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Buchvorstellung "Friss, oder stirb Seppl!"
Geschrieben von  Mandy Schur Mandy Schur Geschrieben,  22-12-2019 23:00 22-12-2019 23:00 496  Gelesen 496 Gelesen
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"Friss, oder stirb Seppl!" Der ganz persönliche Erziehungsratgeber für Schweinehunde von Renate Londer.



Du willst abnehmen, Sport treiben, gesünder leben, aber dein innerer Schweinehund ist immer stärker als du?
Genau so ergeht es mir, bis mir bewusst wird, dass ich mir diesen Gegner zum Vertrauten machen muss, ihn erkennen muss, anstatt zu versuchen, ihn zu ignorieren. Seitdem trägt er den Namen Seppl. Wenn sich dann noch der gesunde Hausverstand einschaltet, mein kluger Little Brain, dann sind Diskussionen, Streitereien und lustige, frustrierende, aber letztendlich auch sehr erfreuliche Episoden vorprogrammiert.

Wie Little Brain es schafft, Seppls Bedürfnisse in den Hintergrund zu drängen und mir zum großen Erfolg zu verhelfen, das erzähle ich dir in diesem Buch.
Jeder von uns hat seinen Seppl, der die Umsetzung guter Vorsätze beharrlich blockiert. Das muss nicht sein. DU KANNST IHN ZÄHMEN!


Ernährungsrelevante Fakten, witzig und kurzweilig verpackt in einen Roman. Belletristik und Ratgeber zugleich!



Leseprobe:



Abschnitt I

Seppls bittersüße Zähmung

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Ein humoristisches Aufarbeiten meiner dicken Zeiten. Mein erfolgreicher Weg zum Wunschgewicht.

Ich habe sie genau vor Augen, die Zeit, in der mir schmerzlich bewusstgemacht wurde, dass ich zu einem fetten, kränkelnden, unsportlichen und durch und durch phlegmatischen Hausmütterchen geworden war.
Heute, zehn Jahre später, kann ich darüber nur mehr lachen. Jetzt bin ich es, die in der Lage ist, Menschen die in derselben Situation wie ich damals stecken, Hilfestellung anzubieten. Ich bin wieder schlank, sportlich und erfolgreich und habe mich mit zusätzlichen Ausbildungen zur Trainerin in Ernährungsfragen qualifiziert.

In diesem Buch zeige ich auf, wie jeder mit motivierenden Tritten in den Hintern, die durchaus provokant und auch ein bisschen frech sind, seinen inneren Schweinehund erziehen kann. Jeder kann abnehmen! Denn: Abnehmen beginnt da, wo die Ausreden aufhören.


Wie alles begann


Es ist Montag, ich sitze im Büro und versuche, meine Arbeit gewissenhaft, wie man es von mir gewohnt ist, zu erledigen.
Ich weiß nicht, was heute mit mir los ist, mir ist so schwindlig, alles dreht sich, in meinem Kopf dröhnt es wie in einem übervollen Autobahntunnel. In meinen Schläfen pocht es wie verrückt, meine Augenlider sind schwer und drohen zuzufallen. Mir ist abwechselnd heiß und kalt. Hoffentlich habe ich mir keinen Infekt eingefangen. Jetzt wird mir auch noch übel. Schleppenden Schrittes gehe ich zur Damentoilette, weil ich das unbändige Gefühl habe, dass ich mich übergeben muss. Fehlalarm, es rührt sich nichts in der Magengegend. Ich bekomme schon wieder Schweißausbrüche und der Schwindel wird immer ärger. Weil ich mir nicht mehr zu helfen weiß, lege ich mich auf den Fußboden des WCs. Die kühlen Fliesen auf der Haut zu spüren, tut mir gut. Meine Beine positioniere ich auf dem Klodeckel in der Hoffnung, so meinen verrücktspielenden Kreislauf, wie schon des Öfteren, wieder in den Griff zu bekommen.
Alles dreht sich, mir ist unsagbar schlecht. So schlimm war das in der Vergangenheit ja noch nie. Was soll ich tun? So schaffe ich im Augenblick nicht mal mehr den kurzen Weg zurück ins Büro. Jetzt bekomme ich es doch mit der Angst zu tun. Ich kann da nicht liegen bleiben, arbeitet es in meinen Gedanken. Langsam und auf wackeligen Beinen gehe ich in den Pausenraum meiner Dienststelle und hole mir einen Krug Wasser. Eine Hand zur Sicherheit an der Wand entlangtastend, bewege ich mich zurück ins Büro.
Bloß nicht auffallen. Hinsetzen, weiterarbeiten, so wird es von dir erwartet, sage ich mir selbst. Kalkweiß im Gesicht sitze ich in meinem Stuhl.
Ich bin ganz erstaunt, ich trinke ja sonst nie, Durstgefühl ist ein Fremdwort für mich. Mir ist nicht klar, was die anderen immer damit haben. „Du musst trinken“, höre ich immer. „Trink mehr!“ Ich kann aber nicht Wasser in mich hineinschütten, wenn ich keinen Durst habe. Mein Körper wird sich schon melden, wenn er Flüssigkeit braucht. Jetzt braucht er sie offensichtlich, ganz dringend sogar.
Nach einer Viertelstunde ist der Krug geleert und es geht mir tatsächlich etwas besser. Zumindest so gut, dass ich meiner Arbeit wieder nachkommen kann. Gott sei Dank haben mich meine Kollegen so nicht gesehen.
Trotzdem sitzt der Schrecken tief. Gänsehaut überzieht meine Arme. So schlimm erwischt wie diesmal haben mich diese Schwindelattacken bisher noch nie. Mir ist nicht nur einfach schwindlig geworden, sondern ich habe mich während dieses Anfalles wie auf dem Fußboden festgenagelt gefühlt und nur der Raum ist mit voller Geschwindigkeit um mich herumgerast.
Ich muss zum Arzt, das macht mir Angst, denke ich immer noch ganz verängstigt. Glücklicherweise habe ich morgen frei. Ich nehme mir vor, dass ich meinen Hausarzt gleich morgen früh aufzusuchen werde.
Wahrscheinlich kennt er mich nicht einmal vom Sehen, so selten bin ich dort. Ich bin kein Warteraumhocker für jedes Wehwehchen. Wozu hat man denn heutzutage das World Wide Web, da kann man sich schließlich alle Hausmittel heraussuchen und selber bei der Apotheke abholen. Gott sei Dank bin ich ja nie ernsthaft krank.


Beim Arzt


Mit der fixen Vorstellung, dass der Arzt mir ein paar Kreislauftropfen verschreiben wird, begebe ich mich auf den Weg in die Ordination. Es ist noch recht früh am Morgen. Wie erwartet bin ich eine von vielen, die seine medizinischen Dienste beanspruchen will, und so setze ich mich auf einen der buntbezogenen Stühle und nehme mir eine Zeitschrift, um mir lesend die Wartezeit zu verkürzen. Ich sitze und warte, starre immer wieder auf Uhr über dem Eingang und harre der Dinge.
Dass das aber auch immer so lange dauern muss. Ich habe keine Ahnung, warum die Frau vor mir schon mindestens eine halbe Stunde beim Doktor sitzt. Nach gefühlten zwei Stunden wird endlich mein Name aufgerufen. Die Begrüßung ist kurz. Ich schildere ihm meine Situation mit einfachen Worten. Da ich so schnell wie möglich wieder aus seinen Räumlichkeiten hinaus will, schlage ich dem Arzt vor, dass er mir ein paar Kreislaufmittel aufschreiben soll. Ärzten einen Verordnungsratschlag zu geben, ist wohl doch keine so gute Idee. Diese Rechnung habe ich ohne ihn gemacht, prompt kam seine Retourkutsche.
Blutdruck messen, Blutabnahme, Körpervermessung, Gewichtskontrolle, Ess-, Trink- und Bewegungsverhalten werden abgefragt, ein Ultraschall des Bauches und der Halsschlagadern und, und, und... Die Zeit verrinnt und nun bin ich eine derjenigen, wegen der im Wartezimmer gelästert wird.

Was er mir dann einfach so ins Gesicht sagt, lässt mich blass werden und mir in weiterer Folge die Zornesröte ins Gesicht schießen.
Nach einer Dreiviertelstunde darf ich nicht ohne das Versprechen, nein kein Versprechen, eine strikte Anweisung, zur Blutbefundbesprechung verlässlich wiederzukommen, seine Räumlichkeiten verlassen. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, ob ich mich beim Hinausgehen noch verabschiedet habe oder nicht. Ich wollte nur weg.

Auf dem Heimweg lasse ich das Arztgespräch in Gedanken noch mal Revue passieren. Nicht ohne über die direkte Ansage des Doktors zu schimpfen.
Ich bin zu dick, ich ernähre mich falsch, ich trinke viel zu wenig, ich bewege mich nicht, ich bin auf dem besten Weg, mich umzubringen. Ich betreibe massiven Raubbau an meinem Körper. Die Sonografie der Halsschlagadern hat ergeben, dass beide Seiten bereits starke Ablagerungen aufweisen, was in einer Spezialuntersuchung genauer abzuklären ist.
Mein Blutdruck ist viel zu hoch, mein Lebenssaft zu dick. Eine direkte Folge des Flüssigkeitsmangels.
Ich bin dehydriert, was wiederum meine Schwindelattacken auslöst. Der Blutbefund wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ergeben, dass meine Fettstoffwechselwerte nicht in Ordnung sind.

Ich bin schockiert. Ich soll zu dick sein, so ein Schmarren, das wäre mir aufgefallen, oder? Vielleicht habe ich keine Modelmaße, aber zu dick – niemals!
Zu Hause angekommen gehe ich ins Schlafzimmer und stelle mich vor den großen Spiegel meines Kleiderschrankes. Ich betrachte mich wie jeden Tag. Keine Ahnung, was der hat. Schaut doch ganz passabel aus. Meine Bekleidung besteht aus einem weiten Blusenhemd und einer Jeans, die sehr knackig am Po und den Oberschenkeln anliegt. Ich wage einen ehrlicheren Blick, diesmal von Kopf bis Fuß und nicht nur bis zur Brust, auf die Waage. Die Erkenntnis, dass der Arzt recht haben könnte, erschüttert mich. Die lose fallende Bluse lenkt schon sehr von den über den Hosenbund quellenden Speckrollen ab und meine Beine gleichen schon lange nicht mehr denen einer Gazelle. Ganz im Gegenteil. Der Vergleich mit einem jungen Elefanten kommt da schon eher hin.
Eine Stimme in mir flüstert: „Nein, sooo dramatisch, wie er es darstellt, ist es ja auch wieder nicht. Schließlich bin ich ja nicht mehr zwanzig! Es müssen ja nicht überall die Knochen herausstehen. Immerhin hast du zwei Kinder geboren. Ein paar Pölsterchen wirst du da ja wohl noch haben dürfen“, erklärt mir diese innere Stimme.
Und außerdem bin ich ein Büromensch, da kann es schon sein, dass ich mich vielleicht wirklich ein bisschen wenig bewege, spinne ich meine Gedanken weiter.
Dass ich sehr wenig Wasser trinke, ist mir bewusst. Aber ich trinke doch auch Limonaden, Kaffee – sicherlich eineinhalb Liter pro Tag – und ab und zu ein Gläschen Wein, das ist doch auch Flüssigkeit, oder zählt das etwa nicht?
Mit diesen Gedanken im Kopf hake ich das Thema ab. Dass Ärzte aber auch immer so übertreiben müssen.
Bei der Besprechung des Blutbefundes, der wie zu erwarten sehr schlecht ausgefallen ist, muss ich mir zu meinem Leidwesen jedoch auch noch anhören, dass ich, wenn ich so weitermache, unter Umständen sogar in absehbarer Zeit an einer unserer Wohlstandskrankheiten lebensbedrohend erkranken könnte. Schlaganfall und/oder Herzinfarkt sind nicht mehr auszuschließen, da es auch eine genetische Disposition dafür gibt. Mein Arzt hat aus den Gesprächen herausgehört, dass Fettstoffwechselprobleme, Herzinfarkte und Schlaganfälle in meiner Familie bereits zum Standard gehören.

Als Retourkutsche für meine anfangs so besserwisserische Art, ich empfinde es zumindest so, scheut sich mein Hausarzt nicht, Tacheles mit mir zu reden. Ich bekomme den Auftrag, in den nächsten drei Monaten zehn Kilogramm an Gewicht abzuspecken und mich mindestens eine halbe Stunde bis Stunde täglich zu bewegen. Täglich sechs bis acht Gläser Wasser zu trinken, ist keine Bitte, sondern eine Anordnung. Außerdem muss ich künftig starke Medikamente für den Blutdruck und meine Fettstoffwechselerkrankung einnehmen. Sein letzter Satz, den er einigermaßen provokant vorträgt, ist: „Wenn Sie Pech haben, können Sie demnächst einen Schlaganfall erleiden. Mit viel Glück überleben Sie ihn nicht und Ihr Mann muss Sie dann nicht noch lange Zeit als Pflegefall betreuen.“

Genau da macht es „Klick“ im Oberstübchen. Meine Gehirnwindungen arbeiten auf Hochtouren. Ich weiß, dass ich augenblicklich beginnen muss, meine gesundheitliche Situation zu verändern. Vor etlichen Jahren hatte mein Vater, genau in meinem Alter, einen schweren Herzinfarkt, von dem er sich nie mehr erholte und an dessen Folgen er ein paar Jahre später verstarb.
Jetzt ist Zeit zu handeln. Jetzt, nicht morgen, nicht in den nächsten Wochen. JETZT!


Was mache ich nun?


Ausgelöst durch die schockierenden Aussagen des Mediziners setze ich mich vor den Computer und beginne zu recherchieren, was ich tun kann, um seine Anordnungen zu befolgen. Natürlich hat der erste Trotz nachgelassen und die Vernunft hat gesiegt. Wie man abnimmt, weiß ja jeder. FdH (friss die Hälfte), mehr Gemüse, weniger Fett, nichts Süßes, kein Alkohol und so weiter und so fort. Natürlich finde ich einen Bericht nach dem anderen, der mir beweisen will, dass ohne zusätzliche Bewegung alles „nichts“ ist. Mein Entschluss steht fest, jetzt packe ich das Projekt Wunschgewicht an. Wäre doch gelacht, wenn ich das nicht schaffen würde!

Ich nehme mir vor, mich zuerst auf die Ernährung zu konzentrieren. Bewegen kann ich mich immer noch.
Alles zugleich kann man ja sowieso nicht packen. Die Aussicht, tatsächlich vor der Alternative Schlaganfall oder Herzinfarkt, also Cholera oder Pest, zu stehen, macht mir doch mehr zu schaffen, als mir lieb ist. Immer mit der Ruhe! Ich versuche, mit suggestiven Gedanken mein Nervenkostüm in normale Bahnen zu lenken. Das Gespräch mit dem Doktor vor einer Woche war sicher nur ein Schuss vor den Bug. Der Doktor muss so reagieren, damit man auch wirklich etwas tut.

Wieder regt sich das rebellische Kind in mir. Was glaubt der eigentlich? Wer soll es denn schaffen, in drei Monaten sein Gewicht so drastisch zu reduzieren? Immerhin bin ich eine berufstätige Frau, die auch in der Freizeit durch jede Menge Verpflichtungen und Aktivitäten sehr eingebunden ist. Ich habe gar nicht die Zeit, mich so intensiv ums Kochen und die Ernährung zu kümmern. Nur nichts überstürzen, ist meine Devise. Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Gedanken kreisen in meinem Kopf, während ich mir passende Unterlagen aus dem Internet ausdrucke.
Bei meinem nächsten Einkauf schleppe ich kiloweise Gemüse heim, die noch vorhandenen Süßigkeiten verschenke ich an die Nachbarskinder und die Limonaden verbanne ich aus der Speisekammer. Natürlich habe ich auch gelesen, dass ohne eine ausreichende Eiweißzufuhr Abnehmen nicht funktionieren kann.
Hüttenkäse und Thunfisch im eigenen Saft, Putenbrust und Hühnerfilet füllen von nun an meinen Kühlschrank. Für die Tage und Zeiten, in denen ich ziemlich sicher nicht kochen werde, weil ich nicht zu Hause bin, habe ich mir eine große Dose Eiweißpulver mit Schokogeschmack besorgt. Mit Milch vermischt, ergibt das eine sättigende Mahlzeit, habe ich gelesen.

Ambitioniert gehe ich an die Sache ran und verspeise täglich die eingekauften Lebensmittel. Es klingt ja alles recht und schön. Aber gut schmecken oder gar ein Genuss, das ist etwas ganz anderes. Immer wieder bezweifle ich, ob meine Versuche wirklich Sinn machen. Ich bemühe mich. Kann ja nicht so schwer sein, anders oder weniger zu essen.
Oder doch? Ist das jetzt wirklich alles, was auf den Tisch kommen soll?
Wieder und wieder machen mir meine Gedanken das Leben schwer, indem sie meine momentan vorhandene Motivation in den Keller ziehen.
Aber als ein von Natur aus sturer Mensch, lasse ich mich nicht so schnell beirren. Wenn ich mir einmal etwas vorgenommen habe, ziehe ich das auch mit allen Konsequenzen durch. Schon oft in meinem Leben stand ich mir aufgrund meiner Verbissenheit selbst im Weg. Rückschläge, die ganz normal sind, tun mir doppelt weh. Aber: Ich habe meine Ziele wohl auch gerade deshalb alle erreicht. Trotzdem ich es gar nicht mag, esse ich entschlossen morgens Joghurt mit Früchten, mittags Putenschnitzel mit Salat (ohne Öl) und abends eine Dose Thunfisch. Das kann ja wohl nicht so schwer sein, in jedem Magazin sieht man, wie es die Promis machen. Auf Brot und andere Kohlenhydrate verzichte ich erst mal ganz. Es soll ja richtig gut losgehen mit meiner Abnahme. Energiegeladen und euphorisch nehme ich mir vor, diesmal mein Wunschgewicht zu erreichen. Schließlich will ich dem Doktor beweisen, dass ich das auch ohne seine Hilfe kann. Drei Monate sind absehbar!
Soweit meine Vorsätze.

Nachdenklich bin ich wieder einmal dabei, meinen Joghurt anzurühren, auch habe ich einen Apfel aufgerieben und mir ein paar Wal¬nusshälften hergerichtet. Ich setze mich an den Frühstückstisch, den Kaffee verkneife ich mir seit ein paar Tagen, weil ich ohnehin im Büro noch mindestens zwei Tassen, und damit meine ich so richtig große Tassen, trinke. Ein halber Liter Wasser steht neben meinem Müsli. Es ist erst der dritte Tag meines neuen Essverhaltens und schon sitze ich frustriert vor meiner Schale und denke darüber nach, wie lange ich das wohl durchhalten werde.
Langsam realisiere ich, dass ich nicht nur für mich alleine zu sorgen habe, sondern dass mein lieber Gatte gar nicht begeistert davon sein wird, wenn es von nun an haufenweise „Grünzeugs“ auf dem Teller gibt. Noch ist er auf Kur und ich muss nur mich selbst versorgen. Gnadenfrist! Er ist aber der totale Fleischtiger, der nie genug Fett bekommen kann, Gemüse erkennt er maximal als Dekoration. Er will nicht abnehmen, weil er, als sportlicher Typ, ohnehin sein Idealgewicht hat. Wahrscheinlich werde ich, wohl oder übel, immer zwei Gerichte kochen müssen, denke ich mir, nicht gerade aufgebaut von dieser Tatsache. Meine Mundwinkel verziehen sich sofort nach unten. Ach du heiliger Bimbam…, das kann ja was werden.

Während ich so dahinsinnierend meinen Joghurt esse, drängen sich wieder vorlaute Gedanken in mein Bewusstsein. Sie sind wie ein kleines Kind, das immer dazwischenplappert. Aber diesmal sind es mehr als nur vorbeiziehende Gedanken. Diesmal hören sie sich an wie eine innere Stimme, wie jemand, der wirklich anwesend ist. Keine angenehme Stimme, nein, sie ist herrisch, aufdringlich und laut. Und noch schlimmer, sie mault mich mit einem drohenden Unterton an: „Wann gedenkst du mal wieder etwas Normales zu frühstücken? Immer dieser weiße Matsch, was soll das denn, hast du plötzlich deinen Verstand verloren? Was ist mit dir los?“
Ich zucke zusammen, ähnlich wie ein Kind, das beschimpft wird und nicht genau weiß, warum.
Ich schüttle den Kopf und esse weiter. Aber heute schmeckt mir gar nichts. Erste Zweifel kommen auf, ob ich das je schaffen werde. Ich strauchle ja schon am dritten Tag.
Wieder meldet sich die Stimme in meinem Kopf zu Wort. Diesmal aber merklich freundlicher.
„Warum schmierst du dir nicht dein geliebtes Marmeladenbrot mit viel Butter drunter? Das schmeckt dir ja so gut. Warum bestrafst du dich denn plötzlich, bis jetzt ist es so gut gelaufen mit uns zweien. Wir waren beide immer so zufrieden mit unserem bisherigen Leben. Nur wenn du satt bist, bist du gut drauf und erträglich. Es ist doch dein Leben, der Doktor soll doch sagen, was er will.“
„Wer bist du eigentlich, was willst du von mir“, frage ich verwirrt laut in den Raum hinein. In diesem Moment wird mir klar, was sich da in mir regt. Dieses aufdringliche Wesen, diese Stimme, kann nur der viel besprochene innere Schweinehund sein. Es fällt mir wie Schuppen von den Augen: Es gibt ihn tatsächlich.
Er ist es, der dieses Wirrwarr in meinem Kopf verursacht. Diese Gedanken, die permanent da sind, die allem, was ich gerade tue, fühle oder mir vornehme, etwas entgegenzusetzen haben. Zum ersten Mal nehme ich ihn bewusst wahr. Er macht mir Angst, er ist groß, wuchtig, schwer, behäbig, knurrend und grantig und er ist sicher schon das ganze Leben lang bei mir, aber ich habe ihn noch nie so sehr und so nahe ins Bewusstsein gelassen. Oder anders gesagt, ich war ihm die ganzen Jahre hörig, habe immer getan, was er wollte, somit ist er mir nie negativ aufgefallen.

Genau jetzt, wo ich in dieser Hinsicht das erste Mal wirklich gute und ernst gemeinte Vorsätze habe, die ich mit voller Kraft umsetzen will, drängt er sich mir einfach ungefragt auf. Na, das kann ja heiter werden. ER will etwas anderes als ich. Das bedeutet Konfrontation, Widerstand, Krieg.
Erstmalig in meinem Leben denke ich bewusst darüber nach, was er eigentlich darstellt. Hat diesen inneren Schweinehund jeder oder ist er nur in meinen Gedanken? Was macht er mit mir? Was ist er? Wozu ist er da? Brauche ich ihn? Braucht er mich? Kann ich ihn einfach irgendwo abgeben? Gibt es Tierheime für lästige, aufdringliche Schweinehunde?
Da ich ja nicht annehme, dass ich eine gespaltene Persönlichkeit bin oder ein wahrhaftes zweites Ich in mir wohnt, kann es nur sein, dass er tatsächlich ein Teil von mir ist. So etwas wie mein Unbewusstes, das immer da ist.
Dieses Unterbewusstsein in Gestalt meines Schweinehundes, der mich beschützen will, weil es ihm nicht guttut, bequeme Wege zu verlassen, Gewohntes aufzugeben, gegen die Vorstellungen anderer anzukämpfen.
Nein, er ist nicht von Grund auf böse. Er meint es gut mit mir. Es ist anstrengend für uns beide, neue Wege zu gehen. Darum verteidigt er seine Position und reagiert ab und zu unglaublich stur. Er kann sogar zur blutrünstigen Bestie mutieren, die mit aller Gewalt dafür kämpft, seine Macht nicht abgeben zu müssen. Dann wieder ist er wie eine schmeichelnde Schmusekatze, die mir in all meinen Gedankengängen recht gibt, natürlich immer, um SEIN Ziel zu verfolgen.
Ich kämpfe jetzt also nicht nur mit meinem Übergewicht, sondern auch mit meinem Unterbewusstsein!
Aber kann ich gegen mich selbst kämpfen? Das macht doch keinen Sinn. Wie kann ich gegen mich kämpfen, ohne dass ich immer der Verlierer bin? Ich muss versuchen, ihn zu meinem Verbündeten zu machen, zu meinem Freund. Mit Freunden kann man immer wieder einmal Meinungsverschiedenheiten haben, aber am Ende zieht man doch an einem Strang.
Ich nehme mir vor, dass „ER“ mich nicht bezwingen wird. Ich werde ihn zähmen. Wir werden einen gemeinsamen Weg finden. Dafür muss ich ihn mir aber als Individuum vorstellen können, ihm ein Bild zuordnen, mit dem ich ihn assoziieren kann. Ich will ihn beim Namen nennen und ich muss mich den Diskussionen mit ihm auf Augenhöhe und persönlich stellen können.
Gesagt, getan. Von nun an heißt er Seppl. Eigentlich ein viel zu lieblicher Name für diese blutrünstige Bestie, die mit hochgezogenen Lefzen vor meinem geistigen Auge steht. Noch scheint er mir gar nicht freundlich ge¬sinnt zu sein.
Furchterregend und nicht wie ein liebenswertes Schmusehündchen starrt er mir entgegen.
Aber warte nur. Ich werde dich erziehen und du wirst mir eines Tages treu ergeben zu Füßen liegen.
Ich habe auch eine „reale“ Hündin. Sie ist gut erzogen, schaut zu uns auf und liebt uns so, wie wir sind. Sie ist eine durch und durch treue Seele und immer an unserer Seite.
Was habe ich damals getan, als wir sie bekommen haben? Sie war ein Welpe, nicht stubenrein und sehr verspielt. Sie hat damals in ihren Sturm- und Drangzeiten natürlich auch viel Schaden angerichtet. Kein Schuh, kein Wäschestück war vor ihr sicher, die Türen mussten versperrt werden, damit sie sich nicht selbst eine zusätzliche Futterration zugeteilt oder es sich im Bett gemütlich gemacht hat. Es brauchte viel Geduld und Liebe, um sie zu erziehen. Nur wenn es darum geht, dass der Hund raus muss, rufe ich meinen Mann und sage zu ihm: „Dein Hund muss raus.“ Was bin ich froh, dass er diesen Part der Hundeerziehung übernimmt. Viel zu anstrengend!

Ich muss es also schaffen, auch Seppl mit Liebe und Geduld zu dem inneren Haustier zu machen, das ich haben will.

Jetzt ist mir klar, dass mein „Projekt Abnehmen“ nicht mit Joghurt und Putenschnitzel zu erledigen ist. Es gehört offenbar sehr viel mehr dazu. Nicht nur meine Einstellung zu vielen Dingen muss ich verändern, auch die direkte Auseinandersetzung mit meinem Seppl ist unausweichlich. Er muss zu meinem Freund und Partner werden, der brav neben mir an der Leine geht und lieb zu mir aufschaut. Er muss zu jemandem werden, der mich unterstützt und nicht gegen mich arbeitet, er muss mein Kumpel werden, der mit mir durch dick und dünn geht. Es reicht also nicht, wenn ich sage: „Ich werde in drei Monaten zehn Kilo¬gramm weniger wiegen, weil es mein Arzt befohlen hat.“ Was ich brauche, ist eine Strategie und ein Konzept. Ich brauche einen Plan, und zwar einen ganzheitlichen, einen solchen, der alles miteinschließt. Die Ernährung, die verändert werden muss, meine Gewohnheiten, die im Moment noch nicht mit der Flut der Veränderungen einverstanden sind, und - last but not least - wohl auch meine Einstellung zur Bewegung.