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Buchvorstellung "Überraschungsgeschenke"
Geschrieben von  Mandy Schur Mandy Schur Geschrieben,  14-11-2020 23:00 14-11-2020 23:00 40  Gelesen 40 Gelesen
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"Überraschungsgeschenke" in Liebesroman von Dolores Mey.



Catherine Lorentz beruflich erfolgreich, aber ein bisschen spröde hat ein unaufgeregtes Leben, bis ihre beste Freundin sie bittet, Trauzeugin zu sein. Erst ein unbeabsichtigter Friseurbesuch und die Entrümpelung ihres Kleiderschrankes heben ihre geordnete Welt aus den Fugen und holen sie aus dem Schneckenhaus, in das sie sich nach einer herben Bruchlandung in Sachen Liebe verzogen hat. Aber auch die Planung des Hochzeitsgeschenks gestaltet sich mühsam. Muss sie sich doch mit Tom, dem ebenso ungehobelten wie attraktiven Trauzeugen des Bräutigams arrangieren. Tom bekommt allergische Reaktionen, wenn er nur an Familienfeste denkt. Cathi möchte das Brautpaar mit einer Hochzeitszeitung überraschen, und glaubt, wie gewohnt strategisch vorgehen zu können. Allerdings hat sie das Gefühlschaos unterschätzt, das sie überrollt, als sie bemerkt, wie sehr Tom ihr unter die Haut geht. All ihre bewährten Schutzmechanismen brechen in Toms Gegenwart zusammen. Tom hingegen scheint kein Interesse an ihr zu haben, obwohl sich sein Benehmen bessert. Erst, als sein Spezialfreund Adrian ein Auge auf Cathi geworfen hat, wird er aktiv. Mit ihm hat er noch eine ganz alte Rechnung offen. Auf der Hochzeit treffen sich die beiden das erste Mal seit Jahren wieder. Tom wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert, von der Cathi noch nichts weiß ....



Leseprobe:



Der klirrend kalte Nordwind blies Catherine Lorentz ins Gesicht, als sie die Haustür hinter sich schloss und vorsichtig den vereisten Weg entlang, zur Frankfurter Straße ging. Bis zur Straßenbahnhaltestelle war es nicht weit. Von da aus konnte man den Weinberg sehen. Die felsige Anhöhe ragte, inmitten der Kasseler Innenstadt, in den olkenverhangenen diesigen Morgenhimmel, der wenig Hoffnung auf einen sonnigen Wintertag machte. Allmählich fing die Stadt an, wach zu werden. Ohne Babs Anruf, hätte sie keinen Fuß vor die Tür gesetzt. Es musste wichtig sein, wenn sich ihre Freundin mit ihr zum Frühstück treffen wollte. An einem Samstag. Wo ihr doch sonst das Ausschlafen am Wochenende so heilig war. Bei jedem Schritt knirschte der gefrorene Schnee unter ihren Stiefeln. Der Frost ließ den Februar nicht aus seinen Krallen. Cathi, so wurde sie von den meisten gerufen, konnte sich nicht erinnern, wann es zuletzt eine so lang anhaltende Kälte gab. Im kommenden September stand ihr 30. Geburtstag an, und in ihrer Erinnerung, fand die weiße Pracht nur im jährlichen Skiurlaub in Österreich statt.
An der mit durchsichtigem Kunststoff überdachten Haltestelle angekommen, blickte sie über den immer dichter werdenden Straßenverkehr und atmete tief durch. Dreißig. Das Datum lag ihr schwer im Magen. Nicht wegen des Älterwerdens, nein, das war nicht das Problem. Sie hasste es einfach nur, im Mittelpunkt zu stehen. Doch genau das würde passieren, wenn es zu einer größeren Party käme. Wieso konnte keiner verstehen, dass ihr an dem Brimborium nichts lag. So ist das eben mit runden Geburtstagen, die feiert man, hatte ihre Mutter, Cornelia Lorentz, zu dem Thema nur lachend gemeint. Ich bin aber nun mal nicht so, versuchte Cathi, sich zu rechtfertigen, was aber ohne Wirkung blieb. Cornelia liebte es, zu feiern und Gäste einzuladen. Vor allem genoss sie es, solche "Events" zu planen, um sie dann geradezu zu zelebrieren. Da war es nur logisch, dass sie eine Geburtstagsparty für selbstverständlich hielt. Wenn sie einlud, verdiente sogar jedes schlichte Kaffeetrinken, den Namen Fest. Cathi kam in der Hinsicht so gar nicht nach ihr. Selbst Babs schlug sich bei diesem Thema auf Cornelias Seite und blies mit ihr in ein Horn. Gott sei Dank gingen bis September noch ein paar Tage ins Land. Gut sieben Monate. Cathi stand der Sinn stattdessen, viel mehr nach verreisen. Spontan fiel ihr Südfrankreich ein. Bilder und Erinnerungen, die aus ihrer Jugend stammten, tauchten vor ihrem inneren Auge auf. Schöne und weniger Schöne. Vor allem Bittersüße. Gedankenverloren ging sie vor der menschenleeren Haltestelle auf und ab. Leise pfiff der Wind durch die offenen Stellen, unter und über den Seitenwänden. Nur allein der Gedanke, sich auf die kalten Plastikstühle setzen zu müssen, ließ sie frösteln. Lieber zählte sie Asphaltflecken, die frei getreten, zwischen Rollsplitt und vereister Schneedecke, hervorlugten. Dabei kam ihr die Geburtstagsdebatte mit Babs wieder in den Sinn.
"Mensch, jetzt sei kein Frosch. So eine Party macht doch Spaß. Ich helfe dir beim Organisieren.", hatte Babs sie beschwörend angesehen.
"Aber du kennst mich, ich bin nicht gerade die Ausgeburt einer Stimmungskanone.", konterte Cathi.
"Du musst doch nicht selbst den Clown geben. Dafür gibt es andere."
"Meinst du, das passt zu mir? Auf gar keinen Fall möchte ich eine Fete, auf der das, einzige Highlight die Menükarte und das anschließende Essen ist."
"Blödsinn", rief Babs entrüstet und ließ Cathi erst gar nicht zu Wort kommen.
"Wenn ich dir bei der Planung helfe, gibt es kein Seniorentreffen, da kannst du dich drauf verlassen."
"Okay, ich denke darüber nach."
"Findest du nicht auch, dass es an der Zeit ist, einiges in deinem Leben zu überdenken und zu ändern? Kevin ist es nicht wert, dass du dich so verkriechst. Der runde Geburtstag wäre eine gute Gelegenheit, um endlich einen Schlussstrich unter die ganze Geschichte zu setzen."
Babs eindringlicher Blick, eine Mischung aus Herausforderung und Besorgtheit, stand Cathi bis heute vor Augen. Dass die Freundin mit den, offen ausgesprochenen, Bedenken richtig lag, stand nicht zur Diskussion. Cathi wusste selbst, dass es an der Zeit war, ihr Leben neu in die Hand zu nehmen. Bestimmt würde sie es im umgekehrten Falle genauso machen.
Ehrensache unter besten Freundinnen, ganz klar. Doch Cathi fand einfach keinen Weg aus dem Dilemma. Noch immer verspürte sie nicht den geringsten Drang, abends wieder um die Häuser zu ziehen, auch wenn die Sache mit Kevin bereits mehr als zwei Jahre zurücklag. Sicher, der Schmerz war überwunden, der Katzenjammer überstanden - nur die Angst vor
erneuter Enttäuschung blieb. Cathi liebte es, die Dinge zielstrebig und strategisch anzugehen. Doch für eine derartige Krise ließ sich kein Überwindungsplan erstellen. Allein diese Einsicht war für sie schon schwer genug. Das wusste jeder, der sie näher kannte.
Das Donnern der heranfahrenden Straßenbahn holte sie zurück in die Gegenwart. Verwundert fragte sie sich, wie sie ausgerechnet heute Morgen auf das Thema kam.
Die Nachricht, die Babs ihr auf die Mailbox gesprochen hatte, fiel ihr wieder ein. Dann machte es Klick. Die Stimme. Ja richtig! Ihre Stimme. Genauso aufgeregt hatte sie geklungen, als es um die Debatte wegen des Geburtstags ging.
"Du musst unbedingt kommen! Es ist superdringend. Ich habe Neuigkeiten. Bitte sag alles andere ab, ja!? Am Samstag um 11 im Café Paula. Ich freu mich. Bis dann."
Die Straßenbahn fuhr vor und Cathi stieg in der Mitte ein. Der Wagon war gut gefüllt. Hinter einem blonden, schlaksig wirkenden jungen Mann, der mit Kopfhörern im Ohr im Sitz hing, fand sie schließlich noch einen freien Platz. Aus den kleinen Stöpseln drang unüberhörbar Hip-Hop-Musik, zu der er mit geschlossenen Augen den Kopf im Takt bewegte.
Irgendwie erinnerte der Typ sie an ihren Laborkollegen Stefan. Er war genauso hager. Doktor Stefan Lugner, Anfang dreißig, einerseits verschlossen und wortkarg, konnte andererseits eine ziemliche Nervensäge sein. Wenn er mal redete, versuchte er, witzig zu sein - ironisch witzig. Doch es gelang ihm nur selten, seine Kollegen zum Lachen zu bringen, was einem intelligenten Mann, wie ihm, natürlich nicht entging - weshalb er dann wieder schwieg. Vor ihrem inneren Auge sah sie, wie der schlaksige, dunkelhaarige Mann - er trug meistens übergroße Kittel - durch das Labor schlurfte. Dass er beim Laufen Geräusche verursachte, fiel ihm in seiner Konzentration auf die wesentlichen Dinge - seine Arbeit - gar nicht auf. Aber Bewegung im Allgemeinen war nicht so sein Ding, sinnierte Cathi. Davon, dass er irgendeine Sportart betrieb, hatte er noch nie erzählt. Kein Wunder, so dünn, wie er aussah. Es war wirklich kaum zu glauben, dass sich hinter dieser Fassade ein promovierter Doktor der Chemie verbarg. Ein Genie - ein wandelndes Lexikon. In seinem Fach machte ihm keiner etwas vor.
Cathi hatte es aufgegeben zu ergründen, wie solche extrem verschiedenen Wesenszüge in einer Person nebeneinander existieren konnten. Dennoch empfand sie die Kombination faszinierend. Ruckelnd setzte sich die Bahn in Bewegung. Cathi vergrub die Hände in den Jackentaschen. Gedankenverloren starrte sie nach draußen. Weißgepuderte Bäume und Sträucher zogen vorüber, während die Bahn schwerfällig den Hügel der Innenstadt erklomm. Kurz vor der Haltestelle, am Rathaus, warf sie einen Blick auf ihre Armbanduhr und lächelte. Es blieb noch genug Zeit, um ihrer Lieblingsbeschäftigung nachzugehen.
Wenig später erreichte sie das lichtdurchflutete Einkaufszentrum in der Königsstraße. Warme Luft blies ihr unangenehm ins Gesicht, als sie eilig durch das gläserne Portal lief. Mehrere Etagen voller schicker Geschäfte luden zum Shopping ein. Doch das war nicht das, was Cathi interessierte. Ihre Schritte verstummten auf dem Teppich der Büchergalerie. Sofort fühlte sie sich zu Hause. Da konnte sie einfach nicht widerstehen, auch wenn die Zeit noch so knapp war. Nur mal kurz stöbern.
Zielstrebig ging sie in Richtung der Naturwissenschaften. Albert Einstein war ihr erklärter Favorit, wobei sie weniger die Entdeckungen beeindruckten, sondern vielmehr seine philosophische Ader. Bei den Biographien fand sie, was sie suchte.
Und schon steckte sie mit dem Kopf zwischen den Seiten. Die Welt um sie herum versank. Erst, als der Geräuschpegel im Laden zunahm, sah Cathi erschrocken auf die Uhr. Zwanzig vor elf. Puh, noch mal Glück gehabt. Sie atmete erleichtert auf.
Wie schnell die Zeit verging. Eilig schob sie den dicken Einband wieder zu den anderen und rief sich den Anblick ihres Schreibtischs daheim in Erinnerung. Mindestens fünf ungelesene Wälzer lagen dort aufgestapelt, inmitten von Zeitschriften und Ausdrucken aus dem Internet. Nicht zu vergessen, die Bücher, die sie in die Stadtbibliothek zurückbringen musste. Sie seufzte. Erst vor einem Monat hatte sie ein neues Regal aufgestellt. Babs zog sie regelmäßig damit auf, wenn sie scherzhaft anmerkte, dass Cathi eine Bücherei mit Küche und Bad bewohne.
Notgedrungen hatte Cathi sich deshalb selbst ein Versprechen abgerungen. Keine weiteren Bücher mehr! Auch wenn´s noch so schwerfiel.
Rechtzeitig betrat sie das gut besuchte Café Paula. Gleich im Eingangsbereich befand sich eine stubengroße Nische, die eher einer Bäckerei als einem Café glich. Neben frischen Backwaren gab es auch Kaffee und Kuchen zu kaufen. Vor dem Tresen bildete sich eine Traube von Kunden, und das, obwohl die beiden Bedienungen im Akkord Brötchen in die Tüten packten.
Cathi zwängte sich an den wartenden Leuten vorbei und kam fast augenblicklich wieder zum Stehen. Als sie sich umsah, musste sie feststellen, dass der Andrang zum Café keineswegs geringer war. So schob sie sich mehr stehend als gehend durch die Menge. Wahnsinn, wie viele Menschen Samstagmorgens auswärts frühstückten, dachte sie, als ihr der Duft von frischem Kaffee und warmer Hefe in die Nase drang. Das Wasser lief ihr im Mund zusammen und ihr Magen meldete geräuschvoll Hunger an. Plötzlich, gerade als sie den Reißverschluss ihrer Jacke nach unten zog, berührte sie jemand von hinten an der Schulter und rief ihren Namen. Überrascht drehte sie sich um. Den, vor ihr stehenden, Mann - gut aussehend, mit blauen Augen und blonden kurzem Haar - konnte sie allerdings nur mit einem großen Fragezeichen im Gesicht ansehen.
So einen, vor Kraft strotzenden Typen, kannte sie nicht. Nur seine Stimme kam ihr irgendwie bekannt vor, aber ..
"Du weißt nicht, wer ich bin, stimmt´s?"
"Ich bin´s, Malte", grinste er sie an, "Malte Vogt, erinnerst du dich?"
Cathi machte große Augen und zog die Stirn kraus. Malte? Dann fiel es ihr wieder ein. Natürlich, der Schulfreund ihres älteren Bruder Cedric. Cathi sah ihn ungläubig an. Der kleine dünne Malte. Was war heute nur los. Erst wollte Babs mit ihr an einem Samstagmorgen frühstücken gehen und jetzt Malte. Im Geiste sah sie ihn als Schulkind vor sich. Malte, als ständiger Begleiter ihres Bruders, war gern und oft bei ihnen zuhause gewesen. So oft, dass man den Eindruck haben konnte, dass er sich nur ungern in seinem Elternhaus aufhielt.