatha ist da anders. Sie ist klein, quirlig, und allein die Tatsache, dass ihre freche Kurzhaarfrisur beinahe jede Woche eine andere Haarfarbe ziert, zeigt, dass sie viel mehr der Typ für spontane, weitreichende Entscheidungen ist, als ich. Und manchmal liegt sie damit auch ordentlich daneben, so wie mit diesem Pink zuletzt, dass selbst für sie viel zu schrill war …
Aber anstelle endlich all das auszusprechen, sage ich schließlich: „Meinst du?“ Im nächsten Augenblick hätte ich mich auch schon dafür ohrfeigen können. Denn nichts ist fataler, als meiner Freundin auch nur den Hauch einer Chance, man könnte seine Meinung eventuell doch noch ändern, zu gewähren.
Prompt klatscht sie in die Hände.
„Ob ich das meine? Aber natürlich! Du wirst dich bewerben und es diesen alteingesessenen Hornochsen zeigen. So viel steht fest!“
Wenn ich ihren Enthusiasmus nur teilen könnte, denke ich im Stillen, während Agatha uns zur Feier des Tages je ein großes Stück Erdbeersahnetorte bestellt. Schließlich glaubt sie, mich jetzt endgültig überzeugt zu haben.
In der Befürchtung, sie könnte vor Aufregung noch überschnappen, bringe ich den kleinen Teil der Angelegenheit vor, den ich bislang gekonnt ausgespart habe. Zu schwer lag er mir einfach im Magen.
„Aber wie soll ich das denn zeitlich schaffen? Weißt du, wie lange die Ausschreibung für das Projekt schon in der Agentur bekannt ist?“
Agatha schüttelt den Kopf, strahlt jedoch immer noch so intensiv, wie Sterne am Abendhimmel. Passend dazu auch ihr aktuell hellblond gefärbtes Haar, überlege ich unwesentlich nebenbei und würde mich fast mitreißen lassen, wäre die Sache nicht so deprimierend, wie sie eben ist.
„Fast einen Monat“, sage ich nach einer kleinen Pause.
Sie nickt.
„Und weißt du, wann sie beschlossen haben, es auch mir zu sagen?“, helfe ich ihr auf die Sprünge.
„Nein. Aber so, wie du es sagst, ahne ich nichts Positives“, folgert sie richtig.
Ich sehe auf meine Armbanduhr.
„Genau! Vor exakt dreieinhalb Stunden! Das Ende der Bewerbungsfrist ist bereits morgen, Aggie. Morgen!“, wiederhole ich das letzte Wort und werfe theatralisch die Arme in die Luft.
Sie schlägt mit den Händen flach auf den kleinen runden Tisch zwischen uns, und ich erschrecke mich derart, dass ich mich beinahe an dem Stück Torte verschlucke, das ich mir gerade in den Mund geschoben habe.
„Agatha! Herrgott! Geht es vielleicht noch auffälliger?“, zische ich. Dabei sehe ich mich im Princess, dem kleinen urigen Café um, in dem ich mich auch in Zukunft gerne mit ihr zu einem spontanen Plausch treffen möchte.
Doch sie hört gar nicht erst hin. Stattdessen sieht sie mich mit diesem gewissen Funkeln aus ihren braunen Augen an, das noch nie etwas Gutes verheißen hat. Oh, oh …
„Gottverdammtes Pack!“, höre ich sie murmeln, bevor sie zum Gnadenstoß ansetzt: „Ruby Sterling. Du wirst dich jetzt endlich zusammennehmen, dein unangebrachtes Selbstmitleid ablegen und es dieser Bagage von Wichsern beweisen. Ihnen in den Hintern treten und zeigen, was es heißt, dich zu hintergehen!“
„Agatha, ich …“ Aber sie lässt sich nicht unterbrechen.
„Verstehst du denn nicht, warum sie das getan haben? Nicht, weil du zu schlecht, oder nicht der Rede wert bist. Nein! Sie haben es dir nicht erzählt, weil sie dich als ernst zu nehmende Konkurrentin fürchten! Das ist der wahre Grund und kein anderer!“
Und plötzlich trifft sie damit etwas in mir, das mir bislang nicht bewusst gewesen ist.
„Von der Seite habe ich das noch gar nicht betrachtet. Denkst du, sie fürchten wirklich, dass die Neue im Team sie ernsthaft ausstechen könnte? Ich meine, es gibt da so einen Entwurf, an dem ich immer mal wieder in meiner Freizeit gearbeitet habe. Er ist nicht fertig, aber ich könnte …“
„Das ist die Ruby, die ich kenne. Meine Ruby, die sich von nichts auf der Welt von ihren Träumen abbringen lässt“, unterbricht sie mich.
Ich weiß nicht, ob es der viele Zucker aus dem Eiskaffee und der Torte ist, oder ob Aggie mit ihren mehr als anschaulichen Argumenten tatsächlich recht hat.
Und plötzlich kann ich es spüren. Tief in meinem Inneren ergreift dieses Gefühl von mir Besitz, und mit einem Mal wird mir klar: Ich muss es wagen. Auch wenn es nur eine minimale Chance für mich gibt, die Frist doch noch einzuhalten, dann werde ich sie nutzen. Ich würde es mir niemals verzeihen, wenn ich es nicht wenigstens versucht hätte.
Ein Lächeln, viel zu breit, schleicht sich auf meine Züge und verdrängt all die schlechten Gedanken, die mich seit der beiläufigen Offenbarung meines Chefs vor dreieinhalb Stunden, so sehr gequält haben.
„Dann bewerben wir uns also für das Projekt?“, fragt Aggie nur noch rhetorisch und erhebt voreilig auch schon ihr Glas zum Toast.
„Ich denke schon, ja“, gebe ich leise zurück, während der tonnenschwere Stein, der mein Herz so schmerzlich beschwerte, von mir abfällt.
„So ist es recht. Wir sagen diesem Pack den Kampf an.“
Und wieder einmal muss ich über die blumige, wenig zurückhaltende Ausdrucksweise meiner lieben Freundin lächeln.
„Du hast dein Herz am rechten Fleck“, rutscht es mir ergriffen über die Lippen, und natürlich erhalte ich dafür nur ein flapsiges „Ja, ich weiß. Ich bin einfach grandios“ von Aggie zurück. Meine wundervolle Freundin.

Den restlichen Tag und die halbe Nacht habe ich an der Ausschreibung gearbeitet. Meine Augenringe sprechen Bände, denn ich habe gerade mal zwei Stunden geschlafen. Hübsch dezent, wie die von einem Waschbären, seufze ich innerlich. Aber ich denke, es hat sich wirklich gelohnt.
Der gesamte Rohentwurf ist so gut wie fertig und bietet auch noch viel Raum für individuelle Wünsche oder Änderungen. Er kann sich sehenlassen, und ich muss mich damit nicht hinter meinen männlichen Kollegen verstecken. Ich weiß, was ich kann. Dennoch muss ich dringend an meinem Auftreten arbeiten. Bald. Nun werde ich mir erst einmal eine heiße Dusche sowie einen Kaffee genehmigen und mich dann, zusammen mit der Präsentation, auf den Weg ins Büro machen. Schließlich will ich die mir gesetzte Frist nicht überstrapazieren.

Mit einem guten Gefühl und sogar einer reichlichen Portion Vorfreude, betrete ich am Vormittag die Agentur. Bis auf die üblichen Verdächtigen, die wohl niemals nach Hause gehen, ist es noch relativ ruhig. Daher begebe ich mich erst einmal zu meinem Platz im Großraumbüro und starte den PC.
„Ruby? Sind Sie das?“, höre ich auch schon Craig, meinen Boss, rufen, der sich im angrenzenden Einzelbüro befindet, noch ehe mein Computer hochgefahren ist.
„Ja“, rufe ich zurück.
„Ich möchte Sie umgehend sehen“, herrscht er mich mit seiner irgendwie immer etwas zu hohen Stimme an.
Ich rolle mit den Augen, straffe die Schultern und mache mich auf, in die Höhle des Löwen. Die Show kann beginnen.
Ich bin sehr stolz, dass ich diesen Job in einer der etabliertesten Agenturen Londons ergattert habe. Jeder, der Rang und Namen hat, lässt sich seine Bauvorhaben von Bowen & Son planen. Mr. Bowen Senior ist schon lange nicht mehr im Unternehmen tätig. Vor einigen Jahren hat er seinem Sohn die Agentur überschrieben. Und eben dieser zitiert mich bereits drei Minuten nach meinem Eintreffen zu sich in sein schickes, überteuertes Luxusbüro.
Die Milchglastür steht offen, sodass ich unmittelbar eintrete. Schnell setze ich mein freundlichstes Lächeln auf und schlucke auch den letzten gehässigen Gedanken an ihn und den gestrigen, nicht ganz fairen Tag, hinunter. Alles nur Stolpersteine, Ruby. Einfach die Beine anheben und elegant darübersteigen, so mein Motto.
„Guten Morgen, Craig. Was kann ich für dich tun?“ Dabei verhalte ich mich absolut professionell und lasse mir nichts anmerken. Gerne wäre ich sofort mit der Tür ins Haus gefallen. Aber ich beschließe, erst einmal abzuwarten, was er von mir will.
Craig sitzt im dunkelblauen Anzug und weißem Hemd hinter seinem teuren Marmorschreibtisch. Das blonde, etwas längere Haar aufwendig geföhnt und gestylt. Ein regelrechter Sonnyboy, wenn man auf die Art von Männern abfährt, überlege ich unangebracht und schelte mich auch schon im nächsten Augenblick insgeheim für diese Gedanken. Ist doch wahr!
Schlimmer ist jedoch, dass er sehr genau weiß, welche Wirkung er auf einen bestimmten Typ Frau hat, denn auch unsere Sekretärinnen benehmen sich auffallend überschwänglich, sobald er in ihrer Nähe ist. Ich bin mir sicher, dass es für Craig absolut unvorstellbar ist, einmal nicht bei einer Frau landen zu können. Wo ich bei einem weiteren meiner vielen Probleme ankomme …
Aber zurück zu seinem Anliegen.
„Haben Sie die neuesten Smith-Entwürfe im System durchgesehen? Stimmen die Berechnungen?“
Oh! Okay, dann reden wir also über die Alltagsaufträge und nicht über das Highlight, das immer noch unausgesprochen über uns schwebt. Auch recht.
„Selbstverständlich. Ich konnte einige Kleinigkeiten korrigieren, aber im Grunde waren sie zuvor schon gut.“
Er nickt.
War ja nicht schwer, schließlich ging es dabei nur um winzige Bauvorhaben. Was anderes hat er mir bisher ja auch noch nicht zugestanden, grummele ich innerlich vor mich hin, ehe er mich auch schon aus meinen Grübeleien reißt.
„Und wie sieht es mit den Einladungen für den Galaabend morgen aus?“
Den was?!
„Verzeihung, Craig? Ich weiß nichts von einem Galaabend“, gebe ich offen zu und mir schwant bereits, dass das wieder eine dieser Sachen ist, die man mir mit Absicht vorenthalten hat.
Craig steht auf und bedenkt mich mit diesem gewissen, tadelnden Blick, bei dem ich mir immer wie ein kleines Mädchen vorkomme, kurz bevor es ausgeschimpft wird.
„Ruby … muss ich denn so etwas extra anordnen? Das versteht sich doch von selbst, dass wir zur Vorstellung unserer Entwürfe bezüglich des royalen Auftrags für unsere Aktionäre eine gebührende Präsentation vorbereiten.“ Wieder dieses penetrante, und fast beleidigende Kopfschütteln, bei dem ich regelmäßig aus der Haut fahren könnte. Ich erwarte ja nicht, permanent mit viel Lob in den Himmel gehoben zu werden. Dennoch kränkt es mich, wenn meine Arbeit derart herabgewürdigt wird. Zumal ich mir hier keiner Schuld bewusst bin.
Wut kocht in mir hoch, da ich vieles ertragen kann, außer Ungerechtigkeit. Und aktuell fühle ich mich mehr als ungerecht behandelt. Daher stemme ich die Beine in den Boden, um einen sicheren Stand zu garantieren, werfe mein Haar in den Nacken und lege los, ohne darüber nachzudenken.
„Craig? Wie du weißt, habe ich erst gestern von besagtem Projekt erfahren. Also kreide mir bitte nicht an, mich nicht um die Organisation bezüglich der Präsentation gekümmert zu haben. Außerdem meine ich, ist es auch eher die Aufgabe von Cindy, Candy oder Cheryl, einer deiner Sekretärinnen, sich um Derartiges zu kümmern, meinst du nicht auch?“ Mein Blut kocht und ich wundere mich über mich selbst, da ich ihm ansonsten nur sehr selten Paroli biete. Er mag vielleicht in seinem Leben mehr erreicht haben als ich, aber das gibt ihm noch lange nicht das Recht, auf Menschen wie mir grundlos herumzutrampeln. Und ich bin Architektin! Keine seiner Blondinen-Sekretärinnen, höre ich Agathas Worte in meinem Kopf widerhallen. Außerdem bin ich nicht dämlich. Natürlich ist längst alles organisiert. Craig würde niemals ein Risiko eingehen, indem er es mir erst einen Tag vor der Veranstaltung auftrüge.
Ihm stockt für einen Moment der Atem, und ich glaube erkennen zu können, dass ihm tatsächlich die Kinnlade herunterklappt. Doch er hat sich schnell wieder im Griff, richtet seinen ohnehin perfekt sitzenden Anzug zurecht und kommt auf mich zu. Viel zu nah, für meinen Geschmack.
„Eifersüchtig?“
Das hat er jetzt nicht wirklich gesagt? Aber ich verkneife mir einen schnippischen Kommentar, da ich meinen Job heute schon weitaus genug gefährdet habe.
Als er seine manikürten Hände auf meine Schultern legt, würde ich am liebsten angewidert zurückweichen. Aber ich beherrsche mich, da ich ihm nicht das Gefühl geben will, die Oberhand zurückzugewinnen.
Seine helle Stimme ist leise, fast zischend, als er sagt: „Da wirst du wohl noch einiges dazuzulernen haben. Als Architektin bei Bowen & Son wirst du in Zukunft einfach besser aufpassen müssen, was vor sich geht.“
Mittlerweile befindet sich sein Mund direkt neben meinem Ohr, und als seine Finger zu meinem Haar wandern, um es zur Seite zu streichen, kann ich nicht mehr länger an mich halten.
„Mein Entwurf, er ist fertig!“, platze ich endlich mit der Wahrheit heraus.
Es funktioniert, er lässt von mir ab. Augenblicklich ist er wieder ganz der geschäftige Leiter der Agentur, den er für gewöhnlich mimt.
„Welcher Entwurf?“ Er ist sichtlich überrascht.
Jetzt ist es an mir, nicht aus der Rolle zu fallen. Schnell schlucke ich die Enttäuschung und den erneut aufkeimenden Ärger hinunter, räuspere mich und entgegne dann betont selbstsicher: „Na, für den Auftrag des Königshauses.“ Du weißt schon. Für den du mir nur eine Nacht Zeit gelassen hast, würde ich gerne noch hinzufügen, besinne mich jedoch eines Besseren.
„Fertig?“, fragt er erstaunt, wodurch es meine Vermutung bestärkt, dass mir diese Gelegenheit absichtlich vorenthalten wurde. Arrogante, selbstverliebte Blödmänner, echt!
Eine Flut an Genugtuung rauscht durch meinen Körper, während ich im kurzen Überraschungsmoment bade.
„Ja, genau. Du wolltest einen Entwurf, und ich habe einen. Fristgerecht, wie gefordert.“
Craig benötigt einige Augenblicke, ehe er wieder zu seiner gewohnt überheblichen Art zurückkehrt. Er legt den Daumen auf seine Unterlippe und gibt vor, ernsthaft darüber nachzudenken.
„Ruby. Es ist gut, wie du dich bemüht hast. Aber die Pläne können unmöglich ausgereift sein. Verstehst du, was ich meine? Nächstes Mal, mit etwas mehr Erfahrung, werden wir sicher auch für dich eine Möglichkeit finden.“ Das Wort Erfahrung betont er dabei etwas sonderbar, irgendwie schlüpfrig.
Ich weiß nicht, was mich mehr auf die Palme bringt. Die Art, wie er meine Arbeit immer derartig abwertet – „auch für dich eine Möglichkeit finden“ – oder seine zweideutige Aussage. Mir ist schon klar, welche Art von Erfahrung er eigentlich meint. Schließlich hat bisher noch keine der hier angestellten Damen Craig Bowen einen Korb gegeben, so die Gerüchte. Keine außer mir …
Hin- und hergerissen, ob ich mir die Blöße der Enttäuschung und den aufflammenden Zorn anmerken lassen soll, stehe ich einfach nur da und sage gar nichts. Craig weiß genau, wie sehr er mich damit getroffen hat. Davon bin ich überzeugt.
„Das ist doch nicht das Ende der Welt. Jeder hat mal klein angefangen“, ergänzt er und tritt damit verbal noch einmal gegen mein am Boden liegendes Selbstwertgefühl.
Ich nicke, denn zu mehr bin ich nicht imstande.
„Das wäre dann alles, Ruby“, komplimentiert er mich anschließend aus seinem Büro.
Was für ein A …, fluche ich hemmungslos in Gedanken, was mich jedoch keinen Schritt weiterbringt.
Gerade, als ich – mit bitterer Enttäuschung im Schlepptau - im Begriff bin, sein Büro zu verlassen, ruft er mir hinterher: „Ach, Ruby? Mit wem gedenkst du morgen Abend auf unsere Präsentation zu gehen? Vielleicht ließe sich ja dort noch eine Minute für dich finden.“
Natürlich ist mir klar, auf was er hier anspielt. Aber mit Sicherheit werde ich mich nicht an diesen Lackaffen verkaufen, nur um auf der Gala gehört zu werden. In seinen Augen wäre ich nicht mehr, als sein williges Spielzeug. Außerdem wird mir schon beim Gedanken an Craigs schmierige, manikürte Finger schlecht. Uargh! Aber was soll ich ihm sagen? Denk nach, Ruby. Denk nach!
Immer noch stehe ich mit dem Rücken ihm zugewandt, als ich herumwirbele und das erstbeste ausspucke, was mir in dieser drängenden Situation einfällt: „Ich werde mit meinem Verlobten hingehen.“ Was? Ruby! Wie kannst du nur?
Aber da habe ich es auch schon ausgesprochen.
„Deinem Verlobten? Du hast ihn nie erwähnt. Ich wusste nicht einmal, dass du in einer Beziehung bist“, sagt er unsinnigerweise, da ich meinem Boss ganz sicher keine Rechenschaft diesbezüglich schuldig bin.
„Ach, ich trenne Privates und Geschäftliches gerne. Das ist alles“, gebe ich betont gleichgültig zurück und zucke dabei leger mit den Schultern. Und für einen kostbaren Augenblick bin ich oben auf. Solange, bis ich ihm erneut den Rücken kehre und zusehe, aus der Höhle des Löwen zu verschwinden. Verdammt, verdammt, verdammt!
Aber immerhin bin ich eingeladen. Zumindest jetzt noch. Denn ich traue es Craig durchaus zu, mich aufgrund meines Beziehungsstatus kurzerhand wieder auszuladen.
Im Vorbeigehen frage ich Cindy, Craigs Sekretärin, die sich mittlerweile auch eingefunden hat, noch schnell nach Ort und Uhrzeit der morgigen Veranstaltung, um mich wenigstens nicht durch Unpünktlichkeit zu blamieren.
Als ich meinen Schreibtisch, der durch eine halbhohe Trennwand verborgen ist, in der hinteren Ecke des Großraumbüros erreiche, lasse ich mich erst einmal in den Bürostuhl fallen. Die gefühlsmäßige Achterbahnfahrt der letzten vierundzwanzig Stunden zehrt allmählich an meinen Nerven. Dennoch habe ich nicht vor, mich in dieser Männerdomäne kleinkriegen zu lassen. Denn schließlich bekommt man nicht alle Tage die Chance, bei einem so bedeutenden Ereignis überhaupt dabei zu sein.
Natürlich bin ich unsagbar enttäuscht, nicht auch für das Projekt vor den Aktionären der Agentur sprechen zu dürfen. Trotzdem werde ich mir niemals die Blöße diesbezüglich geben. Daher kommt Kneifen nicht infrage. Du wolltest diesen Job und wusstest, er würde ganz sicher kein Zuckerschlecken werden. Also reiß dich gefälligst zusammen und zeig es ihnen!, versuche ich mich selbst zu motivieren, was mir mehr schlecht als recht gelingt.
Da fällt mir siedend heiß wieder ein, in welche dämliche Bredouille ich mich soeben gebracht habe. Verlobt? Hast du sie noch alle?
Ich vergrabe mein Gesicht in den Händen. Als ob du nicht schon genug Probleme hättest. Aber jetzt auch noch auf die Schnelle einen Mann aufzutreiben, der sich bereit erklärt, für die nächste Zeit deinen Verlobten zu spielen? Großartige Idee. Wirklich!
Ich krame nach meinem Handy in der Handtasche und mache das einzig Wahre, was Frau in dieser verfahrenen Situation tun kann: Ich rufe meine beste Freundin an.
Es klingelt mindestens zehn Mal, bis Agatha sich endlich meldet. Normalerweise ist sie als Studentin sehr flexibel und wenn ich ehrlich bin, weiß ich gar nicht so genau, was sie dieses Semester studiert. Nebenbei arbeiten muss sie nicht, denn sie lebt hauptsächlich von der Unterstützung ihrer gut betuchten Eltern.
„Hey, Ruby. Was gibt’s?“, flötet sie gewohnt fröhlich.
„Ich kann nicht laut reden“, flüstere ich, damit mich meine Kollegen nicht hören können.
„Was? Ich verstehe kein Wort“, schreit sie automatisch ins Telefon, sodass ich das Handy sofort etwas leiser stelle.
„Psssst! Aggie. Hör mir doch zu. Ich habe Mist gebaut und kann nicht lange reden.“
„Ah, verstehe. Das trifft sich gut. Ich sitze nämlich gerade hier herum und warte, bis die Farbe einwirkt. Blau dauert immer etwas länger“, erklärt sie rasch, als ob mich das noch wundern würde.
Es trifft sich gut, dass ich Mist gebaut habe?, hätte ich ihr am liebsten entgegen geschmettert, aber dafür bleibt keine Zeit.
„Aggie? Ich brauche einen Mann. Schnell!“
„Oh, lá, lá. Süße, ich wusste ja, du bist kolossal untervögelt. Aber für so schlimm habe ich es nicht gehalten“, folgert sie todernst.
„Blödsinn! Nicht was du wieder denkst. Was ich brauche, ist eine männliche Begleitung. Für den Galaabend der Agentur morgen. Und am besten eine, die bereit ist vorzugeben, mein Verlobter zu sein.“ In der Kürze liegt die Würze, oder nicht?
Stille am anderen Ende.
„Aggie? Bist du noch dran?“
Da! Plötzlich vernehme ich ein Geräusch, das einem unterdrückten Prusten sehr ähnelt. Oder einem Grunzen, wer weiß das schon so genau?
„Hallohooo! Weißt du nicht mehr? Ich habe es eilig und muss aufpassen, nicht erwischt zu werden“, gebe ich genervt zum Besten, als auch schon schallendes Gelächter aus dem Telefon ertönt.
„Das hast du nicht wirklich gesagt, oder? Ruby, du bist einfach der Hammer. Wie du es nur immer schaffst, aus ganz normalen Situationen Dramen entstehen zu lassen?“
„Aggieeee“, jammere ich. „Jetzt sagt schon. Was soll ich tun?“, fordere ich erneut in der Hoffnung, sie damit endlich aus ihrem Lachflash reißen zu können.
Sie räuspert sich.
„Na gut. Also: Wir brauchen einen Mann. Und zwar schnell.“
Ich verdrehe die Augen. „Super! So weit war ich auch schon. Aber wen?“
„Ah, ich hab’s! Wie wäre es denn mit diesem süßen Schnuckelchen, mit dem du dich öfter getroffen hast?“
Ich überlege.
„Du meinst den Typen aus dem Coffee Shop? Den habe ich nur immer zufällig dort getroffen. Ich kenne nicht einmal seinen Namen, und wenn ich nun hingehen würde, um ihm meinen Vorschlag zu unterbreiten, fände er das wohl mehr als seltsam.“
„Du bist seltsam. Meistens zumindest“, entgegnet Agatha unverblümt.
„Na, schönen Dank auch!“, gebe ich trotzig zurück.
„Auf eine süße und manchmal auch etwas naive Art. Mit einem ganz besonderen Talent für verfahrene Situationen wie diese eben. Aber zurück zum Wesentlichen. Kannst du nicht irgendeinen Ex bitten, dir einen Gefallen zu erweisen?“
„Kannst du das denn bei deinen Ex?“, werfe ich den Ball wieder an sie zurück.
„Hm, nein. Du hast recht. Ich könnte meinen Bruder fragen“, schlägt sie vor.
„Richie? Hältst du das für eine gute Idee? Ich denke, niemand würde ihm dieses Hetero-Verlobungsding auch nur länger als eine Minute abkaufen.“
Agathas Bruder ist vermutlich der netteste, hilfsbereiteste und süßeste Typ, den man sich vorstellen kann. Blond, große blaue Augen und einen Blick, dem niemand so schnell widersteht. Nur leider ist er nicht für die Damenwelt gemacht und trägt dies als stadtbekannter Paradiesvogel auch auffällig zur Schau.
„Ja, ich weiß genau, was du meinst. Und all seine Kumpels sind da leider auch nicht dezenter“, überlegt Agatha laut. „Also, du hast keinen Typen in deinem Umfeld, den wir fragen könnten? Keinen Nachbarn oder netten Postboten?“, fasst sie treffend nach einer kurzen Pause zusammen.
„Nope. Nicht einen“, schlussfolgere ich resigniert, dennoch weigere ich mich immer noch vehement, die Gala sausen zu lassen.
„Okay! Dann gibt es für dich nur eine Möglichkeit“, zieht Aggie mit gespielter Ernsthaftigkeit ihr Resümee.
„Ach, ja? Es gibt noch eine Option?“, frage ich hoffnungsvoll.
„Ja. Aber flipp jetzt bitte nicht gleich aus, okay? Du weißt ja … niemand soll im Büro etwas davon mitbekommen“, warnt mich meine liebe Freundin, und ich bin mir sicher, sie hat allen Grund dazu. Denn wenn es für sie schon einmal eine heikle Angelegenheit ist, dann werde ich vermutlich binnen der nächsten Sekunden an die Decke gehen.
„Schieß los!“, seufze ich ins Handy und hoffe, dass keiner ihrer Einfälle mit einem Auftragsmord oder einer weiteren, noch dämlicheren Lüge zu tun hat. Am Ende will sie sich gar selbst als Mann verkleiden.
„Du musst dir einen Mann buchen!“ Was?!
„Nicht dein Ernst! Aggie, das habe ich wohl wirklich nicht nötig. Noch nicht!“, patze ich genervt zurück, da mich ihr Vorschlag irgendwie kränkt.
„Doch Süße, hast du leider schon. Nicht generell. Aber wenn du dein Lügenkonstrukt aufrechterhalten möchtest und Craigs schmierige Finger von dir halten willst, dann bleibt dir leider keine andere Möglichkeit.“
„Pfff.“ Hörbar stoße ich meinen Atem aus.
„Ich weiß, Schatz. Aber das ist alles halb so wild. Viele Leute buchen sich Begleitungen. Nicht nur für Sex.“
„Soweit kommts noch!“
„Jetzt beruhige dich erst einmal. Du magst es vielleicht nicht für möglich halten. Aber das ist gar nicht so unüblich, wie du denkst. Man benötigt eine Begleitung, bucht sich einen Mann oder eine Frau, die in die jeweilige Rolle schlüpft und gut. Keine große Sache.“
Welche Möglichkeiten bleiben mir denn, abgesehen von kneifen, die Lüge aufdecken oder … oder eben einem Escort-Service?, überlege ich.
„Das ist eine wirklich dumme Idee“, folgere ich schließlich.
„Ja, das ist sie. Aber damit passt sie ja perfekt zu deiner wenig ausgereiften Lüge, nicht wahr?“ Wie recht sie doch hat. Die Wahrheit kann ja so grausam sein.
Wieder seufze ich, da ich sehr gut weiß, wann ich verloren habe. Eindeutig.
„In Ordnung. Und wo bekommt man diesen Mann her?“ Ich habe keine Vorstellung von derartigen Dingen, bin mir aber sicher, dass Agatha sich da weitaus weniger schwertut.
„Ach, lass das mal meine Sorge sein. Sobald ich mir die Farbe aus den Haaren gewaschen habe, schicke ich dir einen Link. Darüber kannst du mit der Dating-Agentur in Kontakt treten, deine Wünsche äußern, Datum, Uhrzeit sowie Extras ausmachen, und gut.“
„Aber kein Schmuddel-Ding, bitte. Nur eine seriöse Agentur, ja?“, warne ich Aggie noch zur Sicherheit, da mir die ganze Sache eine Heidenangst einjagt.
„Versteht sich von selbst. Wo denkst du hin? Hör mal. Ich muss jetzt Schluss machen. Das ist alles ganz easy, versprochen. Du musst dir nur darüber im Klaren sein, dass ein gebuchtes Date natürlich etwas kostet. Aber ich denke, das ist es wert. Und hey, sieh es positiv. So kannst du immer wieder bei Bedarf darauf zurückgreifen und dein Date wird sich stets blendend benehmen. Kein Risiko. Darum würden dich so manche, echte Verlobte beneiden.“
Meine liebe Agatha. Stets positiv denkend, egal wie verfahren eine Sache doch ist. Dafür liebe ich sie einfach.
„Ja, ist gut“, gebe ich mich schließlich geschlagen. „Ach ja … Aggie? Was genau meintest du mit Extras?“, schiebe ich noch hinterher, doch da ist es bereits zu spät.
„Ich bin weg. Drück dich, Süße. Ich schicke dir gleich die Daten. Und warte nicht zu lange. Bye.“
Und schon hat mein Wirbelwind aufgelegt und mich mit einem Wust an Gedankenmüll allein zurückgelassen. Puh! Was für ein Mist! Selbst schuld, würde ich sagen.
Als ich in meinem Stuhl zurücksinke, erhalte ich den Link, der mich, zumindest fühlt es sich so an, noch eine Stufe tiefer auf meiner derzeitigen Misserfolgsleiter sinken lässt. Hättest du gleich nachgedacht und einfach klare Fronten geschaffen, dann wärst du jetzt nicht in dieser Lage. Also hör auf zu jammern und löse dein Problem wie eine erwachsene Frau!, schimpfe ich mit mir, da mich meine Unfähigkeit gerade tierisch nervt.
Minutenlang starre ich auf das Handy. Begutachte besagten Link, sehe mich dann noch einmal im Raum um und ergebe mich schließlich meinem Schicksal.
Dann mal los ins unbekannte Abenteuer …