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Buch
Geschrieben von  Mandy Schur Mandy Schur Geschrieben,  21-05-2020 07:30 21-05-2020 07:30 171  Gelesen 171 Gelesen
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"Mein Ungarn - Licht und Schatten" Ein Ungarn-Ratgeber vom Insider Cornelia Rückriegel.



Dieses Buch entführt den Leser in das Land der Magyaren. Es beschreibt heiter und manchmal nachdenklich, was einem als Urlaubsgast oder als Einwanderer in Ungarn so alles widerfahren kann. Auch ein kleiner Ausflug in die Geschichte des Landes darf nicht fehlen.

Fröhliches, Schönes – auch weniger Erfreuliches, Licht und Schatten…aber im Land der Lebenskünstler überwiegen die Sonnenstunden.

Es ist ein sehr persönliches Buch aus der Feder einer Autorin, die Ungarn sehr gut kennt und auf viele bewegte Jahre in ihrer geliebten Puszta zurückblicken kann. Lassen Sie sich mitreißen von der Liebe der Autorin zu ihrer Wahlheimat, die in diesem Buch zum Ausdruck kommt.



Leseprobe:



Vorwort

Ungarn. Puszta. Das Reiterland. Das Land der Pferde. Unendliche Weite. Freiheit. Paprika und Piroschka. Feuriger Tokajer und rasanter Csárdás.
Noch mehr Klischees gefällig? Noch mehr Kitsch? Dann lest woanders weiter.
Hier geht es um das reale Ungarn. Wunderschön. Gastfreundlich. Brutal langweilig und öde, feindlich.
Feige Verbrechen und überwältigende Freundschaft. Geniale Menschen, total anders. Wir haben alles erlebt. Das Gute und das Böse. Das Böse schockiert, das Gute löscht das Böse aus.
Übrig bleibt die Liebe zu dem Land. Ungarn ist so anders, als es besungen wird. Und es ist so schön....


Der Traum von Ungarn

Ich verstehe nichts von Politik. Ich kümmere mich auch nicht darum. Ich habe ständig das Gefühl, doch nichts ändern zu können. Als treuer deutscher Staatsbürger gehe ich natürlich brav zu den Wahlen – aber hinterher habe ich immer das Gefühl, damit nichts Weltbewegendes bewirkt zu haben. Und so wuchs langsam, aber beständig der Wunsch, einfach auszubrechen aus dem Trott.
Was ganz anderes machen. Weggehen. (Anmerkung: Das war im Jahre 1998) Wohin? Reiterland Ungarn. Schon als Kind für mich ein Traum. Ein Traum, den der Gefährte teilt.
Auch er, vermutlich von mir infiziert, ein Ungarn-Fan.
Also, auf zu neuen Ufern. Bei der Schulabschluss-Feier meiner Tochter sprang mir ein Spruchband förmlich ins Auge: „Auf zu neuen Ufern! Wo kämen wir hin, wenn jeder sagen würde, wo kämen wir hin..... und keiner ginge, um zu sehen, wo wir hinkämen.....Auf zu neuen Ufern...“ Ein Aufruf an junge Leute. Völlig daneben. Wer im Leben noch nicht seinen Platz gefunden hat, kann auch keine neue Ufer suchen, der dümpelt immer noch auf der Suche nach dem Standbein herum, das er zwangsläufig für den Absprung braucht. Aber wir, die das Standbein haben, wir sind zu feige oder zu bequem, den Sprung zu versuchen. Dabei – wer sonst sollte springen? Wer sonst sollte sie suchen, die neuen Ufer?
Bei mir schlug der Blitz zwischen einem gebrauchten Westernsattel und der Suche nach einer Reitbeteiligung ein. Im Kleinanzeigenteil einer Reiterzeitschrift entdeckte ich das Angebot, das mein Leben verändern sollte: „Reiterferien in Südungarn. Kleines Ferienhaus, entzückendes Ambiente, familiäre Atmosphäre.....“
Wir betreiben einen kleinen Reiterhof. In zäher, nervenaufreibender, jahrelanger Arbeit aufgebaut.
Urlaub ist Fremdwort. Nach vielen, vielen Jahren können wir erstmals an Urlaub denken. Treue Freunde werden eine Woche Dienst schieben und die Pferde versorgen, der Reitbetrieb hat auch Pause, wir können uns eine knappe Woche Ungarn gönnen. Ungarn, ein Traum, seit mir der Vater das Lied von der „Julischka mit dem Herz aus Paprika“ auf dem Akkordeon vorspielte. Und vollends zur Sehnsucht geworden, als ich den Film „Ich denke oft an Piroschka“ gesehen hatte. Auch die „Sissi- Filme“ trugen nicht wenig zur Verherrlichung bei.
Treu Deutsch und von Pflichtbewusstsein erfüllt buchte ich zunächst mal einen Volkshochschulkurs „Ungarisch für Ausländer“. So ganz ohne Sprachkenntnisse wollte ich doch nicht ins östliche Europa reisen. Zumindest „Guten Abend, gibt es hier ein freies Zimmer“... oder so was Ähnliches wollte ich schon sagen können. Und das erste Wunder geschah. Es gab nicht nur auf Anhieb einen Platz in einem Kurs bei der weltbesten Lehrerin, sondern ich, der alle Lehrer in der Schule katastrophales Sprachtalent bescheinigt hatten, ich entwickelte in den Jahren, in denen man landläufig als nicht mehr ganz so lernfähig eingestuft wird, ein absolut überraschendes Sprachtalent für die ungarische Sprache. Angeberisch schob ich das gern auf irgendwelche verschüttet gegangene ungarische, geheimnisumwitterte Vorfahren – nun, hier wollen wir bei der Wahrheit bleiben. Es ist vielleicht möglich, dass ein Teil meiner Familie aus Ungarn stammt, aber das ist lange her, mal so locker um die 300 Jahre. Und es ist eigentlich auch nur so eine Art Familienlegende. Bewiesen ist das nicht.
Ich denke, meine Fortschritte im Ungarischlernen basierten einfach auf dem Interesse, das ich der Sprache und dem Unterricht entgegenbrachte. Und der Tatsache, dass sich meine Lehrerin und ich uns in unserer Art des Lehrens und des Lernens einfach genial entgegenkamen. Andere Kursteilnehmer äußerten sich weitaus weniger euphorisch über Kati. Die lagen vielleicht einfach nicht auf der „Lernlinie“. Ich habe dieser Frau jedenfalls unendlich viel zu verdanken. Wie oft schon wurde ich in Ungarn für eine Ungarin gehalten (schmeichelhaft)! Das liegt nur zum Teil an den dunklen Haaren, eher an dem „schönen“ Ungarisch, das ich mittlerweile spreche... Ich weiß, dass es mangelhaft ist, aber die Ungarn fallen von einer Begeisterung in die andere, wenn ich erkläre, dass ich aus Deutschland komme – aber dann Ungarisch spreche....Das finden sie alle total super. Und Sprachschnitzer werden großzügig übersehen, zum Glück.


Wie ich Ungarn kennenlernte

In unserem allerersten Ungarnbesuch hatte ich allerdings nicht so richtig Gelegenheit, meine frisch erworbenen Sprachkenntnisse anzubringen. Wir hatten ein verlängertes Wochenende in Wien gebucht, mit Hofreitschulvorstellung, da wir natürlich auch Lipizzaner-Fans sind. Und da war ein Abstecher nach Ungarn unvermeidlich. Mit der Naivität der Unkundigen, die immer einen besonderen Schutzengel haben, holten wir nach einer entspannenden Bahnfahrt in Wien unseren Leihwagen ab und gondelten zum Balaton. Spät abends erst erreichten wir das ungarische Meer. Ich habe Jahre gebraucht, um endlich einzusehen, dass Kartenkilometer in Ungarn längere Fahrzeiten als die Kartenkilometer in Deutschland erfordern.... das liegt an den Straßen...
Daher konnte ich den Plattensee leider erst im Morgengrauen begrüßen. Es war dennoch eindrucksvoll. Diese riesige Wasserfläche, der größte Binnensee Mitteleuropas, lässt mich begreifen, warum der Balaton auch das ungarische Meer genannt wird. Und ich war in Ungarn!!! Zum ersten Mal! Die Luft schmeckte anders. Das Licht war anders. Alles SCHÖN! Diesig schwimmt eine blasse Wintersonne am hellgrauen Himmel, träge und dunkel plätschert das Wasser, umspielt die Hafenmole. Ein paar Seevögel schaukeln gemächlich auf den weichen Wellen.
Es ist noch sehr früh, als ich in Siófok am Hafen stehe und das herrliche Bild in mich einsauge.
Ungehindert fliegt der Blick bis an jenseitige Ufer, die Halbinsel Tihany mit ihren markanten Kirchtürmen schiebt sich weit in den See hinein. Trotz der frühen Stunde sind schon Boote unterwegs, vermutlich Fischer. Die sanften Hügel am Nordufer gehen weiter im Südwesten in hohe Berge über, den imponierendsten von ihnen, den Badacsony, kann ich allerdings von meinem Standort aus nicht sehen. Aber ich sehe die Anhöhen, die hinter Balatonfüred ansteigen, und ich bestaune den riesigen Bogen, den der See zwischen Balatonvilagos und Balatonalmádi beschreibt.
In Anbetracht des teuren Wiener Pflasters war in Ungarn jedoch Sparflamme angesagt. Also suchten wir uns am Abend eine kleine, nicht wirklich anspruchsvolle Herberge. Für einen Spottpreis durften wir in einer gemütlich ausgebauten Dachkammer übernachten, die Betten sehr bequem, Dusche und WC in der nächstunteren Etage, über Hühnerleiter zu erreichen. Alles kein Thema. Wie gesagt, spottbillig, sehr sauber, na, da kann ich halt keine Suite mit Kabel-TV erwarten, oder? Aber es war Abend und wir hatten Hunger. In der Pension gibt´s nur Frühstück. Für den Abend werden die Gäste an nahegelegene Restaurants verwiesen. So sind wir im Hotel Janus gelandet. Keine Garantie für heutige Reisende, okay? Es ist schon ein paar Jahre her, als wir uns dort einfanden.
Aber wir waren überwältigt. So ein schönes Haus! Allererste Sahne! Und das Essen! Ein Traum! Die „feurige“ Soße zum Zanderfilet hätte mich vielleicht warnen sollen, egal, wir sind in Ungarn, da darf es auch mal feurig sein! Der Fisch war echt einsame Spitze, die Soße war für meinen hessische Kartoffelsuppe gewöhnten Gaumen eine Spur zu feurig, na, selbst schuld. Ich hätte ja auch um etwas weniger Feuer bitten können...... Am nächsten Morgen hieß es schon Abschied nehmen vom Balaton und wenig später auch von Ungarn, wir ließen uns noch ein paar Stunden von den weißen Hengsten in der Wiener Hofreitschule verzaubern, dann ging´s wieder nach Hause. Doch ich hatte mich restlos verliebt. UNGARN. Muss sein!
Kaum wieder zu Hause, stöberte ich schon die längst ausgelesenen Reiterzeitschriften durch.
Irgendwo muss doch.... Ja, und da ist sie! Die Anzeige! Das Ferienhaus in der Puszta! Eine sympathische Frauenstimme meldet sich. Wir kommen sofort ins Schwätzen. (Das geht uns auch heute noch so. Wir haben beide eigentlich überhaupt keine Zeit, aber wenn wir so ein-, zweimal im Jahr miteinander telefonieren, ist es richtig gemütlich!) Prima, für die einzige Woche, in der unser heißersehnter Urlaub überhaupt stattfinden kann, zwischen Schul- und Reiterferien sowie Kindergartenterminen eingezwängt – da hat die Ursula in ihrem Ferienhaus noch Plätze frei. Na, wenn das nicht Glück ist!
Und nun begann die große Campagne des Organisierens. Wie beneidete ich damals die Leute, die einfach den Wohnungsschlüssel bei der Nachbarin abgeben können, mit der freundlichen Bitte, alle zwei Tage mal die Topfblumen zu gießen.... Bei uns mussten 24 Pferde (und Ponys), zwei Hunde, fünf Katzen und ein ganzer Reiterhof zur Betreuung abgegeben werden. Such da mal jemanden, der das freiwillig und außerdem noch zuverlässig übernimmt! Viel Spaß!
Außerdem muckte der Senator mal wieder ganz fürchterlich. Den alten Herrn hatte ich meinem Papa aus Firmenbeständen abgekauft. Da finanztechnisch abgeschrieben, sollte er auch wirklich abgeschrieben werden, sprich auf den Schrott. Nun hatte ich viele Jahre meiner „bürgerlichen“ (nicht Ponyhof) Laufbahn unter anderem mit diesem Senator verbracht, hatte viele Kilometer mit ihm gefressen, hatte Besorgungen erledigt sowie hochkarätige Firmenpartner des Papas mit der Karosse befördert- und nun auf den Schrott? Ich meuterte ganz gewaltig. So gewaltig, dass mir der Papa das Schiff verkaufte. Das war er mir einfach wert. Nur mir. Jeder andere sagte: „Bist du noch ganz dicht? Was willst Du denn mit so einem Auto? Der frisst dich doch auf, Steuer, Versicherung, Sprit – und die Reparaturen....“ Sicher hatten sie alle Recht. Aber ich liebte dieses Auto. Und er hat mich nie enttäuscht. Als wir uns dann wegen unheilbaren Leiden seinerseits doch irgendwann trennen mussten, war es furchtbar für mich. Er war wie ein Kumpel. Mit Marotten und Schrullen, aber ich hatte ja gelernt, damit zu leben. Und das Fahrgefühl.... das hat mir kein anderes Auto wiedergeben können.
Ab und zu war ich allerdings auch nahe daran, ihn auf den Schrott zu schmeißen. Zum Beispiel an diesem Ferienmorgen. Brav hatte ich ihn vor dem Urlaub in die Werkstatt gegeben. „Rundumcheck.“
„Machen wir!“ Ergebnis des Checks: „Naja, soweit alles okay, aber doch schon sehr überaltert.“ „Das heißt?“ „Na, TÜV hat er noch ein Jahr, das ist in Ordnung, aber wie lange das ganze Teil noch durchhält...“ „Mach mich nicht schwach. Ich will nächste Woche mit dem Wagen in den Urlaub fahren!“ „Ist okay. Wo soll´s denn hingehen, bayrischer Wald oder so?“ „ Nö, so 3000 Kilometer, ungarische Puszta und zurück....“ Der Monteur schwieg bedeutungsvoll. Ich schwang mich mit hochgereckter Nase hinter das Steuer meines verkannten Genies, der mal einen seiner lichten Momente hatte und ganz aristokratisch dezent summend vom Hof rollte, ohne mich zu blamieren. Er hatte unbestritten ein Gespür für die richtigen Szenen.
Wenn er mich auch im Hof der Autowerkstatt nicht blamierte, so holte er das wenige Tage später nach. Alles fertig. Alles gepackt. Der aristokratische Senator sah eher aus wie ein Billig-Touristenbus.
Das muss ihm schwer missfallen haben. Bis zum Rand gefüllt mit Koffern, Taschen, Spielzeug- Rucksäcken, Plastik-Tüten (lassen sich sehr platzsparend verstauen!) und vier reiselustigen Insassen sagte er plötzlich: „NÖ!“ Und tat einfach keinen Mucks mehr.
Der hysterisch herbeigerufene Helfer (Ehemann von Hofvertretung Helen – such doch mal am Ostersonntagmorgen einen Monteur!) wackelte ziemlich ratlos an einigen Kabeln, und hustend, spuckend und widerwillig trat der Oldie seinen Dienst an. Das hat uns dann auf der ganzen Reise begleitet. Wenn der Senator mal wieder bockte, musste nur einer von uns fluchend und mit der widerlichen Androhung „Schrottplatz“ an irgendwelchen Kabeln wackeln und ruckeln, schon ging´s mal wieder die nächsten 200 Kilometer. Ein wirklich behagliches Reisegefühl kommt dabei nicht auf.
Zunächst ging es zu einem Abstecher nach Piber in der Steiermark, wo seit 1918 die österreichischen Lipizzaner nach dem Krieg, an dem das alte Österreich zerbrach, eine neue Heimat gefunden haben.
Hier lebt er weiter, Österreichs ältester Pferdadel, von Pferdeliebhabern und -kennern in der ganzen Welt bewundert. Nachdem wir uns satt gesehen hatten, die Stuten und Fohlen in den Laufställen und die Hengste in ihren feudalen Boxen besucht hatten, gab es nun kein Halten mehr. UNGARN. Von Piber aus nicht wirklich weit. Aber der Sprung von der Steiermark ins westungarische Hügelland war schon enorm. Fast abrupt der Wechsel zwischen felsigen Gipfeln, grandioser Fernsicht und sanfter Hügellandschaft, von schmalen Flüsschen durchzogen. Nicht überwältigend freundlich die Abfertigung an der Grenze, doch ohne nennenswerte Wartezeit und – vor allem – ohne Probleme.
Also frohgemut endlich durch Ungarn.
Die Strecke zog sich endlos. Wir fraßen Kilometer, einmal warmgelaufen, muckte auch der alte Senator nicht mehr. Aber es wurde immer später und immer dunkler. Zu der Zeit, zu der wir eigentlich in der Puszta hätten sein wollen, hatten wir gerade mal den Balaton erreicht. Noch mindestens 2 bis 3 Stunden Fahrt auf unbekannter Strecke mit zwei todmüden, quengelnden Kindern standen uns bevor. Da fassten wir den heldenhaften Entschluss, es mal nicht auf Biegen und Brechen durchzuziehen. Freundlich leuchtete im Licht der Scheinwerfer das Ortsschild „Siófok“ auf, ließ bei uns beiden die Erinnerung an ein komfortables Hotel wach werden .... Wie von selbst fand unser Senator den Weg zum „Hotel Janus“. Und siehe da, sie hatten eine schöne Suite frei. Mir – als Finanzchef – standen bereits beim Wort „Suite“ die Haare zu Berge (Was wird denn das wieder kosten!) – aber egal. Das muss jetzt sein. Weiter können wir nicht mehr.
Die freundliche Dame in der Rezeption ruft für uns in der Puszta an, dass wir erst am nächsten Tag dort eintreffen werden. So, auch das wäre erledigt. Aufatmend lassen wir uns im Restaurant nieder.
Und lassen uns verwöhnen. Wieder so lecker! Und so kinderfreundlich. Ist man (ehrlich gesagt) aus Deutschland nicht überall gewohnt. Auch dass der Hotelmanager persönlich in der Suite auftaucht, weil die Gäste nicht so richtig mit der Fernbedienung des TV zurechtkommen und uns einen Schnellkurs gibt, finden wir echt kundenfreundlich. Und das Frühstücksbüffet, das uns der Sorge um das Mittagsessen enthebt...Einfach Spitze, der Laden!
Daher war ich echt persönlich gekränkt, als ich am Vormittag beim Beladen des Autos mit einem anderen Gast aus Deutschland ins Gespräch kam. Sein Urteil lautete: „Für ungarische Verhältnisse annehmbar...“ Ich war im Namen des Hotels schwer beleidigt. Da zahlen sie ein Viertel von den in Deutschland üblichen Preisen und erwarten den Champagner-Springbrunnen im Appartement. Zum Davonlaufen, wirklich! Es ist mir übrigens in Ungarn schon öfter so gegangen, dass ich mich für meine Landsleute schämte....
Nach mehrstündiger, gemütlicher Fahrt durch fremdartig anmutende Landschaft und über die Donaubrücke – es beeindruckt mich immer wieder, wie irrsinnig breit dieser Strom ist! – erreichten wir die alte Handelsstadt der Bauern in der Tiefebene, Kecskemét, was so viel wie „Ziegengang“ heißen soll. Klar, kecske heißt Ziege, aber das „mét“ hat mir noch keiner schlüssig erklären können.
Lassen wir also die Erklärung aus dem Baedeker so gelten. Als wir zum ersten Mal dort ankamen, gab es noch keine Umgehungsstraße, die Autobahn, die heute die Stadt elegant umrundet, war erst in Planung. Wir rollten im nachmittäglichen Stoßverkehr durch die 100.000-Einwohnerstadt.
Ortsfremd, landesfremd und sprachunkundig. Es spricht für unseren Spürsinn und für die gute Beschilderung, dass wir doch inmitten der fremden Stadt die richtige Abzweigung in die Puszta erwischten.
Am Nachmittag erreichten wir endlich unser Urlaubsdomizil – und waren bezaubert. Außerhalb des Dorfes, doch in Sichtweite der Nachbarn gelegen, bot das in altem Stil getreulich restaurierte Bauernhaus genau die Gemütlichkeit, die wir uns erträumt hatten. Eine Wohnstube, eine Küche, zwei Schlafzimmer, Dusche und WC, eine entzückende Veranda – und ganz viel Platz für die Kinder.
Eingerichtet war es mit Möbeln, die die Besitzerin in liebevoller Kleinarbeit auf den Bauern- und Antik-Märkten zusammengetragen hatte, so ganz gediegen und an die „gute, alte Zeit“ erinnernd.
Allein der Kachelofen war ein Traum! Und da der Verwalter Béla ein zwar drolliges, aber durchaus verständliches Deutsch sprach, waren auch Verständigungsprobleme von vornherein ausgeschlossen.
Wir fingen an, uns einzurichten, als wollten wir nie wieder fortgehen.....
Und die Kladde im Wohnzimmer: ein „Herzlich Willkommen an unsere Gäste“ – mit Ideen und Anregungen, mit Routenvorschlägen für Ausflüge und Insider-Tipps für die besten Restaurants – einfach genial. Ich kannte unsere Gastgeberin nur vom Telefon, aber ich begann, sie zu lieben. Sie machte sich so eine Mühe für ihre Gäste, damit die sich nur richtig wohl fühlen können. Fand ich echt lieb. Heute kann ich das, was ich damals nur so aus dem Gefühl erkannte, erst richtig würdigen.
Wer einfach als „Tourist“ in der Puszta strandet, ist hoffnungslos aufgeschmissen. Er wird zu den „Touri-Zentren“ gekarrt, bekommt Ungarn im Pauschal-Angebot. Auch das ist schön. (Wenn man das haben will.) Womit wir wieder bei Paprika, Piroschka und Palinka angekommen sind. Ungarn hat so unendlich viel mehr zu bieten. Aber man muss es suchen. Und nicht pauschal.



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Lesermeinung:

Ein Muss für jeden Ungarnfan. Dieses Buch geht weit über die Seebäder am Balaton hinaus, hinaus in die Puszta und berichtet vom wirklichen Ungarn. Es gibt mit vielen Geschichten und Anekdoten Einblick ins ungarische Leben und dem Alltag aber auch eine Fülle von Tipps für den Urlauber, der Land und Leute kennenlernen möchte. Erzählt und berichtet wird viel über Ungarn, im Allgemeinen von Urlaubern, die nur einen klitzekleinen Teil Ungarns kennengelernt haben und oftmals nicht aus ihren Urlaubsorten herausfinden. Lassen Sie sich überraschen von einer Deutschen, die nach Ungarn ausgewandert ist und mit einem dementsprechenden Hintergrund berichtet. Und alles auf eine lockere und leichte Weise, mit Hintergrund aber nicht zu ernst…