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Buchvorstellung "3 Wochen ohne Dich: Das nicht ganz so geheime Tagebuch eines Soldaten"
Geschrieben von  Mandy Schur Mandy Schur Geschrieben,  14-11-2020 23:10 14-11-2020 23:10 38  Gelesen 38 Gelesen
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"3 Wochen ohne Dich: Das nicht ganz so geheime Tagebuch eines Soldaten" Ein Band der Tagebuch-Reihe von Anny Mae.



Tag für Tag sitze ich an Nays Bett und denke darüber nach, wie mein Leben mit ihr hätte sein können. Dann wird mir klar, dass die Realität uns diese Aussicht vernebelt hat und fange an zu heulen, wie ein Mädchen. Was lächerlich ist, denn ich bin fucking noch mal Soldat!
Schon komisch, wie das Leben so spielt. In der einen Minute bist du noch der Goldjunge vom Chef, erfolgsorientiert, zugegebenermaßen ein Aufreißer, der keinen Wert auf eine Beziehung legt ... und im nächsten Moment rennt dich die Frau deiner Träume um. Ab diesem Moment, ist alles aus. Plötzlich hast du andere Prioritäten und willst eine Familie gründen, mit der Frau die du liebst und dann spielt dir das Leben einen widerlichen Streich, zwingt dich, an ihrem Bett zu sitzen, darauf zu warten, dass sie aus dem Koma aufwacht und die Familie die du geplant hast, verhallt im Nirvana.



Leseprobe:



Disturbed knallt durch meine Kopfhörer und lässt keine anderen Geräusche an mich herankommen, als ich wieder meine Runde durch den Park drehe. Die kalte Luft weht mir um die Ohren und sorgt für Kopfschmerzen, aber das ist mir egal. Ich laufe schnell und atme falsch. Auch das ist mir egal. Ich muss mich abreagieren. Ich muss irgendwie meine Wut loswerden. Seit fünf verdammten Tagen, ist Nay dabei aufzuwachen. Oder auch nicht. Man weiß es ja eben nicht ganz genau. Ihre Pupillen reagieren nicht, sie reagiert nicht auf irgendwelche Stimulationen, die Tests und Scans die sie von ihr machen, ergeben keine ausschlaggebende Veränderung und sie macht nicht mal ansatzweise Anstalten, sich zu bewegen, einen Finger zu heben, ihre Atmung zu verändern oder sonst irgendetwas zu tun, das darauf schließen lassen könnte, dass sie wach wird. Noch nie, seit ich sie kenne, war ich so unfassbar wütend auf sie! Sie hat mit Mike gevögelt?! Schön. Was hätte ich machen sollen?! Wir waren nicht zusammen. Wie hätte ich schon reagieren können, ohne anmaßend oder besitzergreifend rüberzukommen. Ich war sauer. Was verständlich ist. Sie hat erfahren, dass sie schwanger war und ihr augenscheinlicher erster Gedanke war, abzutreiben?! Okay. Ich wusste, sie ist kein Familienmensch und dass Karriere ihr wichtiger wäre. Ich war sauer auf sie. Ziemlich sauer. Ich hätte sie an die Wand klatschen können. Aber ich dachte mir, ich verhalte mich erwachsen und lasse ihr ihren Freiraum. Immerhin ist es ihr Körper und ich hätte kein Recht gehabt, sie aufzuhalten. Außerdem war ich mir damals schon sicher, dass ich mein Leben mit ihr verbringen würde und wir sicher zu einem späteren Zeitpunkt das Thema noch mal hätten aufgreifen können. Dann war da auf einmal ihr Ex. Sie wollte ihre Zeit mit ihm verbringen?! Gut. Sie ist Ärztin und hatte keine andere Wahl. Und dann hat sie ihn auch noch geküsst, was mich wirklich unglaublich wütend gemacht hat. Aber wie könnte man ihr schon böse sein, wenn sie nur einem sterbenden Mann seinen letzten Wunsch erfüllt hat. Ungeachtet der Tatsache, dass sie seinetwegen eine riesige Narbe auf dem Rücken hat. Über all diese Dinge habe ich großzügig – meiner Ansicht nach zumindest – hinweggesehen. Ich habe mich, seit ich sie kenne, erwachsener und reifer verhalten, als jemals zuvor in meinem Leben. Drogen, Prügeleien, Nächte in der Ausnüchterungszelle und so weiter. All das ist Vergangenheit und ich frage mich, wieso ich früher so aggressiv war. Dabei bin ich es jetzt genauso. Wenn nicht sogar im dreifachen Ausmaß. Ich bin wütender auf Nayer als jemals zuvor. Wütender, als bei all der Scheiße die sie vorher gebaut hat zusammengenommen, gestapelt und mit fünfzig multipliziert. Der Hulk ist ein bockiges Kleinkind gegen mich.
Und da ist wieder dieses Bedürfnis. Tief in meinem Inneren. In meinem Kopf vergraben. Dieses Bedürfnis frisst sich durch meine Gedanken und ich komme davon nicht los. Ich schaffe es nicht. Ich versuche mich vom Offensichtlichen abzulenken, aber es geht nicht. Das Gefühl ist wie Heißhunger, den ich auch durch Essen nicht wegkriege. Das Verlangen, einen dieser geldgeilen Dealer anzuquatschen und mir irgendwelche Pillen von ihm geben zu lassen ist so unfassbar groß! Atemlos bleibe ich stehen und beuge mich einen Augenblick vor. Ich stütze mich mit den Händen an den Knien ab und versuche, meine Atmung unter Kontrolle zu kriegen. Während ich so in Mitten des kalten, grauen Parks stehe, gucke ich mich um. Das übliche Bild. Alte Menschen, die ihren Vormittagsspaziergang machen, Mütter mit Kindern und Babywagen, Jugendliche, die den Rest ihrer Ferien oder was auch immer genießen und skaten. Und zwischen all den normalen, ahnungslosen Leuten, hocken sie. So unscheinbar wie sie können, stehen sie rum und warten auf Kundschaft. Nach einem Moment richte ich mich wieder auf und bin mir plötzlich sehr sicher. Als wäre ich ein Kind das gerade Taschengeld bekommen hat nur, um es gleich im nächsten Tante-Emma-Laden für Süßigkeiten, Überraschungstüten und das neue Lustige Taschenbuch auszugeben. Ich wische mit dem Handrücken unter meiner kalten Nase lang und gucke mich noch einmal überprüfend um, ob die Bullen wieder am Start sind.
Ohne weiter zu überlegen, gehe ich langsam auf einen Typ zu, der lässig und breitbeinig auf einer Parkbank sitzt. Die Hände in seinem arschteuren Wintermantel versenkt, mit zweihundert Euro Haarschnitt und diesem typischen Rich-Kid Blick. Verdammt! Was zum Geier tue ich hier?! Mit großen Augen und starrem Blick bleibe ich stehen und mustere den Vollidioten von Dealer eine Sekunde. Ich will mich zudröhnen. Ich will nichts mehr, als Pillen einzuwerfen, die mich vergessen lassen, dass ich doch nicht Vater werde. Pillen, die mich meine unsagbare Wut auf Nay vergessen lassen. Ich will mich so lange mit Pillen vollballern, bis ich bewusstlos in irgendeiner Ecke lande. Nur, damit ich mal wieder in Ruhe schlafen kann. Ohne Alpträume.
Ich schließe kurz die Augen und drehe mich dann um, um zu gehen. Das hier, ist eine blöde Idee. Und dabei ist blöd noch echt untertrieben. Ich kenne den Typen gar nicht. Er hat sicher nur gestreckten Scheiß. Wenn er überhaupt Pillen hat. Sicher vertickt er nur gestrecktes Koks. Anders kann er sich wohl kaum solche Klamotten leisten. Oder so eine teure Uhr. Er kauft den verschnittenen, gestreckten Stoff billig ein und verscherbelt ihn als reine Qualitätsware. Wirtschaften können diese neureichen Muttersöhnchen ja. Kopfschüttelnd beschleunige ich nochmal und stecke mir meine Kopfhörer wieder richtig in die Ohren. Ich hole mir garantiert keinen drittklassigen Stoff von so einem Schwachkopf! Es wird echt Zeit, dass Nay aufwacht, verdammt! Wenn sie nicht bei mir ist, komme ich nur auf dumme Gedanken. Richtig dumme Gedanken! Das allerschlimmste daran ist aber, dass mich diese wirklich dummen Gedanken nicht mehr loslassen. Sobald ich an Nay, Nick und das, was uns genommen wurde denke, sind diese Gedanken drängender und lauter, als alles andere. Die Vernunft rückt in den Hintergrund und weicht diesem unbändigen Verlangen. Und ich habe eine Scheißangst, dass ich nicht mehr länger dagegen ankämpfen kann.

»Wo zum Teufel, warst du denn?!«, fragt Sophie mich, als ich atemlos in die Wohnung komme und die Tür achtlos hinter mir zuknalle. Ohne zu antworten, streife ich mir die Schuhe von den Füßen und gehe in Nays Zimmer, um meine Klamotten zu holen und zu duschen. »Ioannis!«, meckert sie und stellt sich mir in den Weg. »Was zum Teufel ist denn los mit dir?!« Sie schüttelt ungläubig den Kopf. »Wo warst du?«
»Wonach sieht’s denn aus?!« Ich deute mit den Händen auf die Sportsachen, die ich anhabe. »Ich war joggen. Jetzt bin ich es nicht mehr und in genau diesem Moment, will ich einfach nur duschen gehen. Ist das okay für dich?!«, frage ich herablassend. Sophies Blick verändert sich. Sie sieht enttäuscht aus. »Sorry, Fie. Ich … « Kopfschüttelnd knicke ich in meiner Haltung ein und seufze. Ich wollte sie nicht anmaulen. Sie kann nichts dafür und hat ihr eigenes Päckchen zu tragen. »Ich wollte nur meinen Kopf freikriegen. Und naja … diese Wut loswerden. Sorry. Du … kannst nichts dafür.«
»Und du auch nicht! Ich kann deine Wut ja auch verstehen, aber das macht es nicht besser.« Ich nicke bloß, streiche ihr kurz über den Arm und schiebe mich dann an ihr vorbei, um ins Bad zu gehen. Sie hat recht. Meine Wut bringt mich nicht weiter. Aber wie kann ich sie abstellen?! Wie schaffe ich es, nicht mehr auf alles und jeden wütend zu sein und nicht länger jedem meine Faust ins Gesicht schlagen zu wollen?!