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Buchvorstellung "Die Hauptstadt des Teufels-eine Hannover-Apokalypse"
Geschrieben von  Mandy Schur Mandy Schur Geschrieben,  14-11-2020 23:20 14-11-2020 23:20 55  Gelesen 55 Gelesen
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"Die Hauptstadt des Teufels-eine Hannover-Apokalypse" Eine amüsante Horror-Kolportage von Axel Schnell.



Auf der Erde liefert sich das uralte Böse aus dem All mit der Hölle einen erbitterten Kampf um Energiequellen: Plünderung von Rohstoffen und die Zerstörung des Planeten auf der einen, erneuerbare Energien in Form von Seelen auf der anderen Seite. Journalist Alexander Sturm muss sich in diesem Jahrmillionen alten Krieg entscheiden, für wen er kämpfen will. Er begegnet dem Teufel, Dämonen, Göttern, den monströsen Großen Alten aus dem Lovecraft-Universum sowie ihrer Raumflotte, von Seelen abhängigen Junkie-Engeln und der infernalischen Liebe seines Lebens. Alle Fäden laufen in Hannover zusammen – dem Hauptquartier des Teufels, wo es zur apokalyptischen Endschlacht zwischen den Bösen und den sehr Bösen kommt.


Neue Presse (Hannover): »Eine vergnügliche Mischung für den, der Hannover mag und auch mit Geisterjägern, Armeen der Finsternis oder sonstigen Produkten der Fantasy- und Horrorunterhaltung etwas anfangen kann.«


»Eine extrem amüsante Horror-Kolportage mit viel Lokalkolorit.«
Niedersächsische Wirtschaft (IHK): »Böse! Aber gut!«


Schädelspalter: »Lovecraft, Blackwood, Necronomicon. Aus meiner Sicht ein gelungener und äußerst kurzweiliger Cocktail.«


Leseprobe:



Tarot


»An Ihren Händen klebt Blut – viel Blut«, erklärte die rundliche Frau in Hannovers Nordstadt mit dem eindeutigen Hang zur Esoterik bedeutsam und fragte mit leicht zittriger Stimme. »Wie finden Sie das?« Der Mann, der sich jetzt Alexander Sturm nannte, spürte ganz deutlich so etwas wie einen Vorwurf, als sie das sagte. Aber es war ja nicht seine Idee gewesen, mittels Tarotkarten einen Blick auf seine früheren Leben zu werfen, an deren Existenz er ohnehin nicht glaubte. Wer sein jetziges Leben kannte, hätte sich nicht auch noch mit einem möglichen früheren Leben angelegt.
Aber er hatte der Kartenlegerin nicht davon abgeraten, einen Blick in seine früheren Leben zu werfen, denn er war bei ihr, weil er als Journalist eine Serie über Esoterik schrieb. Und wenn er als Profi unterwegs war, neigte er bestimmt nicht zu Anflügen von übermäßiger Fürsorglichkeit.
Außerdem ging er auf der Jagd nach seinen Geschichten sehr massiv und gern auch überfallartig vor, was ihm in Kollegenkreisen den Spitznamen Sturm eingebracht hatte. Das hatte ihm so gut gefallen, dass er seine Artikel unter dem Pseudonym Alexander Sturm veröffentlichte. Im Laufe der Zeit hielten das die meisten für seinen wahren Namen – er auch.
Er versank ein wenig in allgemeine Betrachtungen zum Thema Moral, kam aber nicht so recht weiter und wurde schließlich durch den lauten Schrei einer Frau aus
seinen Überlegungen gerissen. Jetzt hatte die Kartenlegerin wieder seine volle Aufmerksamkeit. Die übergewichtige Frau hatte sich von ihrem Platz erhoben, was ihm eine gute Sicht auf das Szenario bescherte. Ihr Körper zuckte, als wäre er im Zentrum eines Erdbebens gelandet.
Melodie und Rhythmus zu diesem seismischen Veitstanz lieferte eine ihm sehr vertraute höllische Musik von Flöten und Trommeln, die den Raum überflutete.
»Nicht schon wieder«, dachte Sturm, aber dann lief doch erneut das volle Programm.
Sturm hörte äonenalte Stimmen mit scharfen, klickenden Lauten vom Rand seines Bewusstseins. Er hatte nie verstanden, was sie sagten, aber es klang ziemlich durchgeknallt. Er hörte Flammen prasseln und ganz in der Ferne Schreie. Manchmal klang es auch wie ein Erdbeben oder eine gigantische Flut in grauer Vorzeit. Es schien fast so, als hätte er ziemlich wahnsinnige Untermieter.
Und was immer es war, es wandelte zu Recht nicht mehr über den Planeten. Er hatte sich schon ziemlich früh entschlossen, sich nicht weiter darum zu kümmern. Das schien ihm allemal besser zu sein, als diese Tür in das Reich des Irrsinns weit aufzustoßen. Wenn er die Wahl hatte zwischen einem Leben im freundlichen Licht oder im ewigen Dunkel, nahm er das Licht. Denn Sturm war sich ziemlich sicher, dass er diese dämonischen Musikanten nie kennenlernen wollte. Die Kartenlegerin schien sich das nicht mehr aussuchen zu können. Sie gab nun selbst scharfe, klickende Laute von sich.
Ein Schauder lief Sturm über den Rücken, als er die Geräusche wiedererkannte. Dann glaubte er, ein Wort zu verstehen, dass sich heiser und rau aus dem Inferno der Klicklaute herausschälte. Es klang wie »Schlüssel«. In abyssus-schwarzen Schlieren tropfte eine ölige Flüssigkeit, die im auffälligen Kontrast zu ihren Augäpfeln stand, in denen nur noch das Weiße zu sehen war, aus dem Mund der tarotkundigen Frau. Tiefe Risse klafften in ihrer teigigen Haut, aus denen Geysire aus Blut sprudelten.
Schließlich schien ihr in mehrfacher Hinsicht der Saft auszugehen. Die Blutgeysire wurden zu Rinnsalen, sie erschlaffte und fiel nach vorn auf den Tisch mit den ausgelegten Karten. Der Tisch brach unter ihrem Gewicht zusammen. Die blutbesudelten Tarotkarten lagen auf ihr – drei zeigten mit dem Bild nach oben: der Tod, der Turm und der Teufel. Es war schon seltsam, dass es nur drei Karten waren, aber Sturm fand, dass das nicht sein Problem war. Eine wohltuende Ignoranz machte sich in ihm breit. Er hatte sich wieder voll im Griff. Zumal er in dieser Szenerie sowieso eher auf der Siegerseite stand.
Wenn er die Aussage der Kartenlegerin richtig verstanden hatte, klebte lediglich das Blut aus seinen früheren Leben an seinen Händen, was die Frau sich auch immer bei dieser Formulierung gedacht haben mochte.
Aber das war allemal besser, als sein jetziges Leben unter konvulsivischen Zuckungen zu beenden wie diese Kartenlegerin, während blutige Geysire aus dem eigenen Körper hervorbrachen. Das kam davon, wenn man zu neugierig war.
Der Anblick der Toten schlug Sturm nicht übermäßig auf den Magen, schließlich war er jahrelang Polizeireporter gewesen. Er hatte gesehen, was Menschen mit Äxten, Messern, Schusswaffen und bloßen Händen anrichten können. Dabei wurden die meisten Morde rasch aufgeklärt. Man braucht kein Sherlock Holmes zu sein, wenn der Ehemann mit der blutigen Axt neben der Leiche seiner Frau steht.
Ihn hatte dieser eklatante Mangel an Raffinesse jedes Mal enttäuscht. Schließlich waren durch Morde schon königliche Erbfolgen und das Schicksal von Staaten geregelt worden. Was konnte Shakespeare aus so einer Tötung machen und was machte das gemeine Volk, mit dem es Polizeireporter in der Regel zu tun hatten, daraus? Im Alltag steht eben nicht ein großartiger Macbeth, sondern ein unbedeutender Macblöd neben der Leiche. Sturm tat diese Verschleuderung von Potenzial weh. Schließlich war er von Haus aus Literaturwissenschaftler und kannte sich mit der dramaturgischen Umsetzung von Stoffen aus. Ein dilettantischer Umgang mit Morden war schlicht eine unverzeihliche Verschwendung von großen Möglichkeiten. Aber dafür gab es natürlich keine staatlich subventionierten Volkshochschulkurse …
Der Einzige unter seinen ansonsten eher handfesten Kollegen, der sein Dilemma verstand, war der Nachrichtenchef, ein Opernfreund, an dem ein großer Feuilletonist verloren gegangen war. Wenn Sturm von einem dieser Mit-blutiger-Axt-neben-der-Leiche-der-eigenen-Frau-erwischt-Morde zurückkehrte, brauchte er nur zu sagen: »Das Volk spielt mal wieder Shakespeare – natürlich völlig unbegabt.« Dann seufzte der Nachrichtenchef tief und zog kummervoll die Augenbrauen nach oben.
Für Alexander Sturm war das eine echte Hilfe. Für die Kartenlegerin kam dagegen jede Hilfe zu spät. Das erkannte Sturm auch ohne medizinische Grundausbildung.
Jetzt war er zwar mit einer Toten in einem Raum, aber dafür gab es eine einfache Lösung. Denn das Schöne an der arbeitsteiligen Gesellschaft ist, dass es passende Ansprechpartner auch für die nicht ganz alltäglichen Probleme gibt.
Er nahm das Handy aus seiner Hosentasche und wählte die 112. Sturm schaute aus dem Fenster und sah, wie ein Krankenwagen mit Blaulicht vor dem Haus der Kartenlegerin hielt. Er öffnete die Tür und ließ die Retter nebst Notarzt ein. Die Profis versuchten es erst gar nicht mit Wiederbelebung und verständigten die Polizei. Nur wenig später standen zwei Polizisten vor der Wohnung der Kartenlegerin. Sturm kannte sie beide.
»Was machst du denn hier?«, fragte der ältere der Beamten. »Ich dachte, du arbeitest nicht mehr als Polizeireporter.«
Sturm trat beiseite und ließ sie ein. Kurz danach hörte er würgende Geräusche und sah, wie der jüngere Polizist Richtung Toilette stürzte. Er schaffte es nicht ganz und erbrach sich in den Flur.
»Was ist denn das für eine Schweinerei?«, rief sein fassungsloser Kollege. »Sturm, würdest du mal freundlicherweise herkommen?«
Er tat dem erfahrenen Beamten den Gefallen, hatte er ihn doch noch nie so fassungslos erlebt. Der Polizist war im Gespräch mit dem Notarzt.
»Ich kann mir das nicht erklären«, führte der Mediziner gerade aus. »Aber die Verletzungen der Frau sehen aus, als wäre sie von innen explodiert. Es wirkt nicht, als sei das ihr von außen zugefügt worden.«
»Wir nehmen dich trotzdem mit aufs Revier«, sagte der Polizist zu Sturm und verständigte die Spurensicherung.
Sturm stieg in den Streifenwagen und bemerkte, dass der jüngere Beamte sehr bleich wirkte und säuerlich roch. Im Revier spannte der ältere Polizist ein Blatt Papier in die mechanische Schreibmaschine ein.
»Dann erzähl mal«, sagte er.
Und Sturm erzählte, wobei er seine äonenalten Untermieter allerdings verschwieg.
Der Beamte tippte die Aussage mit zwei Fingern in eine mechanische Schreibmaschine und schob Sturm dann das Papier zur Unterschrift über den Tisch.
»Frühere Leben, so ein Quatsch«, gab der Beamte seine Ansicht zu dem Thema kund.
»Ganz meine Meinung«, antwortete Sturm, »du siehst ja, wohin das führt.«
Danach durfte Sturm wieder gehen. Er hatte es eilig, weil er sich schon ziemlich sicher war, dass die Geschichte, die er über diesen Vorfall schreiben würde, es in seiner Zeitung auf die Seite eins schaffen müsste.
Sturm fuhr zurück in die Redaktion und erzählte dem Nachrichtenchef die Story, wobei er seine äonenalten Untermieter auch diesmal nicht erwähnte.
»Das ist doch mal was«, freute sich Sturms Vorgesetzter.
»Kartenlegen scheint ja wirklich gefährlich zu sein. Meinst du, Wesen aus einer anderen Dimension haben sie geholt? Ach, schau nicht so entsetzt, war doch nur ein Scherz.«


Schwarze Schlammflut


Als Sturm wie gewohnt am nächsten Morgen um elf Uhr in die Redaktion kam, hörte er, dass sein Artikel schon ziemliche Wirkung gezeigt hatte. Von Sarah Schlachter, der Sekretärin, erfuhr er, dass Paul Panizza, der Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche, sich schon mehrfach über ihn beschwert hatte, weil er mal wieder »der schwarzen Schlammflut des Okkulten Tür und Tor« geöffnet habe. Damit hatte er schon die gesamte Esoterikserie begleitet. Sturm hatte mit dem langbärtigen Mann mit den sanften Augen schon mehrfach gesprochen und mochte ihn irgendwie, auch wenn sein Wissen über den Teufel, Dämonen, Hexen und die Kunst der Schwarzen Magie klaffende Lücken aufwies. Der eher naive Theologe hätte es nicht bemerkt, wenn ganze Dämonenhorden direkt an ihm vorbeigezogen wären.
Neben dem Sektenbeauftragten hatten sich auch Pädagogen, Sozialarbeiter und besorgte Eltern gemeldet. Sie wollten sich entweder darüber beschweren, dass so etwas in der Zeitung steht, oder sich besorgt erkundigen, ob die Jugend der Stadt in Gefahr sei. Sturm konnte sie alle sehr gut verstehen.
Hannover gilt gemeinhin im Rest der Republik als so etwas wie die graue Maus unter den Großstädten und fristet ein eher unauffälliges Dasein. Die niedersächsische Landeshauptstadt ist weder »arm, aber sexy« (Berlin) noch die »Hauptstadt mit Herz« (München) oder gar das »Tor zur Welt« (Hamburg). Wenn eine Stadt so unauffällig wie Hannover ist, wird sie zur idealen Drehscheibe für die Geschäfte der Unterwelt. In der bundesweiten Kriminalstatistik belegt Hannover regelmäßig einen Platz unter den Top Ten der gefährlichsten deutschen Großstädte. Bundesweit ist Hannovers Maschsee-Mafia immer wieder in die Schlagzeilen geraten, ein angeblicher Klüngel aus A-Klasse-Promis der Ober- und der Unterwelt, wobei die Grenzen hier offenbar nie wirklich trennscharf waren. Ein Stoff, der unter anderem auch für zwei Tatortfolgen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen reichte. Doch das alles war nur die Oberfläche, in der Tiefe der Stadt zog eine viel ältere Unterwelt die Fäden. Aber als das klar wurde, war es natürlich längst zu spät. Dabei hatten viele das eindeutige Zeichen dafür die ganze Zeit über vor Augen gehabt.
Als Sturm die Redaktion verlassen wollte, winkte ihm die Dame vom Empfang zu.
»Für Sie ist etwas abgegeben worden«, sagte sie und gab Sturm einen Umschlag.
»Wissen Sie noch, von wem?«, wollte Sturm wissen. »O ja, es waren zwei auffallend hübsche Frauen. Die eine hatte sehr lange blonde, die andere sehr lange schwarze Haare. Ich fand es eigenartig, dass die Blonde eine Sonnenbrille trug, die sie auch hier drin nicht abnahm.«
»Vielleicht hatte sie ja einen sehr guten Grund, ihre Augen zu verbergen«, dachte Sturm und ahnte noch nicht, wie richtig er mit dieser Vermutung lag. Als er zu Hause angekommen war, öffnete Sturm den schweren braunen Umschlag. Er zog einen Stapel Seiten heraus, die offensichtlich mit einer Schreibmaschine getippt worden waren. Sturm kannte das dafür typische Schriftbild noch von früher. Auf dem Deckblatt des Manuskripts stand:


Georg zieht in den Krieg

Sturm fing an zu lesen.

Open Air


1970 hatte Georg gerade sein Abi in der Tasche und saß an einem Lagerfeuer bei einem dreitätigen Open-Air-Konzert in Aachen unter anderem mit Deep Purple und der Edgar Broughton Band, als ein Junge am Lagerfeuer den Song von Grateful Dead spielte, und stellte sich ganz andere Fragen wie: »Was bedeutet eigentlich ›bogart‹?« Obwohl er sehr leise fragte, hatte damals eine weibliche Stimme zu ihm am Lagerfeuer aus Nebel und Rauch gesprochen. Eine Stimme, die ihn in den Bann zog.
»Das bedeutet, die Zigarette wie Humphrey Bogart im Mundwinkel hängen und verglimmen zu lassen«, sagte sie.
Diese Stimme hatte er noch nie zuvor gehört, aber sie gefiel ihm augenblicklich. Sie klang magisch, nach Märchen und uralten Versprechen. Georg nahm einen tiefen Zug, was ihm endgültig den Mut gab, aufzustehen und sich um das Feuer herum auf den Weg zu dem Mädchen zu machen. Er konnte sie nicht verfehlen. Ihr langes blondes Haar führte ihn so sicher wie ein Leuchtturm zu ihr.
(…)
»Hi, ich bin Georg«, sagte er und setzte sich schließlich neben sie. »Woher wusstest du das mit Bogart?«
Sie trug Stiefel, ein luftiges Sommerkleid und darüber eine offene Armyjacke. Dann schenkte sie ihm ein Lächeln, für das auch gläubige Christen augenblicklich in Richtung Hölle umgebucht hätten. In ihren Augen tanzten die Flammen des Feuers. Georg schien es so, dass sie auch noch darin leuchteten, als sie ihren Kopf vom Feuer abwandte.
»Ich bin eine Fee«, antwortete sie. »Ich weiß alles.«
»Mein Gott, ist die zugedröhnt«, dachte Georg, entschloss sich aber mitzuspielen und fragte: »Kennst du auch meine Zukunft?«
»Ganz speziell deine Zukunft. Ich bin nämlich deine Fee«, antwortete das blonde Mädchen. »Heute Nacht werden wir miteinander schlafen. Und obwohl wir für immer zusammenbleiben wollen, werden wir uns in der Morgendämmerung verlieren.«
»Dann sollten wir diese Nacht nutzen«, schlug Georg vor und die Fee nickte. »Wie heißt du eigentlich?«
»Sabira«, antwortete die blonde Schönheit und lächelte geheimnisvoll.
Als sie aufstanden, legte die junge Frau sich eine Decke um die Schulter und Georg umarmte sie. Er gab ihr ein mit LSD getränktes Löschblatt, das er von einem Jungen am Lagerfeuer bekommen hatte, und nahm selbst eins in den Mund. Dann verschwanden sie in der Dunkelheit und erfüllten die erste Prophezeiung der Fee mit Lust. Sie schliefen miteinander, wollten nicht mehr erwachen und erwachten doch. Es war die Zeit der Morgendämmerung und des Zwielichts, als er die Augen öffnete und den schlafenden goldenen Sturm neben sich sah.
Tau glitzerte auf ihren Haaren wie ein feuchter Gruß aus einem Zauberreich. Zart küsste er ihren Nacken, als er die Frau bemerkte, die vor ihnen stand. Sie hatte sich ohne Geräusch genähert. Ihr langes schwarzes Haar fiel auf einen ebenso schwarzen Mantel, den sie offen trug. Im auffallenden Kontrast dazu standen ihre bleiche Haut und ihr roter Lippenstift. Der kurze Rock gewährte einen sehr großzügigen Blick auf ihre endlos langen Beine. Sie sah aus wie eine Vampirprinzessin, die von einer grausigen Jagd zurückkehrte – ein düsterer Engel, geboren aus Tod und Blut. Und genau das war sie auch.
Groteskerweise spürte Georg keine Furcht, als der Todesengel sich über ihn beugte. Das war wohl das LSD, dem er mit Sicherheit auch die folgende profane und dennoch philosophische Frage verdankte:
»Wer bist du?«
»Ich bin deine Fee«, sagte sie.
»Aber ich habe doch schon eine.«
»Nicht die richtige«, sagte die schwarze Prinzessin und zog einen silbernen Dolch aus einem ihrer schwarzen Stiefel. Die Waffe hatte eine gezackte Klinge und sah dadurch noch böser aus, als es gezogene Dolche ohnehin schon tun. Dafür passte er gut zu den Ringen mit Totenköpfen und Dämonenfratzen an ihrer Hand. Mit der fließenden Bewegung eines Raubtiers schnitt sie Georgs blonder Schönheit die Kehle durch und trennte den Kopf vom Körper. Das Haar färbte sich rot, der blonde Sturm verwandelte sich in einen blutigen Brautschleier. Dann fasste die schwarze Prinzessin den Haarschopf und kam mit einem bösen Lächeln auf Georg zu. Vielleicht wirkt jedes Lächeln böse, wenn jemand einen blutigen Kopf in der einen und einen blutigen Dolch in der anderen Hand hält und – gut erkennbar – dahinter ein Rumpf in einer roten Lache liegt, der vorher zu dem Kopf gehörte.
»Ich hatte schon meinen Spaß«, sagte sie und warf ihre blutige Trophäe achtlos weg. »Jetzt werden wir zusammen Spaß haben.«